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E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Reihe: Lübbe

Hansen Krabbenglück

Roman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-5619-8
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7517-5619-8
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein maroder Kutter, hochfliegende Pläne - und jede Menge Aufregung um Herz und Hafen

Emma kann es kaum glauben: Eine Verwandte hat ihr in Greetsiel ein kleines Haus und ein Schiff vererbt. Spontan reist sie mitsamt Mops Flip an die Küste. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Das Haus ist baufällig, und das Schiff erweist sich als heruntergekommener Krabbenkutter. In einem unbedachten Moment lässt Emma sich dennoch auf eine Wette mit Campingplatzbetreiber Leon ein: Sie wird den Kutter binnen drei Monaten seetüchtig machen und mit ihm um Borkum schippern. Gelingt ihr das nicht, mistet sie Leons Hühnerstall gründlich aus. Kann sie die Wette mit der Unterstützung ihrer neuen Freunde gewinnen - oder liegt das Glück vielleicht doch nicht auf den Wellen der Nordsee?

Beste Urlaubslektüre für alle, die sich gern ein frische Brise um die Nase wehen lassen



Um am Strand spazieren zu gehen und dem Rauschen der Wellen zuzuhören, muss Marieke Hansen nicht weit fahren. Seit vielen Jahren lebt sie an der Küste, ist vertraut mit Wind und Sand, Wasser und Salz. In ihrem neuen Roman vereint Marieke Hansen ihre Leidenschaft für das Meer mit einem Erlebnis aus ihrem eigenen Leben: an einen neuen Ort umzuziehen, der gleichzeitig fasziniert und herausfordert und der letztendlich alle Anstrengungen wert ist.

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Kapitel 1


»Na, wie gefällt es Ihnen?«, fragte die Friseurin und schwenkte den Spiegel so schnell hin und her, dass Emma kaum einen Blick auf ihren neuen Haarschnitt werfen konnte. »Das steht Ihnen super!«

Endlich hielt die Friseurin inne, und Emma betrachtete ihr glänzendes kastanienbraunes Haar, das nun deutlich kürzer war als noch vor einer Stunde. Der Schnitt brachte die Konturen ihres Gesichts besser zur Geltung, genau wie sie sich das vorgestellt hatte. Nur ihre blasse Haut und die dunklen Augenringe konnte er nicht kaschieren.

»Mhm.« Sie nickte, dann wanderte ihr Blick im Spiegel zu dem Wandbild eines sturmgebeutelten Segelschiffs, das nicht so richtig in das moderne Ambiente des Salons »Hair-lich« passen wollte. Der Wind bauschte die Segel, während das Schiff gegen die übermächtigen Wellen kämpfte. Der schräge Mast im Vordergrund schien zum Greifen nahe.

»Ihr Verlobter wird begeistert sein!«, versprach die Friseurin, zupfte ein paar Strähnen zurecht und sprühte noch etwas Festiger ein.

Emma spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Viel lieber wäre sie jetzt auf dem Schiff und würde in die Ferne segeln. »Noch sind wir ja gar nicht verlobt, das kommt erst heute Abend«, sagte sie und drehte den Kopf einmal nach links und wieder nach rechts, sodass ihre Haarspitzen elegant um ihr Kinn fielen. »Aber ich finde es auch sehr schick. Vielen Dank!«

Sie stand auf und folgte der Friseurin zur Kasse. Eine andere Stylistin föhnte ihrer Kundin gerade die Haare, und das Geräusch erinnerte Emma an Wellenrauschen. Wieder schaute sie zum Bild mit dem Schiff hinüber, erinnerte sich daran, wie Markus sie geküsst hatte, nachdem sie gemeinsam den Sportbootführerschein bestanden hatten. Seine Umarmung war so zärtlich gewesen, der Kuss intensiv.

Ein dumpfes Gewicht drückte von innen gegen ihren Brustkorb. Markus hatte sich in letzter Zeit merkwürdig distanziert verhalten, aber sie hatte beim Aufräumen die Schachtel mit dem goldenen Ring gefunden. Seit zwei Jahren hielten sie ihre Beziehung geheim, doch heute Abend würde sich das ändern.

Sie hatte dieses Versteckspiel noch nie gemocht, aber Markus wollte als Juniorchef der Erla HydroproTech GmbH & Co., die Filteranlagen für Aquarien herstellte, kein unnötiges Risiko eingehen. »Das bringt dir nur Nachteile«, betonte er immer wieder. »Deine Kollegen werden dir vorwerfen, dass du Vorteile durch die Beziehung mit mir hast, und dich genau beobachten. Und du kennst ja meinen Vater, der hält nicht viel von Büro-Romanzen, es sei denn, sie betreffen ihn selbst.«

Also hatte Emma sich einverstanden erklärt, ihre Liebe im Verborgenen zu halten. Sie arbeitete als Außendienstlerin für seinen Vater, und der war für sein ausfallendes Temperament bekannt. Bei all den Überstunden und ungeplanten Wochenendschichten kam sie sowieso nicht dazu, mit ihrem Chef über ihr Privatleben zu reden.

Ein paar Stunden später stand sie im Badezimmer ihrer Frankfurter Zweizimmerwohnung und legte ihre neuen silbernen Ohrringe an, die die Form von Jakobsmuscheln hatten. Prüfend betrachtete sie sich im Spiegel. Ihre geraden dunklen Brauen betonten die hellblauen Augen und gaben ihr einen selbstbewussten Ausdruck. Am Kinn hatte sie ein Grübchen, das sonst nur die Männer der Familie geerbt hatten. Ihres war fein und nicht besonders tief, aber es verlieh ihr etwas Eigenes, an das sich die Leute erinnerten. Eigentlich war sie ganz zufrieden mit sich, aber in Markus’ Gegenwart kam sie sich oft unauffällig, fast grau vor, denn er achtete stets darauf, von allen gesehen und bewundert zu werden. Er war attraktiv und wusste es. Tja, und heute Abend würde er endlich um ihre Hand anhalten, das war doch toll, richtig?

Emmas Mops Flip wuselte unruhig zwischen ihren Beinen herum, im Maul trug er seinen pinkfarbenen Plüschelefanten, den er ihr nun vor die Füße legte.

»Das ist lieb, Flipsi«, sagte sie und bückte sich, um ihren Hund zu streicheln. Flip hatte ein feines Gefühl für ihre Stimmungen, und wenn er ihr ein Spielzeug brachte, dann oft, um sie aufzumuntern.

»Wuff«, erwiderte er sichtlich selbstzufrieden.

Sie seufzte, richtete sich auf und zog ihren Lidstrich ein letztes Mal nach, als sie hörte, wie die Haustür geöffnet wurde und sich forsche Schritte dem Bad näherten. Kurz darauf trat Markus ein. Er trug einen seiner maßgeschneiderten Anzüge, die er zweimal im Jahr in Italien anfertigen ließ, dazu einen teuren Seidenschal und auf Hochglanz polierte Schuhe, auf denen einzelne Wasserperlen glänzten. Anscheinend hatte der Regen ihn erwischt.

»Hi, ich wollte –«, setzte er an und verstummte. Seine Augen wurden groß, und zwischen seinen Brauen wuchs eine steile Falte. »Habe ich irgendetwas falsch gemacht?«, fragte er und verschränkte die Arme. An seinem Handgelenk funkelte eine nigelnagelneue Uhr, deren Armband einen Tick zu groß war. Markus hatte eine ganze Schublade mit Uhren in seinem Garderobenzimmer – »Eine für jede Gelegenheit«, wie er immer sagte. Emma betrachtete das teure Stück, während sie zu verstehen versuchte, worauf er hinauswollte.

»Nee?«, antwortete sie verwirrt. »Wie kommst du darauf?«

Er deutete auf ihre neue Frisur. Dabei rutschte die Uhr ein ganzes Stück seinen Arm hinunter. »Warum bestrafst du mich dann so?«

Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie verstand. Hastig griff sie sich ins Haar und spürte, wie ihr Blutdruck anstieg. »Oh«, murmelte sie leise.

Markus schüttelte den Kopf. »Ich werde dich nie verstehen«, sagte er und schnappte sich ein Handtuch. »Deine schönen langen Haare.« Wassertropfen rannen seine Stirn hinunter und blieben in seinen Augenbrauen hängen, die er missmutig zusammenzog. Während Emma noch mit ihrer Enttäuschung kämpfte, fuhr er seelenruhig fort: »Das sieht aus wie ein aufgeribbelter Flokati. Vielleicht trägst du heute Abend besser einen deiner komischen Hüte.«

Als sie nicht reagierte, zuckte er mit den Schultern. »Ich bin nur ehrlich. Eigentlich bin ich auch nur kurz vorbeigekommen, um mein Baumwolljackett abzuholen. Das hängt noch bei dir im Schrank.«

Er lehnte sich nach vorne, wie um ihr einen Kuss zu geben, aber stattdessen schaute er an ihr vorbei in den Spiegel. Er fuhr sich durch die akkurat gestutzten, aber momentan ziemlich feuchten Haare, leckte über den Zeigefinger und strich damit über die Koteletten, die ihm weit die Wangen herunterreichten. »Man sieht sich«, sagte er abwesend. Dann zwinkerte er sich selbst zu, drehte sich um und lief aus dem Bad. Dabei stolperte er über Flip, der aufheulte. »Pass doch auf«, schnauzte er den Kleinen zu Emmas Entsetzen an und lief einfach weiter. Die Tür zu ihrem Schlafzimmer klickte, der Schrank wurde geöffnet, und Emma hörte, wie Kleidung auf den Teppich fiel. Markus fluchte. Kurz darauf ging die Wohnungstür ein zweites Mal. Stille.

Emma atmete tief aus. Sie fühlte sich wie gelähmt, als wäre das alles gerade nicht passiert.

»Puh«, stieß sie aus, bevor sie sich bückte, um Flip zu untersuchen, dem zum Glück nichts passiert war. »Armer Wuffel«, tröstete sie ihn. Flip legte den Kopf schief, schaute sie mit seinen dunklen Kulleraugen an, als wollte er ihr etwas sagen.

Emma setzte sich auf den Badewannenrand und starrte ins Nichts. Früher war Markus ein Gentleman gewesen, nicht unbedingt liebevoll, aber aufmerksam und zuvorkommend. Aber etwas hatte sich im letzten halben Jahr verändert. Wenn er ihr heute Abend einen Antrag machte, würde sie sich für immer an ihn binden. Aber wollte sie das überhaupt noch?

Leise Jazzmusik spielte in dem schicken Spiegelsaal, den Markus’ Vater für diesen Abend bei der lokalen Tanzschule angemietet hatte. Immerhin handelte es sich bei dem Event um das dreißigjährige Bestehen der HydroproTech, und sowohl Junior- als auch Seniorchef legten viel Wert auf ein gepflegtes Ambiente. Emma blinzelte im Licht der flackernden Scheinwerfer und orientierte sich. Rechts stand das Buffet, links waren Stehtische aufgebaut, an denen einige ihrer Kollegen Champagner aus langstieligen Gläsern tranken. In der Mitte tanzten ein paar Mitarbeiter zu den sanften Klängen der Band, die am hinteren Ende auf einer Bühne spielte. Der Seniorchef stand etwas abseits mit seiner neuen Freundin, die deutlich jünger war als Emma und deren Ausschnitt einen tiefen Einblick gewährte, den Dr. Hermann Kruse gerade intensiv begutachtete. Da wollte sie besser nicht stören.

Stattdessen ging sie zögerlich auf Luise und Denise zu, die die Köpfe zusammengesteckt hatten und tuschelten. Dabei schielten sie immer wieder in Richtung der Tanzenden.

»Hi«, begrüßte Emma sie, und sofort brach das Gespräch der beiden ab.

Luise hob eine Augenbraue, Denise starrte sie ungeniert an. »Was hast du denn mit deinen Haaren gemacht? Markus wird sich da aber nicht drüber freuen«, sagte sie scharf.

Emma schnaubte innerlich. Was nahm Denise sich raus? Und woher wusste sie überhaupt von Markus und ihr? Ein unangenehmer Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus, der ihre Zunge schwer werden ließ.

»Mir gefällt es«, antwortete sie. Um die Stimmung nicht gleich kippen zu lassen, fügte sie schnell hinzu: »Und, wie läuft es bisher?«

»Der Chef hat wieder Frischfleisch erobert.« Luise kicherte ungeniert. »Ich würde ja gern an die große Liebe glauben, aber das ist die dritte Eroberung im letzten halben Jahr.«

Denise schnaubte verächtlich und deutete auf ein Tanzpaar, das unweit von ihnen über den polierten Holzboden schwebte. »Sein Sohn scheint sich auch gut mit seiner Sekretärin zu amüsieren. Nicht dass uns das etwas angeht, nicht...


Hansen, Marieke
Um am Strand spazieren zu gehen und dem Rauschen der Wellen zuzuhören, muss Marieke Hansen nicht weit fahren. Seit vielen Jahren lebt sie an der Küste, ist vertraut mit Wind und Sand, Wasser und Salz. In ihrem neuen Roman vereint Marieke Hansen ihre Leidenschaft für das Meer mit einem Erlebnis aus ihrem eigenen Leben: an einen neuen Ort umzuziehen, der gleichzeitig fasziniert und herausfordert und der letztendlich alle Anstrengungen wert ist.



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