Harris / Carey / Michéle | Das Leuchten der Inseln | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 1498 Seiten

Harris / Carey / Michéle Das Leuchten der Inseln

Drei Romane in einem eBook: »Das Erbe der Insel« von Wendy K. Harris, »Die Insel der Morgendämmerung« von Lisa Carey und »Die Melodie der Insel« von Rebecca Michéle
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-367-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Drei Romane in einem eBook: »Das Erbe der Insel« von Wendy K. Harris, »Die Insel der Morgendämmerung« von Lisa Carey und »Die Melodie der Insel« von Rebecca Michéle

E-Book, Deutsch, 1498 Seiten

ISBN: 978-3-98690-367-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Gefühlvoll und bewegend: Lassen Sie sich an die schönsten Orte der Welt entführen! Der Sammelband »Das Leuchten der Inseln« als eBook bei dotbooks. Zarte Sonnenstrahlen über nebligen Stränden, die salzige Gischt der See - und drei Schicksale, die sich auf unerwartete Art erfüllen: Die Schriftstellerin Jane erbt ein altes Cottage auf der Isle of Wight an der Südküste Großbritanniens - und mit ihm ein tragisches Familiengeheimnis ... Der Künstler Oisin, der auf einer Insel vor der Küste Maines lebt, trifft eines Tages auf ein mysteriöses Mädchen: Die junge Aisling ist gefährlich nahe daran, dunkle Wahrheiten an die Oberfläche zu bringen ... Trotz aller Entbehrungen liebt die kleine Màiri ihr Leben auf der Insel St. Kilda vor der schottischen Küste. Doch dann passiert ein Unglück; Màiris Eltern haben keine andere Wahl, als sie aufs Festland zu schicken. Aber mit jedem Jahr wächst in Màiri die Sehnsucht nach ihrer Heimat ... Rätselhafte Familiengeheimnisse, faszinierende Legenden und dramatische Liebesgeschichten vor der Kulisse dreier malerischer Inseln - dieser Sammelband bietet alles, was das Leserherz begehrt! Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Das Leuchten der Inseln«, mit den Romanen »Das Erbe der Insel« von Wendy K. Harris, »Die Insel der Morgendämmerung« von Lisa Carey und »Die Melodie der Insel« von Rebecca Michéle. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Nach verschiedenen beruflichen Stationen, etwa als Bankangestellte in London oder Homöopathin in Herefordshire, lebt Wendy K. Harris mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern auf der Isle of Wight, wo sie ihrer großen Leidenschaft nachgeht - dem Schreiben. Bei dobooks veröffentlicht sie: »Das Erbe der Insel« »Das Lied der Insel« »Das Flüstern der Insel«
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Kapitel 3


»Armer Henry. Klingt, als hättest du dem alten Knaben ganz schön zugesetzt«, sagte Chas und unterzog seine Zähne im Spiegel der Frisierkommode einer eingehenden Untersuchung.

»Nein, Chas. Ganz schön zugesetzt hätte ich ihm, wenn ich ihm den schlaffen Hals umgedreht hätte.«

Chas schloss den Mund und schlug die Zähne aufeinander, um ihre Stabilität zu testen. Er fummelte immer an irgendwelchen Körperteilen herum, um sie auf ihre Strapazierfähigkeit und Anzeichen von Verschleiß zu überprüfen. Ich dachte oft, dass er einen guten Automechaniker abgegeben hätte. Jetzt richtete er sich auf, drehte sich zur Seite, hielt die Luft an und inspizierte seinen eingezogenen Bauch. Nach ein paar Sekunden atmete er normal weiter und ließ alles wieder bequem herabhängen.

»Das hat dich wirklich getroffen, Janey, stimmt's? Sie war doch nur 'ne alte Tante. Wahrscheinlich haben wir alle irgendwo eine. Warum regst du dich so darüber auf?«

»Ach, ich weiß auch nicht.« Ich warf mein Buch aufs Nachttischchen und ließ mich ins Bett zurückfallen. »Ich fühl mich bloß mal wieder übergangen. Abgesehen von Dad war sie meine einzige Blutsverwandte. Ich finde das wichtig. Ich weiß, sie hat mir ihr Cottage nur hinterlassen, weil es keine anderen Nachkommen gibt, aber ich hätte sie gern kennen gelernt. Wenn Dad stirbt, ist Schluss. Ich bin die Letzte aus unserer Familie.«

Chas knöpfte seine Schlafanzugjacke zu und stopfte sie in die Hose. Als er ins Bett stieg, gab die Matratze unter seinem Körpergewicht stark nach. »Du hast ja mich«, sagte er und legte mir den Arm um die Schultern.

Ich spürte den Trost, den sein warmer Körper mir spendete. Ich lehnte mich an ihn und roch seine Imperial-Leather-Seife. Ja, Gott sei Dank hatte ich ihn. Doch manchmal hinterließ das Fehlen einer Familie in mir eine große Leere. Ich fragte mich, wie ich mich ohne meinen Vater fühlen würde, auch wenn er mich auf die Palme brachte und sich meiner Liebe entzog. Und Chas, den ich über alles liebte und von dem ich zu sehr abhing – angenommen, er starb plötzlich. Wie würde es sich anfühlen, ganz allein auf der Welt zu sein, ohne jede Bindung, ohne Wurzeln? Würden meine Freunde mir jemals genauso viel bedeuten? Für sie stand die eigene Familie an erster Stelle. An wen konnte ich meine Lebenserfahrung weitergeben? Ich vermute, nur eigene Kinder sind daran wirklich interessiert.

Chas schien sich besser mit unserer Kinderlosigkeit abzufinden als ich. Er hatte ja auch eine Riesenfamilie, die sich jährlich um diverse Neffen und Nichten erweiterte. Seine Verwandtschaft war umfangreich, mit großen Mündern, Ohren und Augen wie Rotkäppchens Großmutter. Chas versuchte immer, ihr zu entkommen, ohne mit Haut und Haaren gefressen zu werden. Seine Familie war so umfangreich wie meine kümmerlich war. Er wusste das reduzierte Leben zu schätzen, das nur aus uns beiden bestand. Ich rang mit Worten, er mit Zahlen. Er drückte mir einen Kuss aufs Haar.

»So was passiert sonst keinem, stimmt's? Ein Schreiben aus heiterem Himmel, das alte Tantchen Lill stirbt am Neujahrstag und hinterlässt dir ihre weltlichen Güter. Könnte aus einem Roman von dir sein.«

»Ganz bestimmt nicht. Ich würde nie über so was Abgedroschenes schreiben.« Frechheit! Zuerst mein Vater, und jetzt trivialisierte auch noch mein Ehemann meine Schreiberei. Machten sich hinter meinem Rücken etwa alle über meine Bücher lustig? »Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, ich nehme meine Arbeit sehr ernst. Außerdem besaß sie keine weltlichen Güter.«

»Ein altes Cottage – das ist ein weltliches Gut.«

»Dad sagt, es ist 'ne Bruchbude und keinen Penny wert.«

»Jeder Besitz hat seinen Wert – und sei es nur der Abbruchwert.«

Ich merkte, dass er sich damit beschäftigt hatte. Chas teilte das Leben in drei Spalten ein: Schulden, Guthaben und ein ausgeglichener Kontostand. Wahrscheinlich kann man nicht anders, wenn man sich den ganzen Tag damit befasst. Genau wie ich keinen Satz niederschreiben kann, bevor ich das mot juste gefunden habe. »Schon, aber es steht auf einem Kliff, das ins Meer bröckelt. Nicht mal das Grundstück ist was wert, und natürlich gibt's auch keine Versicherung.«

»Großartiger Seeblick ... Ferienwohnung?«

Ich lachte über seinen Optimismus. Er konnte mich immer gut aufheitern. Wir waren ein bisschen wie Pu der Bär und I-Ah. Außer in Gelddingen, da war es genau umgekehrt. Chas machte sich um unsere Finanzen genauso viel Gedanken wie ich mir um meine Familienprobleme. Er war zwar als Kind von allen verhätschelt worden, aber er war stets knapp bei Kasse gewesen. Ich dagegen hatte finanziell glänzend dagestanden, aber dafür in einem Mausoleum gelebt. Chas gähnte und sah nach, ob der Wecker gestellt war.

»Wir könnten hinfahren und es uns ansehen«, sagte er.

»Dad meinte, wir sollten das dem Anwalt überlassen. Er sagte, es wäre keine Reise wert.«

»Vielleicht ist es ganz nett. Ich war das letzte Mal als kleiner Pimpf auf der Isle of Wight.«

»Und ich bei meiner Geburt. Doch dann wurde ich rasch weggeschafft, bevor ich die Luft einatmen konnte, damit ich nicht an TB erkrankte. Im Nachhinein kommt mir das alles ein bisschen paranoid vor.« Ich stellte mir vor, wie ich in eine versiegelte Sauerstoffkammer gesteckt und mit Blaulicht auf dem schnellsten Wege zur wartenden Fähre gebracht wurde.

»Tja, Henry ist halt besessen davon. Er hatte jeden Tag damit zu tun und sah, was die Krankheit aus den Menschen machte. Und ich erinnere mich, dass deine Mutter schwach auf der Brust war. Wahrscheinlich hat er nur versucht, dich zu schützen. Auf seine seltsame vorsintflutliche Art liebt er dich nämlich.«

»Toller Ausdruck – für einen Buchhalter.«

»Beeindruckt? Den hab ich mir aufgespart. Hab ich aus der Financial Times.«

»Vielleicht könnten wir ein verlängertes Wochenende auf der Isle of Wight verbringen. Ein Winterurlaub würde uns gut tun.«

Chas grunzte, zog seinen Arm weg und schob durch sein Gewicht das Bett ein Stück nach unten. »Mal sehen, ich hab grad viel zu tun. Kann ich das Licht ausmachen?«

Ich kuschelte mich schläfrig an Chas, während sein Schnarchen zwischen erträglichen und unerträglichen Dezibeln schwankte. Ich stellte mir eine kleine Koboldschar vor, die tief in seiner Kehle Ausschachtungen vornahm und winzig kleine donnernde Sprengsätze zur Explosion brachte.

Ich fragte mich, ob Dad in seinem unangenehm feuchten Haus mit der veralteten Heizungsanlage schon schlief. Das graue, düstere Steinhaus hieß Winter Wood und stand im Schatten der Malvern Hills. Oder lag er unter seinen rauen Decken wach, lauschte dem klatschenden Regen und dem bitterkalten, seufzenden Wind und dachte an Mutter oder mich? Wahrscheinlich grübelte er eher über den Anstieg der Tuberkulosefälle in dicht bewohnten Einwanderungsgebieten nach. Obwohl er jahrelang als praktischer Arzt gearbeitet hatte, war sein Herz kranken Lungen treu geblieben. Er schrieb immer noch Abhandlungen darüber und schickte sie Gott weiß wohin.

Aber ich konnte mir meinen Vater nicht ohne seine Unterlagen und den Moder seines heiß geliebten Sprechzimmers vorstellen. Selbst Mrs. Watkins, seine vielseitig einsetzbare Sklavin, durfte nicht hinein, um Staub zu wischen. Sie versuchte immer, mich zu bezirzen, damit ich ihn dazu brachte, sein Zimmer aufzuräumen, als wäre er ein pubertierender Jüngling. Wahrscheinlich würden wir ihn dort irgendwann tot entdecken, auf dem Schreibtisch zusammengesackt, das zerbrochene Stethoskop um den Hals, die Hand auf dem Terminkalender.

Doch Chas hatte Recht – tief in seinem Herzen liebte er mich wahrscheinlich wirklich. Ich fragte mich, ob er heute anders wäre, wenn meine Mutter länger gelebt hätte. Seit ihrem Tod waren fast dreißig Jahre vergangen. Damals war ich neunzehn. Wäre er umgänglicher geworden? Hätten sie seinen Ruhestand gemeinsam genossen und wären Hand in Hand über die Hügel geschlendert? Irgendwie glaubte ich es nicht – sie war eine geistesabwesende Frau, die ihr Leben damit verbrachte, pedantische Bilder von Pflanzen zu zeichnen. Sie katalogisierte ihre Zeichnungen mit einem Füllfederhalter, der so fein war wie eine Nadel, legte sie in Alben mit Seidenpapier und stellte sie weg.

Wenn ich mich still verhielt, zuckte sie bei meinem Anblick zusammen, doch wenn ich laut zu sein versuchte, um sie an meine Existenz zu erinnern, schien sie das ebenso zu beunruhigen. Es war, als lebte sie mit einem bestimmten Maß an Nervenanspannung, das keinerlei Schwankungen vertrug. Sie war von Blättern genauso besessen wie mein Vater von Lungen. Während ich größer, lauter und lebendiger wurde, schien sie zu schrumpfen und zu verblassen, als saugte ich ihr den Lebenssaft aus. Ihr schweres, braunes Haar, das sie in einem dicken Chignon trug, wurde zu einem dünnen, grau melierten Wulst. Auch ihre Zeichnungen wurden blasser; transparent wie Spinnweben. Jedes Mal, wenn ich in den Schulferien nach Hause kam, schien sie kleiner geworden zu sein. Sie atmete schwach und keuchend, und sprach sie jemand an, zuckte sie zusammen, als wäre sie bei etwas ertappt worden. Ich hatte das Gefühl, mich zurücknehmen zu müssen, indem ich gedämpfte Farben trug und leise redete, damit sie nicht zu Staub zerfiel wie eine ihrer spröden Pflanzen und weggeweht wurde, nur einen schwachen Veilchenduft zurücklassend, der mich daran erinnerte, dass ich eine Mutter gehabt hatte.

Gott sei Dank hatten sie mich ins Internat geschickt. Was für die meisten Menschen die Hölle ist, war mein Paradies. Ein Ort, an dem ich meine Einfälle ausleben, der Theatergruppe beitreten, fantasievolle Geschichten schreiben und angeben konnte. Ich lotete meine Grenzen aus, überschritt sie jedoch...



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