Hansen | Quantum Dawn | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Hansen Quantum Dawn


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944305-80-6
Verlag: Europa Verlage
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-944305-80-6
Verlag: Europa Verlage
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



EIN THRILLER, DER UNS DEN ATEM NIMMT. DENN ER KANN MORGEN SCHON REALITÄT SEIN. Ein Mord in der Finanzwelt sorgt für Unruhe in den geheimen Zirkeln des Geldsystems. Die Scotland-Yard-Polizistin Rebecca Winter entdeckt, dass ein geheimer Algorithmus die Ursache für eine einsetzende Mordserie ist: Den Börsen, durch ihre technische und globale Vernetzung angreifbar und manipulierbar wie nie zuvor, droht ein gigantischer Crash. Winter stößt auf einen Plan, der die uns bekannte Zivilisation bis ins tiefste Mark treffen wird. Dass die großen Player wie die Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. die von ihnen entfesselten Kräfte der Finanzwelten schon lange nicht mehr kontrollieren können, ist mittlerweile jedem klar. Thore D. Hansens Thriller entwirft ein Schreckensszenario, das von Seite zu Seite beklemmender wird - weil das, was er erzählt, möglicherweise längst Wirklichkeit ist. Der ungeklärte Tod eines Investmentbankers führt die Scotland-Yard-Polizistin Rebecca Winter zu dem BND-Agenten und Kryptologen Erik Feg. Er entschlüsselt einen Code, der die automatischen Handelssysteme an den Börsen weltweit manipulieren könnte. Winter und Feg geraten mitten in den Kampf einer unbekannten Gruppe von Herren, die sich in Brüssel und an den Schaltstellen europäischer Politik eingenistet haben, um einen geheimen Plan umzusetzen. Was zunächst nach kriminellen Machenschaften einiger skrupelloser Banker aussieht, entpuppt sich schnell als Abgrund eines globalen Kampfes um die Vorherrschaft des Geldes.

Thore D. Hansen, geb. 1969, Politikwissenschaftler und Soziologe, arbeitete erfolgreich als Journalist und Kommunikationsberater. Die Finanzkrise erlebte er als Consulter von zwei der größten Banken Europas, teilweise im direkten Kontakt mit ihren Verursachern. Der Spezialist für internationale Politik und Geheimdienstarbeit ist heute freier Autor und setzt sich mit den ungeklärten Aspekten von Kultur- und Zeitgeschichte auseinander, um diese belletristisch zu verarbeiten. Zuletzt erschien von Hansen 2012 der Internetthriller 'Silent Control', der den späteren NSA-Skandal in Teilen vorweg nahm.
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ZWEI

LONDON, SALTWELL STREET, 24. OKTOBER

Rebecca Winter spürte bleierne Müdigkeit, als sie morgens gegen halb sechs in ihrem Ohrensessel erwachte. Wie ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert beherrschte er mit seinem roten Samt, fixiert von Messingnägeln, ihr kleines Wohnzimmer. Er war bequem, aber ihr Schlaf war zu kurz gewesen. Sie hatte bis spät in die Nacht einen Bericht über eine Manipulation im Hochfrequenzhandel studiert, bevor sie mit dem Medicus in den Händen, umhüllt von einer Wolldecke, in ihrem kleinen Apartment in der Saltwell Street, ganz in der Nähe des Londoner Wirtschaftszentrums Canary Wharf, eingenickt war.

Sie schob das Buch von ihrem Schoß neben sich auf den Sessel, streckte sich, gähnte ausgiebig, ging zum Fenster und blickte in den kleinen verwilderten Garten, der zu ihrer Wohnung gehörte. Wieder einmal dachte sie daran, sich mehr um ihn zu kümmern, Gemüse und Kräuter anzupflanzen, doch die Zeit fehlte, wie für vieles in den vergangenen Jahren. Sie zupfte einen Wollfussel von ihrem Jogginganzug und trottete in die Küche. Dort holte sie ein paar Muffins aus dem Schrank, legte sie auf einen Teller, machte sich einen Tee und überlegte, wie sie den Tag mit so wenig Schlaf in den Knochen durchstehen sollte. Vielleicht wäre jetzt der richtige Augenblick, ihr Überstundenkonto etwas abzubauen und später ins Büro zu fahren. Im Kühlschrank war keine Milch. Es war sicher zu früh, ihre Nachbarin zu fragen, obwohl die gern zu ungewöhnlichen Zeiten herumgeisterte. Sie würde den Tee heute mal ohne Milch trinken.

Auf dem Rückweg ins Wohnzimmer vermied sie es, in den Wandspiegel im Flur zu blicken. Sie wusste, wie sie zu so früher Stunde aussah.

Kaum hatte sie sich wieder in ihren Ohrensessel fallen lassen, einen Biss in den Muffin genossen und mit geschlossenen Augen den ersten Schluck Tee geschlürft, klingelte das Telefon. Sie blickte auf ihren Wecker im Bücherregal. Noch nicht mal sechs!

Es war Robert Allington, der Leiter der Abteilung für schwere Wirtschaftsdelikte bei Scotland Yard – ihr Chef. Um diese Uhrzeit! Seit Wochen traktierte er sie, sie solle doch ihren Eifer etwas zurückschrauben und kürzertreten, und nun rief er zur Unzeit an. Vermutlich würde er sich jetzt sogar wundern, dass sie nicht gleich abhob. Sie zögerte, trotzte für einen Moment. Dann siegte ihr Pflichtgefühl.

»Guten Morgen, Rebecca, entschuldige die frühe Störung. Ich habe keine gute Nachricht: Denver hängt im Park!«

»Waas?!« Winters Stimme überschlug sich. »Wo?«

»Mudchute Par …«

Noch bevor Allington zu Ende sprechen konnte, hatte sie aufgelegt. Die Nachricht war ein Schock. Alles hatte sie in den letzten Monaten darangesetzt, den Wertpapierbetrüger Jarod Denver zu fassen. Und nun war er tot! Ihre Müdigkeit war wie weggebeamt. Sie stürzte zum Schrank, um ihre alte Jogginghose gegen eine schwarze weite Stoffhose zu tauschen und zog einen ihrer zahlreichen bunten Pullover über. Rebecca Winter mochte es immer bequem. Sie schnappte sich ihr Handy. Beim Hinausgehen riss sie ihren weiten Wollmantel so energisch vom Haken, dass das Innenfutter riss. »Verdammte Scheiße!« Mit der Wucht ihrer Verärgerung knallte sie die Tür ins Schloss.

Seit drei Jahren arbeitete Winter als Inspector in enger Kooperation mit dem Serious Fraud Office für eine Sonderabteilung von Scotland Yard. Der Ausbruch der Finanzkrise war Jahre her. Einige Banken waren inzwischen zu immensen Strafen verurteilt worden. Aber dass es gelang, einzelne Banker, wie den ehemaligen Goldman-Sachs-Manager Fabrice Tourre, auch »Fabulous Fab« genannt, hinter Gitter zu bringen, war die Ausnahme.

Seine Verurteilung war einer ihrer größten Erfolge. Sie hatte der US-Börsenaufsicht und dem FBI die entscheidenden Hinweise geliefert, um das Verfahren gegen den 34-Jährigen auf den Weg zu bringen. Aber er war nur ein mittelgroßer Fang gewesen, nicht einer der Killerwale, und nun sollte ihr ausgerechnet nur ein toter Fisch ins Netz gehen, der vielleicht einige Wale hätte beißen können?

Während sie in den Manteltaschen nach ihrem Autoschlüssel fingerte, rannte sie zu ihrem Wagen. Ihre Gedanken überschlugen sich. Schon mehrfach hatte sie mitansehen müssen, wie nach monatelangen Recherchen Anwälte den Richtern hieb- und stichfeste Beweise madig redeten. Doch die Fakten rund um diesen Jarod Denver hatte sie äußerst akribisch recherchiert. Der nicht mal 30-jährige Investmentbanker, aufgewachsen in Tottenham, stand im Verdacht, in mehreren Fällen mit Insiderwissen und anderen Tricks gearbeitet zu haben. Ein gerissener Emporkömmlimg, der nach seinem Studium schnell zu den Händlern in Canary Wharf aufschloss. Jetzt hatte sie nur noch den Lohn kassieren, Denver im Verhör mit den Ergebnissen ihrer Ermittlungen so unter Druck setzen wollen, dass er keinen Zweifel daran haben würde, eine Milderung beim Strafmaß zu bekommen, wenn er sofort und umfassend über weitere Verstrickungen an der Londener Börse und seine Hintermänner auspacken würde.

»Acht Monate Arbeit für eine verdammte Leiche. Ich werde irre.« Sie schwang sich in ihren schwarzen Mini, riss das Blaulicht aus der Innenlade, knallte es aufs Dach, wendete vorsichtig und gab dann Vollgas.

Chief Inspector Allington sprach gerade mit den Ermittlern vor Ort, als er Rebecca Winter über das Gras heranhetzen sah. Ein Geist in einem wehenden Mantel, einen Kopf größer als er, was ihn immer wieder irritierte. Die Frau war gerade mal 28 Jahre alt und verfügte mit ihren hohen Wangenknochen und der feinen länglichen Nase in ihrem von dunklen Locken umrahmten Gesicht über ein eigentlich ganz interessantes Aussehen. Sie legte, zumindest im Vergleich zu ihren Kolleginnen, keinen Wert auf modische Kleidung. Und nicht selten wunderte sich Allington über die Art und Weise, wie sie auftrat. Lediglich bei Gerichtsterminen erschien sie, offenbar widerwillig, in einem Kostüm.

Dennoch zog sie den einen oder anderen Blick manch eines männlichen Kollegen auf sich. Dabei verblüffte ihn die kühle Art, wie sie Flirtversuche im Keim erstickte, ohne auch nur den Ansatz einer Gemütsbewegung preiszugeben. Als ob sie auf der zwischenmenschlichen Ebene quasi null wahrnehmen würde. Ganz anders verhielt es sich, wenn es um ihre Fälle ging. War sie gut gelaunt, schienen ihre Augen von innen heraus zu leuchten, doch bei den meisten Gelegenheiten, wie an diesem Morgen, sah Allington sie mit ernster Miene herbeieilen. Selten hatte er jemanden in seiner Abteilung gehabt, der so engagiert war. Bis dato hatte er es jedoch nicht vermocht, tiefere Motive für diesen Einsatz herauszufinden.

»So sehr hättest du dich nicht beeilen müssen, schließlich ist er schon tot. Eine alte Dame hat ihn bei ihrem Morgenspaziergang mit dem Hund gegen fünf Uhr 15 gefunden«, sagte Allington und hustete kräftig in die Hand. Seine Nase war gerötet, die Gesichtshaut blass und die Augen leicht geschwollen.

»Ja klar! Ich hätte also noch in Ruhe frühstücken sollen, so siehst du aus!«, giftete Winter mit einem Blick auf Denver, der noch an einem Ast hing. Mit leerem Magen vor einer Leiche zu stehen, gehörte nicht zu ihrem Alltag und gefiel ihr gar nicht. Auch wenn diese bestens gekleidet war, selbst die rote Seidenkrawatte saß unter dem Strick noch relativ ordentlich.

»Ziehen Sie nicht so ein Gesicht, junge Frau«, mischte sich der Forensiker ein, der Jarod Denvers Leiche seelenruhig inspizierte. »Ist doch die beste Zeit für einen erfrischenden Morgenspaziergang zwischen Herbstlaub und aufgehender Sonne!«

Rebecca blinzelte durch die bunte Baumkrone in den dunklen Himmel. Es war selbst für das gewöhnlich raue Inselklima ungewöhnlich kalt. Auf den erfrischenden Morgenspaziergang hätte sie gut verzichten können. »Wie lange hängt der da?« Winter wandte das Gesicht von dem Toten, als sie sprach.

»Alles in Ordnung, Rebecca?« Allington sah ihr an, wie betroffen sie war. Selbst für ihn waren Leichen in den letzten Jahrzehnten eher die Ausnahme.

Winter war für den Moment nur froh, die Muffins nicht im Magen zu haben, vergrub ihre Hände in den weiten Manteltaschen und blickte auf die vom gestauten Blut blau gefärbten Ohren der Leiche. An Denvers offenem Mund klebte getrockneter, blutversetzter Speichel. So etwas hatte sie als Spezialistin für Wirtschaftsdelikte noch nie gesehen. Sie war überhaupt noch keinem Toten so nahe gekommen. Der Anblick ekelte sie, und rasch wanderte ihr Blick wieder ab zu Allington. »Besser könnte es mir gar nicht gehen. Fehlt nur noch der Picknickkorb.«

»Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit.« Der Forensiker klatschte in die Hände, als wolle er sein Auditorium zur Ordnung rufen. »Der Zustand der Leiche lässt auf zwölf bis maximal 24 Stunden schließen. Zudem ist der Mudchute Park zu dieser Jahreszeit noch recht gut besucht. Also ist es unwahrscheinlich, dass der Mann hier länger als zwölf Stunden hängt.«

Rebecca Winter trat zurück, während zwei Beamte von Scotland Yard Denvers Leiche herabließen und zu Boden legten. »Haben Sie etwas gefunden, einen Abschiedsbrief, irgendwas?«

»Nur eine Geldbörse mit ungewöhnlich viel Bargeld und ein Prepaid-Handy«, berichtete der Forensiker.

Das war zu erwarten, dachte Winter. Die letzten Spuren, die Scotland Yard von Denver hatte ermitteln können, waren seine Kreditkarten, die er nach seiner Flucht vor zehn Monaten nur noch zweimal in Wien und Brüssel benutzt hatte.

»Moment.« Der Rechtsmediziner hatte das rechte Hosenbein hochgezogen und am unteren Fußgelenk eine Schürfwunde entdeckt.

»Was?«

...


Thore D. Hansen, geb. 1969, Politikwissenschaftler und Soziologe, arbeitete erfolgreich als Journalist und Kommunikationsberater. Die Finanzkrise erlebte er als Consulter von zwei der größten Banken Europas, teilweise im direkten Kontakt mit ihren Verursachern. Der Spezialist für internationale Politik und Geheimdienstarbeit ist heute freier Autor und setzt sich mit den ungeklärten Aspekten von Kultur- und Zeitgeschichte auseinander, um diese belletristisch zu verarbeiten. Zuletzt erschien von Hansen 2012 der Internetthriller "Silent Control", der den späteren NSA-Skandal in Teilen vorweg nahm.



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