E-Book, Deutsch, Band 1734, 160 Seiten
Reihe: Romana
Hart So weit das Land - so groß die Liebe
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-330-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1734, 160 Seiten
Reihe: Romana
ISBN: 978-3-86349-330-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zwei Welten prallen aufeinander, als Meredith West und Hal Granger sich in Australien begegnen. Sechs Monate lang wird sie, das Stadtkind aus London, den Haushalt des Rinderzüchters - und überzeugten Junggesellen - führen. Doch schnell ist es um Hal geschehen: Ihre dunkelblauen Augen, die braunen Locken und ihre natürliche Art verzaubern ihn so sehr, dass er sich bald wünscht, sie würde für immer bleiben. Nach einer zärtlichen Nacht will er ihr die alles entscheidende Frage stellen, da bekommt Meredith einen Anruf aus London. Sie soll sofort zurückkehren ...
Bisher hat die britische Autorin Jessica Hart insgesamt 60 Romances veröffentlicht. Mit ihren romantischen Romanen gewann sie bereits den US-amerikanischen RITA Award sowie in Großbritannien den RoNa Award. Ihren Abschluss in Französisch machte sie an der University of Edinburgh in Schottland. Seitdem reiste sie durch zahlreiche Länder, da sie sich beruflich nicht festlegen wollte. Mit vielen Jobs hielt sie sich in diesen Ländern unter anderem in Südafrika, Tanganyika, Australien, Oman, Pakistan, Algerien, Belize sowie den USA über Wasser. Jessica Hart war als Auslandskorrespondentin tätig, sie begleitete eine Expedition in Westafrika oder unterrichtete Englisch. Nebenbei hat sie als Kellnerin, Zimmermädchen, Tellerwäscherin, Sekretärin oder als Assistentin in einem Restaurantführer-Verlag gearbeitet. In ihren Büchern finden die Leser manche dieser Berufe wieder. Sie selbst sagt, dass in ihrer Brust zwei Seelen schlummern, einerseits träumt sie von einem gefährlichen Leben in fremden Ländern, sie reist gern. Andererseits fühlt sie sich mit ihrer Heimat England sowie mit ihrer Familie verbunden, sie liebt viele Dinge, die es nur in ihrem Heimatland gibt.
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1. KAPITEL
„Da drüben ist der Mann, den Sie suchen.“ Bill, der Besitzer des einzigen Pubs im Ort, deutete zur anderen Straßenseite.
Meredith blickte in die Richtung, in die sein Zeigefinger deutete, und sah einen grimmig wirkenden Mann, der gerade aus einem verbeulten Transporter stieg.
Kein typischer Australier, war ihr erster Gedanke. Denn während alle anderen, denen sie bislang hier draußen im Outback begegnet war, eine gelassene Heiterkeit ausstrahlten, machte das Gesicht dieses Mannes einen geradezu einschüchternd düsteren und strengen Eindruck auf sie.
Von ihrem Aussichtspunkt auf der Veranda des Pubs beobachtete sie, wie er sich einen Cowboyhut auf den Kopf stülpte und die Wagentür zuschlug. Er schien wirklich ungewöhnlich schlechter Stimmung zu sein. „Sind Sie sicher?“, fragte sie zögerlich nach.
„Natürlich bin ich sicher.“ Bill zog sich die Hose über dem ansehnlichen Bauch hoch. „Ich kenne jeden hier“, verkündete er voller Stolz. „Hier kommen nicht viele Fremde durch.“
Das glaubte Meredith ihm aufs Wort. Whyman’s Creek bestand aus eben diesem Pub, einer Handvoll Geschäften und einigen wenigen Häusern mit zumeist baumlosen staubigen Höfen und riesigen Wassertanks. Eine einzige Straße, deren Asphalt in der sengenden Hitze flimmerte, verlief schnurgerade durch die Kleinstadt hindurch – sofern die Bezeichnung „Stadt“ überhaupt angebracht war.
Dann gab es noch eine Start- und Landebahn, aber das war auch schon alles. Meredith wusste es genau, denn sie hatte jeden Zentimeter erforscht. Seit achtzehn Stunden hielt sie sich nun schon in diesem Nest auf. Das waren für ihren Geschmack siebzehn dreiviertel Stunden zu viel. „Der Typ arbeitet auf Wirrindago?“, erkundigte sie sich bei Bill.
„Er arbeitet nicht nur dort. Die Farm gehört ihm. Die ganzen tausend Quadratkilometer.“
Sie versuchte, sich eintausend Quadratkilometer vorzustellen, aber es wollte ihr nicht gelingen. Nicht, dass es wichtig war. Sie verstand auch so. Wirrindago war um ein unermessliches Vielfaches größer als der Garten ihres Reihenhauses in London.
Mit einem kritischen Blick zu Hal Granger dachte sie: Man sollte meinen, dass jemand, dem so viel Land gehört, ein bisschen fröhlicher dreinschaut.
Doch zum Glück brauchte sie ihn nicht zur Erheiterung. Er sollte sie nur zu Lucy bringen. „Danke, Bill. Dann gehe ich mal mit ihm reden.“
Bevor sie sich überlegen konnte, in welcher Form sie sich ihm nähern sollte, steckte Bill sich zwei Finger in den Mund und stieß einen schrillen Pfiff aus, der sie vor Schreck zusammenzucken ließ. „Hal!“, rief er. „Komm mal rüber, Kumpel!“
Der Mann verharrte mit einer Hand auf der Türklinke des Krämerladens. „Was gibt’s denn, Bill?“, entgegnete er so barsch, dass Meredith seine Verärgerung sogar über die Straße hinweg zu spüren glaubte.
Völlig unbeeindruckt von der rüden Antwort grinste Bill und deutete mit dem Daumen auf Meredith. „Die junge Dame hier braucht dich!“, schrie er, obwohl es eigentlich keinen Grund gab, die Stimme zu heben, da nicht gerade ohrenbetäubender Verkehrslärm herrschte.
Hal überquerte die Straße, blieb am Fuß der Verandastufen stehen und starrte zu ihr hinauf – mit gerunzelter Stirn für den unwahrscheinlichen Fall, dass er nicht einschüchternd genug aussah. „Ja?“
„Dann lass ich euch zwei mal allein“, verkündete Bill gelassen. Erneut zog er sich den Hosenbund hoch, bevor er im schummrigen Pub verschwand.
Hal und Meredith musterten einander. Keiner von beiden zeigte ein Zeichen von Wohlwollen.
Sie fühlte sich klar im Nachteil. Hal Granger schien irgendwelchen Gefälligkeiten eindeutig abgeneigt. Seine Augen, die von einem erstaunlich hellen Grau waren, wirkten sehr kalt, und die zusammengezogenen dunklen Brauen linderten nicht unbedingt den unterdrückten Zorn, den sie spürte, seit er aus dem Wagen gestiegen war. Die finstere Miene, eine Adlernase und ein strenger Mund – all dies machte keinen „hübschen Mann“ im landläufigen Sinne aus ihm, aber die Kraft seiner Persönlichkeit ließ sich nicht leugnen.
Sie ahnte, dass dieser Hal Granger mit Vorsicht zu genießen war. Gewiss wäre ihr Anliegen auf fruchtbareren Boden gefallen, wenn sie zu ihm gegangen und sich vorgestellt hätte, anstatt ihn von Bill wie einen Hund zu sich pfeifen zu lassen.
Doch das war nicht mehr zu ändern, und bestimmt schürte es seinen Unmut noch mehr, wenn sie ihn warten ließ. Sie setzte ihr hübschestes Lächeln auf und nahm sich die Sonnenbrille ab in der vagen Hoffnung, ihn dadurch zugänglicher zu stimmen. Doch die Geste verfehlte völlig die Wirkung.
„Es tut mir sehr leid, dass ich Sie störe“, begann sie. Zum ersten Mal wurde ihr bewusst, dass sie mit ihrer ausgeprägten englischen Aussprache steif wie die Queen klang. „Aber Bill hat mir erzählt, dass Ihnen die Rinderfarm Wirrindago gehört.“
„Ja“, bestätigte er einsilbig.
Sie behielt das Lächeln bei und fuhr fort: „Ich bin Meredith West. Ich glaube, meine Schwester arbeitet für Sie – Lucy.“
Ein wenig kniff er die seltsam hellen Augen zusammen. „Ja, sie ist auf Wirrindago. Ich hatte ganz vergessen, dass ihr Nachname West lautet“, gab er zu.
„Geht es ihr gut?“
„Es ging ihr prächtig, als ich heute Morgen weggefahren bin.“
„Oh, Gott sei Dank!“ Erleichtert ließ Meredith die Schultern sinken. Seit Wochen war sie krank vor Sorge um ihre kleine Schwester, die sich schon länger nicht mehr gemeldet hatte, und malte sich alle möglichen Horrorszenarien aus: Krankheit, Unfall, Gedächtnisverlust, Entführung durch Aliens …
Bill hatte bereits berichtet, dass Lucy des Öfteren am Samstagabend zusammen mit den Farmarbeitern von Wirrindago in die Stadt kam und „gehörig Leben in die Bude“ brachte, wie er sich auszudrücken beliebte. Doch das hatte Meredith nicht allzu sehr getröstet.
Hal Grangers kühle Gleichgültigkeit beruhigte sie mehr als Bills freundliche Anteilnahme, und nun erst entspannte sie sich. Jetzt fragte sie sich allerdings, warum Lucy nichts von sich hören ließ, wenn es ihr wirklich gut ging.
Hal beobachtete, wie Meredith unsicher an der Unterlippe nagte und sich die Erleichterung auf ihrem Gesicht wieder in Sorge verwandelte. Gegen seinen Willen registrierte er, dass sie hübsche Lippen hatte. Ihr Mund wirkte sinnlich weich und stand irgendwie im Widerspruch zu dem scharfen intelligenten Blick und dem forschen Ausdruck.
Er hätte nie erraten, dass sie mit Lucy verwandt war. Lucy war hellblond, gertenschlank und sehr reizvoll. Meredith hingegen besaß eine weiblich gerundete Figur und braunes Haar, das zu widerspenstigen Locken neigte.
Hal hätte sie nicht unbedingt als Schönheit bezeichnet, aber selbst seinem ungeübten Blick entging nicht, dass sie makellos gepflegt war. Sie trug eine perfekt geschnittene Hose, eine taillierte hellblaue Bluse und dazu eine Perlenkette.
Ausgerechnet Perlen!
Sie wirkte kühl und kompetent und total lächerlich für seinen Geschmack. Dass sie im Outback fehl am Platze war, ließ sich an ihrer Erscheinung so deutlich ablesen, als trüge sie ein riesiges Schild mit der Aufschrift Großstädterin in Leuchtfarben vor sich her.
Hal hatte keine Zeit für Stadtmenschen. Ungeduldig rückte er sich den Hut zurecht. „War’s das?“
Verblüfft starrte Meredith ihn an.
Mit einem Schlag wurde ihm bewusst, dass ihre Augen tiefblau und sehr schön waren.
„Ich wäre wohl kaum den ganzen Weg von England hierhergekommen, nur um eine einzige Frage zu stellen, oder?“, entgegnete sie kratzbürstig. Selbst einem Hinterwäldler wie ihm musste doch klar sein, dass es ihr nicht reichte, von Lucys angeblichem Wohlergehen zu hören! „Natürlich war’s das nicht!“
Zu spät hörte sie den gereizten Unterton in ihrer eigenen Stimme, und sie zwang sich, tief durchzuatmen. Schließlich wollte sie diesen Mann um einen Gefallen bitten.
Ihr schien, als wäre sie schon seit Tagen auf Reisen. Sie war erhitzt, besorgt und erschöpft vom Jetlag. Warum war er nicht einfach nett und bot ihr an, sie zu Lucy zu bringen? Am liebsten im Handumdrehen auf einem fliegenden Teppich! Denn die Aussicht auf eine Fortsetzung ihrer Reise brachte sie einem Zusammenbruch und Tränen der Erschöpfung nahe. Obwohl manche ihrer Bekannten erfolgreich auf solche Maßnahmen zurückzugreifen pflegten, stellte Merediths Erfahrung nach weder das eine noch das andere eine Lösung dar.
Also straffte sie die Schultern und zauberte ein versöhnliches Lächeln auf ihr Gesicht. „Die Sache ist die, dass ich Lucy sehen muss. Ich wollte mir eigentlich ein Auto mieten und selbst nach Wirrindago fahren. Aber Bill meint, das wäre nicht ratsam.“
„Es wäre sogar verantwortungslos und dumm. Sie hatten doch nicht im Ernst vor, ganz allein in den Busch zu fahren?“
„Ich nehme an, dass es Straßen gibt“, führte sie zu ihrer Verteidigung an.
„Nicht die Art von Straßen, die Sie gewohnt sind. Es gibt auch nicht viele Schilder. Sie würden sich schon nach fünf Minuten verfahren.“
Meredith versteifte sich. Sie ließ sich ungern sagen, dass sie irgendetwas nicht tun konnte. Aber gerade rechtzeitig unterdrückte sie eine schnippische Bemerkung. Sie durfte ihn nicht noch mehr verstimmen, als sie es offensichtlich allein durch ihre Anwesenheit bereits getan hatte. Sonst blieb sie noch in diesem Nest stecken,...




