Harper | Das Geheimnis der italienischen Braut | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1873, 144 Seiten

Reihe: Romana

Harper Das Geheimnis der italienischen Braut


1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86349-431-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1873, 144 Seiten

Reihe: Romana

ISBN: 978-3-86349-431-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit gemischten Gefühlen reist Jackie zur Trauung ihrer Schwester in ihr italienisches Heimatdorf. Denn die Feier soll im malerischen Palazzo Raverno stattfinden. Das bezaubernde Schlösschen am See bildet die ideale Kulisse für eine romantische Hochzeit - doch es gehört den Puccinis. Ein Wiedersehen mit ihrer Jugendliebe Romano Puccini ist unvermeidlich. Und genau danach sehnt sich Jackie und fürchtet es zugleich. Seit ihrer Rückkehr denkt sie immer wieder voller Sehnsucht an jene heimlichen Stunden verbotenen Glücks, von deren Folgen Romano bis heute nichts ahnt ...



Als Kind wurde Fiona dauernd dafür gehänselt, ihre Nase ständig in Bücher zu stecken und in einer Traumwelt zu leben. Dies hat sich seitdem kaum geändert, aber immerhin hat sie durch das Schreiben ein Ventil für ihre unbändige Vorstellungskraft gefunden. Fiona lebt in London, doch sie ist auch gern im schottischen Hochland oder genießt Sommernachmittage in der grünen englischen Landschaft. Sie tanzt gern und kocht mit Vorliebe Gerichte mit Zimtgeschmack. Natürlich kann sie sich immer noch nicht von einem guten Buch oder Film lösen, vor allem Liebesromanzen lassen sie nicht los. Allerdings muss sichergestellt sein, dass immer ausreichend Taschentücher vorrätig sind, denn sie weiß, sie wird sie brauchen, unabhängig davon, ob das Ende glücklich oder traurig ist.

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1. KAPITEL

Die Klimaanlage in der Limousine funktionierte ausgezeichnet. Doch während Jackie durch die getönten Scheiben die sanften Hügel, die Weinberge und Olivenhaine betrachtete, hatte sie das Gefühl, die warme Sonne auf ihren Armen zu spüren. Das war natürlich eine Illusion, aber sie war Expertin darin, sich solchen Sinnestäuschungen hinzugeben. Also machte sie es auch dieses Mal und genoss es.

Das Nachhausekommen würde sich auch als Wunschvorstellung erweisen. Es würde laute Begrüßungen, tausend Umarmungen und Familienessen geben, bei denen man kaum sein eigenes Wort verstand. Und über all dem würde ein Hauch von Skepsis liegen, als wären alle auf der Hut. Das war immer so. Selbst ihre Geschwister, ihre Cousine und Cousins, die ihr Geheimnis nicht kannten, schienen die seltsame Atmosphäre zu spüren und gingen zu ihr auf Distanz.

Auf diese Weise trugen sie dazu bei, dass sie ihre italienische Herkunft mütterlicherseits verleugnete und sich auf ihre englische Abstammung väterlicherseits konzentrierte. Sie hatte eine beachtliche innere Stärke entwickelt und hielt eiserne Disziplin. Sie strebte nach Perfektion und war in allem, was sie tat, unübertroffen.

Um Zeit zu haben, sich vor dem Wiedersehen zu sammeln, hatte sie ihrer Familie die genaue Ankunftszeit nicht mitgeteilt. Zwei Jahre war sie nicht mehr in Monta Correnti gewesen, und normalerweise kam sie nur im Winter. Die Sommer waren ihr zu sehr mit Erinnerungen behaftet, mit denen sie sich nicht auseinandersetzen wollte. Doch ihre ältere Schwester hatte beschlossen, ausgerechnet an einem Wochenende im Mai zu heiraten, sodass Jackie keine andere Wahl gehabt hatte. Trotz aller Anstrengungen schaffte sie es offenbar nicht, sich den Zwängen und Erwartungen ihrer großen italienischen Familie zu entziehen.

Schließlich wandte sie den Blick ab von der wunderschönen Landschaft und dem beinah schmerzlich klaren blauen Himmel und nahm die Modezeitschrift in die Hand, die neben ihr auf dem Ledersitz lag und ein Konkurrenzmagazin der Gloss! war. Sie verzog triumphierend die Lippen, als sie feststellte, dass ihr Team wesentlich besser über die neuesten Modetrends berichtet hatte. Etwas anderes erwartete sie auch gar nicht von ihren Mitarbeitern, denn dafür wurden sie bezahlt.

Unter all den vorgestellten Designermodellen ragten die von Puccini, dem berühmtesten italienischen Modeschöpfer, heraus. Sie erkannte sie am Stil, an der dezenten Eleganz und dem verführerischen Zauber. Seit Rafaele Puccini das Entwerfen der Kollektion seinem Sohn übertragen hatte, war dieser Modeschöpfer noch berühmter und bekannter als zuvor.

Romano Puccini verstand die Frauen offenbar so gut, dass er die faszinierendsten Kreationen für sie erschuf. Viele Jahre hatte Jackie der Versuchung widerstanden, sich eins seiner Modelle zu kaufen, bis sie doch eines Tages schwach geworden war. Allerdings hatte sie es nur einmal getragen und sich darin sehr sexy, sehr weiblich und zugleich sehr selbstbewusst und stark gefühlt. Seitdem hing es jedoch in der hintersten Ecke ihres Kleiderschranks.

Jedenfalls war das Haus Puccini ungemein erfolgreich. Die Frauen strömten in Scharen in die Boutiquen, um eine dieser Kreationen zu erstehen. Abgesehen von seinem guten Aussehen und seinem umwerfenden Charme wusste Romano Puccini genau, wie er ein weibliches Wesen dazu bringen konnte, sich wie Botticellis Venus zu fühlen. Das war natürlich auch nur eine Illusion. Wer wüsste das besser als Jackie?

Sie runzelte die Stirn, wenngleich nur kurz. Bis jetzt hatte sie der Versuchung widerstanden, sich die wenigen Falten wegspritzen zu lassen. Aber als Chefredakteurin des bekanntesten und auflagenstärksten Londoner Modemagazins hatte sie viel mit attraktiven Geschlechtsgenossinnen zu tun, die Jugend und strahlende Schönheit verkörperten. In einer solchen Umgebung zu arbeiten und zu leben konnte jede Frau über zweiundzwanzig in Depressionen stürzen.

In dem Augenblick läutete ihr Handy, und sie war froh über die Ablenkung. Als sie es aus der Tasche zog und die Anrufer-Identifikation auf dem Display erkannte, durchflutete sie ein Adrenalinstoß. Hatte sie sich immer noch nicht daran gewöhnt, diesen Namen zu sehen?

„Hallo, Kate“, meldete sie sich.

„Hallo, Jacqueline.“

Ihr eigener Name hörte sich für sie seltsam an, aber sie hatte es wohl noch nicht verdient, von dieser jungen Frau „Mutter“ genannt zu werden.

„Was gibt es?“

Nach einer vielsagenden Pause fragte ihre sechzehnjährige Tochter: „Bist du schon in Italien?“

„Ja, ich habe vor zwanzig Minuten den Flughafen verlassen.“

Kates Seufzen hörte sich wehmütig und vorwurfsvoll zugleich an. „Ich wünschte, du hättest mich mitgenommen.“

„Ja, das hätte ich mir auch gewünscht. Doch die komplizierte Situation lässt es momentan noch nicht zu. Meine Familie muss vorsichtig darauf vorbereitet werden.“

„Es ist auch meine Familie.“

„Natürlich. Dennoch ist alles sehr schwierig. Du kennst sie nicht …“

„Nein, aber das ist nicht meine Schuld, oder?“

Jackie war klar, dass es ihre war. Doch das würde ihre Mutter nicht beruhigen, wenn sie ihr eröffnete, dass das Kind, das sie vor sechzehn Jahren zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben hatte, sie vor Kurzem ausfindig gemacht hatte. In den letzten Monaten hatten sie und ihre Tochter sich regelmäßig in London getroffen. Ihre Mutter hatte damals darauf bestanden, dass niemand in der Familie etwas erfuhr. Für Lisa Firenzi wäre es ein ungeheurer Imageschaden gewesen, zugeben zu müssen, dass ihre minderjährige Tochter schwanger war und den Namen des Vaters ihres Kindes nicht preisgeben wollte.

Zum Zeitpunkt der Empfängnis war Jackie erst fünfzehn gewesen, und wenn sie morgens zum Frühstück hinuntergekommen war, hatte ihre Mutter sie prüfend betrachtet. Als sich ihr Zustand nicht länger verbergen ließ, war sie weggeschickt worden.

An einem regnerischen Novembertag war sie in London angekommen, um eine Weile bei ihrem Vater, dem geschiedenen zweiten Mann ihrer Mutter, zu leben, und sie hatte sich verloren und einsam gefühlt. Danach hatte Lisa erneut geheiratet und nach der dritten Trennung mehrere Liebhaber gehabt.

Jetzt hatte Jackie also nicht nur ihrer Mutter schonend beizubringen, dass das Familiengeheimnis gelüftet werden würde, sondern sie musste auch ihrem Onkel, ihrer Cousine und ihren Cousins sowie ihren Schwestern Lizzie und Scarlett erzählen, dass sie eine sechzehnjährige Tochter hatte. Es war insgesamt eine heikle Angelegenheit, die behutsames Vorgehen erforderte.

Auf Lizzies bevorstehender Hochzeit würde die ganze Familie zum ersten Mal seit vielen Jahren zusammenkommen. Jackie wollte ihrer Schwester den schönen Tag nicht dadurch verderben, dass sie ihre Tochter mitbrachte, von der niemand etwas ahnte. Außerdem war das Risiko, dass Kate zurückgewiesen wurde, zu groß. Sie war sowieso sehr sensibel und verunsichert und wäre damit nicht zurechtgekommen.

Jackie atmete tief durch. „Nein. Es tut mir leid, Kate. Vielleicht nehme ich dich das nächste Mal mit.“

„Du schämst dich meiner, stimmt’s?“, fragte Kate nach längerem Schweigen.

„Nein!“ Jackie richtete sich kerzengerade auf.

„Warum darf ich dann nicht meine Onkel, Tanten und meine Großmutter kennenlernen?“

Sie ist genauso hitzköpfig, impulsiv und voller selbstgerechtem Zorn wie ich als Teenager, dachte Jackie. Durch diese Eigenschaften hatte sie sich schon in die größten Schwierigkeiten gebracht.

„Es gibt eben Dinge, die schwieriger sind, als du ahnst.“ Als sie hörte, dass ihre Tochter einen verächtlichen Laut ausstieß, beschloss sie, alles auf eine Karte zu setzen, und fuhr fort: „Erinnerst du dich, dass du mir erzählt hast, wie schwer es dir gefallen ist, deiner Adoptivmutter zu sagen, du würdest gern jetzt schon deine leibliche Mutter treffen und nicht erst mit achtzehn? Du hattest Angst, sie zu verletzen, trotzdem war es wichtig für dich, mit ihr über deinen Wunsch zu reden.“

„Ja“, gab Kate schon viel ruhiger zu.

„Vertrau mir bitte, Kate. Ich muss erst alles klären, dann wirst du deine Familie kennenlernen. Versprochen.“

Wie jedes andere junge Mädchen konnte Jackies Tochter es kaum erwarten, sich ins Leben zu stürzen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen und alles auszuprobieren, was sich an Verführungen bot. Die Gefahren, die damit verbunden waren, waren ihr natürlich fremd.

Offenbar war es ihr gelungen, ihre Tochter zu besänftigen. Jedenfalls verabschiedete Kate sich eher resigniert statt zornig, und Jackie ließ sich erschöpft auf dem Sitz zurücksinken.

Natürlich hatte sie dem Augenblick entgegengefiebert, ihre Tochter kennenzulernen. Allerdings hatte sie nicht geahnt, wie schwierig es werden würde, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Nach dem ersten Anruf war sie überglücklich gewesen, doch kurz darauf folgte die Ernüchterung. Die erste Begegnung mit Kate im Beisein ihrer Adoptivmutter Sue war tränenreich und in gespannter Atmosphäre verlaufen.

Kate war beeindruckt gewesen von Jackies elegantem Outfit und dem schnittigen Sportwagen. Und wohl deshalb hatte Sue sie irgendwann gewarnt, Kate sei geblendet von der Tatsache, dass ihre leibliche Mutter die Stilikone und Modegöttin Jacqueline Patterson sei. Wagen Sie nicht,...



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