E-Book, Deutsch, Band 142023, 144 Seiten
Reihe: Julia
Hardy Sei meine Königin der Nacht
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1866-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 142023, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1866-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie soll die Kronprinzessin von Charlmoux sein? Louisa kann kaum glauben, was der faszinierende Sébastien Moreau behauptet. Aber ein DNA-Test bestätigt den ungeheuren Verdacht, und Séb, der bis zu dem Dokumentenfund selbst Anspruch auf den Thron hatte, bietet ihr an, sie auf ihre Rolle als zukünftige Monarchin vorzubereiten. Er eröffnet Louisa eine neue Welt - der Macht und der Liebe! Denn heiß flirtet er mit ihr. Doch seine Küsse wecken in Louisa einen dunklen Verdacht: Will Séb sie nur erobern, um durch eine Heirat doch noch König zu werden?
Kate Hardy wuchs in einem viktorianischen Haus in Norfolk, England, auf und ist bis heute fest davon überzeugt, dass es darin gespukt hat. Vielleicht ist das der Grund, dass sie am liebsten Liebesromane schreibt, in denen es vor Leidenschaft, Dramatik und Gefahr knistert? Bereits vor ihrem ersten Schultag konnte Kate Hardy fließend lesen. Mit blühender Fantasie dachte sie sich Geschichten aus und schrieb sie auf einer Schreibmaschine nieder, die sie zu ihrem sechsten Geburtstag bekommen hatte. Ihren ersten Liebesroman, der niemals veröffentlicht wurde, schrieb sie mit dreizehn Jahren. Kate Hardy studierte englische Literatur des Mittelalters, heiratete und bekam zwei Kinder. Sie arbeitete freiberuflich als Journalistin im Gesundheitsbereich, doch ihre wahre Berufung fand sie erst, als sie ihr Interesse für Medizin mit Romantik verband und ihren ersten Arztroman schrieb, der auf Anhieb das Lesepublikum begeisterte. Seitdem hat sie weitere 33 Arztromane, einige erotische Liebesromane und mehrere Sachbücher zum Thema Gesundheit geschrieben.
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1. KAPITEL
„Louisa, das Kleid ist wunderschön – einfach ein Traum!“
Jess, die zukünftige Braut, betrachtete sich im Spiegel. „Ich …“ Es verschlug ihr die Sprache.
„Ach, meine Süße.“ Ihre Mutter tupfte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Du siehst aus wie eine Prinzessin. Dein Vater wird bei deinem Anblick ganz gerührt sein, und Kev wird es einfach umhauen.“
Louisa lächelte den beiden zu. Das hier war für sie immer der schönste Moment bei ihrer Arbeit: wenn die Kundin das Kleid nach den letzten Anpassungen anprobierte. Dieses Kleid war sehr aufwendig gewesen, denn Louisa hatte die Spitze an der Corsage von Hand gefertigt und die Perlen selbst aufgenäht, auch die auf dem Schleier. Und Jess’ strahlendes Lächeln war die vielen Stunden Arbeit wert.
„Sie sehen bildhübsch aus“, sagte Louisa. „Ich würde gern ein Foto für unsere Website machen, dann packe ich das Kleid für Sie ein. Hängen Sie es bitte nicht auf, denn der Perlenbesatz ist schwer, sodass es reißen könnte. Lassen Sie es also lieber bis Samstag in der Schachtel.“
Sie machte ein paar Fotos. „Die Bilder kommen erst nach Ihrer Hochzeit auf die Website. Aber ich schicke Ihnen jetzt schon mal eins zu, damit Sie es Ihren Freundinnen und Ihrem Vater zeigen können.“
Nachdem sie das Kleid fachmännisch so zusammengelegt und verpackt hatte, dass es nicht knittern würde, verließen die beiden Frauen damit das Geschäft. Louisa blickte auf die Uhr. In einer Dreiviertelstunde hatte sie den nächsten Termin, diesmal allerdings nicht mit einer Braut.
Ein Mann namens Sébastien Moreau hatte sie gestern angerufen, offenbar um mit ihr über Kulturerbe zu sprechen. Eigentlich hätte er ein Treffen bei der Organisation vereinbaren können, für die sie zwei Tage pro Woche arbeitete. Doch die Aussicht, mit alten Stoffen zu arbeiten, war für Louisa immer unwiderstehlich. Eigentlich hätte sie sich schon an das nächste Hochzeitskleid machen müssen, doch sie konnte einfach heute Abend etwas Arbeit nachholen. Schließlich wartete ja kein Partner auf sie.
Louisa stellte den Tisch auf, den sie und ihre Cousinen für Erstgespräche mit Kundinnen nutzen. Sie legte auch immer Bleistift und Papier hin, damit sie sich Notizen machen und etwas skizzieren konnte, das sie dann später in eine Datei übertrug. Dann füllte sie Kaffee in die Cafetiere und stellte zwei Becher bereit.
Nun hatte sie noch eine halbe Stunde Zeit – nicht genug, um sich einem der drei Kleider zu widmen, an denen sie gerade arbeitete. Ihre Cousinen – der Rest des Teams von Wilson & Granddaughters – waren unterwegs, Sam bei einer Hochzeitsmesse, Milly beim Großhändler. Ihnen konnte sie also auch nicht bei ihren Projekten helfen.
Zeit zu verschwenden widerstrebte Louisa sehr, also beschloss sie, am Geburtstagsgeschenk für ihre beste Freundin zu arbeiten. Sie stickte Nina ihr Lieblingssonett von Shakespeare mit Stielstich, eingerahmt von Veilchen.
Louisa war ganz in ihre Handarbeit vertieft, als es klingelte. Schnell legte sie das Stickzeug zurück in eine Kiste und ging zur Tür.
„Mr. Moreau?“, fragte sie lächelnd.
Der Mann, der vor ihr stand, war groß und jünger als erwartet, nur wenige Jahre älter als sie. Mit dem dunklen Haar, dem sinnlichen Mund und dem leicht olivfarbenen Teint hätte er als Model in einem hochwertigen Hochzeitsmagazin auftauchen können.
Sein perfekt sitzender Anzug war aus teurem, edlem Stoff – am liebsten hätte Louisa sich Futter und Säume angesehen. Und sie fühlte sich sehr zu Sébastien Moreau hingezogen. Doch ein so attraktiver Mann war ganz sicher gebunden.
Also riss sie sich zusammen und sagte: „Kommen Sie doch bitte herein. Kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten?“
„Gern, vielen Dank, Miss Gallet. Schwarz, ohne Zucker.“
„Setzen Sie sich doch, ich bin gleich wieder da.“
Die Fotos, die Séb von Louisa gesehen hatte, wurden ihr nicht gerecht. Mit der schwarzen Hose, dem schwarzen Trägertop und dem lässig hochgesteckten Haar wirkte sie professionell und kreativ zugleich.
Und ihr Lächeln machte tatsächlich alles heller. Sie strahlte eine Wärme aus, die er nicht erwartet hätte. Doch jemand, der viel mit Bräuten und Teenagern zu tun hatte – sie nähte auch Kleider für Abschlussbälle –, musste natürlich in der Lage sein, nervöse Kunden zu beruhigen.
Sie sah ihrer Mutter sehr ähnlich, und Séb konnte gut verstehen, dass Prinz Louis von Catherine Wilson hin und weg gewesen war. Er sah sich in dem kleinen, picobello aufgeräumten Zimmer um. In einer Ecke standen eine Chaiselongue und ein kleiner Couchtisch, sicher für die Familienmitglieder ihrer Kundinnen. Außerdem sah er eine Umkleidekabine und einen Tisch mit vier Stühlen, an dem Louisa ihren Kundinnen vermutlich Entwürfe zeigte. Auf einem kleinen Schreibtisch standen ein Laptop, eine Lampe und ein gerahmtes Foto. Nirgends lagen Schnipsel oder Stoffreste herum.
An der Wand hingen Fotos von Bräuten und jungen Mädchen beim Abschlussball. Séb stand auf und sah sich das Foto auf dem Schreibtisch an. Darauf waren fünf Frauen zu sehen, die Arm in Arm unter einem Bogen aus Rosen standen. In der Mitte Louisa in einem Abschlussballkleid. Sie war etwa 16, das Bild war also kurz vor dem Tod ihrer Mutter entstanden. Catherine stand neben ihr. Die wunderschöne Frau von dem Hochzeitsfoto aus New York war noch zu erkennen, doch sie wirkte erschöpft und ausgezehrt. Um den Kopf trug sie ein Seidentuch – vermutlich war ihr bei der Chemotherapie das Haar ausgefallen.
Neben Louisa stand eine ältere Frau, die den anderen sehr ähnlich sah: Veronica Wilson, Catherines Mutter. Die anderen beiden Frauen hatten Louisas Gesichtszüge, waren aber blond. Séb vermutete, dass es die beiden Cousinen waren, mit denen sie Wilson & Granddaughters betrieb. Sicher war es Catherines letzter Sommer gewesen. Wie schön, dass sie zumindest noch Louisas Abschlussball miterleben durfte …
Séb gab sich einen Ruck. Er war wegen einer rein geschäftlichen Angelegenheit hier, da waren Gefühle unangebracht. Er wollte Louisa Gallet überreden, einen offiziellen DNA-Test durchzuführen, dessen Ergebnis rechtlich bindend wäre.
Und sollte der Test ergeben, dass sie tatsächlich Louis’ Tochter war, würde er sie dazu bewegen, seine Frau zu werden.
Louisa kam herein und stellte zwei Becher Kaffee auf den Tisch. „Ich habe leider keine Kekse da“, entschuldigte sie sich. „Kekskrümel und Stoffe sind keine gute Kombination.“ Als sie lächelte, wurde ihm am ganzen Körper heiß.
„Am Telefon sagten Sie etwas von Erbe“, erinnerte sie sich. „Warum haben Sie mich eigentlich hier angerufen und nicht im Institut für Kulturerbe?“
Séb war bewusst vage geblieben, denn diese Angelegenheit musste er von Angesicht zu Angesicht besprechen. „Es geht nicht um Textilien, sondern um Ihr Erbe.“
Mein Erbe?, dachte Louisa verwirrt. Dann fiel ihr ein, dass Sébastien Moreau einen französischen Nachnamen und einen leichten französischen Akzent hatte.
Du lieber Himmel. War ihr Vater, den sie nie kennengelernt hatte, nicht Franzose gewesen?
Mit seinem edlen Anzug, den polierten Schuhen und der Aktentasche sah Sébastien Moreau aus wie ein teurer Anwalt. Hatte die Familie ihres Vaters ihn geschickt, damit sie sich nicht selbst mit ihr befassen musste?
Doch Louisa schob diese absurden Gedanken beiseite. „Der Nachlass meiner Mutter wurde schon vor zehn Jahren geregelt. Und meine Großeltern leben beide noch. Ich glaube, hier liegt ein Irrtum vor.“
„Es geht um die Familie Ihres Vaters“, bestätigte er ihren Verdacht.
Sie schluckte. Dann blickte sie ihn an. „Sie sehen aus wie ein Anwalt. Dann wissen Sie doch sicher, dass mein Vater bei einem Autounfall wenige Wochen nach der Hochzeit mit meiner Mutter ums Leben kam.“ Mühsam unterdrückte sie ihren Ärger. Aber dieser Mann hier konnte ja nichts dafür, dass die Familie ihres Vaters so herzlos war. „Seine Familie und die meiner Mutter hatten schon vor meiner Geburt keinen Kontakt, und ich will auch keinen.“ Schließlich hatten diese Leute Catherine nie akzeptiert: Sie hatten die Leiche von Louisas Vater schnellstmöglich nach Frankreich überführt. Aber um Catherine hatten sie sich nicht gekümmert. Sie hatte nicht zur Beerdigung reisen können, es gab Probleme mit dem Visum. „Sie verschwenden Ihre Zeit, Mr. Moreau.“
„Es gibt da eine Erbschaftsangelegenheit, über die ich mit Ihnen sprechen muss, Miss Gallet.“
Louisa hob das Kinn und sah ihm direkt in die Augen. „Was die Familie meines Vaters zu sagen hat, interessiert mich nicht. Ich bin mein Leben lang gut ohne sie zurechtgekommen. Wenn jemand gestorben ist und mir etwas vererbt hat, dann spenden Sie es bitte einer wohltätigen Organisation.“ Von diesen Menschen würde sie auf keinen Fall etwas annehmen.
„Ich verstehe Ihre Ablehnung, Miss Gallet“, erwiderte er. „Aber es geht wirklich um eine wichtige Angelegenheit. Ich brauche eine DNA-Probe von Ihnen.“
„Nein.“
Séb war sich ziemlich sicher, dass Louisa bei ihrer Weigerung bleiben würde, auch wenn er ihr erzählte, dass sie womöglich Anwärterin auf den Thron von Charlmoux war. Ganz offensichtlich wollte sie nichts mit der Familie ihres Vaters zu tun haben.
In gewisser Hinsicht erledigte sich damit sein Problem von selbst. Wenn sie ihren Anspruch auf den Thron nicht wahrnehmen wollte, konnte er Ende des Jahres wie geplant die Regentschaft von Henri...




