Harrison | Girl Stuff - Mädchen gewinnen gegen Jungs | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten

Reihe: Girl Stuff

Harrison Girl Stuff - Mädchen gewinnen gegen Jungs

Band 02 | Vom ersten Kuss über wahre Mädchenfreundschaft bis zum besten Styling | Von der Bestsellerautorin von »Die Glamour-Clique«
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-505-14434-9
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Band 02 | Vom ersten Kuss über wahre Mädchenfreundschaft bis zum besten Styling | Von der Bestsellerautorin von »Die Glamour-Clique«

E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten

Reihe: Girl Stuff

ISBN: 978-3-505-14434-9
Verlag: Schneiderbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Beste Freundinnen schaffen alles!
Als es um den großen Sommerausflug der Schule geht, wissen die Freundinnen Drew, Ruthie und Fonda schnell, wohin sie wollen: nach Catalina Island. Zu dumm, dass die Jungs sich aufs Camp Pendleton eingeschossen haben. Die Schüler sollen in zwei Wochen abstimmen. Genug Zeit für die Freundinnen, die wichtigsten Cliquen zu überzeugen. Denn wenn es Mädchen gegen Jungs heißt, kämpfen sie mit allem, was sie haben! Nur eine Kleinigkeit vergessen die drei: Wer seine Freunde behalten will, sollte ihnen nicht das Blaue vom Himmel versprechen!



Mehr als 8 Millionen verkaufte Exemplare, übersetzt in 21 Sprachen und mehr als 200 Wochen auf der New-York-Times-Bestsellerliste! Jeder kennt Lisi Harrisons Megaerfolg »Die Glamour-Clique«, gegen den sie ihren Job bei MTV getauscht hatte. Jetzt hat sie eine neue Trilogie geschrieben, in der sich alles um Mädchen dreht: »Girl Stuff«. Lisi lebt in Laguna Beach, Kalifornien.

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1. Kapitel


Der Herbst in Poplar Creek war kein bisschen so, wie man ihn aus dem Kino kennt. Der Wind heulte nicht durch die Straßen und wirbelte auch kein modriges Laub auf. Die Bäume reckten keine kahlen Äste in den Himmel, die gruselige, kriechende Schatten auf den Boden warfen.

Hier in Kalifornien glich der Wind auch jetzt im Oktober eher einer sanften Brise, in der die Palmwedel schaukelten, und die Sonne strahlte rund ums Jahr so hell, dass Schatten keine Chance hatten.

Aber auch hier konnte der Herbst gruselig sein – dank der »Klassenfahrt des Grauens«, wie Fonda Miller sie nannte.

»Die Ferdink-Farm ist die totale Hölle«, erzählte sie Drew und Ruthie auf dem Heimweg von der Poplar Middle School. Es war Freitag, und Fondas Nachbar-Besties – oder »Nesties«, wie sie sich selbst nannten – übernachteten heute bei ihr. Eigentlich war das Grund genug, möglichst schnell nach Hause zu düsen. Aber Fondas Füße in ihren hohen Sneakern mit Leomuster fühlten sich bleischwer an. Die diesjährige Klassenfahrt des Grauens würde zweifellos genauso werden wie die im vergangenen Jahr, als Fonda noch in die Siebte gegangen war. Und genauso war in diesem Fall gleichbedeutend mit absolut katastrophal.

»So schlimm kann es ja wohl nicht sein«, warf Ruthie ein. Ihre großen blauen Augen strahlten vor Optimismus. Was man ihr nicht verübeln konnte. Denn die Schüler der Talent-Sonderförderung durften ebenfalls mitfahren. Was bedeutete, dass Ruthie und ihre TSF-Freunde drei Tage und zwei Nächte lang ausnahmsweise einmal genau dasselbe machen würden wie Fonda und Drew. Das wünschte Ruthie sich schon seit einer halben Ewigkeit. Genau wie die beiden anderen. Aber doch nicht auf der Ferdink-Farm!

»Drei Tage lang auf einem Bauernhof schuften? Sieben Mal Matschepampe essen? Ich finde das schlimm.« Fonda nahm ihre verspiegelte Sonnenbrille mit den herzförmigen Gläsern ab, die sie sich von ihrer Schwester Amelia »geliehen« hatte, damit ihre Freundinnen die Panik in ihrem Blick sehen konnten. »Wir müssen Pferdeäpfel schippen, Kühe melken und auf Matratzen schlafen, die nach ungewaschenem Opa riechen.«

»Mein einziger Grandpa ist total reinlich, deswegen weiß ich gar nicht, wie ungewaschener Opa riecht«, sagte Ruthie. »Meistens duftet er nach Pfefferminz. Hey, vielleicht riecht meine Matratze ja auch nach Pfefferminz!«

»Dann riecht meine bestimmt nach Post-its«, sagte Drew. Ihr Grandpa Lou verteilte nämlich im ganzen Haus Klebezettel, weil ihre Grandma Mae inzwischen so vergesslich war.

»Ich wette, Schleimschnösels Matratze stinkt nach Geld«, sagte Fonda und zeigte auf den Jungen, der in dem großen Haus ganz am Anfang ihrer Straße wohnte und gerade seine Einfahrt hochschlenderte. Dabei wischte er mit krummen Schultern und vorgebeugtem Hals auf seinem Smartphone herum. Mit seinem Look aus weißem Hemd, weißen Turnschuhen und tortillagelber Stoffhose konnte man in anderen Gegenden – Gegenden, in denen der Wind im Herbst modriges Laub aufwirbelte – vielleicht punkten. Aber hier in Kalifornien wirkte das Outfit einfach nur daneben. So wie alles an Schleimschnösel.

»Er heißt nicht Schleimschnösel, sondern Owen Lowell-Kline«, sagte Ruthie, die ihn wie immer verteidigte. Nicht, weil sie Owen mochte, denn soweit Fonda wusste – und sie wusste alles über ihre Nesties –, kannte Ruthie ihn gar nicht richtig. Sie verteidigte ihn, weil er ihr bei der Pfadfinder-Spendenaktion vor zwei Jahren ihren gesamten Keksvorrat abgekauft hatte. Dadurch hatte sie mit einem Schlag ihr Soll erfüllt und mit Fonda und Drew an den Strand gehen können. »Irgendwie tut er mir leid.«

»Wieso?«, fragte Drew. »Weil er fünfzig Schachteln Doppeldeckerkekse essen musste?«

»Das waren nicht nur Doppeldecker. Ich hatte auch Haferplätzchen und Erdnuss-Schoko-Cookies gebacken. Und nein, er tut mir leid, weil er keine Freunde hat.«

»Selbst schuld«, sagte Fonda. »Wenn er nicht so ein Streber wäre, hätte er welche.« Hätte Ruthie je mit Owen in einer Klasse sitzen und zusehen müssen, wie er bei jeder Frage mit erhobener Hand in Richtung Lehrer schnipste und »Ich, ich, ich!« rief, wäre ihr das Mitleid genauso vergangen wie Fonda.

»Dass er ein Schnip-ser ist, heißt noch lange nicht, dass du so schnip-pisch zu ihm sein musst«, sagte Ruthie. Dann lachte sie, und Fonda und Drew lachten mit, weil der Spruch ungefähr genauso lässig war wie Owens Look.

Die drei Nesties lachten noch immer, als Fondas Mutter Joan sie in der Küche begrüßte und fragte, wie ihr Tag gewesen war. »Ich will alles ganz genau wissen«, sagte sie und musterte die Mädchen neugierig aus ihren großen hellbraunen Augen.

Sie war Dozentin für Feminismuswissenschaften an der Universität Irvine und musste freitags nicht unterrichten. Deshalb hatte sie Zeit, die Nesties mit Knabberkram vollzustopfen und sie dabei auszufragen. Normalerweise liebte Fonda diesen »Küchenklatsch«, wie ihre Mom das nannte. Aber nicht heute. Heute wollte sie lieber nichts erzählen, sondern den Tag vergessen und direkt zum Knabberkram übergehen.

Sie öffnete den Küchenschrank und schnappte sich drei Tüten Käsepopcorn. »Heute haben wir erfahren, wann die Klassenfahrt des Grauens stattfindet«, sagte sie nur.

»Was ist denn die Klassenfahrt des Grauens?«, fragte ihre Mom, während sie den Mädchen drei Gläser hinstellte und mit Schokomandelmilch füllte. »Und warum ist sie so grausig?«

»Wir müssen Pferdeäpfel schippen«, sagte Ruthie.

»Und auf Matratzen schlafen, die nach ungewaschenem Opa riechen«, fügte Drew hinzu.

»Igitt, redet ihr etwa über die Ferdink-Farm?«, fragte Winfrey, die barfuß in die Küche getappt kam. Bis zum Bauchnabel steckte sie in einem Surfanzug, obenrum trug sie ein rotes Bikinioberteil. Ob sie sich in dem Look in die Schule gewagt hatte? Zuzutrauen war es ihr. Wahrscheinlich würden morgen also sämtliche Elftklässlerinnen der Poplar Creek High ein ähnliches Outfit tragen. Fondas sechzehnjährige Schwester mit den karamellbraunen Strähnchen, den kaktusgrünen Augen und den drei gewonnenen Surfwettbewerben war nämlich total angesagt.

»Die Ferdink-Farm gibt’s immer noch?«, fragte jetzt auch Amelia, die Mittlere der drei Miller-Schwestern, die hinter Winfrey in die Küche kam. Sie trug ebenfalls einen Bikini, aber ohne Neoprenanzug, und hatte sich die kastanienrote Lockenmähne zu einem wilden Dutt auf den Kopf getürmt. Amelia ging in die Zehnte der Poplar Creek High, war ein Volleyballstar und besaß eine riesige Sammlung an coolen Sonnenbrillen, mit der man halb Kalifornien hätte versorgen können. Amelia war also ebenfalls ziemlich angesagt. »Ich dachte, der Schrottladen ist letztes Jahr bei dem großen Waldbrand abgefackelt.«

»Nee«, seufzte Fonda, »für die Ferdink-Farm war sich sogar das Feuer zu schade.«

»Kluges Feuer«, sagte Winfrey, dann wandte sie sich an ihre Mutter. »Kann ich das Auto haben, Joan? Amelia und ich wollen an den Strand.«

»Also, was höre ich denn da?« Joan setzte sich an den Küchentisch. »Das sind ja ganz neue Töne.«

»Ähm, leidest du unter spontanem Gedächtnisschwund? Amelia und ich gehen freitags nach der Schule immer surfen.«

»Ich habe mit Fonda geredet«, erwiderte Joan und faltete mit ernster Miene die Hände.

»Mit der? Hast du nichts Besseres zu tun?«

Fonda ignorierte den Seitenhieb ihrer Schwester. »Was meinst du, Mom?«

»Habe ich dich nicht zu zivilem Engagement erzogen?«

Fonda hatte zwar keine Ahnung, was sie meinte, ahnte aber, dass sie gleich einen Vortrag über Feminismus, politischen Aktivismus oder beides auf einmal zu hören bekommen würde. So wie eigentlich alle Gespräche mit ihrer Mom mit Vorträgen über Feminismus, politischen Aktivismus oder beides auf einmal endeten. »Wenn du nicht einverstanden bist mit den Entscheidungen, die deine Schule für euch trifft, musst du für deine Meinung einstehen. Die Welt wird sich nicht ändern, solange du dich nicht dafür einsetzt.«

Fonda hätte sich fast an ihrer Schokomandelmilch verschluckt. »Und wie soll ich das bitte anstellen?«

»Wahre, nachhaltige Veränderungen lassen sich immer nur Schritt für Schritt bewirken.«

Ruthie haute auf den Tisch wie auf den Buzzer in einer Quizshow. »Ruth Bader Ginsburg! Ehemalige beisitzende Richterin am Obersten Gerichtshof.«

»Richtig!« Joan strahlte. »Super, Ruthie!«

»Ich bin ein riesiger Ginsburg-Fan und kenne alle ihre Zitate.«

Joan strahlte noch ein bisschen mehr. »Wer ist das bitte nicht?«

»Ähm, ich«, sagte Winfrey. »Außer, Ruth Bader Ginsburg ist zufällig der Name deines Autos.«

»Du hast eine Stimme, Fonda. Nutze sie nicht, um zu jammern, sondern um deine Ziele zu erreichen.«

Wieder haute Ruthie auf den Tisch. »Gloria Steinem.«

»Falsch«, sagte Joan.

»Tarana Burke?«

»Auch falsch.«

»Malala? Es muss Malala sein, danach gehen mir die Feministinnen aus.«

»Alles falsch, Ruthie. Das war ein Zitat von Joan Miller.«

»Von dir?«

Fondas Mom nickte stolz.

Ruthie stand von ihrem Stuhl auf, setzte sich auf Joans Schoß wie ein Kleinkind für ein Foto mit dem Weihnachtsmann und umarmte sie. »JM, für mich bist du die Größte.«

»Und das Popcorn hier ist für mich das Größte«, sagte Drew und knüllte ihre leere Tüte zusammen. »Darf ich noch mehr haben?«

...



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