E-Book, Deutsch, Band 1726, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Harrington Süße Küsse, bittere Tränen
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86295-296-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1726, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86295-296-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hmm, wie das duftet! Vanille, Butter, frischgebackenes Brot, sahnige Torten hinter blitzblankem Glas. Jared kann es kaum fassen, was Amy, die beste Freundin seiner Schwester, aus der alten Bäckerei gemacht hat. Auch sie selbst ist nicht wiederzuerkennen. Keine Ähnlichkeit mehr mit der supercoolen, edel gekleideten Geschäftsfrau aus Londons Schickeria. Diese zauberhafte junge Frau in ihrer mehlbestäubten Hose, frisch und unwiderstehlich wie ihr Gebäck, ist zum Verlieben! Noch ahnt Jared nicht, dass Amys früheres Leben Wunden hinterlassen hat, die längst nicht verheilt sind ...
Nina Harrington wuchs in der Grafschaft Northumberland in England auf. Im Alter von 11 Jahren hatte sie zuerst den Wunsch Bibliothekarin zu werden - einfach um so viel und so oft sie wollte lesen zu können. Später wollte sie dann Autorin werden, doch bevor sie ihren Traumberuf ausüben konnte, machte sie verschiedene Ausbildungen und verdiente ihren Lebensunterhalt als Apothekerin, technische Redakteurin und Universitätsdozentin. Wenn Nina Herrington eine Pause vom Schreiben einlegt, dann kocht und isst sie gerne und genießt auch mal einen guten Wein. Mehr zu der Autorin erfahren Sie unter: www.ninaharrington.com.
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1. KAPITEL
Amy Edler hatte augenblicklich drei Problemfälle – alle drei weiblicher Natur –, die ihre ganze Aufmerksamkeit beanspruchten. Andernfalls würde es gleich Tränen geben. Zudem hielt sie das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt, die Bäckerei stand voller Kunden, und die Klimaanlage hatte sich ausgerechnet den heißesten Tag des Monats ausgesucht, um den Geist aufzugeben.
Es war Trixis Idee gewesen, den beiden elfjährigen Mädchen zu erlauben, die Schokoladenmuffins zu glasieren, um ihren kleinen Mitbewohnern im Kinderheim eine Freude zu machen.
Leider war die Glasur aus purer Schokolade. Ein großer Fehler.
Amy suchte Trixis Blick, aber ihre Aushilfe plauderte gerade mit dem letzten Kunden und probierte mit ihm gemeinsam, welche Glasur auf den Muffins am besten schmeckte.
Als Amy die hochroten Wangen des größeren der beiden Mädchen bemerkte, das sich vergeblich mit der immer noch flüssigen Schokoladenglasur abmühte, die mittlerweile nicht nur über die Muffins, sondern über den ganzen Tisch gelaufen war, beschloss sie, dass ihr Telefongespräch erst mal warten musste.
„Ich glaube, die Muffins waren noch zu warm. Aber sieh dir nur den Glanz an! Sie sehen köstlich aus.“
Das kleine Mädchen lächelte dankbar, aber ihre Freundin schniefte bekümmert, denn sie hatte sich entschlossen, die Glasur in den Gefrierschrank zu stellen, damit sie schneller hart würde. Jetzt lagen zwei dicke braune Klumpen auf jedem Kuchen.
Amy griff schnell nach dem Teller, stellte ihn für zwanzig Sekunden in die Mikrowelle und strich anschließend die nun weiche Glasur glatt.
Die beiden Mädchen machten „Wow“, und ein breites Lächeln ging über ihre Gesichter.
Amy beugte sich zu ihnen hinunter und flüsterte: „Ich verrate nichts, wenn ihr auch den Mund haltet. Das habt ihr super hingekriegt.“ Sie richtete sich wieder auf. „Also ich bezweifle, dass ich heute in der Lage bin, den Glasurwettbewerb richtig zu beurteilen. Es ist einfach zu heiß – aber wie wäre es damit beim nächsten Mal? War das ein Ja? Prima. So, und jetzt wascht euch die Finger, sonst kriege ich Ärger, weil ich euch so unter die Leute schicke. Ich passe inzwischen auf eure Kuchen auf.“
Während die beiden Mädchen sich kichernd und plappernd die Hände wuschen, dachte Amy: Genauso habe ich es mir vorgestellt. Dass die Bäckerei und die Backstube mit glücklichem Kinderlachen angefüllt sind.
Sie unterdrückte den Seufzer, der aus ihrem tiefsten Innern hochstieg.
Irgendwann.
Sie könnte einem Kind ein liebevolles Zuhause bieten, das wusste sie. Aber zuerst musste sie einen Eignungstest durchlaufen und beweisen, dass sie eine verantwortungsvolle alleinerziehende Mutter sein würde. Dann erst durfte sie ein Kind adoptieren.
Amy schüttelte den Gedanken energisch ab. Das war nicht der Moment, um ihren Träumen nachzuhängen. Nicht um sechs Uhr an einem Freitagnachmittag, wenn sie noch mit dem weiblichen Problem Nummer drei fertig werden musste. Das theoretisch gar kein Problem sein sollte, denn ihre Freundin Lucy Shaw hatte die berühmteste Hochzeitsplanerin von ganz London engagiert, um ihren großen Tag auszurichten.
Zu dumm nur, dass diese Frau nicht ans Telefon ging.
Amy wartete, bis der Anrufbeantworter ansprang. „Hallo, Clarissa, hier spricht Amy Edler von Edlers Bakery. Ich will ja nicht drängen, aber Sie hatten mir versprochen, mir wegen der Orchideen für die Shaw-Gerard-Hochzeit Bescheid zu geben. Bitte rufen Sie mich schnellstmöglich zurück.“
Sie atmete tief durch und presste den kühlen Hörer an ihre erhitzte Stirn.
Kein Grund zur Aufregung. Die Trauung ist erst nächsten Samstag.
Die Torte wird traumhaft werden, genauso wie die ganze Hochzeit. Ich kann Zuckerorchideen in jeder gewünschten Farbe herstellen. Überhaupt kein Problem.
Und aus mir einfachen Bäckerin werde ich im Handumdrehen eine bezaubernde Brautjungfer machen.
Dieses Mantra würde sie sich in den kommenden sieben Tagen immer wieder vorbeten.
Natürlich war es ihre eigene Schuld, dass sie Lucy angeboten hatte, für sie die Hochzeitstorte zu backen. Die Torte sollte ein persönliches Hochzeitsgeschenk für ihre beiden besten Freunde sein, und sie musste perfekt werden.
Fröhliches Gelächter unterbrach ihre Gedanken, und Amy sah die beiden Mädchen aus dem Laden stürmen, die Arme mit Kartons voller Muffins beladen. „Tut uns leid, wir haben keine Zeit mehr zum Saubermachen“, riefen sie beim Hinausrennen.
Lächelnd blickte Amy den Mädchen hinterher, dann fiel ihr Blick in die Backstube. Oje. Seufzend machte sie sich an die Arbeit.
Jared Shaw schlängelte sich durch die Menschenmenge, die am Freitagabend aus den umliegenden Bürohäusern auf den Bürgersteig strömte. Als die Ampel für die Autos auf Rot sprang, überquerte er schnell die Straße, mitten durch die wartenden Wagen, Fahrradkuriere und Taxis, um zu den drei kleinen Läden auf der anderen Straßenseite zu gelangen.
Allzu viel hatte sich in den letzten achtzehn Jahren hier nicht verändert.
Den Zeitungsladen, wo er seine ersten Autoillustrierten gekauft hatte, gab es immer noch. Der Eisenwarenhändler allerdings, der für die Reparatur eines tropfenden Wasserhahns statt Geld auch schon mal eine der Seidenkrawatten von Jareds Vater annahm, war durch ein schickes Immobilienbüro ersetzt worden.
Er musste über die Ironie des Schicksals lächeln. Seine Freunde aus der Baubranche hatten laut gelacht, als er in diesem Londoner Stadtteil ein Bauobjekt erwarb. „Dort ist doch kein Profit zu machen!“, hatten sie behauptet.
Nun, er hatte sie eines Besseren belehrt.
Im Augenblick allerdings war er an dem dritten Laden in der Reihe interessiert. Edlers Bakery stach mit der dunkelblauweiß gestreiften Markise aus den umliegenden Läden heraus.
Wie oft hatte er früher seine Nase an dem kalten Glas platt gedrückt und mit offenem Mund all die köstlichen Creme- und Schokoladentorten bestaunt, die ihm als kleiner Junge und ohne Geld in der Tasche unerreichbar vorkamen.
Ein fröhlich lachendes kleines Mädchen auf einem Dreirad kam ihm entgegen, daneben ging ein Mann in seinem Alter. Das Kind sah der kleinen Lucy so ähnlich, dass es ihm beinahe den Atem verschlug. Langes blondes Haar, blaue Augen und ein Lächeln, bei dem selbst das härteste Herz dahinschmolz.
Jared merkte, dass er sich angespannt hatte, und lockerte seine Schultern. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, in diesen Teil der Stadt zurückzukehren. Die Straßen schienen bevölkert von Geistern der Vergangenheit.
„Du gehst einfach kurz rein und sagst meiner Freundin Amy Hallo“, hatte ihm seine Schwester Lucy aufgetragen und ihn dabei treuherzig angeblickt. „Wo du doch schon mal in London bist! Ich will nur sichergehen, dass sie sich wegen meiner Hochzeit nicht völlig verrückt macht. Sie hat schon genug damit zu tun, die Torte zu backen.“
Okay, kleine Schwester, für dich tue ich doch alles. Er hatte zwar gerade eine Neunzig-Stunden-Woche hinter sich, aber warum sollte er nicht mit einer nervösen Brautjungfer ein wenig über Hochzeitstorten plaudern? Die teuerste Hochzeitsplanerin von London hatte er ja bereits engagiert.
So war das eben. Er verdiente das Geld, und Lucy und seine Mutter gaben es aus.
Aber wann hatte er seiner kleinen Schwester schon mal etwas abschlagen können? Sie war die einzige Frau, die ihn um den Finger wickeln konnte. Für sie war er vom Flughafen Heathrow extra in die Stadt gefahren, obwohl er dringend nach Hause gemusst hätte, um noch schnell mit seinem New Yorker Büro Kontakt aufzunehmen.
Eine Klingel bimmelte über seinem Kopf, als er Edlers Bakery betrat. Er kam gerade recht, um einem älteren Ehepaar die Tür aufzuhalten. Die beiden trugen Papiertüten mit dem Bäckereiaufdruck und bedankten sich lachend, bevor sie fröhlich von dannen zogen.
Als er eintrat, überfielen ihn ein fröhliches Stimmengewirr und köstlicher Kuchenduft. Es roch nach Vanille und Zimt, nach karamelisiertem Zucker und frisch gebackenem Brot.
Der Gegensatz zu dem metallisch-bitteren Dieselgeruch der Londoner Taxis und Busse draußen hätte nicht größer sein können. Jared musste ein paar Mal ein- und ausatmen, bevor sich sein Geruchssinn wieder beruhigte.
Mit dem Blick des Immobilienmaklers nahm er die cremeweiß und dunkelblau gehaltene Einrichtung mit den hellen Regalen wahr. Was für ein himmelweiter Unterschied zu der bräunlichen Tapete und den dunklen Regalen der früheren Bäckerei!
Der Gesamteindruck war modern, aber freundlich und einladend. Er sollte das als Idee an seine Designer weitergeben. Hier hatte offensichtlich jemand ein gutes Gespür für Farben und Materialien.
Die Torten und das Gebäck in der Theke waren so appetitlich arrangiert, dass man als Kunde nicht widerstehen konnte. Das reichhaltige Sortiment hätte jeder französischen Patisserie Ehre gemacht, und die meisten Bleche waren bereits leer.
In diesem Moment wurde der dunkelblaue Vorhang beiseitegeschoben, und Jared blickte in die braunen Augen eines Teenagers in dunkelblauer Schürze und weißem T-Shirt, das mit braunen Flecken gesprenkelt war. Ein kleines Schild an der Schürze zeigte ihm an, dass er es mit Trixi zu tun hatte.
„Hallo, Süßer. Sind die für mich?“
Jared war so perplex, dass er zuerst nicht begriff, dass das Mädchen die Blumen in seiner Hand...




