E-Book, Deutsch, Band 3, 268 Seiten
Hansen Hendriksen und der falsche Mönch: Der dritte Fall
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-122-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Kriminalroman
E-Book, Deutsch, Band 3, 268 Seiten
Reihe: Privatdetektiv Marten Hendriksen
ISBN: 978-3-96148-122-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ole Hansen, geboren in Wedel, ist das Pseudonym des Autors Dr. Dr. (COU) Herbert W. Rhein. Er trat nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker in die Bundeswehr ein. Dort diente er 30 Jahre als Luftwaffenoffizier und arbeitete unter anderem als Lehrer und Vertreter des Verteidigungsministers in den USA. Neben seiner Tätigkeit als Soldat studierte er Chinesisch, Arabisch und das Schreiben, sowie Umweltwissenschaften und Geschichte, wobei er seine beiden Doktortitel erlangte. Nachdem er aus dem aktiven Dienst als Oberstleutnant ausschied, widmete er sich ganz seiner Tätigkeit als Autor. Dabei faszinierte ihn vor allem die Forensik - ein Themengebiet, in dem er durch intensive Studien zum ausgewiesenen Experten wurde. Heute wohnt der Autor an der Ostsee. Von Ole Hansen sind bei dotbooks bereits die folgenden Serien und Einzelromane erschienen: Seine Reihe um den Privatdetektiv JEREMIAS VOSS umfasst aktuell 11 Bände, beginnend mit »Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt«. In seiner zweiten Serie um MARTEN HENDRIKSEN, Privatdetektiv und Rechtsmediziner mit Leichenallergie, sind bisher sechs Romane erschienen, beginnend mit dem ersten Fall »Hendriksen und der mörderische Zufall«. Ex-BND-Agent ARNE CLAASEN ermittelt bisher in drei Fällen in der Hamburger Abteilung für Cold Cases, beginnend mit »Arne Claasen und die vergessenen Toten«. CLAASEN & HENDRIKSEN klären gemeinsam die brisantesten Verbrechen Hamburgs, beginnend mit ihrem ersten gemeinsamen Fall »Die Tote von Pier 17«. Weitere Bände sind in Vorbereitung. Einige seiner Kriminalromane sind auch in Sammelbänden erschienen. In seiner vierbändige Thriller-Serie »Der Journalist« deckt Investigativjournalist Tom Porter auf der ganzen Welt Intrigen in den höchsten Rängen der Politik auf. Außerdem erschienen seine Thriller »Die Libyen-Verschwörung« und »Die Akte Panama«. Unter seinem Klarnamen Herbert Rhein veröffentlichte der Autor bei dotbooks auch die folgenden eBooks: »Todesart: Nicht natürlich. Gerichtsmediziner im Kampf gegen das Verbrechen.« »Todesart: Nicht natürlich. Mit Mikroskop und Skalpell auf Verbrecherjagd.« Als Hörbuch bei AUDIOBUCH und Thalia sind außerdem verfügbar: »Jeremias Voss« Band 1 & 2 »Marten Hendriksen« Band 1 - 5 »Claasen & Hendrksen« Band 1 & 2 Folgende Bücher von Ole Hansen sind auch als Printausgabe erhältlich: »Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt. Der erste Fall« »Jeremias Voss und der tote Hengst. Der zweite Fall« »Hendriksen und der mörderische Zufall.«
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
»Neeeeeeiiiiiinn!«
Die »Mousse au Chocolat an Himbeerparfait und frischen Waldbeeren« rutscht mir ausgerechnet vor Starkoch Gustave Robinión aus der Hand.
Heute ist das exklusive Charity-Dinner des Lions-Club im Hotel Bellagio – und ich mit Kräften und Nerven gleichermaßen am Ende. Alarmstufe Rot nach 14 Stunden Dauereinsatz als Aushilfe in der Gastronomie.
Die Teller zerschellen auf den mausgrauen Fliesen der Restaurantküche und der beleibte Maître Robinión erinnert kurz vor seinem triumphalen Schlussauftritt plötzlich an einen schwarz-weiß gefleckten Zuchtbullen.
Wirklich besser sieht mein Leben im Moment auch nicht aus, ist mein erster Gedanke beim Anblick der matschigen Schweinerei.
Für Schock, Selbstvorwürfe und Verzweiflung bin ich viel zu erledigt – und definitiv zu langsam. Irgendeine Stimme flüstert mir noch resigniert ins Ohr: Nicht mal das kannst Du! – dann umzingelt mich panisches Gewusel.
Ameisen in blütenweißen Sommelierschürzen laufen auf der Suche nach Reinigungsmitteln und einer Ersatzlösung für Robinións Gala-Auftritt hektisch durcheinander.
Ein hochgewachsener Mann mit krebsrotem Gesicht, hervorquellenden Augen und Smoking – erst auf den zweiten Blick unser Restaurantleiter, Herr Zurmühlen – schreit mich an:
»Sind Sie denn wahnsinnig geworden?«
»Oh Gott, ich weiß auch nicht, wie …«, stammele ich kopflos.
»Verschwinden Sie, verdammt! Aber sofort!«
Folgsam wie ein Lemming drehe ich mich um und verlasse die Küche.
Was ist nur mit meinen 38 Jahren aus mir geworden?
Einst voller Stolz eine allseits geschätzte Lokalreporterin bei der «Berliner Allgemeinen», dann glückliche Mutter, unglückliche Ehefrau und schließlich jämmerlich betrogene, gehörnte dumme Kuh.
Erst hatte ich mich ewig in die Falschen verliebt, danach war ich jahrelang allein und dann stieß ich auf Peter und hinterließ sofort einen bleibenden Eindruck. Seine Platzwunde am Ohr musste anschließend mit fünf Stichen genäht werden. Dabei war es nur eine winzige Unachtsamkeit.
Auf einem Presseempfang der Köpenicker Kleingärtner wollte ich verhindern, dass mich der bereits schwer alkoholgetränkte zweite Vorsitzende Waldemar Edel zu einem Slowfox der Combo Waldspatzen abschleppte. Eine heftige Abwehrbewegung von mir, ein Stolpern und Peter, der damals als Kameramann für einen Lokalsender auf der Veranstaltung war, lag blutend auf dem Parkett der Gaststätte mit dem visionären Namen »Zum wilden Eber«.
Von der Notfallambulanz bis zur Hochzeit dauerte es keine sechs Monate. Den Antrag machte er mir bei Sonnenuntergang und Champagner am Strand von Rügen inmitten eines großen Herzens aus Rosen. Endlich – mein persönlicher Zipfel vom Glück.
Knapp ein Jahr später waren wir bereits zu Viert.
Für meine Zwillinge Lilly und Mark schmiss ich meinen Job und half Peter beim Aufbau seiner Produktionsfirma. Ich hatte ihm blind vertraut, fest an seine bunten Geschichten über befreundete Fernsehchefs und exklusive Festivals in Cannes und London geglaubt.
Zwischen Pampers und Maxi-Cosi hatte ich ihn unterstützt, sobald die Zwillinge im Bett lagen. Inmitten des Chaos hatten wir uns eine kleine, heile Welt geschaffen.
Ich genoss Peters ruhige Art, mich bei Katastrophen immer wieder auf den Teppich zu holen. Und unsere Kuschelabende bei Rotwein und Cashewkernen, Videos und Kaminfeuer.
Dann war der Traum plötzlich zu Ende.
Begriffen hatte ich es erst, als meine Lilly mit rotgeweinten Augen vor mir stand und mich fragte: »Mama, warum will Papa nicht mehr bei uns sein?«
Nicht nur, dass Peter mir das Herz herausgerissen und mich mit einem 21-jährigen Schauspielerflittchen hintergangen hat (allein dafür wäre schon traditionelles Teeren und Federn mehr als angebracht gewesen), nein, er hat lieber gleich alles auf einmal zerstört. Unser Haus hat er heimlich vollkommen überschuldet und seine TV-Produktionsfirma in den Ruin gewirtschaftet. Nach dem Motto: »Herzlich Willkommen in Ihrem persönlichen Leben 2.0 – wie bringen Sie das Schicksal zum Lachen? Erzählen Sie ihm einfach von Ihren Plänen.«
Wochenlang haderte ich mit dem Umstand, dass das eheliche Recht zur »unsterilen Zwangskastration in besonders schweren Fällen« immer noch nicht im Grundgesetz verankert ist.
Doch selbst wenn – der Delinquent war ohnehin längst auf der Flucht.
Angeblich steckte er irgendwo mit seiner Vanessa in der Südsee oder war gar auf Weltreise. Rückkehr ungewiss. Ein Königreich für einen Hinweis auf sein Versteck! Irgendwann fand ich mich damit ab und wurde wieder aktiv. Ich begab mich auf Stellensuche. Leider jedoch mit ziemlich ernüchternden Resultaten.
Egal ob bei Kerzen- oder Tageslicht besehen: Ich war offenbar auf dem ausgetrockneten Stellenmarkt bereits ein angestaubter Ladenhüter.
Niemand wollte etwas von mir und meinem suboptimalem Lebenslauf mit Kinderpause wissen. Teilzeitstelle? Sorry, nicht für Gruftis.
Irgendwann zwischen Bewerbung Nummer 83 und 214 habe ich wohl angefangen, ganz leicht zu resignieren, denn mein Blick fiel immer häufiger auf attraktive Angebote wie »Kassiererin auf 450-Euro-Basis«, »Aushilfe im Servicebereich« oder »Tagesmutter gesucht«.
Und dann fand ich dieses Luxus-Schnäppchen in der Gastronomie.
Eine Sklavenaushilfe auf gefühlter 70-Stunden-pro-Woche-Basis, garantiert untertariflich bezahlt und ohne Weihnachtsgratifikation.
Ich hatte während des Studiums erfolgreich gekellnert, für die Zwillinge könnte ich, hatte ich mir überlegt, vorübergehend meine Freundinnen einspannen. Im schlimmsten Notfall sogar meine Mutter. Also: Besser als Nichtstun, dachte ich.
Bis heute.
Der Tag hatte sich schon kurz nach dem Aufstehen als chinesische B-Ware geoutet. Der Postbote brachte Rechnungen, die ich nicht bezahlen konnte und einen Brief von Peters Anwalt, den ich noch nicht einmal berühren mochte.
Das Schreiben erfüllte zwischen all dem juristischen Unkraut klar den Tatbestand der »schweren Körperverletzung ohne Konsequenzen«.
Erst nach zwei Seiten Lügen in Paragraphenform und drei Schreianfällen (selbstverständlich immer dezent ins Kopfkissen, damit die Kinder nichts mitbekamen) begriff mein Verstand die Konsequenzen der verklausulierten Vorwürfe eines Mannes, mit dem ich vor noch gar nicht allzu langer Zeit Windeln und Babybrei Apfel-Karotte einkaufen war.
Vielleicht war Peter weg, aber zum Valentinstag hatte er mir dennoch etwas zurückgelassen: Schulden, die ich noch am jüngsten Tag würde zurückzahlen müssen.
Zu clever hatte er den Betrug eingefädelt.
Zu naiv war sein Opfer gewesen.
Ohne eine wirklich zündende Idee wäre ich gezwungen, Darth Vader und Prinzessin Lillifee (die neuen Bettbezüge von Mark und Lilly) nächsten Monat unter einer kuscheligen Brücke auszuschütteln. Meine Kreditkarte ist nur noch ein Fall für den Grünen Punkt und der Parkplatz unseres Autos so leer wie der Kühlschrank.
Das heutige I-Tüpfelchen kam per Telefon. Meine Freundin Jutta hat das Kinderhüten am Abend kurzfristig abgesagt, in meiner Not musste ich ausgerechnet meine Mutter anhauen. Flexibilität ist bei ihr so beliebt wie Fußpilz. Einen Kübel Vorwürfe später sagte sie dann aber doch gönnerhaft zu.
Nein, dieses Leben hab ich so nicht bestellt.
Erfreulicherweise sind mein Hals und der Rücken schon seit Wochen dermaßen verspannt und hart, dass ich nicht mehr zusammenklappen kann; und so erschien ich auch heute wieder überpünktlich zum Dienst im Bellagio.
»He, du da, nicht so faul! Zieh dich sofort um und dann ab in den Wintergarten. Abräumen. Aber dalli!«
Restaurantchef Zurmühlen und seine schlechte Laune hatten mich bereits erwartet. Für den Charity-Empfang konnte er gar nicht genug Leibsklaven beschäftigen und dabei beschimpfen.
Was sollte ich tun?
Ich hielt den Mund.
Ich bin zwar nicht mehr jung, aber ich brauche das Geld. Die drohende Zwangsräumung der Wohnung ist eine Sache – bis zum Monatsende sind es noch volle sieben Tage. Aber wenn ich morgen früh um 7.30 Uhr nicht das Geld für die Klassenfahrt zusammen habe, habe ich definitiv etwas anderes: zwei hysterische, für die Ewigkeit traumatisierte Kinder.
Ich bin aber auch wirklich solch ein Riesentrampel. Wie konnte ich nur so dumm sein?
Ich hätte es einfach schon früher wissen müssen! Bereits seit Monaten hatten Peter und ich uns immer häufiger wegen Geld gestritten. Ständig war es knapp und es gab Diskussionen, ob die Zwillinge wirklich schon wieder neue Jeans brauchten oder noch nicht. Aber dass er plötzlich abhauen und sogar unsere eiserne Reserve in der Küche ausräumen würde?
Warum hab ich bloß nicht vorher daran gedacht?
Es war eine dieser spontanen Schnapsideen gewesen, damals in einem dieser Erfinderläden im Prenzlauer Berg. Zwischen Pappbrillen und »Hate it«-Stempeln fanden wir einen Geheimtresor, getarnt als Konservendose mit dem unverfänglichen Etikett »Linseneintopf mit Würstchen«. So albern, dass es schon wieder witzig war. Es wurde unsere Spardose für Träume oder absolute Notfälle. Ein Stück Sicherheit und Zukunft in Dosenform.
Ab sofort kam das Flaschenpfand nur noch in unsere Geheimspardose. Für Machosprüche oder Zickenalarm musste jeweils ein Euro eingezahlt werden. Andererseits kamen auch symbolische Belohnungen für überraschende Aufträge von Kunden oder – jeweils vom anderen – ein Liebes-Obolus für selbstlosen Verzicht in die Kasse. Wie zum Beispiel nichtgekaufte Pumps oder Ballerspiele à la »Call of Duty...




