Hardy | Nur du stillst meine Sehnsucht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1556, 160 Seiten

Reihe: Bianca

Hardy Nur du stillst meine Sehnsucht


1. Auflage 2006
ISBN: 978-3-86295-874-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1556, 160 Seiten

Reihe: Bianca

ISBN: 978-3-86295-874-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie ist klein, zierlich und hat einen ausgesprochenen Dickkopf: Celie Favreau! Der raue Farmer findet die süsse Forstwissenschaftlerin hinrei



Kristin Hardy studierte Geologie und Physik und arbeitete nach ihrem Abschluss in Connecticut im Auftrag der NASA an der Entwicklung eines Telekops mit, dass mittlerweile die Erde umkreist. Doch der Drang zu schreiben wuchs.
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2. KAPITEL


„Tut mir leid“, sagte Ford, nachdem Rumson die Tür hinter sich zugeschlagen hatte. „Ich wollte Sie vorwarnen, aber es blieb keine Zeit.“

Celie zuckte mit den Schultern. „Dick und ich kennen uns schon länger, ich hätte mit so etwas rechnen müssen.“

„Meinen Sie, er wird Sie daran hindern, hier Ihren Job zu machen?“

„Er kann lästig werden, aber das ist auch alles.“

„Zeigen Sie mir die Probe.“ Er streckte die Hand aus, und sie reichte ihm das Glasröhrchen.

Ford studierte es eingehend. „Glauben Sie wirklich, es handelt sich um den Pilz?“

„Ich weiß es nicht. Der Belag ist nicht so grün wie sonst, aber die Rinde wies die typische Verdickung auf, und sie hatte Löcher. Sie könnten natürlich von einem Vogel stammen. Schwer zu sagen, ob es der Käfer war oder nicht.“

„Wo haben Sie es gefunden?“

„In einem Zuckerwald auf dem Weg hierher. Genau weiß ich es nicht mehr. Ich bin dem Besitzer begegnet, als ich die Probe nahm – ein Riese von einem Kerl, schwarze Haare.“ Und hinreißende Schultern, aber das wollte Bob Ford sicher nicht hören.

„Jacob Trask. Seine Ahornwälder grenzen an Institutsland.“ Bob schüttelte den Kopf. „Hoffen wir, dass wirklich nur Rinde dort drin ist. Im letzten Frühjahr hat er seinen Vater verloren. Die Familie braucht nicht noch mehr Kummer.“ Der Institutsleiter gab ihr das Röhrchen zurück und stand auf. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen Ihren Arbeitsraum und das Labor, das Sie benutzen können.“

Der Arbeitsraum war winzig, doch das störte sie nicht. Entscheidend war die Laboreinrichtung. Hier fand die echte Detektivarbeit statt, hier musste sich der Test, den Celie entwickelt hatte, um Käferbefall nachzuweisen, bewähren.

Sie stellte ihre Notebooktasche ab und machte sich daran, den PC anzuschließen.

„Da bist du ja endlich!“

Celie fuhr herum. An der Tür stand eine schmale Blondine. „Marce! Wie schön, dich zu sehen.“ Sie sprang auf und umarmte die Kollegin herzlich.

„Gleichfalls. Ich dachte, du wolltest schon gestern Abend hier sein.“

„Ich habe dir eine Nachricht hinterlassen, weil ich zu spät weggekommen bin. Unterwegs habe ich Halt gemacht und bin heute Morgen weitergefahren.“

Marce nahm ihren Arm. „Komm, es ist gleich Feierabend. Lass uns eine Pizza holen, und dann kannst du dich bei mir häuslich niederlassen.“

„Nicht zu fassen. Ich lebe seit drei Jahren hier und bekomme kaum Menschen zu Gesicht. Du hältst im Wald, um dir einen Baum anzusehen, und begegnest einem Gott?“ Marce biss in ein Stück Peperoni-Pizza.

„Er ist nicht vom Himmel gefallen, falls du das meinst. Ehrlich gesagt, er schien ziemlich abgenervt, weil ich auf seinem Grundstück war. Ich wollte nur noch weg.“

„Bevor oder nachdem du beschlossen hattest, dass du von ihm ein Baby willst?“

„Ein Baby? Nicht im Traum!“

„Bist du sicher, dass du nicht geträumt hast? So wie du ihn beschreibst, kenne ich in der Gegend keinen, der so aussieht. Glaub mir, den hätte ich mir gemerkt.“

„Bob Ford sagte, es wäre Jacob Trask.“

„Jacob Trask?“ Marce ließ fast ihre Pizza fallen. „Moment mal, der Jacob Trask, den ich kenne, sieht wie ein Fallensteller zu Zeiten des großen Goldrauschs aus. Ausgeschlossen, dass wir über denselben Mann reden. Schön, er ist ein Hüne, aber …“

„Nun ja, ich habe ihn Bob nicht in allen Einzelheiten beschrieben. Vielleicht irrt er sich.“

„Hoffen wir’s. Jacob Trask ist ein ziemlich mürrischer Kerl, lass dir das gesagt sein. Letztes Jahr musste ich ihm helfen, seinen Zuckerwald auszulichten. Die Sätze, die er von sich gegeben hat, konnte ich an einer Hand abzählen. Obwohl …, für dich dürfte das kein Problem sein.“

Celie setzte ihr Bier ab. „Willst du damit sagen, ich rede zu viel?“

„Das würde ich nie wagen. Okay, ich benutze Handzeichen, um mich verständlich zu machen, wenn du einmal losgelegt hast. Aber ich bin sicher, es gibt Situationen, in denen du nicht geschwätzig, sondern einfach redegewandt bist.“

„Ich rede nur viel, wenn ich nervös bin!“

„Schätze, dann bist du ständig nervös.“ Marce duckte sich, als Celie die zusammengeknüllte Serviette nach ihr warf.

„Ich sage nie wieder ein Wort“, maulte sie.

„Wer’s glaubt …“

Jacob ging durch den Flur der James-Woodward-Grundschule. Früher war er gerannt, sobald der Pausengong ertönte, nur um so schnell wie möglich nach draußen zu kommen.

Heute war er nicht auf dem Weg in den Klassenraum, sondern zum Farmertreffen, aber an seinem Unbehagen hatte sich nichts geändert. Ein Raum voller Menschen erwartete ihn. Sicher, die Gespräche würden sich größtenteils um die Ahornsirup-Produktion drehen, aber er wäre lieber zu Hause geblieben, hätte gelesen oder Gitarre gespielt, anstatt krampfhaft zu überlegen, was er sagen sollte.

Stimmen schallten ihm entgegen, lauter als gewöhnlich. Als er sah, wie sich die Farmer um die Kaffeemaschine drängten, fragte er sich unwillkürlich, ob eine freundliche Seele einen Imbiss spendiert hatte. Da teilte sich die Menge, und er sah, was die Aufmerksamkeit erregte.

Beziehungsweise, wer.

Der Wichtel, den er in seinem Zuckerwald erwischt hatte. Ohne den dicken Parka wirkte sie noch zierlicher. Sie trug eine schmale rote Hose, eine schimmernde weiße Bluse und hatte sich einen schwarz-weiß-karierten Pulli über die Schultern gelegt. Damit hob sie sich lebhaft von den gedeckten Farben der Umstehenden ab. Mit der Energie, die sie ausstrahlte, nahm sie mehr Raum ein, als man es ihr aufgrund ihrer Größe zugetraut hätte.

Seit er sie am Tag zuvor in seinem Wald erwischt hatte, war sie ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Immer wieder sah er ihre lachenden Augen vor sich, die weichen, verlockenden Lippen. Und im Schlaf war sie durch seine Träume gegeistert, hatte in ihm eine seltsame Rastlosigkeit hinterlassen, wenn er wieder aufwachte.

Er betrachtete sie, sah, wie sie redete, gestikulierte. Ein bunter Schmetterling. Er hörte sie lachen, perlend, aus dem Bauch heraus und unwiderstehlich ansteckend. Jacob war versucht hinüberzugehen. Nur um herauszufinden, wer sie war, nicht um sie sich näher anzusehen.

Die Tatsache, dass sie gestern in seinem Wald und heute bei dieser Versammlung war, wies daraufhin, dass sie etwas mit dem Institut zu tun hatte. Also musste er mit ihr reden. Sich nicht von einem hübschen Gesicht und einem erfrischenden Lachen ablenken lassen. Jacob hatte im Internet recherchiert und wusste um die Gefahr, die der Bockkäfer für die Ahornbestände bedeutete. Er musste herausfinden, ob es ihn persönlich betraf.

Bob Ford vom Forschungsinstitut klopfte aufs Mikrofon. „Okay, Leute, lasst uns anfangen. Wir schicken ein paar Formulare rum. Machen Sie bitte Ihre Eintragungen und geben Sie sie uns am Ende nach vorn. Wir müssen das Anschriftenverzeichnis aktualisieren.“ Jemand reichte Jacob ein Klemmbrett. Er zog einen Kugelschreiber hervor und beugte sich über das Blatt, um seine Personalien zu notieren. Als er die Fragen las, runzelte er die Stirn. Anzahl der Zapfstellen? Monokultur oder Mischwald? Was zum Teufel …

Ein Duft stieg ihm in die Nase, zart nur, aber eindeutig weiblich. Irritierend. Jacob sah auf. Sie setzte sich neben ihn.

Seine Sinne traten in Alarmbereitschaft.

„Hi“, flüsterte sie. „Ist der Platz frei?“

Verhalten, ein wenig heiser. So wie sie sich vielleicht bei einem Drink in einer schummrigen Bar anhören würde.

Oder in einem Schlafzimmer, spät in der Nacht.

„Gehört Ihnen“, sagte er, während er mit seiner Fantasie kämpfte.

Mit ihrem Lächeln ging die Sonne auf.

Vorn auf dem Podium räusperte sich Ford. „Da ich jeden von Ihnen kenne, kann ich es mir sparen, mich vorzustellen, und komme gleich zur Sache. Wie einige von Ihnen vielleicht gehört haben, wurden im Bundesstaat New York Populationen des Ahorn-Bockkäfers entdeckt. Das bedeutet, dass wir es mit ihm zu tun bekommen könnten. Verstehen Sie mich richtig, dieser Käfer ist in der Lage, ganze Ahornwälder zu vernichten. Ganze Wälder, Leute. Also kein Ahornsirup mehr, keine Bilderbuchherbstwälder, keine Touristendollars, nichts mehr. Wir haben Celie Favreau von APHIS, dem Tier- und Pflanzengesundheitsdienst des Landwirtschaftsministeriums, eingeladen, sich in der Gegend umzusehen. Sie wird eine Weile im Woodward Institute arbeiten und Ihnen heute Abend erzählen, was uns bevorsteht. Celie?“

„Wünschen Sie mir Glück“, flüsterte sie, straffte die Schultern und erhob sich, um nach vorn zu gehen. Sie stellte sich nicht hinter das Rednerpult, sondern lehnte sich an den Tisch daneben, das Mikrofon in der Hand. Auf die Entfernung kam sie Jacob noch kleiner vor als in seinem Wald.

„Guten Abend. Ich bin Celie Favreau von APHIS und leite das Programm zur Bekämpfung des Ahorn-Bockkäfers. Wer von Ihnen weiß Näheres über ihn?“ Nur ein paar Hände, darunter Jacobs, gingen nach oben. Celie nickte. „Schön, lassen Sie mich kurz ein paar Informationen geben. Der Ahorn-Bockkäfer ist ein übler Kunde. Er misst nicht ganz anderthalb Zentimeter und wird oft mit einer harmlosen Borkenkäferart verwechselt. Im Gegensatz zum Borkenkäfer befällt er allerdings lebendes Holz. Zuckerahornbäume sind seine Leib- und Magenspeise.“

Sie blickte in die Runde. „Er bohrt sich durch die Rinde und legt seine Eier dahinter ab. Ein befruchtetes Weibchen kann innerhalb weniger Wochen...



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