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Hardtmuth / Hueck / Ramm | Corona und das Rätsel der Immunität | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

Hardtmuth / Hueck / Ramm Corona und das Rätsel der Immunität

Ermutigende Gedanken, wissenschaftliche Einsichten und soziale Ideen zur Überwindung der Corona-Krise
3. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7526-0191-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ermutigende Gedanken, wissenschaftliche Einsichten und soziale Ideen zur Überwindung der Corona-Krise

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

ISBN: 978-3-7526-0191-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das menschliche Immunsystem wird in der wissenschaftlichen Diskussion um COVID-19, bei den darauf basierenden Maßnahmen und den bevorstehenden Massenimpfungen bislang nur relativ einseitig betrachtet. Denn unser Immunsystem besteht nicht nur aus leiblichen, sondern auch aus seelischen und geistigen Komponenten, die es in die Betrachtung mit einzubeziehen gilt. Das Buch bemüht sich, basierend auf den Einsichten der Salutogenese und der Anthroposophie, um eine differenzierte Darstellung der Impfproblematik und unseres hochkomplexen Immunsystems. Ein erweiterter Begriff des Herzens als Ort des Gewissens, des moralischen Handelns und damit der menschlichen Freiheit ermöglicht uns ein tieferes Verständnis für das Wesen individueller menschlicher Gesundheit. Aus einem neuen Verständnis dessen, was den Menschen gesund macht und gesund erhält, ergeben sich Mut machende Ideen und das Vertrauen, wie diese schwerste Krise der Menschheit der Gegenwart überwunden werden kann. Es hängt von uns Menschen und unserem Herzensmut ab, wie unsere Zukunft gestaltet sein wird! Inhalt - Thomas Hardtmuth: Gesunder Menschenverstand oder Angst im Umgang mit COVID-19 - Bernd Ruf: Das Corona-Trauma und die therapeutischen Möglichkeiten der Notfallpädagogik - Christoph Hueck: Von der Protestbewegung zu gesellschaftlicher Zukunftsgestaltung - Michaela Glöckler: Das Herz als Zentralorgan des Immunsystems und Ort des Gewissens - Andreas Neider: Immunität - Freiheit und Liebe - Hartmut Ramm: Kosmische Motive im Umkreis von Corona-Pandemie und Großer Konjunktion

Dr. med. Thomas Hardtmuth, Jahrgang 1956, ist Arzt, freier Autor und Dozent für Gesundheitswissenschaften und Sozialmedizin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Seit 1985 ärzt-liche Tätigkeit an verschiedenen Kliniken im süddeutschen Raum, zuletzt Oberarzt für Chirurgie und Thoraxchirurgie am Klinikum Heidenheim. Regelmäßige Vorträge, Seminare und Veröffentlichungen auf dem Gebiet der medizinisch-anthroposophischen Menschenkunde. Einige seiner letzten Veröffentlichungen: Die Rolle der Viren in Evolution und Medizin - Versuch einer systemischen Perspektive, in: Jahrbuch für Goetheanismus 2019. In Vorbereitung: Das Mikrobiom des Menschen.
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THOMAS HARDTMUTH


GESUNDER MENSCHENVERSTAND ODER ANGST
IM UMGANG MIT COVID-19


Die gegenwärtige Corona-Krise erzeugt in weiten Teilen der Bevölkerung Angst und Verunsicherung. Die meisten Menschen sind mit den kaum nachvollziehbaren und oft widersprüchlichen wissenschaftlichen Aussagen zum Pandemiegeschehen überfordert, sodass eine eigene Urteilsbildung kaum möglich erscheint und der gesunde Menschenverstand im ständigen medialen Panik-Lärm unterzugehen droht. Verwirrung, Angst und Konfusion als Dauerzustand sind in hohem Maße schädlich nicht nur für unsere Gesundheit, sondern auch für das psychosoziale Klima und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

Der Umgang mit dem Corona-Thema in den Medien ist von einer bedenklichen Einförmigkeit geprägt, die eine lebendige Diskussionskultur, wie sie eigentlich essentieller Bestandteil jeder modernen, aufgeklärten, demokratischen Zivilgesellschaft sein sollte, vermissen lässt. In der Bevölkerung wächst die Skepsis und der Unmut über Entwicklungen, die Anzeichen einer Gesundheitsdiktatur tragen, wie sie von Juli Zeh schon vor über zehn Jahren in ihrem Roman beschrieben wurde. Die fehlende öffentliche Debatte und die Ignoranz gegenüber kritischen Positionen schaffen erst den Nährboden für Skepsis, Radikalisierung und Verschwörungs-Vermutungen.

Auch das Bild der Viren und ihre Bedeutung für Mensch und Natur hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt8, worüber kaum etwas bekannt ist, obwohl diese Wesen seit Monaten die Schlagzeilen beherrschen. Viren sind die ältesten, die häufigste und die am weitest verbreiteten Strukturen, die die Evolution überhaupt hervorgebracht hat. Ohne die Erkenntnis, dass Viren im Grunde die Ur-Bausteine des Lebens sind, kann ihre Rolle im Krankheitsgeschehen nicht verstanden werden.

Der vorliegende Text bemüht sich daher um Aufklärung über einige wesentliche Fakten im gegenwärtigen Pandemie-Geschehen, die in den Leitmedien mit besorgniserregender Konsequenz unterschlagen werden.

Viren sind als eine Art „Elementarteilchen“ im großen Netzwerk des Lebens zu verstehen. Sie als alleinige Krankheitsursache ohne einen größeren Lebenskontext zu betrachten, entspricht den antiquierten Denkmustern eines biomechanistischen Natur- und Menschenbildes, welches in isolierten Kausalketten, aber nicht in systemischen Zusammenhängen denkt, wie es für ein Verständnis der Mikroorganismen unabdingbar ist. Solange das Feindbild-Denken über die Viren nicht überwunden ist und wir sie weiterhin als Objekte zur Angstmache missbrauchen, übersehen wir die wirklichen, multifaktoriellen Ursachen von globalen Infektionsereignissen. Die Krise bietet hier die Chance für nachhaltige Lernprozesse.

Viren sind das häufigste Gebilde, das die Natur überhaupt hervorgebracht hat. Etwa 1031 Viren gibt es auf der Erde. Würde man die gesamte Virenmasse in einer Schicht über die Erdoberfläche ausbreiten, so wäre diese Schicht etwa 30 Meter dick. Viren machen also einen Hauptteil der Biomasse der Erde aus, würden wir sie in einer Reihe aneinanderfügen, ergebe sich eine Strecke von mehreren Millionen Lichtjahren.

Viren bestehen im Wesentlichen aus Erbsubstanz, die von einer Kapsel umgeben ist. Manche Viren haben zusätzlich noch eine Hülle, die aber von einer Wirtszelle, also von einem anderen Organismus abstammt. Die einfachsten, ursprünglichsten Viren sind die sog. Viroide, die lediglich aus einem ringförmigen RNA-Strang bestehen. Sie stehen am Anfang der Entwicklung des Lebens überhaupt, was mit dem Begriff der RNA-Welt oder der „Virus first“-Hypothese umschrieben wird. Mit der RNA fing alle physische Entwicklung des Lebens an, weswegen der genetische Code universell für alle Lebewesen gilt; Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere und Menschen haben alle dieselbe Grundstruktur des genetischen Codes, den man sich im Grunde wie einen Text vorstellen muss. Im Falle der RNA besteht er aus 4 Nukleinbasen in Analogie zu den Buchstaben: Adenin (A), Cytosin (C), Guanin (G) und Uracil (U). Bei der DNA ist das Uracil durch Thymin (T) ersetzt. Sowohl DNA- wie auch RNA-Viren enthalten entweder eine Einzel- oder Doppelstrang DNA bzw. RNA, wobei beim Doppelstrang immer korrespondierende Basenpaare vorliegen: Adenin-Thymin (A-T bzw. T-A, bei der RNA A-U bzw. U-A) und Guanin-Cytosin (G-C bzw. C-G). Jeweils 3 solche Basenpaare (Triplets) kodieren für eine Aminosäure. Sämtliche Proteine aller Organismen sind aus etwa 20 verschiedenen Aminosäuren aufgebaut, deren Reihenfolge eben die spezifische Qualität des Proteins ergibt. Also auch die Eiweiße sind wie die Gene einer universellen Gesetzmäßigkeit der Baustein-Sequenz unterworfen, die an Texte erinnert.

Die Viren kann man in gewisser Hinsicht als die Ur-Worte dieser biologischen Schrift auffassen.

Gene sind die Informationsträger, die mit der Höherentwicklung immer komplexer werden und beispielsweise beim Menschen aus bis zu 150.000 Basenpaaren pro Gen bestehen. Bei etwa 20.000 Genen umfasst also die menschliche Erbsubstanz etwa 3 Milliarden Basenpaare. Das Genom eines Virus kann aus nur einigen hundert oder tausend Basenpaaren bestehen.

Warum die Natur seit der Entstehung des Lebens mit einer solchen genetischen Universal-Sprache arbeitet, hat immer wieder zu weitreichenden grundsätzlichen Überlegungen Anlass gegeben, bis hin zur gleichsam biophilosophischen Aktualisierung des ersten Genesis-Satzes der hier eine sonderbare Plausibilität bekommt. Die DNA hat ja noch keine enzymatischen, stoffwechselaktiven Eigenschaften, sondern stellt lediglich eine Art Schrift dar, in der sozusagen das Zellgedächtnis niedergelegt ist. Diese Schrift als „Archiv“ der Vergangenheit wird aber im Lebendigen immer wieder neu aktualisiert bzw. „herausgegeben“, in dem die DNA-Ablesung in jeder Lebenssituation je nach Kontext neu konfiguriert und moduliert wird. Die frühere Auffassung, wir seien durch unsere Gene determiniert, ist heute nicht mehr haltbar, denn auch die Gene unterliegen einer höheren Regulation, die im Wesentlichen von uns selbst und unserem Verhalten abhängt. Natürlich sind wir durch unsere Gene mehr oder weniger festgelegt, aber auch das umgekehrte gilt, dass wir unser Genom ständig bearbeiten und umformen, je nachdem wie wir denken fühlen und handeln. Wie neueste Forschungen zeigen, weisen zum Beispiel Menschen mit Angststörungen epigenetische Veränderungen auf, die sich bereits nach einer vierwöchigen, kognitiven Verhaltenstherapie zurückbilden.9

Wir haben also direkten Einfluss auf unsere Gene.

Nur ein winzigster Bruchteil der Viren ist überhaupt bekannt. Es existieren inzwischen weltweit riesige Gen-Datenbanken, in denen die genetischen Codes von unzähligen Organismen hinterlegt sind, aber die Wissenschaft wird immer wieder von der Fülle unbekannten Gene, insbesondere bei den Viren überrascht. Pro Tag „regnen“ aus der Atmosphäre etwa 4 Milliarden Viren auf jeden Quadratmeter Erdboden herab, wovon weit über 90 Prozent völlig unbekannt sind.10 Die Bakterien in den Böden, aber auch höhere Organismen nehmen diese Viren auf und können sich dadurch genetisch verändern bzw. weiterentwickeln, z.B. immunologisch. Mit jedem Atemzug nehmen wir Zigtausende dieser Viren in uns auf. Ein Salatblatt enthält 1 Milliarde Viren, ein Milliliter See- oder Meerwasser kann bis zu 100 Millionen Viren enthalten, selbst im Trinkwasser wimmelt es nur so von diesen Wesen. Wie die Viren unter gesunden Verhältnissen mit unserem Organismus wechselwirken ist noch weitgehend unerforscht, aber die schnell wachsenden wissenschaftlichen Kenntnisse lassen noch einige Überraschungen vermuten.

Eine jüngste Analyse des Haut-Viroms bei 16 gesunden Probanden von jeweils 8 verschiedenen Hautstellen ergab viele Millionen verschiedene, virale Gensequenzen, die sich, wie bei den Bakterien, sowohl zwischen den einzelnen Menschen als auch auf den jeweiligen Haut-Arealen einer einzelnen Person deutlich unterschieden. Die Besiedlung mit den unzähligen verschiedenen Mikroorganismen (Mikrobiom) ist also bei jedem Menschen hoch individuell. Erstaunlicherweise waren 94,8 Prozent der dabei analysierten, viralen Gene gänzlich unbekannt,11 zeigten also keine genetischen Eigenschaften, die wir von Viren aus anderen Naturzusammenhängen kennen.

Die Haut des Menschen ist mit circa 10 Billionen Bakterien und etwa zehnmal so vielen Viren besiedelt. Dasselbe gilt für die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts, der Atemwege sowie des Urogenitalsystems. All diese Mikroorganismen sind primär keine Krankheitserreger, im Gegenteil; ohne diese wichtigen Symbionten könnten wir gar nicht leben, da sie in zahlreiche Stoffwechsel- und Regulationsprozesse involviert sind. Die Erforschung der physiologischen Bedeutung insbesondere der Viren steht erst ganz am Anfang.

Eine der wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte liegt in der Erkenntnis, dass unser gesamtes Genom ursprünglich aus Viren aufgebaut...



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