E-Book, Deutsch, Band 6, 285 Seiten
Hansen Hendriksen und die toten Mädchen
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-915-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der sechste Fall
E-Book, Deutsch, Band 6, 285 Seiten
Reihe: Privatdetektiv Marten Hendriksen
ISBN: 978-3-98690-915-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ole Hansen, geboren in Wedel, ist das Pseudonym des Autors Dr. Dr. (COU) Herbert W. Rhein. Er trat nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker in die Bundeswehr ein. Dort diente er 30 Jahre als Luftwaffenoffizier und arbeitete unter anderem als Lehrer und Vertreter des Verteidigungsministers in den USA. Neben seiner Tätigkeit als Soldat studierte er Chinesisch, Arabisch und das Schreiben, sowie Umweltwissenschaften und Geschichte, wobei er seine beiden Doktortitel erlangte. Nachdem er aus dem aktiven Dienst als Oberstleutnant ausschied, widmete er sich ganz seiner Tätigkeit als Autor. Dabei faszinierte ihn vor allem die Forensik - ein Themengebiet, in dem er durch intensive Studien zum ausgewiesenen Experten wurde. Heute wohnt der Autor an der Ostsee. Von Ole Hansen sind bei dotbooks bereits die folgenden Serien und Einzelromane erschienen: Seine Reihe um den Privatdetektiv JEREMIAS VOSS umfasst aktuell 11 Bände, beginnend mit »Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt«. In seiner zweiten Serie um MARTEN HENDRIKSEN, Privatdetektiv und Rechtsmediziner mit Leichenallergie, sind bisher sechs Romane erschienen, beginnend mit dem ersten Fall »Hendriksen und der mörderische Zufall«. Ex-BND-Agent ARNE CLAASEN ermittelt bisher in drei Fällen in der Hamburger Abteilung für Cold Cases, beginnend mit »Arne Claasen und die vergessenen Toten«. CLAASEN & HENDRIKSEN klären gemeinsam die brisantesten Verbrechen Hamburgs, beginnend mit ihrem ersten gemeinsamen Fall »Die Tote von Pier 17«. Weitere Bände sind in Vorbereitung. Einige seiner Kriminalromane sind auch in Sammelbänden erschienen. In seiner vierbändige Thriller-Serie »Der Journalist« deckt Investigativjournalist Tom Porter auf der ganzen Welt Intrigen in den höchsten Rängen der Politik auf. Außerdem erschienen seine Thriller »Die Libyen-Verschwörung« und »Die Akte Panama«. Unter seinem Klarnamen Herbert Rhein veröffentlichte der Autor bei dotbooks auch die folgenden eBooks: »Todesart: Nicht natürlich. Gerichtsmediziner im Kampf gegen das Verbrechen.« »Todesart: Nicht natürlich. Mit Mikroskop und Skalpell auf Verbrecherjagd.« Als Hörbuch bei AUDIOBUCH und Thalia sind außerdem verfügbar: »Jeremias Voss« Band 1 & 2 »Marten Hendriksen« Band 1 - 5 »Claasen & Hendrksen« Band 1 & 2 Folgende Bücher von Ole Hansen sind auch als Printausgabe erhältlich: »Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt. Der erste Fall« »Jeremias Voss und der tote Hengst. Der zweite Fall« »Hendriksen und der mörderische Zufall.«
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Kapitel 2
Nachdem Sue und Irene gegangen waren und die Post erledigt war, nahm sich Hendriksen einen Artikel über die neuesten Einbruchsmethoden in elektronisch gesicherte Objekte vor. Er studierte ihn gründlich und verglich ihn mit dem, was er bisher wusste. Dabei kam ihm eine Idee. Er würde einen Raum als Forschungslabor einrichten, in dem sie die neuesten Einbruchsmethoden nachstellen konnten, um Gegenmaßnahmen für die Industrie zu entwickeln. Er konnte sich vorstellen, dass ein solches Softwarepaket der Renner auf dem Sicherheitsmarkt werden würde.
Er wurde von Dörte gestört, die ohne anzuklopfen ins Büro trat. Aber Hendriksen hatte es selbst so verfügt. Er hasste es, wenn er durch Anklopfen aus seinen Gedanken gerissen wurde, vor allem wenn er versuchte, Probleme durch Meditation zu lösen.
Er blickte von dem Bericht auf. »Was gibt es, Dörte?«
»In meinem Büro wartet eine Frau, die dich sprechen möchte.«
»Jung, schön, und sieht sie nach Geld aus?«
»Chef, ich bitte dich. Sie ist eine mögliche Klientin und als solche geschlechtsneutral. Ob sie über Geld verfügt, kann ich nicht sagen. Ist nicht ablesbar an ihrer Kleidung. Ich schätze sie auf Mitte sechzig.«
»Hat sie dir gesagt, weswegen sie mich sprechen will?«
»Nein, hat sie nicht. Sie will es nur dir sagen.«
»Gut, schick sie rein. Mal sehen, was sie auf dem Herzen hat.«
Dörte öffnete die Bürotür. »Würden Sie bitte eintreten, Frau von Basewitz? Herr Doktor Hendriksen empfängt Sie.«
Hendriksen musste sich zwingen, angesichts des geschäftsmäßigen Tons ernst zu bleiben. Er stand auf und ging auf die Frau zu. Sie war fast einen Kopf größer als er, hatte blonde Haare. Gefärbt, dachte Hendriksen, denn am Haaransatz sah er einen grauen Schimmer. Das Gesicht war schmal und wirkte trotz Make-up abgehärmt. Gekleidet war sie in Jeans und eine weiße Bluse. Ein Plastikregenmantel bot Schutz gegen das Wetter. In der Hand hielt sie einen zusammenfaltbaren Regenschirm, aus dem Wassertropfen auf den Boden fielen.
Dörte nahm ihr den Schirm ab und half ihr beim Ausziehen des Regenmantels. Bevor sie das Zimmer verließ, fragte sie Frau von Basewitz, ob sie ihr einen Kaffee oder Tee anbieten dürfe.
»Danke, Frau Hauser.« Sie hatte offensichtlich Dörtes Namensschild auf dem Schreibtisch gesehen. »Für einen Kaffee wäre ich dankbar.«
Hendriksen kam zur Sache, sobald Dörte die Tür hinter sich geschlossen hatte.
»Guten Tag, Frau von Basewitz, Sie wollten mich sprechen?«
»Ja, Herr Doktor, es geht um meine Enkelin.«
»Bitte nehmen Sie Platz und erzählen Sie mir von dem Problem. Sind Sie damit einverstanden, dass ich unser Gespräch auf einen Tonträger aufnehme? Die Aufnahme dient nur dazu, später nachverfolgen zu können, was Sie gesagt haben. Damit kann ich sicher sein, immer in Ihrem Interesse zu handeln.«
Als Frau von Basewitz zögerte, fügte Hendriksen hinzu:
»Sie bekommen von der Aufnahme am Ende unseres Gesprächs eine Kopie, so dass Sie über die gleichen Informationen verfügen wie ich.«
»Ich bin mit der Aufnahme einverstanden.«
Frau von Basewitz wollte schon anfangen zu sprechen, doch Hendriksen stoppte sie mit einer Handbewegung. Er schaltete das Aufnahmegerät ein, gab Tag und Uhrzeit, ihren und seinen Namen ein, dann sagte er: »Frau von Basewitz ist in der Agentur für vertrauliche Ermittlungen erschienen, um ein Problem mit mir zu besprechen.«
Hendriksen zeigte mit der Hand einladend auf Frau von Basewitz. »Nun erzählen Sie bitte, was Sie hierher geführt hat.«
»Jetzt, wo ich so vor Ihnen sitze, erscheint mir meine Angst nicht mehr so gewaltig. Höchstwahrscheinlich habe ich mich in meiner Einsamkeit – Sie müssen wissen, ich lebe allein – in eine Hysterie hineingesteigert. Ich denke, ich brauche Sie gar nicht weiter mit meinem Problem zu belästigen. Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen Ihre Zeit gestohlen habe.«
Frau von Basewitz machte Anstalten aufzustehen. In diesem Moment erschien Dörte mit dem Kaffee.
»Nun setzen Sie sich bitte wieder hin und trinken den Kaffee. Ein Verhalten, wie Sie es zeigen, ist in unserem Geschäft nicht selten. Da geht es uns wie Zahnärzten. Zu denen kommen die Patienten mit Zahnschmerzen, doch wenn sie vor der Tür stehen, sind die plötzlich weg. Aber der Schmerz ist natürlich nicht weg, sondern wird nur von anderen Gefühlen überlagert. Er meldet sich mit gleicher Stärke zurück, sobald die Person wieder zu Hause ist. Ihnen geht es ähnlich. Sie haben ein Problem, und das verringert sich nur, wenn Sie darüber sprechen. Sie sollten dem Gefühl, das Sie zu uns geführt hat, vertrauen. Denken Sie an den Spruch Geteiltes Leid ist halbes Leid. Also erzählen Sie mir, was Sie bedrückt. Erst am Ende entscheiden Sie, ob Sie es vergessen wollen, oder ob es Sinn hat, weiterzumachen.«
Frau von Basewitz schwieg eine Weile und schien das Gesagte zu überdenken. Hendriksen störte sie nicht. Dann veränderte sich ihre Haltung, die drückte das Kreuz durch, sah Hendriksen direkt in die Augen und sprach mit fester Stimme: »Sie haben recht, Herr Doktor Hendriksen. Es hat keinen Sinn, vor etwas davonzulaufen. Ich bin hier, weil ich meine Enkelin seit drei Monaten vermisse. Um das zu verstehen, müssen Sie unsere familiäre Situation kennen. Meine Enkelin heißt Anja Ebeling. Sie ist jetzt fünfundzwanzig Jahre alt und lebte seit dem fünften Lebensjahr bei mir. Ihre Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Sie ist ein vernünftiges Mädchen mit ausgeprägtem eigenen Willen. Sie ist in Hamburg zur Schule gegangen, hat ihr Abitur gemacht und ist danach ausgezogen. Sie wohnte zunächst in einer Wohngemeinschaft für Studenten. Nach einem halben Jahr hat sie sich eine eigene Wohnung genommen.«
»Konnte sie sich das leisten? Wohnungen sind in Hamburg nicht gerade billig.«
»Ja, sie konnte es sich leisten. Als einziges Kind erbte sie das gesamte Vermögen ihrer Eltern. Dazu kamen noch zwei Lebensversicherungen, die sowohl die berufstätige Mutter als auch der Vater abgeschlossen hatten. Außerdem hat sie mir einmal gesagt, dass sie neben dem Studium Geld dazuverdient.«
»Hat sie an der Hamburger Universität studiert?«
»Ja, Wirtschaftswissenschaften.«
»Hat sie ihr Studium bereits abgeschlossen?«
»Das weiß ich nicht. Wir standen uns, seit sie bei mir ausgezogen ist, nicht mehr nahe. Schuld daran bin wohl ich, weil ich sie sehr gescholten habe, als sie bei mir ausziehen wollte. Sie hatte ihr eigenes Apartment mit Badezimmer und allem Drum und Dran und brauchte keine Miete dafür zu bezahlen.«
»Warum ist sie dann ausgezogen?«
»Sie sagte, sie wolle ihr eigenes Leben leben und nicht immer unter Aufsicht stehen.«
»Gab es denn einen Grund, so etwas zu sagen?«
»Leider ja, es war meine Schuld. In den letzten Monaten, als sie noch bei mir wohnte, gerieten wir immer öfter aneinander. Sie gab eine Geburtstagsparty, und bei der waren eigenartige Typen. Einer besaß die Frechheit, sich auf einer antiken Kommode im Flur eine Linie einzuziehen, ich glaube, so sagt man das wohl, wenn jemand Kokain schnupft. Ist ja auch egal. Auf jeden Fall habe ich meine Enkelin am nächsten Morgen zur Rede gestellt und ihr gesagt, dass ich so etwas nicht in meinem Haus dulde. Das war das Letzte, was ich zu ihr sagen konnte, denn bereits am Abend war sie ausgezogen. Sie hinterließ mir einen kurzen Brief, in dem sie sich für alles, was ich für sie getan habe, bedankte. Aber sie wolle ausziehen, weil ich mich in ihr Leben einmische.«
»Hatten Sie danach noch Kontakt zu Ihrer Enkelin?«
»Wie man’s nimmt. Sie hat mich angerufen, etwa einmal im Monat. Sie hat mir etwas von sich erzählt, nur ganz Allgemeines, und hat mich gefragt, wie es mir geht, und das war es auch schon. Vor vier Monaten hatte ich das Gefühl, dass sie wieder mehr Kontakt zu mir haben wollte. Sie hatte mir sogar angeboten, mal wieder einen Kaffee zusammen zu trinken.«
»Wo? Bei Ihnen oder bei Ihrer Enkelin?«
»In einem Café in der Innenstadt. Ich war darüber sehr erfreut und habe darauf gewartet, dass sie sich melden würde. Doch seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört.«
»Haben Sie die Telefonnummer Ihrer Enkelin?«
»Leider nein, wenn sie angerufen hat, dann stand auf dem Display immer nur: unterdrückte Nummer.«
»Wissen Sie, wo sie wohnt?«
»Nein, sie hat mir nie eine Adresse mitgeteilt.«
»Sie sagten, sie habe Wirtschaftswissenschaften studiert. Wissen Sie, was sie seit ihrem Studienende gemacht hat? Was ich meine, ist, welchen Beruf hat sie ergriffen und bei welcher …«
»Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche. Ich weiß ja noch nicht einmal, ob sie ihr Studium überhaupt beendet hat.«
»Das sind ziemlich magere Informationen.«
Beide schwiegen, Hendriksen, weil er überlegte, ob es überhaupt einen Ansatz für Ermittlungen gab, und Frau von Basewitz, weil sie sich fragte, ob sie irgendetwas zu erwähnen vergessen hatte. Sie räusperte sich. Mit einer Handbewegung forderte er sie auf zu sprechen.
»Ich weiß nicht, ob es erwähnenswert ist, aber während des Studiums hat sie mal erwähnt, dass sie in einem Call Center arbeitet.«
»Das könnte ein Ansatz für Ermittlungen sein. Hat sie gesagt, bei welchem Call Center und wo es liegt?«
»Nein, ich glaube nicht, und wenn sie es erwähnt haben sollte, kann ich mich nicht mehr daran erinnern.«
»Hat sie irgendwann mal Namen erwähnt? Freundinnen, Kommilitonen oder andere Personen?«
»Nicht, dass ich wüsste.«
»War sie religiös? Ist sie oft zur Kirche gegangen?«
»Sie war nicht religiös,...




