E-Book, Deutsch, 252 Seiten
Hartl Zwei Zeitzeugen der Zukunft
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-9847-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Future-Fiction-Roman
E-Book, Deutsch, 252 Seiten
ISBN: 978-3-7562-9847-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor Peter Hartl ist Architekt und somit geschult in die Zukunft zu planen. In Zeiten der Pandemie hat er diese Denkweise ins Schreiben verlagert. Er bezeichnet seinen Roman als Future-Fiction, denn er beschreibt als Rückblick aus der Zukunft die möglichen technischen und digitalen Innovationen ab heute. Alle vorgestellten Ereignisse haben Bezug auf derzeitige Entwicklungen und Forschungen. Es sind Innovationen, die die Welt retten und verändern. Die gesellschaftlichen Umbrüche werden gravierend sein, wie auch immer sich die nächsten fünfzig Jahre gestalten und wir werden sie bewältigen müssen. Das Buch nimmt den Leser mit auf eine Wanderung durch das fundamental veränderte Europa der Zukunft.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
FERNWANDERN
Die Europäischen Fernwanderwege
Zu Beginn diente der Ausbau der Europäischen Fernwanderwege allein der Arbeitsbeschaffung, doch bald erkannten die Regierungen den unverzichtbaren Wert für die seelische Gesundheit großer Bevölkerungsteile.
Durch Faktoren wie das Vordringen der künstlichen Intelligenz in den gesamten Verwaltungs- und Logistikbereich stiegen die Arbeitslosenzahlen im ersten Drittel des 21. Jahrhunderts enorm. Als im Jahr 2035 abzusehen war, dass bald in Europa mehr als ein Drittel der Menschen ohne Job sein würde, waren die Länderregierungen glücklich, wenigstens für einen Teil der Arbeitslosen eine Hilfe bei der Bewältigung der psychischen Misere gefunden zu haben: das Fernwandern. Eine wachsende Zahl von Menschen, die vom Berufsleben abgeschnitten waren, begab sich auf Wanderschaft: Singles, Paare, Familien, kleine und große Gruppen. Oft vermieteten sie befristet ihre Wohnungen, ignorierten die Schulpflicht ihrer Kinder und suchten unterwegs Gelegenheitsjobs. Diese Fernwanderer waren oft Wochen, Monate und immer öfter Jahre unterwegs. Die Routen führten über die schon vorhandenen Pilgerwege, ergänzt durch alte Handelsverbindungen, die oft entlang der Flüsse verliefen oder zu jahrtausendealten Gebirgspässen führten. Das Fernwandern war der Beginn einer Massenbewegung, die sich durch die gewonnene Freiheit buchstäblich neue Wege bahnte, oft mit festem Ziel, aber zunehmend nach freier Entscheidung während der Wanderung. Ein positives Lebensgefühl entfaltete sich und führte viele aus der beruflichen Perspektivelosigkeit. Ein neues Land, neue Orte kennenzulernen, fremde Sprachen zu sprechen, neue Menschen zu treffen, all das erzeugte ein Glücksgefühl. Man entdeckte in sich versteckte Talente und sah neue berufliche Chancen. Im Laufe der letzten Jahre hatten sich Millionen Menschen aus allen Ländern auf den Weg gemacht, um Europa kreuz und quer zu durchwandern. Viele Gebirgsüberquerungen waren ausgebaut und mit neuen Unterkünften bestückt worden.
Die Schulen reagierten, indem sie Fernunterricht anboten. Kleine Hotels entstanden in regelmäßigen Abständen, die Tagesstrecken von 20 Kilometern, im Gebirge von 8 Kilometern wurden dabei berücksichtigt.
Im Jahr 2038 hatte sich die EU auf 36 Staaten erweitert. Damit vergrößerten sich sowohl das Fernwandernetz als auch die Zahl der Wanderer erheblich. Hinzu kamen viele Besucher aus Übersee, die die Landschaft, aber auch die perfekte Organisation des Fernwanderns in Europa kennenlernen wollten.
Schon im zweiten Jahr nach Fertigstellung der Hauptrouten konnte die Zentrale der Europäischen Fernwanderwege 9 Millionen Wanderer in ganz Europa orten. Das waren nur 1 Prozent der europäischen Bevölkerung, aber immerhin etwa 6 Prozent der Arbeitslosen. Sie verteilten sich auf dem gewaltigen Wegenetz so, dass es nur selten schwierig wurde, ein Nachtquartier zu finden. Trotz dieser 9 Millionen war es möglich, tagelang niemandem zu begegnen. Oft schloss man sich anderen Gruppen an, änderte das Ziel, fand neue Freunde und erweiterte seine Interessen.




