Hansen | Küstenrauschen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Reihe: Lübbe

Hansen Küstenrauschen

Roman. Ein Roman wie eine frische Meeresbrise – aufschlagen und durchatmen!
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-7465-9
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman. Ein Roman wie eine frische Meeresbrise – aufschlagen und durchatmen!

E-Book, Deutsch, 350 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7517-7465-9
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn aus Rivalität Liebe wird ... Ein humorvoller Roman voller nordischer Leichtigkeit, turbulenter Begegnungen und herzerwärmender Momente

Für Kleintierärztin Lea könnte es kaum schlimmer laufen: Job verloren, Freund weg - und das alles auf einmal. Eine Auszeit muss her. Da passt die Bitte ihres Opas, ihn in seiner Praxis an der Nordsee zu unterstützen, perfekt. Zurück in ihrer Heimat Krummhörn findet Lea das idyllische Leben wieder, das sie einst so liebte: freundliche Menschen, klare Seeluft und eine beruhigende Bodenständigkeit. Doch nicht alles ist so harmonisch, wie es scheint - vor allem nicht mit Großtierarzt Bajo, der gemeinsam mit ihrem Opa die Praxis führt und Lea mit seiner Sturheit regelmäßig den letzten Nerv raubt ...

Ein Roman wie eine frische Meeresbrise - aufschlagen und durchatmen!



Um am Strand spazieren zu gehen und dem Rauschen der Wellen zuzuhören, muss Marieke Hansen nicht weit fahren. Seit vielen Jahren lebt sie an der Küste, ist vertraut mit Wind und Sand, Wasser und Salz. In ihrem neuen Roman vereint Marieke Hansen ihre Leidenschaft für das Meer mit einem Erlebnis aus ihrem eigenen Leben: an einen neuen Ort umzuziehen, der gleichzeitig fasziniert und herausfordert und der letztendlich alle Anstrengungen wert ist.

Hansen Küstenrauschen jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Sonntag, der 03. Mai

Die letzten Sonnenstrahlen kitzelten Leas Gesicht, als sie ihre Schuhe auszog, um sie direkt vor ein Büschel Strandhafer zu legen. Es war nicht weit bis zur Wasserkante, die sich heute nur träge vor- und zurückbewegte. Ein milder Wind wehte, und überhaupt war es für ostfriesische Verhältnisse friedlich. Selbst die Möwen fehlten, und die wenigen Besucher in den Strandkörben lasen oder schauten dem glühenden Sonnenball zu, der gerade hinter dem Horizont versank.

Der Sand fühlte sich warm zwischen Leas Zehen an und war so weich, dass sie die feinen Körnchen kaum spürte. Eine leichte Brise kam auf, die ihr erhitztes Gesicht kühlte. Die Fahrt von München war anstrengend gewesen.

»Na, wie gefällt dir die Nordsee?«, fragte sie ihren Border Collie Peanut, der neugierig das glitzernde Wasser betrachtete. Es war das erste Mal, dass der Rüde den Strand besuchte und das erste Mal, dass Lea ihn mit in ihre Heimat nahm. Sein seidiges Fell schimmerte mit dem Sand um die Wette, und auf seiner Nase klebten einzelne Körner, weil er sie immer wieder senkte, um am Boden zu schnuppern. Er nieste und schaute überrascht drein.

Lea seufzte. »Wie schön es hier doch ist!«, raunte sie verträumt. »Und dieses Farbenspiel.« Sie war viel zu lange nicht mehr hier gewesen, sechzehn Monate, um genau zu sein, aber jetzt würde sie ihre Heimat ganze sechs Wochen lang genießen können – solange, bis ihre Großeltern von der Kreuzfahrt zurückkamen und Opa Enno seine Tierarztpraxis am Riedenschloot wieder übernehmen würde, die sie in der Zwischenzeit für ihn leitete. Sie streckte sich, um die Müdigkeit der langen Autofahrt von sich abzuschütteln. Es war nicht so, dass sie sich in München unwohl gefühlt hatte – zumindest, bis Konstantin ihr fremdgegangen war und sie zeitgleich ihren Job verloren hatte –, aber es war kein Vergleich zum freien Lebensgefühl in Ostfriesland. Das platte Land, über dem der Wind so oft die grauen Wolken vorantrieb und an Bäumen und Schafen zerrte. Wo unnachgiebiger Regen durch jede Faser der Kleidung drang und Gummistiefel oft das beste Schuhwerk waren.

Aber heute war nichts davon zu spüren. Das dunkle Meer war glatt und warf nur winzige Wellen an den Strand, der wolkenlose Himmel strahlte eine Gelassenheit aus, die Sehnsucht nach Geborgenheit in Lea weckte. Sie spürte diese Verbundenheit mit ihrer Heimat, die sie in München nie gehabt hatte. Ja, München, ganz Süddeutschland, war schön mit seinen zuckersüßen Fachwerkhäuschen, den Dorfkirchen und den sagenhaften Bergpanoramen. Aber Norddeutschlands raue, ungestüme Natur, die herzlichen Menschen und diese endlose Weite, das war etwas ganz Besonderes. »Das Küstenkind in dir wirst du nie los – und wenn du an den Amazonas ziehst«, pflegte Opa Enno zu sagen.

Ihr Handy klingelte, und sie hielt es ein Stück vom Ohr entfernt, als ihre Schwester Merle laut quietschte: »Mensch, Lea, wo bleibst du?«

»Ich bin noch kurz am Meer. Ich komme gleich.« Sie erreichte das Wasser, hielt probeweise ihren Zeh hinein, rief »Brrr!«, und Merle riet: »Bist du gerade ins Wasser gelatscht?«

»Ja«, gab Lea zu. »Ist kälter als gedacht, aber gleichzeitig auch erfrischend.« Sie seufzte und betrachtete die einzelnen Muscheln, die um sie herum lagen, die meisten davon kleiner als ein Fingernagel.

»Na gut, aber lass dir nicht zu viel Zeit«, mischte sich Jannas deutlich ruhigere Stimme ein. »Wir sitzen alle auf glühenden Kohlen. Mama hat den Salat schon mindestens ein halbes Dutzend Mal umgerührt.«

Janna war ihre andere Schwester, das mittlere Kind und mit ihren zweiundzwanzig Jahren deutlich näher an der neunzehnjährigen Merle als an Lea, die gerade siebenundzwanzig geworden war. Ihr Vater neckte Lea gern indem er behauptete: »Du hast als Kind so viele Fragen gestellt, dass wir sieben Jahre gebraucht haben, bis wir eine Minute Zeit fanden, um ein weiteres Kind zu zeugen.«

Merle legte auf, und Lea wagte einen zweiten Schritt ins Wasser. Jetzt sah Peanut sie schräg an und hob mutig seine Pfote. Plötzlich gab es einen Ruck an der Leine, als er erschrocken zurücksprang. Lea lachte und hockte sich hin, um ihren Border Collie zu streicheln. »Keine Sorge, das Wasser tut dir nichts.«

Peanut kräuselte skeptisch die Nase, aber wagte sich wieder an die nächste Welle heran, die sanft an den Strand rollte. Dieses Mal war er vorsichtiger, wartete, bis sie schäumte und roch dann am nassen Sand. »Wuff«, machte er, drückte seinen Oberkörper nach unten und den Hintern nach oben, als versuchte er sich an einer Yoga-Pose.

»Genau, dat dürst du driest doon«, ermutigte Lea ihn. In der Ferne entdeckte sie einen einsamen Krabbenkutter, die Baumkurren, an denen die Fangnetze mit ihren Rollen seitlich in das Wasser gelassen werden konnten, waren unverkennbar. Er trieb so langsam und bedächtig, als wäre er das einzige Schiff in dieser endlosen See. Die Szene wirkte wie ein Gemälde, das von der Zeit vergessen worden war, und sie konnte sich nicht daran erinnern, wie lange es her war, dass sie so etwas Schönes gesehen hatte. Nichts kam an das Schillern der Nordsee an einem Sonnentag heran! Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, und ein warmes Gefühl der Geborgenheit breitete sich in ihr aus. »Weißt du was? Ich glaube wir werden uns hier sehr wohl fühlen«, sagte sie zu Peanut, der immer noch in seiner Yoga-Pose verharrte.

Sie atmete tief ein, nahm den Geruch von salziger Seeluft, Seetang und Watt in sich auf, hörte dem Rauschen des Meeres zu, das Tausende Geschichten gleichzeitig zu flüstern schien. Seit sie das Studium beendet und die Stelle in der Tierarztpraxis am Viktualienmarkt angenommen hatte, hatte sie ihre Familie einmal im Jahr zur Weihnachtszeit besucht. Da waren Strandspaziergänge nur mit Fleecepullover und gefüttertem Friesennerz möglich gewesen, und nach wenigen Minuten waren ihre Zehen trotz dicker Wollsocken taub. Aber das war ihr ganz besonderes Ritual, wenn sie in ihre Heimat zurückkehrte: ein Spaziergang am Meer, ganz allein, um wieder anzukommen. Mit dem Unterschied, dass sie heute ihre vierbeinige Begleitung dabeihatte, die sich gerade ausgiebig im feuchten Sand wälzte. Und dass der tiefe Frieden, den sie verspürte, in wenigen Minuten enden würde, wenn sie ihrer Familie gegenübertrat und die Realität sie einholte.

Ihre Mutter wusste noch nicht, dass sie wieder Single war. Der Job bei Opa war nur vorübergehender Natur. Während sie in seiner Tierarztpraxis arbeitete, musste sie sich zeitgleich auf neue Stellen bewerben, um sich eine Zukunft aufzubauen. Und auch wenn sie sich auf ihre Freundinnen Kerstin und Christine freute, so gab es hier jede Menge Menschen, die sie gern nie wieder gesehen hätte. Allen voran Tarja. Sofort richteten sich die feinen Härchen in ihrem Nacken auf, und die Temperatur schien um ein paar Grad zu sinken. Auch Peanut spitzte die Ohren. »Alles gut«, beruhigte Lea ihn und verdrängte die furchtbaren Erinnerungen an ihre Abizeit und den Unfall, der sie damals zur Außenseiterin gemacht hatte und dessen Nachwirkungen sie noch heute verfolgten. Bisher war sie Tarja erfolgreich aus dem Weg gegangen. Trotzdem durchströmte sie eine innere Kälte, die sie frösteln ließ.

Peanut bellte, als eine Küstenseeschwalbe über ihn hinwegflog, und sie konzentrierte sich wieder auf die idyllische Szenerie vor ihr. Als Kind hatte sie hier Drachen steigen lassen und davon geträumt, irgendwann selbst einmal fliegen zu können. Jetzt stand ihr die Welt offen. Ein Flugticket war nur ein paar Klicks auf der Buchungsplattform entfernt. »Was meinst du, Peanut – wohin sollen wir auswandern? Nach London oder Wien? Oder möchtest du lieber nach Prag?«

Peanut schielte dem Vogel hinterher, als wüsste er auch keine Antwort. Aber kurz darauf drehte er den Kopf, weil er einen Mann entdeckt hatte, der etwa fünfzig Meter von ihnen entfernt am Wasser stand und ihnen den Rücken zugewandt hatte. Das lockere Leinenhemd flatterte um seine Schultern und riss an seinen beigen Boardshorts, er selbst stand ganz still. Er war außergewöhnlich groß, ebenso wie sie selbst, allerdings mit dem Unterschied, dass er um einiges breiter gebaut war. Die letzten Sonnenstrahlen tanzten auf seiner leicht gebräunten Haut, und sein langes Haar, das von der salzigen Meeresbrise zerzaust war, verriet eine Unbeschwertheit, die ihrer angeschlagenen Seele guttat. Gern hätte sie ihn von vorn gesehen, um herauszufinden, ob sein Gesicht ebenso entspannt war, wie seine Haltung versprach. Fror er nicht in den dünnen Klamotten?

Peanut fiepte und hob die Pfote.

»Was ist? Bist du in eine Muschel getreten?« Sie vergaß den Mann und untersuchte Peanuts Pfotenpolster. »Verflixt.« Sie zog eine winzige Glasscherbe heraus, die sich zum Glück nur oberflächlich in die Haut gebohrt hatte. »Armer Peanut«, tröstete sie ihn. Der Border Collie sah selbstmitleidig drein, bevor er sich die wunde Pfote schleckte.

Als sie das nächste Mal aufschaute, war der Mann weg.

»Komm, es wird Zeit, nach Hause zu fahren.« Nach Hause. Die Worte hallten in ihrem Kopf nach, weil Ostfriesland auch nach all den Jahren immer noch ihr Zuhause war, egal, wo sie wohnte. Sie machte einen Bogen um ein verliebtes Pärchen, das in einem Strandkorb kuschelte, und lief zurück zu ihren Schuhen, um sich neben ihnen auf den Boden gleiten zu lassen.

Die Restwärme des Bodens drang durch ihre Kleidung, und sie grub die Finger tief in den Sand. Dann umarmte sie Peanut, dessen Fell sich nach dem Wälzen rau und körnig anfühlte, und beobachtete das Farbenspiel, das die Nordsee mit jeder Minute ein bisschen mehr in...


Hansen, Marieke
Um am Strand spazieren zu gehen und dem Rauschen der Wellen zuzuhören, muss Marieke Hansen nicht weit fahren. Seit vielen Jahren lebt sie an der Küste, ist vertraut mit Wind und Sand, Wasser und Salz. In ihrem neuen Roman vereint Marieke Hansen ihre Leidenschaft für das Meer mit einem Erlebnis aus ihrem eigenen Leben: an einen neuen Ort umzuziehen, der gleichzeitig fasziniert und herausfordert und der letztendlich alle Anstrengungen wert ist.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.