Hansen | Die tote Kapitänin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 287 Seiten

Hansen Die tote Kapitänin

Der dritte Fall für Claasen & Hendriksen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-465-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der dritte Fall für Claasen & Hendriksen

E-Book, Deutsch, 287 Seiten

ISBN: 978-3-98952-465-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Tod lauert an Deck ... Eigentlich hat Ex-BND-Agent Arne Claasen seinen Job in der Hamburger Cold-Cases-Abteilung längst an den Nagel gehängt - doch nun erwartet ihn ein weiterer Auftrag: Acht Jahre zuvor geriet Kapitänin Mareike Sänger auf ihrem Schoner in Seenot - nur sie und ihr Erster Offizier überlebten das Unglück. Kurz darauf wurde sie tot auf einem Segler aufgefunden, ihr Körper zerschmettert am Fuße des Großmastes. Konnte sie mit ihrer Schuld nicht mehr leben oder stieß sie jemand in ihren Tod? Zusammen mit seinem Partner, Privatdetektiv Marten Hendriksen, beginnt Claasen zu ermitteln - und stößt schon bald auf eine Spur eines osteuropäischen Mädchenhändlerring. War die Kapitänin in deren Machenschaften verwickelt - und musste sie dafür mit ihrem Leben bezahlen? Ein neuer Mordfalls in der Hansestadt - von BESTSELLERAUTOR Ole Hansen.

Ole Hansen, geboren in Wedel, ist das Pseudonym des Autors Dr. Dr. (COU) Herbert W. Rhein. Er trat nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker in die Bundeswehr ein. Dort diente er 30 Jahre als Luftwaffenoffizier und arbeitete unter anderem als Lehrer und Vertreter des Verteidigungsministers in den USA. Neben seiner Tätigkeit als Soldat studierte er Chinesisch, Arabisch und das Schreiben, sowie Umweltwissenschaften und Geschichte, wobei er seine beiden Doktortitel erlangte. Nachdem er aus dem aktiven Dienst als Oberstleutnant ausschied, widmete er sich ganz seiner Tätigkeit als Autor. Dabei faszinierte ihn vor allem die Forensik - ein Themengebiet, in dem er durch intensive Studien zum ausgewiesenen Experten wurde. Heute wohnt der Autor an der Ostsee. Von Ole Hansen sind bei dotbooks bereits die folgenden Serien und Einzelromane erschienen: Seine Reihe um den Privatdetektiv JEREMIAS VOSS umfasst aktuell 11 Bände, beginnend mit »Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt«. In seiner zweiten Serie um MARTEN HENDRIKSEN, Privatdetektiv und Rechtsmediziner mit Leichenallergie, sind bisher sechs Romane erschienen, beginnend mit dem ersten Fall »Hendriksen und der mörderische Zufall«. Ex-BND-Agent ARNE CLAASEN ermittelt bisher in drei Fällen in der Hamburger Abteilung für Cold Cases, beginnend mit »Arne Claasen und die vergessenen Toten«. CLAASEN & HENDRIKSEN klären gemeinsam die brisantesten Verbrechen Hamburgs, beginnend mit ihrem ersten gemeinsamen Fall »Die Tote von Pier 17«. Weitere Bände sind in Vorbereitung. Einige seiner Kriminalromane sind auch in Sammelbänden erschienen. In seiner vierbändige Thriller-Serie »Der Journalist« deckt Investigativjournalist Tom Porter auf der ganzen Welt Intrigen in den höchsten Rängen der Politik auf. Außerdem erschienen seine Thriller »Die Libyen-Verschwörung« und »Die Akte Panama«. Unter seinem Klarnamen Herbert Rhein veröffentlichte der Autor bei dotbooks auch die folgenden eBooks: »Todesart: Nicht natürlich. Gerichtsmediziner im Kampf gegen das Verbrechen.« »Todesart: Nicht natürlich. Mit Mikroskop und Skalpell auf Verbrecherjagd.« Als Hörbuch bei AUDIOBUCH und Thalia sind außerdem verfügbar: »Jeremias Voss« Band 1 & 2 »Marten Hendriksen« Band 1 - 5 »Claasen & Hendrksen« Band 1 & 2 Folgende Bücher von Ole Hansen sind auch als Printausgabe erhältlich: »Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt. Der erste Fall« »Jeremias Voss und der tote Hengst. Der zweite Fall« »Hendriksen und der mörderische Zufall.«
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Kapitel 1


Arne Claasen stieg die Treppen zum Büro des Senators für Inneres und Sport nicht mit dem üblichen Elan hoch. Er war nachdenklich, denn er konnte sich absolut keinen Grund vorstellen denken, warum ihn der Senator sprechen wollte und warum er darum gebeten hatte, er möge so schnell wie möglich herkommen. Seit seiner Pensionierung als Leiter der Sonderkommission Cold Cases waren einige Monate vergangen, bis dahin hatte er dem Senator für Inneres und Sport unterstanden, obwohl er seinen Dienst im LKA tat. Jetzt war er Teilhaber der Hamburger Agentur für vertrauliche Ermittlungen, und es bestanden keine Verbindungen mehr zum Senator. Also, was wollte der von ihm?

Claasen hatte das Vorzimmer erreicht, gab sich einen Ruck und drückte das Kreuz durch. Alles Zögerliche fiel von ihm ab. Energisch klopfte er an die Tür, wartete ein paar Sekunden, und als er keine Antwort hörte, öffnete er die Tür und trat ein.

»Guten Tag, die Damen«, grüßte er höflich, »ich bin Arne Claasen, Kriminaldirektor a. D. Mir wurde ausgerichtet, dass der Senator mich sprechen wollte.«

Die ältere der beiden Frauen wandte sich ihm zu. »Guten Tag, Herr Claasen, einen Augenblick müssen Sie noch warten. Die Chefsekretärin ist gerade bei ihm. Bitte nehmen Sie doch Platz.«

Die Sekretärin zeigte auf eine Sitzgruppe, die nach neuestem Design aussah – und genauso unbequem.

»Frau von Hatten wird gleich bei Ihnen sein. Darf ich Ihnen einen Kaffee oder Tee anbieten?«

»Nein, vielen Dank.«

Claasen ging zu der Sitzgruppe aus Metall und Kunststoff, ließ sich vorsichtig nieder und war erstaunt, dass sie wider Erwarten bequem war.

Er hatte sich allerdings kaum gesetzt, als die Chefsekretärin mit einer Unterschriftsmappe in der Hand erschien. Sie trug ein perfekt sitzendes graues Kostüm mit weißer Bluse und einer farblich auf das Kostüm abgestimmten Fliege. Sie legte die Unterschriftsmappe auf ihren Schreibtisch und kam zu Claasen. Der erhob sich höflich.

»Herr Claasen?«

»Ja, das bin ich.«

»Bitte kommen Sie mit. Der Herr Senator hat schon nach Ihnen gefragt.«

Die Chefsekretärin ging zur Tür, aus der sie gerade gekommen war, kündigte Claasen an und hielt ihm die Tür auf, damit er eintreten konnte.

Der Senator kam hinter seinem Schreibtisch hervor und ging auf Claasen zu.

»Herr Kriminaldirektor Claasen, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Sicher fragen Sie sich, was Sie hier sollen.«

Claasen kannte den Senator gut. Er war sein Gönner gewesen, als er noch beim LKA Dienst tat – aus Dankbarkeit. Denn Claasen hatte als Führer einer Antiterroreinheit den Anschlag einer islamischen Terrorgruppe vereitelt. Die Extremisten hatten einen Selbstmordanschlag auf eine Innenministerkonferenz in Hamburg geplant, und bei dem Einsatz wurde Claasen so schwer verletzt, dass er aus dem Außendienst des BND ausscheiden musste. Die einzigen Möglichkeiten für ihn waren ein Bürojob oder Pension. Beides war für ihn inakzeptabel. Der Hamburger Innensenator hielt die bürokratische Behandlung von Claasens Fall für unwürdig, schließlich hatte er unter Einsatz seines Lebens ein Blutbad in Hamburg verhindert und war für seine Tapferkeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Er bot Claasen eine Stelle als Kriminaldirektor beim LKA an und ernannte ihn gleichzeitig zum Leiter der neu gegründeten Sonderkommission Cold Cases.

»Herr Senator, Sie haben wie immer den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich habe mich den ganzen Weg hierher gefragt, was ich verbrochen habe, um von Ihnen vorgeladen zu werden.«

Der Senator lachte. »Lieber Herr Claasen, ich habe Sie nicht vorgeladen, sondern hergebeten. Doch setzen wir uns.«

Er führte Claasen zu einer Sitzgruppe, die deutlich bequemer aussah als die im Vorzimmer. Während sie Platz nahmen, kam eine der Sekretärinnen mit einem Tablett mit Kaffee und Keksen herein. Der Senator wartete, bis sie den Kaffee eingeschenkt und das Büro wieder verlassen hatte.

»Ich benötige Ihre Hilfe. Ich habe einen anonymen Hinweis bekommen. Angeblich sollen in einen Jahre zurückliegenden Fall hochgestellte Persönlichkeiten der Stadt verwickelt sein. Ich möchte, dass Sie Nachforschungen anstellen, und damit die absolut objektiv durchgeführt werden, will ich, dass das ein Außenseiter macht, und wer wäre dazu besser geeignet als Sie?«

»Aber ich bin pensioniert und habe keinerlei polizeiliche Befugnisse mehr. Ich wüsste nicht, wie ich Ihnen helfen könnte.«

»Ihnen unterläuft da einen kleinen Denkfehler. Sie sind nicht pensioniert, sondern wurden auf eigenen Wunsch in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Das, mein lieber Claasen, ermöglicht es mir, Sie wieder in den aktiven Dienst zurückzuholen. Seit heute sind Sie wieder bis auf Weiteres Kriminaldirektor beim LKA und übernehmen kommissarisch Ihre alte Sonderkommission Cold Cases.«

»Ich höre schon die Freudenschreie des Polizeipräsidenten und des Leiters des LKA.«

»Lassen Sie sie schreien. Sie unterstehen mir und sind nur mir meldepflichtig. Das werde ich den Herren erklären.«

»Soweit habe ich verstanden. Bleibt die Frage, um welchen Fall es sich handelt.«

»Darauf komme ich gleich. Noch eins vorweg: Die Untersuchung muss streng geheim bleiben. Nur Ihr Team dürfen Sie, soweit erforderlich, einweihen.«

Die Einweisung dauerte nur fünfzehn Minuten. Danach verließ Claasen den Innensenator, um sich beim Leiter des LKA zum Dienst zu melden. Auf dieses Wiedersehen freute er sich schon.

***

Der Topsegelschoner Poseidon warf am 29. Mai um ein Uhr dreißig in Travemünde die Leinen los. Sein Ziel war die Oldtimer-Parade vor der Landeshauptstadt Kiel. Das Ablegen hatte sich um fast zwei Stunden verzögert. Grund war das späte Eintreffen der Landwirtschaftsministerin des Landes Schleswig-Holstein, die begleitet wurde von zwei Beamten, einem Reporter und einem weiblichen Bodyguard. Vom Oberbootsmann wurden ihnen Rettungswesten ausgehändigt, mit der Weisung, sie während des gesamten Törns zu tragen. Nur einer der Beamten folgte der Aufforderung.

Es herrschte optimales Segelwetter: Konstanter Wind mit Stärke fünf bis sechs versprach eine schnelle Reise. Die letzte Wettermeldung kündigte eine Schlechtwetterfront mit vereinzelten Gewitterzellen aus Südwest an, die gegen siebzehn Uhr mit Windstärke acht die Lübecker Bucht erreichen sollte. Die Kapitänin, Mareike Sänger, eine erfahrene Frau auf Großseglern, hielt das nicht für eine Gefahr. Ihr Schiff konnte Windstärken bis neun problemlos meistern. Sie und ihr Erster Offizier, ebenfalls ein erfahrener Segler, kamen zu dem Schluss, dass diese Wetterfront keine Bedrohung war. Wenn sich die Zugrichtung nicht wesentlich änderte, würde die Front hinter ihnen vorbeiziehen.

Um die Verspätung wieder aufzuholen, hatte sie nach Absprache mit dem Ersten Offizier alle Segel setzen lassen. Wie erwartet rauschte die Poseidon in Sichtnähe des Landes in Richtung Kiel.

Die Kapitänin stand am Achterdeck und beobachtete die Wetterfront, die sich nach ihren Beobachtungen schneller näherte als angekündigt. Mit einem starken Fernglas suchte sie die Bäume und Büsche an Land auf Anzeichen von ungewöhnlich starken Bewegungen ab, was ein Zeichen für Böen wäre. Sie konnte keine Veränderungen erkennen, wie sie später der Untersuchungskommission mitteilte. Es herrschte weiter schönes Wetter: wolkenloser Himmel, blaues Meer mit der Windstärke entsprechendem Seegang. Der Schoner lief mit maximaler Rumpfgeschwindigkeit. Wenn es so weiterging, würden sie es noch zur Schiffsparade in der Kieler Bucht schaffen.

Eine Wolke näherte sich von Westen her, ein paar Blitze waren über Land zu sehen. Von dort schob sich eine schwarze Wolkenwand in Richtung Ostsee. Für die Poseidon stellte sie jedoch keine Gefahr dar, denn bis die Wetterfront die Ostsee erreichte, waren sie längst aus der Zone heraus.

Plötzlich sah die Kapitänin, wie sich die Bäume an Land bis auf den Boden neigten. Sofort erkannte sie die Gefahr, die da auf sie zuraste. Ohne zu zögern, befahl sie: »Ruder hart Steuerbord, Schiff in Wind, alle Mann an Deck. Segel reffen!«

Der Erste Offizier führte ihre Anweisung sofort aus.

Mit zweihundertfünfzig Stundenkilometern raste die wie aus dem Nichts kommende Bö auf den Schoner zu und packte ihn, noch bevor die befohlenen Segelmanöver ausgeführt werden konnten. Der Großmast brach als Erstes. Die beiden anderen Masten mit den noch stehenden Segeln wurden unter Wasser gedrückt. Der Schoner neigte sich zur Seite, Wasser schlug über Deck und strömte den Niedergang ins Boot hinunter. Minuten später kenterte der Schoner und sank. Kurz darauf war nur noch eine brodelnde See zu erkennen, die Wrackteile vor sich hertrieb.

Die Personen, die sich an Bord aufhielten, wurden ins Wasser katapultiert. Diejenigen, die dem Befehl »Alle Mann an Deck« gefolgt waren, schafften es nur bis zum Ende des Niedergangs, wo sie von der einbrechenden See in den Bauch des Schoners zurückgeschleudert wurden. Bevor sie registrierten, was geschehen war, waren sie ertrunken. Darunter die Landwirtschaftsministerin des Landes Schleswig-Holstein.

Das Unglück wurde von Land aus beobachtet, aber Hilfe war nicht möglich. Der Sturm und die aufgewühlte See hätten jedes Sportboot zerschlagen. Der nächste Seenotrettungskreuzer lag im Hafen auf Fehmarn und lief, sobald die Meldung vom Untergang der Poseidon bei ihm eintraf, sofort aus. Als er die Unglücksstelle erreichte, konnte er nur noch wenige Überlebende und die im Wasser treibenden Leichen an Bord nehmen.

Überlebt hatten nur die, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks an Deck befanden und die eine Schwimmweste...



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