Hansen | Mobbing in der Schule | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 178 Seiten

Hansen Mobbing in der Schule

Ein Ratgeber für Lehrer, Schüler und Eltern
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-6643-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Ratgeber für Lehrer, Schüler und Eltern

E-Book, Deutsch, 178 Seiten

ISBN: 978-3-7578-6643-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das zentrale Thema des Buches ist Mobbing. Inhaltlich werden die Themen Mobbing unter Lehrern, Mobbing unter Schülern und Mobbing von Lehrern gegen Schüler aufgegriffen. Als Ratgeber richtet sich das Werk an Lehrer, Schüler und Eltern zugleich. Erfahren Sie im Sachteil, wie Mobbing entsteht, welche Ursachen zugrunde liegen können und welche Strategien sich anbieten, Mobbing in den verschiedenen Konstellationen und Situationen einzudämmen und wenn möglich, zu bekämpfen. Im zweiten Teil berichten Betroffene und deren Angehörige, wie sie Mobbing-Situationen erlebten.

Nele Hansen ist Pädagogin, Referentin und Autorin. In ihren Schulungen und Kursen fand über mehrere Jahre hinweg ein umfangreicher Austausch mit Menschen statt, die im System Schule unter Mobbing litten. Aus diesem Umfeld heraus entstand die Grundlage für dieses Buch.
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II
Das Phänomen Mobbing
am Lernort Schule

Mobbing kann jeden am Lernort Schule treffen. Neben Lehrern auch den Hausmeister, die Reinigungsfachkraft, die Schulsekretärin und eben auch Schüler.

*Für den Lesefluss wird nachfolgend nur „der Mobber“ bzw. „der Schüler“ genannt. Inhaltlich werden allerdings an allen Stellen alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen.

Meistens bleiben die Symptome lange Zeit im Verborgenen, sodass sich die Mobbing-Prozesse in Bezug auf Schüler über einen sehr langen Zeitraum erstrecken. Die Täterschaft kann sich auch hier auf einzelne Personen beschränken oder durch Gruppen erfolgen, die sich aus Mitschülern ergeben. Manchmal werden jedoch auch Lehrkräfte zu Tätern. Das ist besonders übel, da diese am längeren Hebel sitzen.

Viele Lehrkräfte sind engagiert, brennen für ihren Beruf und sind sehr kompetent. Wenden Sie sich als Eltern an solch eine Person, wenn es darum geht, Mobbing für Ihr Kind zu beenden. Hilfe und Unterstützung gibt es in jeder Schule, man muss sie so manches Mal nur suchen, finden und dann auch einfordern.

Hilfe als Schüler anzunehmen, hat nichts mit Petzen zu tun. Mobbing ist kein Kavaliersdelikt und sollte bereits in frühen Jahren gestoppt werden, um mittels erzieherischer Methoden positiv auf den Mobbenden einzuwirken. Er wird in seine Schranken verwiesen und entwickelt sich danach hoffentlich in eine wohlwollendere Richtung anderen Menschen gegenüber.

Dem Mobbing-Opfer wird zuteil, dass es sich lohnt, Unterstützungsangebote anzunehmen. Dieser Schüler wird befreit von Druck, Ängsten und Sorgen. Er gewinnt dadurch Energie, die er dazu benutzen kann, zukünftigen Hindernissen mit mehr Kraft und Selbstvertrauen zu begegnen.

Ursachen von Mobbing unter Schülern

Wie bei den Lehrern sind die Gründe für Mobbing auch innerhalb der Schülerschaft vielfältig, egal, ob es sich hierbei um Kinder oder bereits erwachsene Schüler handelt. In der Regel sind es banale Konflikte, die dem Mobbing vorausgehen und nicht abschließend gelöst werden konnten.

Häufig sind die Faktoren heutzutage zu finden in: Frustration, langer Weile, Über- und Unterforderung, Leistungsdruck durch die Schule, Erwartungsdruck durch das Elternhaus und aufgestauten Aggressionen. Ein negatives Klima im Sozialgefüge einer Klasse begünstigt Mobbing ebenso.

Erfahrungsberichte zeigen, dass Kinder häufiger zu Mobbern werden, wenn Fehler in ihrer Erziehung gemacht werden. Kinder, die keine Grenzen erfahren oder aber auch zu streng erzogen werden, sodass sie über gar keinen Freiraum verfügen, nutzen Mobbing als Ausbrechen aus der eigenen Situation. Es spielt auch eine bedeutende Rolle, wie sich die Eltern als Vorbilder ihrer Kinder gegenüber anderen Menschen verhalten. Werden unangebrachte Verhaltensweisen vorgelebt, kann das Kind sie im Schulalltag nachahmen. Es weiß es ja nicht besser. Des Weiteren können sich negative Einstellung und Sichtweisen der Eltern in Bezug auf andere Personengruppen, die einen anderen sozialen Status innehaben, begünstigend darauf auswirken, dass das Kind in der Schule Mitschüler mobbt, die einen niedrigeren Sozialstatus innehaben. Werden andersartige Menschen innerhalb des eigenen Familienlebens negativ bewertet, färbt das auf das Kind ab. Besonders in jungen Jahren.

Aber auch die Schule als Institution kann Mobbing selber fördern, wenn sie Regeln formuliert, die nicht nachvollziehbar sind oder Regeln, die nicht eindeutig und verständlich formuliert sind. Diese bieten Mobbern freies Feld, weil sie die Regeln für sich auslegen können, wie es ihnen beliebt. Oder aber es sind Konzepte und Regelwerke in der Schule beschlossen worden, und diese werden nicht konsequent umgesetzt. Auch diese Schwachstelle begünstigt Mobbing-Vorfälle.

Diese Mobbing-Arten sind unter Schülern vertreten

Die Definition von Mobbing erfährt unter Schülern dieselbe Beschreibung wie unter anderen Personengruppen. Es kann also auch hier direkt und indirekt vonstattengehen, offen sichtbar und verborgen sein.

Beim verbalen Mobbing wird der Mitschüler über die Sprache verspottet, beleidigt, kritisiert und ausgelacht. Im Sportunterricht wird z.B. jemand offen als lahme Ente bezeichnet, auf dem Nachhausweg als hässlicher Vogel oder im Biologieunterricht als fette Sau. Solche Sprüche sitzen und prallen nicht einfach am gemobbten Mitschüler ab. Bietet die Lehrkraft hier keinen Einhalt und arbeitet die Situation sofort auf, wird Mobbing an dieser Stelle nicht gestoppt, sondern nimmt ungehindert seinen Lauf.

Die Erpressung gehört ebenfalls sehr oft zum Mobbing unter Schülern. Der Gemobbte wird gezwungen, etwas auszuhändigen (z.B. das Handy) oder etwas zu tun (z.B. Würmer essen). Verweigert der Gemobbte dieses, drohen der oder die Mobber mit Gewalt.

Ohne direkte Anfeindungen findet das nonverbale Mobbing statt. Gemobbte Schüler werden komisch angeguckt oder das Gespräch in einer Gruppe verstummt, wenn sie dazu kommen. Sagen die Schüler etwas im Unterricht, wird gestöhnt oder gelacht. Außerdem werden die Gemobbten nicht zum Geburtstag eingeladen. Im Unterricht werden sie nicht in eine Sportgruppe oder Gruppenarbeit als Mitglied gewählt und bleiben immer als Einzelner übrig. Damit fehlt Ihnen die Integration in die Klassengemeinschaft. Sehr häufig wird den Gemobbten die Schultasche entwendet und versteckt. Oder sie werden einer Tat bezichtigt, die sie nicht begangen haben.

Je älter die Schüler werden und eigene Smartphones besitzen, ist auch das Cybermobbing nicht weit. Im Netz findet Mobbing z.B. in Form von Hetze, Beleidigung und Rufschädigung statt. Sehr aggressiv ist es, wenn Mobber peinliche Daten oder Fotos über den Gemobbten öffentlich posten.

Egal, ob in der Freizeit oder auf dem Schulhof, körperliches Mobbing kann überall stattfinden. Der oder die Täter sind in jedem Fall körperlich stärker und damit dem Gemobbten überlegen. Sie schubsen, treten, spucken oder ziehen an den Haaren. Meistens findet die Aktion von einer ganzen Tätergruppe statt. Die Beteiligten feuern sich gegenseitig an.

Weniger in jungen Jahren, aber ab der Pubertät kann auch sexuelles Mobbing auftreten. Sexistische Äußerungen, Berührungen an sensiblen Körperstellen oder das Zusenden sexistischer Videos oder Fotos gehören neben vielen weiteren Aktionen dazu.

Wenn Lehrkräfte Schüler mobben, was äußerst selten vorkommt, können sich Gemobbte meistens ein Leben lang daran erinnern. Die Lehrkraft nutzt oftmals das Mittel der Beleidung oder Kränkung oder führt den Schüler vor der Klasse vor. Nicht selten machen sie auch Witze über den Schüler, schüchtern ihn ein oder regen gar die ganze Klasse an, den Gemobbten auszulachen. In diese Form gehört übrigens auch, wenn Lehrkräfte bewusst wegschauen, wenn sich Schüler untereinander mobben. Dieses wird als Mittäterschaft gewertet und stellt eine unterlassene Hilfeleistung gegenüber Schutzbefohlenen dar.

Woran lässt sich Mobbing unter Schülern erkennen?

Für Außenstehende ist es nicht immer leicht, zu erkennen, ob Schüler streiten oder ob sich aus den Streitigkeiten und Konflikten bereits Mobbing entwickelt hat.

Um Mobbing kann es sich handeln, wenn:

  • sich Konflikte nicht beenden lassen und keine Einigung möglich ist.
  • der Schüler nicht mehr zur Schule gehen möchten.
  • die Nächte von Schlaflosigkeit oder Alpträumen geprägt sind.
  • der Schüler ständig (ohne körperliche Grundursache) unter Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Verspannungen leidet.
  • Traurigkeit, Erschöpfung und Depressionen den Schulalltag begleiten.
  • Geld nicht für vereinbarte Zwecke (z.B. Kopiergeld) ausgegeben wird.
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungsabfall zu verzeichnen sind.
  • in Gesprächen nichts aufgeklärt werden kann. Der gemobbte Schüler zieht sich zurück oder übt sich in Ausreden oder antwortet gar nicht. Der Gesprächsführende bemerkt Angst.

Warum werden aus einigen Schülern Mobber?

Sind Kinder oder Jugendliche voller Aggressionen, wütend und frustriert, kann es passieren, dass sie sich andere Kinder suchen, um an ihnen ihre Emotionen auszulassen. Die Ursachen liegen oftmals in der elterlichen Erziehung, aber nicht nur. Auch gewaltverherrlichende Medien, die in frühen Jahren konsumiert werden, können dazu führen, dass Kinder sich die Verhaltensweisen und -muster annehmen.

Ist das Familienleben durch Gewalt, Drogen oder Alkohol geprägt oder lassen sich die Eltern scheiden, können auch hier die Faktoren eine begünstigende Rolle spielen.

Manchmal sind es auch Minderwertigkeitsgefühle, die Kinder und Jugendliche auf andere projizieren und damit Mobbing-Situationen schaffen....



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