Hary | Perry Rhodan 3309: Die Schattenhand | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3309, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

Hary Perry Rhodan 3309: Die Schattenhand

Perry Rhodan-Zyklus "Phoenix"
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-6309-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Perry Rhodan-Zyklus "Phoenix"

E-Book, Deutsch, Band 3309, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

ISBN: 978-3-8453-6309-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



4000 Jahre in der Zukunft ... Wir befinden uns in der Mitte des 23. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Die Menschen leben in Frieden und Freiheit. Von der Erde aus haben sie ein Netz aus Handelsbeziehungen und Bündnissen geschlossen, das zahlreiche Planeten in der Milchstraße umfasst. Perry Rhodan - der Mann, der die Menschheit zu den Sternen geführt hat - beabsichtigt, mit dem Prototypen einer neuen Klasse von Kurierschiffen die Verbindungen zwischen den Mitgliedern seines galaxienübergreifenden Bundes von San zu verstärken. Doch ehe der PHOENIX zu seinem Jungfernflug starten kann, attackiert aus dem Nichts heraus die Leun Shrell die Erde: Sie zündet das Brennende Nichts, das binnen vier Jahren Erde und Mond verschlingen wird, wenn nicht Perry Rhodan in ihre Heimat fliegt, um den dortigen Tyrannen zu töten. Dieser Tyrann sei Reginald Bull, Rhodans ältester Freund, und ihre Heimat, die Agolei, ist weiter entfernt, als selbst der PHOENIX fliegen kann. Shrell stattet das Raumschiff deshalb mit einem Verstärkungsmodul aus, und notgedrungen begibt sich Rhodan auf den Weg zur Agolei. Auf der Erde wächst indessen das Brennende Nichts: Als Cameron Rioz und Bonnifer das Nichts wieder verlassen, in dem sie eigentlich hätten sterben müssen, ist das eine Sensation - wenn auch niemand weiß, wie das möglich sein konnte. Die beiden Schicksalsgefährten stellen sich der neuen Realität. Zu ihr gehört aber leider auch DIE SCHATTENHAND ...

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Cameron

Jetzt und hier

Ich weiß nicht, was schlimmer ist: gar keine Hand zu haben – oder dieses abscheuliche Irgendwas, das gar nicht zu mir gehört.

Das Schicksal treibt seine Scherze mit mir. Ich habe das Brennende Nichts überlebt. Und zwar nicht ein-, sondern zweimal. Beim ersten Versuch wollte es mich umbringen. Aber es hat nur meine Rechte bekommen und mich mit einem Schwarzen Mal gezeichnet.

Beim zweiten Mal hat es mir ein Souvenir mitgegeben: eine brandneue Hand, als Ersatz für das verlorene Original. Doch sie ist scheußlich. Wie ein Loch im Universum, das die Form meiner ursprünglichen Hand hat, aber kein Licht reflektiert und eigentlich gar nicht da zu sein scheint. Allein es zu beschreiben, stellt mich schon vor Schwierigkeiten.

»Was ist das für ein Ding, Bonnifer?« Ich sitze im Schatten einer Ruine auf dem Boden, balle die Rechte zur Faust und öffne sie wieder.

»Shrell hätte es eine Schattenhand genannt.« Bonnifer kauert mit untergeschlagenen Beinen vor einer Mauer und sieht mir zu. Statt des roten Rocks, in dem ich ihn kennengelernt habe, trägt er terranische Kleidung. Sie schlackert lose um seine Schultern. »Das habe ich dir gestern schon verraten. Ich habe Bilder davon in den Datenbanken der ELDA-RON gesehen. Ich weiß ebenso wenig darüber wie über die Schwarzen Male. Aber sie sind wohl sehr selten. Shrell würde vermutlich für eine von ihnen töten.«

Er umfasst sein Handgelenk und macht mit der anderen Hand eine Greifbewegung – eine Geste, die ich nicht sofort begreife. Dann wird mir klar, dass er Shrells Prothese meint. Meist verbirgt sie das künstliche Gliedmaß, aber ich habe sie ohne ihren Handschuh gesehen.

Ich nicke. »Dann ist es gut, dass ich sie nicht schon hatte, als ich ihr Gefangener war!«

Mit Bonnifers Antwort bin ich trotzdem unzufrieden. Diese Schattenhand ist jetzt ein Teil von mir, und ich will verdammt noch mal wissen, woher sie kommt und was es damit auf sich hat. Was kann ich über sie herausfinden?

Nicht viel, wie sich zeigt. Ich kralle mich in den Nanotextilstoff des zu engen Hemds, das ich nach unserer Rückkehr aus der Anomalie zu tragen gezwungen bin, raffe Staub vom Boden und lasse ihn fallen. Ich kratze mich und spüre die Berührung auf der Haut. Die Hand gehorcht mir, ich kann sie bewegen und damit zugreifen wie mit meiner echten. Aber ich habe keinerlei Gefühl darin. Testweise schlage ich beide Handflächen gegeneinander.

Das Geräusch, das eine einzelne klatschende Hand macht? Es ist ein dumpfes, enttäuschendes »Puff«. Womit auch diese jahrtausendealte Menschheitsfrage abschließend geklärt wäre.

Von fern dringt verhaltener Donner. Der Untergrund, auf dem ich sitze, vibriert. Wir haben im Freien geschlafen.

Unsere Angst, dass eines der leer stehenden Gebäude einstürzt und uns unter sich begräbt, war zu groß. Dies ist die Sperrzone rings um das Brennende Nichts in Atlan Village.

Ich hebe den Blick und schaue nach Osten. Gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie die Silhouette des Nosmo-Towers am Rand der Anomalie in sich zusammenstürzt. Abertausende Tonnen Terkonit, Nanokunststoffe und Glassit folgen der Schwerkraft. Trümmer krachen hin, mit einer Wucht, die bis hierher spürbar ist. Das Nichts hat das zwei Kilometer hohe Gebäude angeschnitten und seiner Statik beraubt.

Eine braungraue Wolke steigt an seiner Stelle in die Höhe und wölbt und bauscht sich auf, fast wie der Flammenpilz nach einer großen Explosion. Der Wind verweht sie und treibt sie als Dunst in unsere Richtung.

»Wir sollten aufbrechen.« Ich quäle mich vom Boden und klopfe mir den Staub aus den fremden Klamotten. Sie passen mir nicht, sind viel zu eng und spannen um Brust und Oberschenkel.

Unsere behelfsmäßige Kleidung und ein Multifunktionsarmband stammen aus einer verlassenen Wohnung in der Nähe. Meinen Zuschauern hätte ich mich in diesem Aufzug nie gezeigt, aber ich kann nicht wählerisch sein. Bonnifers Pentaferer und unsere sämtlichen Klamotten hat das Brennende Nichts vernichtet. Nur wir haben überlebt.

Wir orientieren uns und streben den Rand des Katastrophengebiets an.

Es ist früher Morgen. Zumindest vermute ich das, denn Bonnifer und ich sind gerade aufgewacht. Wie lange wir geschlafen haben, weiß ich nicht, aber inzwischen ist es hell. Die Sonne steht irgendwo im Westen tief am Himmel und unterhalb jener Wohntürme, die das Brennende Nichts noch nicht verschlungen hat. Wie klagend gestreckte Finger weisen ihre Schatten in Richtung der Anomalie.

Illustration: Swen Papenbrock

Im Osten droht gestaltlose Schwärze. Die Welt endet dort. Ich habe keine Ahnung, wie groß das Brennende Nichts mittlerweile ist, aber es hat einen viel größeren Teil von Atlan Village vernichtet als vor unserem Schritt ins Innere.

»Hier habe ich schreiben und lesen gelernt«, sage ich, als wir am Hof der Yart-Fulgen-Grundschule vorbeikommen. »Gestern lag all dies noch weit außerhalb des Katastrophengebiets.« Mein Atem schlägt sich in der Morgenluft nieder, ich fröstele.

Offenbar funktioniert die Wetterkontrolle seit dem Ende NATHANS nur unzureichend. Das Klima in der Zentralgobi ist kontinental, selbst mit der Klimasteuerung sind die Morgenstunden oft empfindlich kalt.

»Gestern«, weiß ich natürlich, liegt über ein Realjahr zurück. Die Anomalie breitet sich kontinuierlich aus, ihr Umfang ist entsprechend gewachsen.

Aber akzeptieren kann ich das nicht. Es fühlt sich nicht an wie ein Jahr. Für mich liegt Shrells Anschlag buchstäblich erst Stunden zurück.

Seit der Katastrophe auf Luna komme ich nicht zur Ruhe. Vom Tod Lytas zum Absturz der Solaren Residenz. Vom Kampf gegen Shrell in der Wohnung meiner gestorbenen Eltern zur Entführung auf die ELDA-RON. Dann folgte die Befreiung durch Sichu Dorksteiger und Gucky. Es war ein Ritt voll Schweiß, Tränen und Adrenalin.

Zuletzt haben wir den unheimlichen Lockrufen aus dem Brennenden Nichts nachgegeben, die ich und Bonnifer als Einzige gehört haben. Er hat mich an der Hand genommen und in die Anomalie gezerrt. Nur so würde Shrell glauben, dass wir beide tot seien. Damit sie aufhörte, uns nachzustellen.

Und als er das sagte, wirkte er, als wüsste er, was wir tun müssten. Ob ihm klar war, dass das Nichts uns wieder ausspucken wird? Und das, obwohl es jeden anderen bei der ersten Berührung tötet?

»Warum sind wir noch am Leben?«

»Glück«, behauptet Bonnifer. »Ich folgte einer begründeten Vermutung. Der Sirenenchor in unseren Köpfen mag das Ergebnis psionischer Interferenz sein. Eine Illusion, die unsere Gehirne erzeugen, für die Eindrücke aus der Anomalie nicht verstehbar sind. Aber diese Illusion muss eine Ursache haben. Etwas befindet sich im Innern, das über nihilistisches Nichtsein hinausgeht.«

»Was immer das heißt.« Wenigstens sind die Stimmen fort. Zumindest für mich.

Bonnifer berichtet, dass er den atonalen Chor im Geist noch immer hört. »Bloß dich, deinen Missklang, nehme ich nicht länger wahr. Dein Schwarzes Mal ist fort, du bist daher kein Conduit mehr. Deswegen nimmst du die Stimmen auch nicht länger wahr.«

Ich höre auf, ihn zu löchern, denn offensichtlich wirft er nur mit aufgeschnappten Begriffen um sich. Antworten hat er keine. Die Schattenhand und das Schwarze Mal sind zwei völlig verschiedene Dinge. Das ist alles, was ich für mich herausziehe.

Aber warum sind seit unserem Gang in die Anomalie zwölf Monate vergangen? Haben wir einen Zeitsprung absolviert? Oder sind nur die Erinnerungen fort? Was haben wir erlebt?

Schweigend ziehen wir weiter.

Es gibt nicht nur Ruinen in der Sperrzone. Zerstört sind lediglich die Straßenzüge und Häuser, die von herabstürzenden Trümmern getroffen wurden. Das passiert nur dort, wo Wohntürme unmittelbar an die Anomalie grenzen. Keine zehn Okrills bringen mich dahin zurück!

Die Northstar Road wirkt hingegen wie immer, sieht man davon ab, dass auch sie evakuiert wurde. Wir passieren leer stehende Geschäfte und aufgegebene Restaurants, Parks und geräumte Wohngebiete. Wir begegnen keinem Menschen. Unsere Schritte hallen dumpf von den Fassaden wider. Eine Staubdecke bedeckt die Straßen und Dächer, er stammt von ringsum eingestürzten Wohntürmen. Das Grau schluckt den Schall, wie frisch gefallener Schnee. Die Stille ist gespenstisch.

Deswegen höre ich den Roboter eine ganze Weile, bevor er in Sichtweite kommt.

Die Maschine schwirrt hoch über unseren Köpfen. Vom Boden aus wirkt sie kaum größer als ein Punkt, aber ich erahne die Bauform: Es ist ein TARA, eine dieser kegelförmigen Kampfmaschinen, wie ich sie auch in der Solaren Residenz gesehen habe und die die Evakuierung geleitet haben.

Das Sperrgebiet ist mit einem Schutzschirmzaun abgeriegelt, der ständig mit der wachsenden Anomalie erweitert wird. Das war der Status vor meinem und Bonnifers Gang ins Brennende Nichts. Nach allem, was das erbeutete Mehrzweckarmband und mit ihm die Nachrichtenkanäle uns verraten, hat sich daran seit einem Jahr wenig geändert. Trotzdem gibt es immer wieder Abenteurer, die die Absperrung überwinden und sich in der Evakuierungszone herumtreiben. Die Regierung setzt TARAS als Wächter ein, um Zurückgebliebene zu bergen und Schaulustige daran zu hindern, dem Nichts zu nahe zu kommen.

Eigentlich müssten wir winken und dafür sorgen, dass die Kamera uns erfasst oder der Roboter unsere Anwesenheit meldet. Dass jemand alarmiert wird, der uns abholt und durch den Schutzschirm bringt.

Zurück zu den Menschen, die mich vermissen.

Mir wird heiß und kalt.

Ich packe Bonnifer am Kragen und ziehe ihn mit mir....



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