Harding | Finding home: Zuhause ist ... | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Harding Finding home: Zuhause ist ...


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96089-418-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-96089-418-6
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Jaden Matthews hat seinen Vater und die Familie seines Vaters nie kennengelernt, doch jetzt bekommt er einen Crashkurs darin, plötzlich Geschwister zu haben. Nach dem Tod seiner Großmutter findet er heraus, dass er drei Halbbrüder hat und Mitbesitzer eines Fitnessstudios ist. In Serenity, Florida. Da sein Leben in New York ohnehin gerade steinig ist, ist ein kleiner Urlaub dort vielleicht genau passend, um wieder klarzukommen. Chase Michaels hat seine Zukunft bei einem Autounfall vor zehn Jahren verloren. Sein neues Leben hat er sich in Serenity aufgebaut - ein Leben ohne emotionale Verwick-lungen. Doch das Treffen mit Jaden schaltet seinen Ver-stand aus und lässt sein Herz höherschlagen.

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Kapitel 1


Serenity war eine kleine Stadt in Florida und lag scheinbar mitten im Nirgendwo. Vielleicht existierte sie auch gar nicht. Jaden Matthews hatte keine Ahnung. Er kannte nur die Adresse, die seine Mutter ihm geschickt hatte. Es war also fragwürdig, ob es die Stadt überhaupt gab. Langsam fragte er sich, ob sie ihn nur zu der Reise überredet hatte, damit er nicht mehr bei ihr zu Hause hockte und Trübsal blies. Vielleicht hoffte sie auch, dass er von einem Alligator gefressen wurde. Jaden hatte gehört, dass das in Florida tatsächlich vorkam.

Er fuhr rechts ran. Sobald sein Auto stand, ließ er die Stirn gegen das Lenkrad sinken und stieß ein frustriertes Seufzen aus. Vier Stunden. So lange war er heute schon unterwegs. Sein Fuß war eingeschlafen, genauso wie sein Hintern. Er hatte Kopfschmerzen. Es fühlte sich an, als würde jemand seinen Schädel mit einem Presslufthammer bearbeiten. 

Google Maps hatte längst das Signal verloren. Jaden war auf einer einsamen Landstraße gestrandet, auf der es außer unzähligen Bäumen scheinbar nichts gab. Er musste dringend pinkeln. Doch was, wenn ein Bär ihn attackierte, sobald er aus dem Auto stieg? Das lag durchaus im Bereich des Möglichen. Er hatte Zeitungsartikel über Florida gelesen. Hier passierten nur schreckliche und bizarre Dinge.

Wie war er noch gleich hier gelandet? Ach ja, richtig. Als ob er das vergessen könnte. Die Geschichte ging folgendermaßen:

Vor zwei Monaten hatte sein Mann ihn nach neun Jahren Ehe verlassen, nachdem Jaden seinen Job in einer Steuerberatungskanzlei verloren hatte. Eigentlich hatte Jaden erwartet, dass man ihn bald in die Chefetage befördern würde, also war der Jobverlust ein Schock gewesen. Nun gut, Budgetkürzungen passierten. In diesem Fall musste man sich eben nach etwas Neuem umsehen. Er hatte gedacht, er würde schnell einen anderen Job finden. Steuerberater wurden immer gebraucht und Jaden hatte gute Referenzen. Drew hatte allerdings nicht gewartet, bis Jaden wieder auf die Beine kam. Vermutlich hatte es etwas mit dem Mann zu tun, mit dem er eine Affäre hatte. Einem Medizinstudenten. Jemandem mit großem Potenzial, der eine strahlende Zukunft vor sich hatte. Man musste kein Genie sein, um es zu kapieren. Jaden war fünfunddreißig und somit alt und langweilig. Vielen Dank auch. Drew behielt das Haus, bis sie eine einvernehmliche Lösung fanden. Jaden hatte das Auto behalten. Und Magneto, ihre Dogge. Das war die zweite Lektion, die er durch diese ganze Misere gelernt hatte: Man sollte immer einen Ehevertrag abschließen. Das wäre eine wirklich gute Idee gewesen. Jaden war zu seiner Mutter gezogen. Und dann war seine Großmutter gestorben. Er hatte nur vage Kindheitserinnerungen an sie; an die Kleider, die sie gerne getragen hatte, und an die Kuchen, die sie immer gebacken hatte. Sie hatte einen Hund gehabt, glaubte Jaden zumindest. Vielleicht war es auch eine Katze gewesen … Wie auch immer, sie war die Mutter seines Vaters. An ihn konnte Jaden sich nicht erinnern, sie hatten nie Kontakt zueinander gehabt. Doch seine Großmutter hatte er ein paarmal getroffen, als er noch klein gewesen war. Früher hatten sie sie manchmal besucht. Doch dann, als er fünf war, waren sie nach New York gezogen und der Kontakt war immer weniger geworden. Seine Großmutter hatte zu seinen Geburtstagen Geld und Glückwunschkarten geschickt. An Weihnachten hatten sie Weihnachtskarten und Schulfotos zurückgeschickt. Sie hatte ihr Haus und ihren Betrieb hinterlassen. Jaden wusste nicht, um was für eine Art Firma es sich handelte; er wusste nur, wem sie alles vermacht hatte: den Söhnen ihres Sohnes. Ja, tatsächlich. Söhne. Plural. Anscheinend hatte sein Vater sich ordentlich ausgetobt. Jaden wusste nicht, wo der Mann sich gerade herumtrieb. Es war ihm auch egal. Nun ja, jedenfalls tat er so, als wäre es ihm egal. Das war ein reiner Selbstschutzmechanismus. Eigentlich hatte er nicht nach Serenity kommen wollen. Er wollte mit seiner Verwandtschaft väterlicherseits nichts zu tun haben. Doch seine Mutter hatte ihn dazu gedrängt, wieder und wieder. Sie hielt es für eine fantastische Idee, wenn er seine Halbbrüder traf und das Kleinstadtleben kennenlernte. Du meinst doch auch immer, dass du einen Tapetenwechsel brauchst, hatte sie gesagt. Er bereute es, ihr jemals davon erzählt zu haben. Wenn er einfach die Klappe gehalten hätte, dann wäre er nie mitten im Nirgendwo auf einer einsamen Landstraße gestrandet und müsste sich keine Sorgen darüber machen, von wilden Tieren angefallen zu werden. Er kam aus New York; die gruseligsten Tiere, die er kannte, waren hungrige Eichhörnchen und fette Ratten. Magneto schlief nichtsahnend auf dem Rücksitz, schnarchte und sabberte auf die Ledersitze. Magneto hatte fast die ganze Reise hierher geschlafen, so auch heute. Sollten sie tatsächlich von einem Bären angefallen werden, würde Magneto keine große Hilfe sein. Jaden wusste nicht, wie Leute das aushielten. Er mochte es, alles in Gehweite zu haben, oder höchstens eine Viertelstunde mit dem Auto oder der U-Bahn entfernt. Wie konnte man nur so fernab der Zivilisation leben? Hier draußen gab es nicht mal Straßenschilder. Er hatte buchstäblich nicht die geringste Ahnung, wo er sich befand.

Während er weiter vor sich hin starrte und über die Lebensentscheidungen anderer Leute nachdachte, erblickte er drei Hirsche, die aus dem Wald trabten und die Straße kreuzten. Er hatte noch nie mit eigenen Augen einen Hirsch gesehen.

»Okay, ich gebe ja zu, das ist ganz cool«, sagte er zu sich selbst. 

Magneto schlief immer noch. Er schnarchte wie eine Kettensäge. Manchmal, wenn er seufzte, bliesen sich seine Hängebacken auf und flatterten. Jaden konnte es nicht leugnen: Er liebte Magneto mehr, als er Drew jemals geliebt hatte. Magneto hatte Drew wortwörtlich in den Hintern gebissen, als sie gegangen waren. Die Erinnerung daran brachte ihn immer noch zum Lächeln.

Er startete den Motor wieder und fuhr weiter die Straße entlang. Beziehungsweise das, was man hier wohl Straße nannte. Er fuhr. Und fuhr. Immer weiter. Der Tank war nur noch zu einem Viertel voll. Jaden sah der Anzeigennadel dabei zu, wie sie sank und sank … Und schließlich war es so weit. Das Auto wurde langsamer und dann standen sie mitten im Nirgendwo am Straßenrand. Mit leerem Tank. Das nächste menschliche Wesen war vermutlich Hunderttausende Kilometer entfernt.

»Schöne Scheiße.«

Magneto wachte auf, als Jaden den Motor anflehte, auf magische Weise wieder anzuspringen. Er leckte ihm über die Wange und schnaubte ihm mit seinem warmen Atem ins Ohr. Ziemlich eklig.

»Vielen Dank auch.« Jaden griff ins Handschuhfach und fand die Reinigungstücher, die er für solche Anlässe darin aufbewahrte. Er begann, Magnetos Sabber von seinem Gesicht zu wischen.

Magneto bellte.

»Was hältst du von einem Spaziergang?«, fragte er ihn ernsthaft.

Magneto machte es sich wieder auf dem Rücksitz bequem und legte die Pfoten über den Kopf.

»Ja. Das habe ich mir gedacht.«

Die Wetter-App auf seinem Handy hatte für heute lauschige Temperaturen von 37 Grad Celsius angekündigt. Das bewies wohl, dass Florida tatsächlich die Hölle auf Erden war. Es war Mai. Hatte man hier noch nie von Frühling gehört? Mangels Alternativen öffnete er die Autotür, um die feuchtwarme Luft hereinzulassen. Es fühlte sich an wie in der Sauna. Nur gab es hier keine halb nackten Männer und auch keine Klimaanlage. Außerdem machte er sich immer noch Sorgen wegen der Bären. Es war wohl an der Zeit, den Notruf zu wählen und zuzugeben, dass er ein Idiot war.

Erst, als die Frau am anderen Ende der Leitung fragte, wo er sich befand, fiel ihm auf, dass er richtig tief in der Scheiße saß. Er hatte nämlich keine Ahnung. Nicht einmal den Namen der Straße kannte er. Highway 28? 47? 79? Woher sollte er das wissen?

»Können Sie nicht mein Handy orten?«, fragte er. »Ich bin nicht von hier.«

Die Frau am Telefon seufzte genervt. Durfte sie das überhaupt? Er hatte hier ein ernstes Problem.

Tut mir schrecklich leid, dass ich Ihnen Unannehmlichkeiten mache.

Er verdrehte seine blauen Augen. Nicht nur wegen ihr, sondern wegen der Allgemeinsituation. Das hier fühlte sich an, als würde er mit Vollgas auf einen Abgrund zufahren.

In diesem Moment hörte er ein Fahrzeug. Er wandte sich um und sah, wie sich ein Auto rasch näherte. »Da kommt jemand«, unterbrach er die Frau am Telefon. »Ich sehe mal, ob das Auto anhält. Können Sie dranbleiben, falls etwas schiefgeht?« Wenn er brutal ermordet neben dem Highway endete, dann wollte er zumindest, dass die Polizei seinen Mörder schnell fand.

Die Frau seufzte ihm erneut ins Ohr. »Sehen Sie viel fern?«, fragte sie.

Jaden begann mit der freien Hand zu winken und versuchte, die Aufmerksamkeit des Fahrers auf sich zu ziehen. »Ja, tue ich«, antwortete er. Ob es eine gute Idee war, auf die Straße zu laufen? Wie standen die Chancen, dass das Auto ihn überfahren würde?

»Sind Sie ein Fan von CSI?«

Jaden entschied sich dazu, neben seinem Auto stehen zu bleiben. Hoffentlich würde Winken ausreichen, um zu signalisieren, dass er Hilfe brauchte. »Navy CIS mag ich lieber«, sagte er. »Und Criminal Minds. Die Serie ist gut.«

Sie murmelte etwas. Er verstand sie zwar nicht, aber es war vermutlich wenig schmeichelhaft.

»Ich sehe auch Nachrichten«, verteidigte er sich. »Und die sind nicht fiktional.« Er hatte eine gesunde Dosis Misstrauen, was die Welt und Menschen anging. Besonders Menschen gegenüber. Menschen waren unberechenbar. Kein bisschen wie Zahlen, die man mit Logik und einer Portion Hausverstand verstehen konnte.

Das Auto wurde langsamer und blieb...



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