Hanson | Einfach gute Manieren | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Hanson Einfach gute Manieren

Die Quintessenz von Höflichkeit, Charme und Anstand – ein Leitfaden | Das Handbuch der britischen Stilikone
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7453-2687-1
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Quintessenz von Höflichkeit, Charme und Anstand – ein Leitfaden | Das Handbuch der britischen Stilikone

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-7453-2687-1
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nirgendwo wird so viel Aufhebens um Manieren gemacht wie im Vereinigten Königreich, doch in einer sich schnell verändernden Welt scheint sich niemand so recht darauf einigen zu können, was genau gute Umgangsformen sind. William Hanson, der weltweit führende Experte für Etikette, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die guten Manieren der Briten in die Welt hinauszutragen. In diesem wundervollen Handbuch gibt er seine verbindliche Anleitung, wie man sich in jeder Situation zu benehmen hat - und zelebriert gleichzeitig die unverwechselbare feine englische Art, Dinge zu tun. Mit der perfekten Dosis seines unnachahmlichen trockenen Humors gelingt Hanson ein unverzichtbarer moderner Leitfaden für Etikette und Gebräuche - von Tischmanieren bis zum Plaudern über das Wetter.

William Hanson gilt als einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Etikette. Als Direktor des britischen Instituts »The English Manner« schult er zu korrekten Umgangsformen und guten Manieren. Hanson ist als Autor und Podcaster tätig und gibt seinen über vier Millionen Followern auf Instagram und TikTok wöchentlich Knigge-Tipps. Er hält zwei Guinness-Weltrekorde für Etikette.
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In Großbritannien gibt es keine komplexere soziale Frage als die, was zuerst auf die Scones kommt – die clotted cream oder die Marmelade. Die zweitschwierigste Frage ist die korrekte Aussprache des Wortes scone – denn das reimt sich auf gone. Keine Widerrede! Der König spricht es so aus, und es ist schließlich sein Englisch.

Hätte ich jedes Mal ein Pfund bekommen, wenn ein Journalist, ein Schüler oder ein Gesprächspartner in den Social Media mich fragte, wie ich in der Cream-Marmelade-Frage dachte, hätte ich heute dieses Buch nicht geschrieben. Ich wäre viel zu sehr damit beschäftigt, mich für teures Geld bronzebraun braten zu lassen und in meiner von Lauren Messelian gestylten Villa auf Mustique ein Abendessen im Freien zu veranstalten.

Ungefähr alle sechs Monate geistert die Cream-Marmelade-Debatte durch die britische Presse, ausgelöst meist durch irgendein bekanntes Gesicht. Während des Wahlkampfs 2015 war es der damalige Premierminister David Cameron, der in Barnstaple in Devon verlauten ließ, dass man dort zuerst Marmelade und dann Cream aufstreicht. Für alle, die mit dieser Diskussion nicht vertraut sind: So macht man das in Cornwall, aber keinesfalls in Devon. Das war eine gravierende Verletzung lokaler Bräuche. Sie können sich den Aufruhr vorstellen. Es ist ein Wunder, dass er nicht aus dem Amt gejagt und von der Clotted-Cream-Widerstandsgruppe (CCW) ins Visier genommen wurde. William und Catherine, die – bitte merken Sie sich das – den Titel Duke und Duchess of Cornwall tragen, setzten sich 2023 zwischen die Stühle, als Catherine meinte, sie hätte die Cream lieber obenauf. William übte sich in diplomatischer Zurückhaltung und vermied eine explizite Antwort. Devon und Cornwall sind die wichtigsten Produzenten von Clotted Cream. Und abgesehen von der Milchproduktion ist es den beiden südwestlichsten der britischen Countys ein Vergnügen, einander immer wieder in Rage zu versetzen. Ich vermute, die eindeutigen Bekenntnisse in der Cream-Marmelade-Angelegenheit sind hierfür das beste Beispiel.

Wenn ich »Etikette für den Afternoon Tea« unterrichte, was gelegentlich mehrmals am Tag vorkommt (2014 hatte ich 72 solcher Teestunden), dann rate ich den Teilnehmern: Wenn Sie in Devon ein Scone verzehren, dann bestreichen Sie es zuerst mit der Cream und dann mit der Marmelade, in Cornwall hingegen verfahren Sie in der umgekehrten Reihenfolge. Sollten Sie an irgendeinem anderen Ort der Welt Scones verzehren, dann verfahren Sie nach Ihren persönlichen Vorlieben. Ich bin in dieser Frage neutral, wie der Prince of Wales. Sie können nämlich die eine Hälfte so, die andere umgekehrt bestreichen.*

Briten aus dem Südwesten, die diese Zeilen lesen, schleudern dieses Buch jetzt vermutlich voll Abscheu in die Ecke, weil ich nicht klar Stellung beziehe. Es ist eine seltsame Eigenheit der britischen Etikette, die vorschreibt, dass wir auf solche Details Wert legen und alle, die nicht unserer Meinung sind, mit höchstem Misstrauen beäugen sollten. Aber das gehört nun mal zu den Exzentrizitäten, welche die Gewohnheiten und Verhaltenskodizes unserer Nation auszeichnen.

Und für diese lassen sich noch mehr Beispiele beibringen. Einmal war ich in Riad, um die Mitarbeiter einer führenden saudi-arabischen Bank in internationaler Geschäftsetikette zu unterweisen – was zu jener Zeit etwa zweimal pro Jahr vorkam. Unsere nachmittägliche Runde nahm eine ungewohnte Wendung, als bei der anstehenden Diskussion über Tischordnungen im Konferenzraum einer der zwölf Kursteilnehmer (es waren immer zehn Männer und zwei Frauen) von mir wissen wollte, wieso ich gerade gesagt hatte, dass wir uns in Großbritannien niemals zu dreizehnt an einem Tisch zum gemeinsamen Essen versammeln könnten. Denn mit mir waren wir dreizehn.

»Warum sollte das ein Problem sein?«, wurde ich verwundert gefragt.

»Nun, Abdulaziz, in Großbritannien heißt es, dass sich nie 13 Personen miteinander zum Essen an einen Tisch setzen sollten, denn dann könnte vielleicht einer aus der Gruppe sterben.« Erst als noch mal jemand nachfragte, wurde mir mulmig, denn da wurde mir bewusst, dass ich in einem zutiefst konservativen muslimischen Land über das Neue Testament dozierte.

Zu meiner Überraschung und Erleichterung schien sich niemand aus der Gruppe an meiner kurzen Zusammenfassung des letzten Abendmahls zu stören, das zum Verrat von Judas und zur Kreuzigung von Jesus geführt hatte. Meine pragmatischen Schüler wollten vielmehr wissen, was wir Briten denn täten, wenn zu Weihnachten nun einmal dreizehn Familienmitglieder da waren. Luden wir dann die Oma etwa aus? Oder bauten wir ein zweites Esszimmer an?

»Aber nein, das ist doch ganz einfach«, antwortete ich mit einem breiten Lächeln. »Einige britische Familien machen es so, dass sie den Tisch für 14 Leute decken und den Teddybär aus dem Kinderzimmer holen. Der bekommt dann den vierzehnten Stuhl und darf mit uns zu Abend essen.«

Als ich zu reden aufhörte, blickte ich in lauter verblüffte Gesichter. Offensichtlich dachten sie, dass ich – und natürlich vor allem die Briten, die so etwas taten – den Verstand verloren hätte. Mir aber, und ich wage zu behaupten wohl den meisten meiner britischen Leser, scheint die Teddybär-Lösung ganz normal, ja rational. Teddybären gehören nun mal zur Familie. Tatsächlich bringen viele traditionelle Briten (die sogenannten trad Brits) ihren Steiff-Tieren mehr Liebe und Zuneigung entgegen als ihren Blutsverwandten. Erst als ich das Bär-auf-Stuhl-Prinzip meinen arabischen Kursteilnehmern erklärte, wurde mir klar, dass es auf Papier geradezu aberwitzig wirkt.*

Ob es nun um die Schichtung der Scone-Toppings geht, um Aussprachedebatten oder Teddybären, die britischen Manieren sind ein bisschen schräg. Schräg, aber wunderbar. Während Italien an erster Stelle steht, was Essen und Kunst angeht, Frankreich in puncto Mode und Deutschland hinsichtlich seiner effizienten Ingenieure, sind wir Briten so ziemlich die Ersten, wenn es um Höflichkeit geht. Viele Jahrhunderte lang haben wir Briten uns der guten Manieren bemächtigt und sie mit unserer ureigensten Schicht Korrektheit überzogen, sodass wir nun bei diesem Thema die Marktführer sind.

Dem Himmel sei Dank, dass ich in Großbritannien das Licht der Welt erblickte und den Beruf habe, den ich jetzt ausübe. Da ich, außer die Leute in Etikette zu unterrichten, keine weiteren Talente besitze, wäre es für mich schwierig geworden, käme ich aus einem anderen Land. Können Sie sich vorstellen, dass ich als gebürtiger Australier mich jetzt bemühen würde, in einem Tech-Start-up in Wagga Wagga den Leuten beizubringen, wie man seine Serviette korrekt faltet? Oder als Norweger in Frederikstad den Leuten zeige, wie man Scones aufschneidet? Ich bin wirklich nicht sicher, wie das angekommen wäre.

Natürlich gibt es auch in diesen Ländern ausgezeichnete Benimm-Lehrer, die einen soliden Job machen, aber ich glaube nicht, dass die Saudis einen Australier oder Norweger damit betraut hätten, ihnen Business-Etikette zu vermitteln. Meine Nationalität hat sich als enormer Vorteil für mein Arbeitsleben erwiesen.

Dabei war es keineswegs mein erster Berufswunsch, Etikette zu unterrichten. Unmittelbar bevor meine Großmutter ihrem etwas frühreifen Enkel sein erstes Benimmbuch in die Hand drückte, wollte ich entweder Nachrichtensprecher oder Spion oder Erzbischof von Canterbury werden (nicht aus religiösen Gründen, sondern eher, weil die Amtstracht einfach abgefahren ist). Aber mein Leben änderte sich, nachdem ich mein Exemplar von John Morgans Etikette-Guide für Debrett’s in Händen hielt. Plötzlich gab es ein Thema, bei dem ich mir alles mühelos merken konnte. Was mein Geschichtslehrer über Pobedonoszew erzählte, blieb bei mir einfach nicht hängen. Und auch für Trigonometrie konnte ich mich nicht so recht begeistern. Aber mein Gehirn feuerte aus allen Rohren, wenn es lernen sollte, dass man, will man ein Büffet kredenzen, zuallererst ein Tischtuch ausbreiten sollte. Diese Regeln und Richtlinien zu kennen, sprach meine innerste Natur an und half mir, meinen Altersgenossen immer einen Schritt voraus zu sein. Wir sollten ja alle über russische Staatsmänner und Mathe-Gleichungen Bescheid wissen, aber ich wollte anders sein und mich auskennen, was gute Manieren betrifft.

So großartig John Morgans Buch war – und wenn das vorliegende nur ein Zehntel seines Wertes hat, wäre ich hingerissen –, bei dem zwölfjährigen William erweckte es doch eine ganze Menge Fragen. Es war ja gut und schön, dass Mr Morgan uns in die Regeln einweihte, aber ein paar Erklärungen dazu wären schon nett gewesen. Und so fing ich an, mir mehr Bücher über Etikette zu besorgen. Ich las mich in das Thema ein und zu meinem Glück fand ich Antworten auf meine Fragen.

Mein Interesse an diesen Dingen hat sich seitdem enorm ausgeweitet. Es vergeht kein Augenblick in meinem Leben, in dem ich mir keine Gedanken über die Regeln der Höflichkeit mache. Die brillante Camilla Long von der Sunday Times schrieb einmal, ich sei »durch und durch besessen von Servietten und dem korrekten Halbschuh«. Was bedeutet, dass ich nie wirklich abschalten kann, nie absichtlich unhöflich bin oder im Pyjama zum Briefkasten gehe. Bin ich tatsächlich mal zu jemandem unhöflich – immer unabsichtlich –, dann verfalle ich als Experte für gute Manieren und als Brite...


William Hanson gilt als einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Etikette. Als Direktor des britischen Instituts »The English Manner« schult er zu korrekten Umgangsformen und guten Manieren. Hanson ist als Autor und Podcaster tätig und gibt seinen über vier Millionen Followern auf Instagram und TikTok wöchentlich Knigge-Tipps. Er hält zwei Guinness-Weltrekorde für Etikette.



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