Hartung | Der Fluch des Fremden | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 342 Seiten

Hartung Der Fluch des Fremden

Spannend und temporeich – eine Mordserie zu Beginn des 17. Jahrhunderts
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-948346-64-5
Verlag: MAXIMUM Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Spannend und temporeich – eine Mordserie zu Beginn des 17. Jahrhunderts

E-Book, Deutsch, 342 Seiten

ISBN: 978-3-948346-64-5
Verlag: MAXIMUM Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



„Ich verfluche euch! (…) Mein Tod wird mir die Rache ermöglichen, welche mir im Leben verwehrt war.“

Deutschland, Anfang des 17. Jahrhunderts: Das große, jährliche Dorffest in Furtenblick endet unerwartet, als ein Fremder das Podium besteigt und den grausamen Tod von vier Bürgern ankündigt. Um seinen unheilvollen Fluch zu stärken, stürzt er sich über eine Klippe in den nahen Fluss. Am Tag danach findet man flussabwärts die zerschmetterte Leiche. Kurz darauf gibt es das erste Opfer. Genau wie im Fluch angekündigt, liegt der Tote nackt im Wald und ist von Insekten übersät. Während alle anderen vor Angst erstarrt sind, entscheiden sich die Witwe Katharina Volck und ihr Nachbar Jakob Kohlhepp, der Sache auf den Grund zu gehen.
Katharina findet Spuren, die sie einen Mord und keinen Todesfluch vermuten lassen, doch ihre Annahmen finden bei den abergläubigen Menschen in Furtenblick nur wenig Gehör. Einzig Jakob vertraut ihr, während Bruder Theobald, der Priester des Dorfs, weiter die Angst der Menschen schürt. Er wirft ihnen mangelnden Glauben und die Abkehr von Gott vor. Das Dorf hat sich von dem ersten Schrecken noch nicht erholt, als die Mutter des Dorfschmieds auf offener Straße zusammenbricht. Schnell gerät der junge Holzfäller Ubald unter Verdacht, etwas mit dem Fluch zu tun zu haben. Katharina und Jakob müssen schnell handeln, um sein Leben zu beschützen.
Kurz darauf wird der Weinbauer und Wohltäter Lukas Kolb, ertrunken in seinem Blut, gefunden. Katharina untersucht heimlich die Leiche des Weinbauers, um dem Mörder auf die Spur zu kommen. Sie spürt, dass hinter all dem mehr steckt, begegnet jedoch einer Mauer des Schweigens. Wem kann sie noch vertrauen? Und wer wird das nächste Opfer sein?

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1. Kapitel


Johannis-Fest

Katharina nahm die frisch gebackenen krummen Krapfen aus dem Ofen und legte sie auf dem Tisch aus. Den Händen sah man die sechsundvierzig Sommer ihres Lebens an, aber sie war noch immer eine attraktive Frau, mit weichen Gesichtszügen, einer kleinen Nase und wohlgeformten Lippen. Ihre langen braunen Haare waren hochgesteckt und ihre Stirn war in Konzentration gerunzelt. In solchen Momenten schmolz ihre Welt auf die Größe ihrer Küche. Es gab nur sie und die Zutaten ihres Gebäcks.

Sie wandte sich zur Anrichte und griff nach einer Schale Himbeeren. Dabei prüfte sie jede Frucht kritisch und wählte nur die besten. Stück um Stück entnahm sie, bis die Hälfte jedes Krapfens mit Himbeeren bedeckt war. Dann ging sie einmal um den Tisch herum, ihr Werk von allen Seiten betrachtend, griff nach einer Schale mit Erdbeeren und füllte die Lücken auf. Auch hier prüfte sie jede, bevor sie diese auf den warmen Teig legte. War sie ein Stück zu groß, kürzte sie die Frucht, dass sie nicht über die Himbeeren hinausragte, zu klein, steckte sie diese in den Mund und kaute abwesend darauf, ohne ihren Blick vom Teig zu wenden. Die Tür ging auf, aber Katharina hob den Kopf nicht. Ein stattlicher Mann, mit breiten Schultern und einem grobschlächtigen Gesicht, betrat die Küche. Seine dunklen Haare waren ein wenig zu lang und fielen ihm bis über die Augenbrauen. Mit seinen großen Händen und seiner breiten Brust hätte er auf einen Fremden furchteinflößend gewirkt, aber spätestens mit seinem offenen, fast schüchternen Lächeln wäre die Angst wieder verflogen. Er spielte unsicher mit den Fingern, als er sich Katharina näherte.

„Wie immer ein Meisterwerk“, sagte er mit tiefer Stimme. Einen Augenblick hörte sie mit ihrer Arbeit auf und stellte sich neben ihn.

„In der Tat, Jakob“, erwiderte sie zufrieden und legte eine Erdbeere auf einen Krapfen. „Wie läuft es mit dem Aufbau für das Dorffest?“

„Bis heute Mittag werden wir die Tische und Bänke gerichtet haben. Danach werden wir das große Feuer vorbereiten und den Ochsen auf den Spieß ziehen. Damit uns das Fleisch nicht verbrennt, werde ich mit Albrecht die erste Nachtwache übernehmen.“

Katharina lächelte. Vor noch nicht allzu langer Zeit wäre es undenkbar gewesen, dass Jakob überhaupt zum Dorffest gekommen wäre. Er und Berta waren ein glückliches Paar gewesen, aber der Fiebertod seiner Frau hatte ihn für immer verändert. Aus dem lebensfrohen Bauern war ein zurückgezogener Einsiedler geworden. Einzig mit Katharina hatte er ab und zu gesprochen, weil sie als trauernde Witwe seinen Schmerz verstanden hatte, denn nur wenige Wochen zuvor war auch ihr Mann gestorben.

Mehr als drei Jahre waren seitdem vergangen. Obwohl Jakob jeden Tag vor Bertas Grab stand, hatte er die Vergangenheit hinter sich lassen können und war wieder ein Mitglied der Dorfgemeinschaft geworden. Er besuchte das Wirtshaus, schlenderte über den großen Markt oder setzte sich mit seiner Angel an den Fluss. Für Katharina war er ein unschätzbarer Freund, der es zu seiner Pflicht gemacht hatte, alles an ihrem Haus in Ordnung zu halten, als wäre es sein eigenes. Katharina hatte sich daran gewöhnt, dass Jakob unaufgefordert etwas an ihren Fenstern, dem Dach oder ihrem Zaun ausbesserte. Manchmal wurde sie sogar von Jakobs Hämmern geweckt. Sie fragte nicht, was er da machte, er wusste immer genau, was er tat.

„Hört sich an, als würde morgen alles bereit sein“, sagte sie.

„Ein paar Probleme gibt es noch“, wandte Jakob ein. „Lukas Kolbs Männer haben uns zu wenig Wein geliefert. Winand hat Probleme mit seinem Ofen und kann nicht ausreichend Brot backen. Die Bänke sind so schmutzig, dass die Frauen sie noch Stunden wischen müssen, bis man drauf sitzen kann. Außerdem macht mir das Wetter Sorgen.“

„Wenn du so viel zu tun hast, was führt dich dann zu mir? Auf das Essen wirst du noch warten müssen, bis die Krapfen fertig belegt sind.“

„Ich wollte eigentlich nur schauen, ob ich etwas davon abhaben kann“, antwortete Jakob mit einem unsicheren Blick zu Katharina.

„Ich bin noch längst nicht so weit“, sagte sie streng. „Es fehlen noch Nüsse. Außerdem will ich die Früchte mit Johannisbeeren ergänzen.“

Er senkte enttäuscht den Kopf.

„Aber da ich dich kenne, Jakob Kohlhepp, habe ich dir schon einen gerichtet, damit dir beim Arbeiten nicht schwach wird.“ Sie deutete zu einem Schemel, auf dem ein Teller mit einem belegten Krapfen stand. Jakobs Augen begannen zu leuchten. Er ging einen Schritt auf Katharina zu und nahm sie fest in den Arm. Sie stöhnte, als der kräftige Mann zudrückte.

Mit einem entschuldigenden Blick löste er sich von ihr, ging zum Hocker und ergriff den Krapfen. Er betrachtete die Süßigkeit mit glänzenden Augen, bevor er zaghaft hineinbiss. Sein zufriedenes Seufzen zeigte ihr, dass der Teig gelungen war.

„Danke“, sagte er kauend und verließ die Küche wieder.

Sie hob kurz die Hand zum Abschied. Dann widmete sie sich wieder dem Belegen.

Jakob schloss das Tor hinter sich und ging zurück zum Marktplatz. Er kaute langsam, damit der Geschmack der süßen Früchte noch etwas länger auf seiner Zunge verweilte. Eigentlich war er ein Mann, der gerne teilte, aber bei diesem Genuss vergaß er alle Freunde und Bindungen. Daher blieb er kurz stehen und stopfte sich das restliche Stück in den Mund. Schließlich wollte er ausgekaut haben, bis er wieder bei den Ständen war. Dort hallte das Hämmern der Zimmerleute laut über den Platz, von gelegentlichen Flüchen und derbem Lachen übertönt. Zwei Nachbarn von Katharina trugen große Tische, während deren Frauen mit Eimern umhergingen, um den Schmutz von ihnen abzuwaschen.

„Jakob“, rief ihm der Wirt des Dorfes zu. Albrecht war ein kleiner, gedrungener Mann und wegen seiner Größe Ziel so manchen Spotts. Aber mehr als einmal hatte ihn ein volltrunkener Randalierer unterschätzt und sich vor der Tür wiedergefunden, noch bevor er wusste, wie ihm geschehen war. Albrecht war ein arbeitsamer, rastloser Mann, der keinen Moment ruhig sitzen bleiben konnte und ständig beschäftigt war. Jakob hatte ihn noch nie entspannt auf einer Wiese liegen oder umherspazieren sehen. Der sonntägliche Gottesdienst musste eine wahre Qual für ihn sein. Meist saß er mit seiner Frau und seinen Töchtern in der letzten Reihe, damit er niemanden mit seiner Unruhe störte.

„Wo warst du?“, fuhr der Wirt fort.

„Ich musste nur mein Werkzeug von zu Hause holen“, redete sich Jakob raus, während er sich die vom Fruchtsaft klebrigen Hände an der Hose abwischte.

„Wir müssen den großen Spieß aufbauen. Ich habe noch die Halterungen vom letzten Jahr, aber das Holz hat einen Sprung. Nicht, dass uns der Ochse in die Glut fällt.“

Jakob betrachtete die großen Böcke aus Eiche. Sie waren aus dicken Brettern zusammengenagelt und bildeten jeweils ein Dreieck, auf dessen Spitze eine Kerbe für den Spieß war. Jakob fuhr mit seinen Fingern über das Holz und rüttelte daran. „Einer der Nägel wurde zu weit hineingetrieben“, erklärte er. „Das Holz ist gespalten.“

Albrecht fluchte leise.

„Ich werde den Nagel rausziehen, den Riss mit Harz zuschmieren und eine Leiste aufbringen. Das müsste verhindern, dass das Holz weiter springt.“

Der Wirt nickte und wollte gerade etwas bemerken, als sich ein dicklicher, gut gekleideter Mann zu ihnen gesellte.

„Guten Tag, die Herren“, sagte er und wischte sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn, als hätte er schon den ganzen Tag geschuftet. Doch selbst Jakob wusste, dass Frederich Rump sich als Bürgermeister von Furtenblick darauf beschränkte, körperliche Tätigkeit zu vermeiden und jeden, den er traf, in ein belangloses Gespräch zu verwickeln. Mit seinem sauberen Hemd und Hut wirkte er unter den Arbeitern fehl am Platz.

Der Bürgermeister betrachtete kritisch den Riss im Holz. „Ich hoffe, das lässt sich reparieren, damit dem großen Ochsenbraten nichts im Weg steht.“

Albrecht seufzte genervt, lächelte aber, als er sich zu Frederich herumdrehte. „Wegen der Hilfe von Jakob werdet Ihr auch in diesem Jahr nicht auf den Festschmaus verzichten müssen“, sagte er mit übertriebener Freundlichkeit. „Aber habt Dank für Eure Anteilnahme.“

Jakob unterdrückte ein Lachen und beschäftigte sich weiter mit dem Holzbock.

„Das ist schön“, sagte der Bürgermeister strahlend. „Kann ich Euch irgendwie behilflich sein?“

„Das könnt Ihr tatsächlich“, antwortete Albrecht. Der Bürgermeister hob überrascht die Augenbrauen, als hätte er eine solche Antwort auf diese rhetorische Frage nicht erwartet.

„Besucht Euren Freund Lukas Kolb und erklärt ihm, dass noch Weinfässer ausstehen. Wenn wir wieder so viele Besucher wie im letzten Jahr begrüßen können, wird seine gestrige Lieferung nicht ausreichen.“ Frederich schien angestrengt nachzudenken, wie er dies bewerkstelligen sollte. „In Ordnung“, stimmte er unsicher zu. „Ich wollte heute sowieso einen Spaziergang machen. Lukas wird auf dem Weinberg sein und dort spreche ich ihn darauf an.“

Albrecht nickte und drehte sich wieder zu Jakob um. Frederich verweilte noch einen Moment und rang die Hände, bis er sich umdrehte und den Weg zu den Weinbergen einschlug.

„Das war eine gute Idee“, sagte Albrecht und atmete erleichtert aus. „Ich sollte den trägen Rump öfters mit einem Auftrag wegschicken. Dann können wir in Ruhe arbeiten und er hält uns mit seinem Gerede nicht auf.“

Jakob grinste,...


Hartung, Alexander
Alexander Hartung wurde 1970 in Mannheim geboren. Er studierte Volkswirtschaft an den Unis Mannheim und Heidelberg. Danach arbeitete er für Unternehmungsberatungen in Berlin und Frankfurt, bevor er in die Softwarebranche wechselte.
Schon während seines Volkswirtschaftsstudiums begann er mit dem Schreiben und entdeckte dabei auch seine Liebe zu Krimis. Mit den bisher acht erschienenen Bänden der Jan Tommen-Serie eroberte er die Bestsellerliste. Mehrere Bücher waren #1 Bild-Bestseller. Und im Sommer 2019 gab es etwas zu feiern: Die Grenze von einer Million verkauften Büchern wurde erreicht.
Nach dem Thriller »Ich werde nicht ruhen« erschienen bisher vier Bücher um den unangepassten Münchner Ermittler Nik Pohl. Außerdem schickt er die Polizistin Alina Grimm in Hamburg auf Verbrecherjagd. Mit dem historischen Kriminalroman „Der Fluch des Fremden“ kehrt Alexander Hartung zu den Anfängen seines Schreibens zurück.
Heute lebt der Schriftsteller aus Leidenschaft mit Frau, Kindern und Hund wieder in seiner Geburtsstadt Mannheim.

Alexander Hartung wurde 1970 in Mannheim geboren. Er studierte Volkswirtschaft an den Unis Mannheim und Heidelberg. Danach arbeitete er für Unternehmensberatungen in Berlin und Frankfurt, bevor er in die Softwarebranche wechselte.
Schon während seines Volkswirtschaftsstudiums begann er mit dem Schreiben und entdeckte dabei auch seine Liebe zu Krimis. Mit den bisher acht erschienenen Bänden der Jan-Tommen-Serie eroberte er die Bestsellerliste. Mehrere Bücher waren #1 Bild-Bestseller. Und im Sommer 2019 gab es etwas zu feiern: Die Grenze von einer Million verkauften Büchern wurde erreicht.
Nach dem Thriller »Ich werde nicht ruhen« erschienen bisher vier Bücher um den unangepassten Münchner Ermittler Nik Pohl. Außerdem schickt er die Polizistin Alina Grimm in Hamburg auf Verbrecherjagd. Mit dem historischen Kriminalroman „Der Fluch des Fremden“ kehrt Alexander Hartung zu den Anfängen seines Schreibens zurück. Heute lebt der Schriftsteller aus Leidenschaft mit Frau, Kindern und Hund wieder in seiner Geburtsstadt Mannheim.



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