Harrison | The Lawyer - Ein Deal mit dem Tod | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 566 Seiten

Harrison The Lawyer - Ein Deal mit dem Tod

Thriller - Willkommen im Havana Room ...
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69076-011-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller - Willkommen im Havana Room ...

E-Book, Deutsch, 566 Seiten

ISBN: 978-3-69076-011-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Manhattan kannst du immer tiefer fallen ... Bill Wyeth war einer der größten Anwälte New Yorks - bis eine Tragödie ihm alles raubte: Job, Familie, Selbstachtung. Mit nichts als Melancholie verbringt er seine Tage in dem Restaurant der geheimnisvollen Allison Sparks, die ihm bald ein Angebot macht: Sie führt ihn in den »Havana Room« - das vielleicht exklusivste Hinterzimmer Manhattans -, um dort ihrem Liebhaber Jay Rainey bei einem zwielichtigen Immobilienhandel beizustehen. Ein lukratives Geschäft für einen Anwalt, der nichts mehr zu verlieren hat. In der gleichen Nacht wird eine Leiche auf dem verkauften Stück Land gefunden - und Rainey erwartet, dass sein Anwalt bei der Entsorgung hilft, um den Deal zu retten. Wyeth stellt fest, dass er doch etwas zu verlieren hat: Sein Leben ... Ein Strudel aus Intrigen, fast vergessenen Lügen und eiskaltem Verrat - ein fesselnder New-York-Thriller für Fans von John Grisham.

Colin Harrison ist ein hochgelobter amerikanischer Schriftsteller und Lektor. Er studierte englische Literatur am Haverford College in Pennsylvania, arbeitete zwölf Jahre lang für Harper's Magazine und ist seit 2000 Cheflektor im Scribner Verlag. Er lebt mit seiner Familie in Brooklyn. Bei dotbooks veröffentlichte der Autor »Trophy Wife - Tödliche Affäre«, »The Lawyer - Ein Deal mit dem Tod«, »Manhattan Mafia - Alles hat seinen Preis« und »Wall Street Murder - Schmutzige Geschäfte«.
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Kapitel Zwei


Von außen sah man nur die goldene Schrift und die massive Tür – nichts, was darauf hindeutete, wie groß das Lokal tatsächlich war oder was darin vor sich ging und mit wem. Man stieg eine Stufe zum Restaurant hinunter, einem mahagonivertäfelten Gewölbe, behängt mit Ölschinken aus dem 19. Jahrhundert (Eisenbahnen, Expansion nach Westen, Kriegsschiffe unter vollen Segeln), und dort erlag man dem Duft von Steaks. Der Oberkellner begrüßte von seinem Posten jeden Neuankömmling, und sobald man seine Skepsis überwunden hatte, wurde man von zwei blonden Assistentinnen zu einem Tisch gebracht. Man konnte Austern Rockefeller oder schottischen Räucherlachs als Vorspeise bestellen, aber das war lediglich der Auftakt für das 15-Unzen-Filet Mignon au poivre, das unvergleichliche New York Sirloin oder etwa auch das 16- Unzen-Kobe. Richtige Dickmacher und Infarktbomben. Der Preis? Zu hoch natürlich, und hinuntergespült mit Hochprozentigem zum Fünffachen des Ladenpreises. Aber niemanden störte das. Das Lokal setzte jeden Tag vierhundert Mittagessen um, hauptsächlich an Bürobewohner aus der Sixth Avenue und vom Broadway und an vereinzelte Touristen aus dem Mittelwesten oder aus Japan, die fälschlicherweise glaubten, das Restaurant stelle nichts weiter dar als eine urige Übung in Nostalgie und amerikanischer Geschichte. Nach der Mittagspause allerdings, an den sich hinziehenden Nachmittagen und schwellenden Abenden, füllte sich das Lokal mit seinen richtigen Gästen – Nutzflächendealern und Schuldenverschiebern, Sexbeißern und Lügenfressern –, kurzum mit genau den Leuten, die New York seit jeher so grandios machen.

Sobald ich an besagtem regnerischem Wintertag durch die Tür wankte, wurde ich von der dunklen, angenehmen Schwere des Lokals erfasst – von der stuhlverschrammten Wandvertäfelung, der von Lampenrauch verrußten Decke. Nichts war schmuddelig, aber alles hatte Patina, von den Jahrhunderten abgeschliffen. In wenigen Minuten hatte ich ein Glas Whiskey getrunken, das den Schmerz in meinem Kinn linderte, und eine Schale dampfende Fischsuppe gekostet – seit geraumer Zeit mein erster richtiger Genuss, merkte ich. An der Wand neben mir hing eine Karte von Manhattan, auf der die Küstenumrisse der Insel vor ihrer Auffüllung zu sehen waren sowie die inzwischen verschwundenen Flussarme und Wasserläufe und Sümpfe. Daneben hing ein gerahmter Zeitungsbericht über den großen Brand von 1837, der neben der Zahl der Todesopfer dieser Tragödie auch den verlorenen Wert niedergebrannter Geschäfte, Sattlereien und Apotheken angab. Trockenfäule kroch über das vergilbte Papier in die Druckspalten und verwandelte die scharf umrissenen Handsatz-Buchstaben in leere, unleserliche Wolken. Selbst eine große Katastrophe, schien es, geriet irgendwann in Vergessenheit. Und das war ein Trost. Niemand kannte mich hier, merkte ich, niemand verdächtigte mich des Versagens oder eines versehentlichen Mordes, niemand missgönnte mir meine Suppe, meinen schweren Löffel.

Mit einem frischen Hemd kam ich am selben Abend wieder in das Lokal, und am nächsten Tag und am Tag darauf, jeden der nächsten zehn Abende. Ich aß, ich trank, ich unterhielt mich mit allen möglichen Leuten. Scheiß auf die Kosten. Warum hatte mir nie jemand etwas von diesem Laden erzählt? Wo war ich gewesen? In diesen ersten paar Wochen erspähte ich frischgebackene Filmstars und so gut wie tote Politiker, Rapper in ghettoschickem weißem Pelz, die bekannteste Feminismus-Theoretikerin des Landes (eine dicke Serviette in ihre Bluse gesteckt, während sie wild ihr Fleisch kaute), den Bürgermeister und sein sich zankendes Gefolge, das berühmteste Callgirl der Stadt (eine Russin, sie speiste allein, mit Lesebrille und einem Buch) und Mitglieder aller New Yorker Profimannschaften. Auch Präsidenten und Preisboxer hatten dort vor langer Zeit gegessen, aber das interessierte niemanden groß, weil jeden Abend für neue Abwechslung gesorgt war: Jemand ging mit einer Zigarre in der Hand die Treppe hinauf, die zum Churchill und zum Roosevelt Room führte (sechs Monate im Voraus für Privatfeiern zu buchen, Klavier zu mieten, Stripperinnen gestattet), oder saß unglaublich geheimnisvoll an der Junior Bar, wo er ungestraft rauchte und wartete – vielleicht auf Sie. Sie kamen gerade, weil das Lokal nicht neu war und nicht etwa, weil es durch irgendwelche pikanten Soßen oder kunstvolle Anordnung des Gemüses zu plötzlicher Berühmtheit gelangt war; nein, die Grundvoraussetzungen des Geschäfts hatten nichts mit kürzlicher Entdeckung zu tun, sondern mit lange Erwiesenem: dass Sie und ich und wir alle dem Untergang geweiht sind. Auf den Gemälden und Lithographien an den Wänden waren nur längst Verstorbene abgebildet, und unter ihrem unveränderlichen Blick zu essen bedeutete somit, sich darüber im Klaren zu sein, dass es – egal, wie bezaubernd ihr Lächeln, egal, wie dick seine Brieftasche – keine Rolle spielte, ob man mit den hier servierten Köstlichkeiten Lunge oder Leber oder Verdauungstrakt belastete, weil auch das Leben eines Mannes oder einer Frau sozusagen nur eine kurze Mahlzeit am Tisch war und weil man verpflichtet war, gut zu leben und jetzt zu leben und nach der Logik des Fleisches herzhaft zuzulangen.

Bis halb sieben waren jeden Abend alle Tische besetzt, und bald merkte ich, der Gästestamm setzte sich vorwiegend aus Männern zusammen, die auf Firmenkosten aßen, mindestens sieben von zehn. Die Frauen ließen sich in zwei Gruppen unterteilen: die jüngeren, die mit steifem Gang und nur halb verborgener Erwartung zum ersten oder zweiten oder achten Mal da waren, und die nicht mehr ganz so jungen, die allein aufgrund der Tatsache ihrer Anwesenheit so ziemlich alles zu zählen aufgehört hatten, einschließlich der Drinks an dem betreffenden Abend. Die Männer waren in zahlreicheren Altersstufen und Schattierungen vertreten, so erschien es zumindest mir, vielleicht weil es so viel mehr von ihnen gab oder weil ich ihre Vielfalt auf der Suche nach meinem alten Ich studierte – diesem optimistischen Burschen, diesem glücklichen Minivan – und auch nach Versionen meines früheren künftigen Ich, nach dem Bill Wyeth, der ich nie sein würde: fünfzig, fest in der Großkanzlei etabliert, jeden Morgen mit Judith Kaffee trinkend, vielleicht ein zweites oder sogar drittes Kind in die Schule bringend, jedes Jahr reicher, jeden August in dem holzverkleideten Haus auf Nantucket. Und all diese früheren Ichs, künftige und vergangene, saßen da – genau genommen sogar im Dutzend: Männer, die nach dem zweiten Drink ihre Oxford-Hemden durchschwitzten, an ihren Handhelds und Handys herumfummelten, jung genug, um sich mehr um ihren Haaransatz zu sorgen als um ihr Herz, alt genug, um gesehen zu haben, wie Kumpel vom hohen Ende der Wippe gestoßen worden waren. Immer nach den verborgenen Geldströmen bohrend, die durch die Stadt liefen, mit Ehrgeiz aufgesext, aber voller Sorge, ihre Penisse könnten, wie ein volatiler Technologiewert, plötzlichen Performance-Downgrades unterworfen werden. Ich hörte eine Menge Witze und sah viel Lächeln, aber meistens war der Gesprächsstoff auf Geld beschränkt, das Lachen hypothekenbelastet, der Ehrgeiz vorher verkauft. Das waren Männer, die wohlhabend und gefragt waren, von Frauen und Kindern geliebt, Männer, die eine Lebensversicherung und saubere Unterwäsche besaßen. Hauptsächlich Republikaner, außer wenn sie mit den Demokraten einer Meinung waren. Über den Zinssatz-Zyklus im Bild. Ölwechsel alle dreitausend Meilen. Üppige Altersvorsorge. Üppige Ironie. Gut abgesichert – genau wie ich es gewesen war.

Die Geschäftsführerin des Restaurants, eine große, dunkelhaarige Brillenträgerin namens Allison Sparks, duldete mich zunächst, weil ich eine geringfügige, aber regelmäßige Einkommensquelle war, stets einverstanden, an Tisch 17 zu sitzen, dem schlechtesten des Lokals, einem Zweisitzer an der Rückwand, der fast an den klirrenden Tellerwärmer stieß. Auf der verrauchten Bühne des Steakhouse lag Tisch 17 im tiefsten Dunkel, und selbst wenn der dort sitzende Gast nichts zum Prickeln der Atmosphäre beitrug, konnte er es auch nicht beeinträchtigen. Allison Sparks, die ich auf Mitte dreißig schätzte, führte das Lokal schon lang und kannte alle seine zähen Zonen und toten Punkte. Ich mochte sie, und ich beobachtete sie aus der Ferne, und ich gebe zu, sie war ein weiterer Grund, weshalb ich jeden Tag, normalerweise in Anzug und Krawatte, wiederkam. Ja, vielleicht sollte ich lieber gleich von Anfang an zugeben, dass, wenn ich Allisons Art nicht so anziehend gefunden hätte – ihre raschelnde, langbeinige Tüchtigkeit, wenn sie vorbeiging, ihre parfümierte Geschäftigkeit –, dass dann alles ziemlich anders gekommen wäre – für mich und für andere, in mancher Hinsicht vielleicht schlechter und in vieler Hinsicht besser.

Wie und warum eine Frau schön ist, ändert sich bei mir mit zunehmendem Alter ständig, denn ich neige dazu, Züge an Frauen wahrzunehmen, die mir als jüngerem Mann nicht aufgefallen wären, und in meinen Zwanzigern zum Beispiel hätte ich Allison nicht als schön bezeichnet. Aber sie war es. Vielleicht nicht in ihren Einzelteilen, aber als Ganzes. Was ich am stärksten spürte, war ihr Selbstvertrauen, ihre Unbeugsamkeit, ihr Drang, alles so zu haben, wie sie es wollte, und nicht anders. Sie schien voller Humor und Ungestüm und sexuellem Verlangen. Sie verkuppelte Leute, löste Probleme, kam zu Entscheidungen. Sie sah auf die Uhr und hielt den Rücken gerade und passte auf, dass kein Lippenstift an ihre Zähne geriet. Das Steakhouse hatte Hunderte von Stammgästen, die in unterschiedlich großen Abständen wiederkamen, und sie kannte alle, wobei sie sich oft an ihr Lieblingsgetränk erinnerte und wie sie ihr...



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