E-Book, Deutsch, 300 Seiten
Hartl Scheunenschätzla
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-931683-81-8
Verlag: Nürnberger Presse
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Oma Gerdas erster Fall
E-Book, Deutsch, 300 Seiten
ISBN: 978-3-931683-81-8
Verlag: Nürnberger Presse
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Henrietta Hartl wuchs in Erlangen auf, studierte dort Elektrotechnik und arbeitete als Technische Redakteurin bei einem dort ansässigen Weltkonzern. Sie studierte dann an der Erlanger Uni auch Sprachen und Philosophie und war fünf Jahre lang DAAD-Lektorin an der University of Cambridge in England. Danach arbeitete sie als Informationsmanagerin in Unterfranken und an der Ostsee. Sie war mehrere Jahre lang als Journalistin für das Main-Echo und die Ostsee-Zeitung tätig. Nun lebt sie mit Ehemann und Katze an der Ostsee und konzentriert sich auf das Schreiben von Krimis. Neben Gedichten und Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlichte sie unter verschiedenen Pseudonymen einige Kindle-Romane.
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Gerda gegen Wudler 3:0 (mindestens)
Als ein Auto in den Hof einbiegt, rennt Max nach draußen. Durchs Fenster sieht Flora, wie er eifrig auf einen kleinen dicken Mann einredet, der gerade ausgestiegen ist. Irgendwie hat sie sich einen Kommissar größer und attraktiver vorgestellt – aber gut, das ist halt ein deutscher Beamter in echt, nicht aus dem Fernsehen …
Da kommt Gerda wieder ins Wohnzimmer, mit einer großen Thermoskanne in der Hand.
„Die Kripo ist jetzt da“, verkündet Basti. „Max hat gesagt, wir sollen hier drinnen bleiben und …“
Aber Gerda hat schon die Kanne abgestellt und ist unterwegs in Richtung Tür.
„Ich muss doch schaun, was die Fregger auf meim Hof da dreibn“, erklärt sie kriegerisch.
„Und ich muss schaun, was Gerda mit der Kripo treibt“, meint Basti besorgt und macht sich ebenfalls auf. „Nicht dass sie noch Ärger wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt kriegt oder so.“
„Sie sagt immer, was sie denkt, oder?“
Basti nickt mit düsterem Gesicht: „Aber wie! Ich schau mal, ob ich sie etwas bremsen kann.“
Flora will nicht allein hier in dem fremden Wohnzimmer bleiben und folgt den beiden nach kurzem Zögern.
Sie hätte gedacht, dass Hektor die Spusi-Leute ziemlich aufmischen würde. Aber auf ein leises Kommando von Gerda hin legt sich der riesige Hund brav neben die Haustür. Er verfolgt mit seinen großen braunen Augen Gerda, die nun in den Hof stampft wie ein Krieger in die Schlacht.
Flora hat ein etwas schlechtes Gewissen, dass sie selbst jetzt auch im Hof ist. Dieser Max hatte ja eigentlich gesagt, sie sollten nicht rausgehen. Und jetzt sind sie alle drei wieder draußen im Hof, da wird er wahrscheinlich nicht gerade erfreut sein …
Aber Max hat im Moment wohl andere Sorgen. Der Kommissar kanzelt ihn offenbar ab, wofür auch immer. Max‘ Ohren glühen und seine Schultern hängen. Aber auf seinem Gesicht liegt ein leicht rebellischer Zug.
Als Flora in Hörweite kommt, raunzt der Kommissar Max gerade an: „Ihr Job ist hier erst mal nur, die Personalien der beteiligten Personen aufzunehmen.“
Max zuckt die Achseln: „Was soll ich denn da aufnehmen, ich kenn doch alle eh persönlich und schon ewig – die Gerda war schon bei meiner Taufe dabei, und dem Basti hab ich damals mein Mofa verkauft, als er grad fünfzehn war.“
„Ja ja, das ist ja alles sehr schön idyllisch“, der Kommissar wedelt gereizt mit der Hand. Dann macht er eine Kopfbewegung in Richtung Flora. „Die junge Dame da ist auch aus Niedlasreuth?“
Flora sieht, wie Max der Schreck in die Glieder fährt. Ihre Personalien hat er natürlich nicht aufgenommen. Schnell geht sie zu ihm und dem Kommissar und erklärt: „Nein, ich bin hier fremd, sozusagen, aber er hat meine Personalien schon aufgenommen. Ich bin Flora Petersen aus Hamburg, Doktorandin an der Uni und erst seit zwei Wochen in Erlangen. Ich halte ein Mathe-Tutorium, das Basti besucht“, sie zeigt in seine Richtung. Er steht mit Gerda bei einem Typen im weißen Overall, sie diskutieren lebhaft.
„Es ist doch erst Mitte September“, der Kommissar sieht sie misstrauisch an, „das Semester läuft doch noch gar nicht?“ „Die Tutorien fangen manchmal schon vor den Vorlesungen an“, erklärt Flora – „und ich bin unschuldig!“, rutscht es ihr beinahe heraus. Das wäre albern, und vermutlich erst recht verdächtig. Aber dieses Misstrauen im Blick des Kommissars macht sie irgendwie ganz nervös. Wahrscheinlich ist das ja genau sein psychologischer Trick.
Obwohl – was hätte er denn davon, wenn sie aus lauter Panik einen Mord gestehen würde, den sie gar nicht begangen hat? Das würde doch nur alles komplizieren.
Nun kommt Gerda auf sie zugesteuert, im Schlepptau den ziemlich unglücklich aussehenden Basti.
Nachdem Gerda den Kommissar misstrauisch angestarrt hat, baut sie sich vor ihm auf.
„Sie sind edserd der Chef vo all die Leud?“
Das gefällt ihm. Er wächst um mindestens einen Zentimeter und verkündet: „Kriminaloberkommissar Konrad Wudler.“ An Floras Ohr tuschelt Max, der ein Stück weggetaucht ist: „Oberkommissar klingt toll, aber des ist des Zweitniedrigste, was es gibt, für ihn.“
Unbeeindruckt starrt Gerda Wudler an: „Wie lang grabbeln denn die noch auf meim Hof rum?“
Die stolze Miene des Kommissars wird nun säuerlich: „Ihr Hof? Aha, Sie sind also diejenige, die fatalerweise eine Decke über die Leiche gelegt hat? Damit haben Sie alle Spuren verfälscht.“
Gerda schnaubt ärgerlich: „Wie däds denn Ihnen gfalln, wenn’S‘ da so naggerd middn aufm Hof rumlieng müssdn, häh? Da wärns auch froh über a Deggn!“
Zwei Spusi-Leute in der Nähe fangen an zu grinsen und zu tuscheln.
Nun ist es der Kommissar, der rote Ohren bekommt.
Hastig zeigt er auf den schwarzen Haufen auf dem Boden und sieht Basti vorwurfsvoll an. „Polizeihauptmeister Güdlein hat mir erzählt, dass Sie auch das Feuer ausgemacht haben?“
„Hädd ma wardn solln, bis mei gandser Hof abbrennt?“, schnaubt Gerda entrüstet. „Nacha häddns die Kerl‘ von der Feuerwehr hier aa noch rumhubbfn, und dann wär‘s ganz aus gwen mit Ihre gosdbarn Schburn.“
Flora unterdrückt ein Grinsen. Gerda übertreibt natürlich maßlos. Wegen des kleinen Feuers hätte wohl kaum die Feuerwehr anrücken müssen.
Basti erklärt nun: „Wir haben das Feuer auch ausgemacht, damit die Sachen da nicht verbrennen – das sieht aus wie Kleidungsstücke, wahrscheinlich ja die von dem Toten.“
„Die Schlussfolgerungen überlassen Sie bitte uns“, schnappt der Kommissar.
Er fixiert Gerda scharf. Doch als er ihre kriegerische Miene sieht, driften seine Augen ab, und er konzentriert seinen bösen Blick lieber auf den deutlich harmloser wirkenden Basti: „Und die Tatwaffe haben Sie womöglich auch beiseitegeräumt?“
„Nix hamma weggräumd“, erklärt Gerda ihm laut und fest. „Da war auch nix. Nix womid man jemandn sein‘ Schädl einschlong koo.“
Basti fragt nach: „Was war denn überhaupt die Tatwaffe?“ „Das wissen wir noch nicht“, muss der Kommissar zugeben. „Ich tippe ja auf sowas wie einen Baseballschläger“, meldet sich Max nun zu Wort, „so von der Wunde her, die hat ganz so ausgesehen.“
Der Kommissar starrt ihn an: „Ach, jetzt sind Sie auf einmal auch noch Experte für Forensik? Interessant.“
Seine Stimme trieft vor Sarkasmus, aber Max erklärt unbeirrt: „Na ja, Erfahrung habe ich da leider schon ziemlich. Bei meiner Arbeit sehe ich das öfters, was ein Baseballschläger anrichtet, wenn so ein Idiot ihn gegen einen Kopf schwingt statt gegen einen Ball. Ich würde sagen –“
„Ich würde sagen, davon verstehen Sie nichts. Das war hier wohl kaum eine Schlägerei unter Jugendlichen. Sagen Sie mir mal lieber, wissen Sie schon, wer das ist?“
„Sorry, aber er hatte keine Papiere in der Tasche“, erklärt Max mit Unschuldsmiene.
Der Kommissar fährt Max an: „Sie brauchen hier nicht den Clown zu spielen! Wie sehen Sie überhaupt aus! Pinke Jogginghosen und der Totenkopf … Also, dieses Outfit ist wirklich …“
„Ich hab ja eigentlich heute frei“, sagt Max vorwurfsvoll.
„Trotzdem, wenn Sie quasi in Ihrer Funktion als Polizeibeamter in die Öffentlichkeit gehen –“
„Des war keine Öffentlichkeit, des war die Gerda“, Max schaut nun noch vorwurfsvoller. „Und die kennt den Mann nicht, sie hat ihn noch nie gesehen.“
Jetzt tritt ein sehr kleiner, schlanker Mann im weißen Overall zu ihnen. „Des ist der lange Piet“, flüstert Max in Floras Ohr, „der Chef der Spusi.“
Auch für ihn hat der Kommissar einen Blaffer parat: „Haben Sie das Feuer schon untersucht?“
„Ich habe einen ersten Eindruck gewonnen“, sagt Piet vorsichtig. „Es handelt sich offenbar um Kleidung, vermutlich die des Toten.“
Basti kann sich ein leises „Genau!“ nicht verkneifen.
Der Kommissar überhört das geflissentlich und wendet sich weiter an Piet: „War da ein Personalausweis oder Führerschein dabei oder sowas?“
Piet schüttelt den Kopf. „Könnte natürlich komplett verbrannt sein, aber das glaube ich eigentlich nicht. Das Feuer hat wohl nicht allzu lange gebrannt, es ist noch einiges von der Kleidung übrig. Und wenn da Plastikkarten dabei gewesen wären, hätte ich bestimmt irgendwelche Reste gefunden.“ „Die hat der Täter also mitgenommen“, überlegt Flora.
Der Kommissar starrt sie ärgerlich an. Aber bevor er auch sie abkanzeln kann, drängt Piet ihn: „Was sollen wir denn jetzt alles untersuchen? Die Leiche natürlich, und das Feuer. Aber was ist – damit?“
Er holt weit mit dem Arm aus und schwenkt ihn einmal im Kreis. Flora folgt der Bewegung, und erst jetzt wird ihr bewusst, wie viele Gebäude da rings um den Hof stehen.
Piet beschreibt sie gerade mit müde klingender Stimme: „Da ist das Wohnhaus und dieser große Stall, oder was das ist, neben dem Haus. Und daneben die große Scheune, und so ne Doppelgarage, und dann ist da noch dieser kleinere Holzstall hier. Sollen wir das wirklich alles untersuchen? Dann brauche ich auf jeden Fall noch mehr Leute.“
Der Kommissar zögert, und Piet erklärt mit einem leicht boshaften Unterton: „Tja, Wudler, Sie wissen schon: Wenn wir das alles hier genau unter die Lupe nehmen,...




