Hartmann | Die weiße und schwarze Magie | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 348 Seiten

Hartmann Die weiße und schwarze Magie

Das Gesetz des Geistes in der Natur
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7575-1511-9
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Das Gesetz des Geistes in der Natur

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

ISBN: 978-3-7575-1511-9
Verlag: epubli
Format: EPUB
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Der Unterricht in der praktischen Kunst der Magie unterscheidet sich deshalb gänzlich von dem Unterricht in einer Wissenschaft, die nur aus Theorien besteht. Der erstere ist gleichbedeutend mit dem Fortschritte in der geistigen Evolution, wodurch der Mensch näher zur Erkenntnis seines eigenen göttlichen Wesens oder, mit anderen Worten, der Erkenntnis Gottes, und hierdurch in den Besitz geistiger und göttlicher Kräfte gelangt. Der Letztere dagegen besteht in Mitteilungen gewisser Theorien, die dieser oder jener Mensch entdeckt oder erfunden hat und die so lange gültig sind, bis etwas Besseres gefunden wird, wobei sich dann die Wahrheit jenes Ausspruchs des Theophrastus Paracelsus erweist, dass oft das, was in einem Zeitalter als der Gipfelpunkt alles menschenmöglichen Wissens betrachtet wird, vom darauffolgenden Zeitalter, als ein Aberglaube verworfen wird und was in einem Jahrhundert als Unsinn verlacht und verspottet wird, die Grundlage alles Wissens des nächsten Jahrhunderts bildet.

Franz Hartmann (* 22. November 1838 in Donauwörth, Bayern; ? 7. August 1912 in Kempten (Allgäu)) war ein deutscher Theosoph, Freimaurer, Rosenkreuzer und Autor von esoterischen Werken.
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Das Ideal und die Wirklichkeit


Das höchste Ideal des Menschen ist die Vollkommenheit.

Das Ideal eines jeden Geschöpfes ist das, worin sein Wollen und Streben, Empfinden und Denken gipfelt. Jedes Wesen hat ein Ideal, das seiner eigenen Natur entspricht. Jedes hat in sich selbst den Drang nach Vervollkommnung seines eigenen Wesens; und das Ideal des Höchsten sowohl als des Niedrigsten, des Guten sowohl als des Bösen besteht in deren Erlangung. Jedes Wesen liebt deshalb, sei es instinktiv oder selbstbewusst, die Mittel, die zur Verwirklichung seines Ideals führen — die Blume den Sonnenschein, der Vogel die Luft, der Hund den Knochen, die Katze die Maus, der Geizhals den Geldsack, mit dem er ein Herz und eine Seele ist, und so weiter. Diese Dinge sind aber nicht das Ideal selbst, sondern nur die Mittel zu dessen Erlangung. In Wirklichkeit ist das Ideal der Blume die durch den Sonnenschein bedingte Entfaltung ihrer Pracht, das Ideal des Vogels die Freiheit, das Ideal des Hundes und der Katze die Befriedigung der Begierde, das Ideal des Geizhalses das Bewusstsein des Reichtums — alles lauter unsichtbare und unbegreifliche Dinge oder vielmehr Zustände. Das wirkliche Ideal eines jeden Wesens besteht in dem Genuss und nicht in dem äußerlichen Besitz des zur Verwirklichung dieses Ideals tauglichen Mittels. Was man im Grunde genommen an einem Dinge liebt, ist — wenn man sich dessen auch nicht bewusst ist — nicht das Ding an sich selbst, sondern dessen Eigenschaften; und wir können nur dadurch in den vollen Genuss der Eigenschaften, die wir lieben und bewundern, kommen, dass sie uns selber zu eigen, in uns selber zur Wesenheit werden und in uns ihren Ausdruck finden. Nur dasjenige, was wir selber sind, können wir im wahren Sinne des Wortes unser eigen nennen. Nicht die Form selbst ist es, die uns gefällt, sondern die Schönheit der Form; und sie gefällt uns deshalb, weil wir in uns selbst das Schönheitsgefühl besitzen, das durch den Anblick der schönen Form gestärkt und gekräftigt wird. Nicht die schönen Worte sind es, die uns in einem Buche ansprechen, sondern die Wahrheit, die in ihnen enthalten ist und die, in schönen Worten ausgedrückt, in unserem eigenen Herzen, wo der Sinn für das Wahre wohnt, einen Widerhall findet.

Der Genuss eines Ideals besteht in dessen Verwirklichung. Wenig würde es uns nützen zu glauben, dass irgendwo in der Welt Sonnenschein und Licht existierten, wenn wir blind wären. Wenig würde es uns helfen, die Theorie für wahr zu halten, dass irgendwo im Universum ein Gott existiere, wenn nicht der Geist Gottes in uns selber zu unserem Bewusstsein kommt. Solange ich das Dasein eines Ideals nicht selber erkenne, sondern nur vom Hörensagen davon weiß, existiert es für mich auch nur in meiner Fantasie. Es ist, als ob ich gehört hätte, dass irgendwo irgendjemand, den ich nicht kenne, mir einen Schatz hinterlassen hätte, von dem ich nichts weiß. Nur das, was in unseren Besitz kommt, ist unser eigen, und wir können es genießen. Nur das, was in unser Bewusstsein tritt, ist für uns da. Währen wir unter Bergen von Gold begraben und wüssten nicht, dass es Gold ist, so hätten wir doch nichts davon. Die Verwirklichung unserer Ideale ist somit nicht in dem bloßen Besitze, sondern in dem Bewusstsein desselben und folglich in uns selbst zu finden. Alle wirklichen Güter sind deshalb geistiger Natur und werden nur durch die selbstbewusste Vereinigung mit dem Ideal, das sie darstellen, erlangt. Das Ideal, mit dem wir vereinigt sind, wird ein Bestandteil unseres Selbst. Nur in uns selbst können wir die Verwirklichung unserer Ideale finden.

Wäre der Mensch nicht ein zusammengesetztes, sondern ein einfaches Wesen, so hätte er auch nur einen einzigen Willen, einen einzigen Gedanken, ein einziges Ideal. Sein materieller Körper verlangt nach Ruhe, seine Lebenskraft nach Bewegung; die ihm innewohnende Tiernatur sucht nach Befriedigung ihrer Begierden und Leidenschaften, der ihm innewohnende Intellekt sucht nach Vermehrung und Erweiterung seines Wissens, aber seine Seele sehnt sich nach der Selbsterkenntnis der Wahrheit, nach Vereinigung mit den höchsten Idealen. Das Vergängliche im Menschen sucht sein Glück im Vergänglichen; das Unsterbliche in ihm findet nirgends Ruhe als in der Unsterblichkeit selbst.

Was ist Unsterblichkeit? — Die Bibel sagt: „Es ist niemand unsterblich als Gott.“07 Gott ist kein Jemand, sondern das Wesen von allem. Auch die Wissenschaft lehrt die Unsterblichkeit des ganzen Weltalls. Es findet überall Veränderung der Formen, aber nirgends eine Vernichtung des Wesens statt. Formen verschwinden, aber es geht kein Atom vom Stoff aus dem Weltall verloren. Kräfte werden in andere umgesetzt, aber die Kraft bleibt im Grunde genommen dieselbe. Eine Form des Bewusstseins verschwindet, aber es tritt in anderer Form wieder auf. Die Lebenstätigkeit hört an dem einen Orte auf, aber das Lebensprinzip bleibt dasselbe und offenbart sich überall, wo die dazu nötigen Bedingungen vorhanden sind.

Alles ist unsterblich und kann nicht vernichtet werden. Es findet keine Zerstörung des Ewigen statt08, aber eine Form oder Lebenserscheinung kann dieses ewige Leben nicht genießen, solange es nicht in ihm zu seinem Bewusstsein gekommen ist. Ein Mensch, als Individuum betrachtet, ist erst dann unsterblich, wenn das Unsterblichkeitsbewusstsein in seinem Innern erwacht.

In jedem Menschen ist ein Funke des ewigen, geistigen Lebens enthalten, und aus ihm entspringt das Gefühl der Unsterblichkeit von irgendetwas in ihm, das er nicht kennt. Das Tier fürchtet den Tod nicht, weil es das geistige Leben nicht hat. Das Sterbliche im Menschen scheut sich vor dem Tode, weil es instinktiv fühlt, dass in ihm Unsterbliches gesät ist und dass es nicht selbst dieses Unverwesliche ist. Das Ideal eines jeden ist, ein unsterbliches Dasein im Vollgenuss des höchsten Glücks zu erlangen, und viele geben sich der Erwartung hin, dies nach dem Tode des Körpers zu erreichen. Aber woher sollte das Bewusstsein eines höheren Lebens nach dem Verlassen des Körpers kommen, wenn es nicht schon vor diesem Verlassen vorhanden ist?

Welches ist das höchste Ideal, das der Mensch ahnen und denken kann? — Die allgemeine Vollkommenheit, alles in allem zu sein, alles zu besitzen, alles zu können, von allen geliebt zu werden und alleiniger Herr über alles zu sein, darüber hinaus ist kein Ideal denkbar. Eine Vollkommenheit ist undenkbar ohne Wesenheit; eine Eigenschaft ist nicht vorhanden, wenn nichts da ist, das sie besitzt. Das Wesen des Ideals, dem diese allgemeine Vollkommenheit zukommt oder zukommen würde, wenn es verwirklicht wäre, wird Gott genannt. Deshalb ist Gott das höchste Ideal der Menschheit und dieses Ideal kann sich im Menschen nur dadurch verwirklichen, dass er selber Gott wird. Wenn aber das Wesen in allen Dingen Gott ist, dann ist auch der Mensch seinem wahren Wesen nach Gott und braucht es nicht erst zu werden. Es handelt sich für ihn nur darum, dass er das, was in ihm göttlicher Natur ist, nämlich sein wahres Wesen, wirklich erkennt; so erkennt er dadurch auch Gott und die ganze Natur. Durch diese Selbsterkenntnis wird ihm das Ideale zum Realen, das göttliche Sein in ihm selber zur Wirklichkeit. Er erkennt die Wahrheit in sich als sein eigenes Wesen und dieses Wesen als Gott, denn die göttliche Selbsterkenntnis des Menschen in Gott und die Gotteserkenntnis im Menschen ist ein und dasselbe.

Es kann nur ein einziges allumfassendes und alles durchdringendes höchstes Ideal geben, das selbst das Wesen von allem ist; und wenn sich dieses Ideal im Menschen dadurch verwirklicht, dass er sich in ihm erkennt und es in ihm zum Selbstbewusstsein gelangt, dann erkennt er auch alles, besitzt alles, ist Herr über alles und ist selber die Wahrheit und das Wesen in allem. Aber nicht das, was man gewöhnlich als den Menschen zu betrachten gewohnt ist, weder sein Körper, noch sein Verstand, hat diese Erkenntnisfähigkeit. Sie sind nicht Gott und können sich deshalb auch nicht als Gott erkennen. Sie sind nur zurückgeworfene Strahlen und Schatten des ewigen Lichts. Nur der Sohn kann den Vater erkennen. Nur der göttliche Funke im Menschen, der selber ein Ausfluss der wahren Wesenheit ist, kann sich als das wahre Wesen erkennen, das er tatsächlich ist. Dieses wahre Wesen im Menschen und in allem ist sein eigenes wahres Ich; alles andere ist vergänglicher Schein. Wollen wir daher die göttlichen oder magischen Kräfte kennenlernen, die in unserer Natur verborgen sind, so handelt es sich vor allem darum, das, was in unserem Wesen göttlicher Natur ist, zu finden und sich über allen Egoismus und alle Täuschung des Sonderseins zu jener Stufe zu erheben, auf der dasjenige existiert, dem diese göttlichen Kräfte angehören. Nur auf diese Art kann uns die Magie von Nutzen sein, denn was nützen uns alle Vorschriften zur Anwendung von Kräften, wenn wir diese Kräfte nicht besitzen oder erkennen und sie deshalb nicht anwenden können?

Magie bedeutet jene große und erhabene Wissenschaft, die nur dem Geistmenschen zugänglich ist und dem Tiermenschen sowohl als auch dem sogenannten Verstandesmenschen, der sich nur auf der intellektuellen, nicht aber auf der geistigen Ebene bewegt, für immer geheim bleiben muss, weil er nicht fähig ist, sie zu begreifen. Deshalb ist auch das Wort Magie für die moderne materielle Wissenschaft ein leerer Schall und die höhere Geheimwissenschaft existiert für sie nicht. Wohl ist sie aber den Weisen unter denjenigen Völkern bekannt, die vielleicht weniger Erfahrung als wir in der Wissenschaft der oberflächlichen Erscheinungen in der Natur besitzen, in denen aber das geistige Leben weit mehr...



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