E-Book, Deutsch, Band 3326, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Hary Perry Rhodan 3326: Heldendämmerung
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-6326-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Phoenix"
E-Book, Deutsch, Band 3326, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6326-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In der Mitte des 23. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung - also gut 4000 Jahre in der Zukunft - leben die Menschen in Frieden und Freiheit. Von der Erde aus haben sie Tausende von Welten besiedelt; ihr Netz aus Handelsbeziehungen und Bündnissen umfasst zahlreiche Sternenreiche. Mit dem Projekt von San will Perry Rhodan einen alten Traum verwirklichen: Der Raumfahrer möchte die Verbindungen zu anderen Galaxien verstärken. Der PHOENIX als neuartiges Raumschiff soll dabei als Kurierschiff eingesetzt werden. Dann taucht eine Fremde auf Terra auf, die sich Shrell nennt und Perry Rhodan erpresst. In der Agolei, einem weit entfernten Sternenband, soll er Reginald Bull töten, seinen ältesten Freund. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, erschafft sie an drei Stellen das Brennende Nichts - diese Anomalien werden die Erde und den Mond vernichten, falls Rhodan ihr nicht gehorcht. Ein junger Mann namens Cameron Rioz hat als einziger den Kontakt mit dem Brennenden Nichts zweimal überlebt und gilt nun als Conduit mit unheimlichen Kräften. Für ihn interessieren sich verschiedene Mächte - nun droht ihm die HELDENDÄMMERUNG ...
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1.
Familientreffen
Es war die traurigste Zusammenkunft, die es im Hause Cole je gegeben hatte.
Normalerweise freute Jasper sich auf diese kleinen Wiedervereinigungen, kamen sie doch, seitdem er und Jade ausgezogen waren, einfach zu selten zusammen. Weihnachten, Ostern oder Geburtstage waren die Highlights in Jaspers Kalender. Wann immer es im Familienkreis etwas zu feiern gab, hob sich seine Laune.
Nicht so diesmal. Wenn der eigene Vater den besten Freund entführte und dafür vor Gericht gestellt wurde, brachte einen das schwerlich in Feierlaune. Sich das zusammen auf TNT anzuschauen, entsprach ebenfalls nicht gerade seiner Vorstellung von einem gelungenen Abend. Es standen keine Knabbereien auf dem Tisch.
»Ich wusste immer, dass so etwas passieren kann«, klagte Jaspers Mutter Ruby, als sie ihm den regennassen Mantel in den Arm drückte. Das Haar klebte in rostroten Strähnen nass an ihren Wangen. Es war Ende September, und der Herbst hielt verfrühten Einzug in den Straßen der terranischen Hauptstadt. Rubys halb getrocknete Tränen mischten sich mit dem Nieselregen, der ihre Haut tränkte. »Ich bin nicht dumm, Kinder.«
»Trotz der ganzen Geheimniskrämerei?« Jasper hängte Rubys Mantel ins Antigrav-Garderobenfeld – eine Bastelei, die von ihm selbst stammte und auf die er einigermaßen stolz war. »Ich hatte keine Ahnung, was Pa für seine Firma treibt.«
»Du hast keine fünfundzwanzig Jahre lang einen Ehevertrag mit jemandem, ohne ihn kennenzulernen, Jazz.« Sie schlüpfte in die Gästepantoffeln, die Jasper ihr über den Mantel hinweg hinhielt. »Ich wusste nicht, was er trieb, aber immerhin war mir klar, dass ich nicht alles weiß. Und ich habe eurem Vater oft gesagt, dass er sich aus John Wylons Gaunereien heraushalten soll. Ich habe ihn an seine Verantwortung der Familie gegenüber erinnert!«
»Als wenn ihn das je gekümmert hätte!« Jade stand im Türrahmen und rollte mit den Augen. Zumindest vermutete Jasper, dass sie das tat, denn der blau gefärbte Pony fiel ihr so tief in die Stirn, dass er ihre Pupillen nahezu verdeckte. Wie sie trotz ihrer Mähne etwas sah, war Jasper seit jeher ein Rätsel. »Ich liebe Dad, Mum, aber wenn er eins mag, sind es krumme Nummern.«
»Und uns. Vergessen wir das bitte nicht!« Eigentlich war Jasper danach, Jade recht zu geben, aber dies war nicht der Moment für sarkastische Klugscheißerei.
Stattdessen zog er beide zu sich und zwang sie in eine Gruppenumarmung, die Jade erst widerwillig, dann aber umso intensiver zurückgab. Minutenlang standen sie umschlungen da und spendeten einander Trost.
Ruby rang um Fassung. »Selbstverständlich wird er sich aus diesem Schlamassel befreien. Euer Pa hat immer einen Trumpf in der Hinterhand.«
Es brach Jasper das Herz. Nicht aus Angst um seinen Vater – sondern weil Ruby litt.
Weil sie sich ernsthaft um dieses Scheusal Flint Cole sorgte.
*
Die Coles hatten sich in Jaspers winzigem Apartment im Stadtteil Sirius River City versammelt. Es lag im zehnten Stock eines stahlblauen Wohnturms in der Nähe des Crest Park, wo Jasper in einem der Bistros jobbte. Den Eingangsbereich bildete ein kurzer Flur, in dem eine alte Kommode stand und von dem eine Tür zum mikroskopischen Badezimmer abzweigte.
Im einzigen anderen Zimmer gab es ein Bettsofa, einen Esstisch samt Stuhl und einen Kleiderschrank. An der Stirnwand thronte ein Nahrungsbereiter.
Der Holoprojektor streikte.
»Tu, was ich von dir will, du Kasten!« Jasper schlug auf das Gerät, bis er sich seiner genetischen Aufwertung besann und mit einer Handgeste als »Wartungstechniker vierter Klasse« auswies. An der Seite klappte ein Fach auf, darunter erschien das Servicepaneel. Fachmännisch tippte er auf dem zweidimensionalen Display herum, bis er ein Menü mit Überschrift »Selbstdiagnose und Autoreparatur« fand.
»In der Reihenfolge, bitte!« Er aktivierte den Wartungsvorgang und setzte sich zu Ruby und Jade. Es war kuschelig – das Sofa bot gerade so genug Platz. Die Wohnung der Eltern in Garnaru wäre geräumiger gewesen, aber Ruby hatte keine Lust gehabt, sich dort zu treffen: »Zu viele Erinnerungen, zu viel Wut«, hatte sie gesagt, und Jasper hatte das gut verstanden.
»Schaff dir ein neues Gerät an!«, empfahl Ruby, während sie warteten. »Die sind gar nicht so teuer.«
»Das alte tut, was es soll.« Eine Trivid-Anlage fehlte in Jaspers Haushalt. Stattdessen benutze er den uralten tragbaren Projektor mit der Modellbezeichnung HPR-9, ein Fundstück aus Dads Arbeitszimmer.
Das Gerät erzeugte ein dreidimensionales Abbild im Raum. Ein miniaturisiertes Hyperfunkmodul, das Jasper günstig auf einem Verwertungszentrum in Happytown erworben hatte, stand in drahtloser Verbindung zum HPR und wertete diesen zu einem leidlich brauchbaren Trivid-Empfänger auf. Die Leidenschaft zu Tech-Basteleien teilten die Männer der Familie Cole seit jeher.
Die Pressekonferenz hatte noch nicht begonnen, TNT übertrug die Antrittsrede der frisch im Amt bestätigten Liga-Residentin.
»Boh, nicht wieder die zwei!« Jade rümpfte die Nase, als sie die unten rechts klein eingeblendeten Moderatoren erkannte.
Cecil Paulmer und Dana Cardinale galten als seriöse Journalisten, waren sich aber nicht zu schade, sogenannte »bunte« Themen anzufassen. Das Publikum hielt sie darum für nahbar und sympathisch. Das war ein Teil des derzeit modernen medialen Handwerkzeugs, das man sich von Generationen junger Trividder abgeschaut hatte.
Wobei die Meinungen auseinandergingen, ob es sich bei Paulmer und Cardinale überhaupt um reale Menschen handelte. Verglich man heutige Aufnahmen mit solchen von vor Jahrzehnten, sah man, dass sie alterten und ihre Frisur sich änderte. Das waren Details, auf die virtuelle Personen oft verzichteten. Aber das bewies nichts. Sie mochten ebenso gut positronisch generierte Sims sein.
»Was hast du gegen die beiden?«, fragte Jasper.
»Nichts Wirksames. Wenigstens halten sie die Klappe, solang die Residentin spricht. Aber wenn ich nur diese blasierten Fratzen sehe! Zum Glück sind sie in deinem Bastel-Projektor nur unscharf zu erkennen.«
»Ich geb dir gleich Bastel-Projektor!« Scherzhaft knuffte er sie in die Seite. »Ich erwarte Ehrfurcht vor meiner handwerklichen Begabung.«
»Kinder!«, mahnte Ruby.
Schweigend lauschten sie Akasha Pals Rede – es ging um Hoffnung und Neuanfang, um Durchhalten angesichts der drohenden Vernichtung. Das waren starke Worte und genau das, was die Terraner brauchten – vermutete Jasper. Er hörte kaum zu, verfolgte stattdessen das Textband am unteren Rand, das gemächlich durchs Bild rollte:
Finanzmärkte nach Akasha-Wahlsieg im Aufwind – Liga-Justizministerium lädt mutmaßliche Shrell-Mitverschwörer vor, Raumhafeneigner weiter unter Beschuss – Terranischer Forschungsstützpunkt auf topsidischem Territorium unter mysteriösen Umständen entvölkert – mehr dazu in der folgenden Sondersendung.
Bei der vierten Nachricht las er nicht länger mit. Seine Gedanken schweiften ab.
Jasper war kein wirklicher Servicetechniker. Dass das Gerät ihn für einen solchen hielt, verdankte er einem ID-Biochip, den Flint ihm heimlich gegeben hatte. Dass ausgerechnet diese Aufwertung dafür sorgte, dass sie nun die anstehende Pressekonferenz aus dem Gefängnis verfolgen konnten, entbehrte nicht der Ironie. Wie er inzwischen wusste, war sie Teil einer jener Gaunereien gewesen, von denen Ruby gesprochen hatte.
Einer Gaunerei, die unter anderem gegen Cameron Rioz gerichtet gewesen war.
Cam, zu dem er einst aufgesehen hatte. Den er seither als fehlerhaften Menschen kannte – und den er just deshalb als Freund betrachtete.
Der sich ihm aber auch als Mörder offenbart hatte.
Cams Geständnis verfolgte ihn noch immer: »Ich habe sie umgebracht, Jazz. Ja, Bonnifer hat mich beschwatzt, und was auf dem Ylanten-Konstrukt passiert ist, war ein Unfall. Aber Binas Tod – das war meine Entscheidung.«
Inzwischen saßen Cameron Rioz und Bonnifer im selben Gefängnis im Tekener-Tower ein wie Jaspers Vater. Er hatte sich dem TLD und der USO gestellt und darum gebeten, ja, danach gefleht, vor Gericht gestellt zu werden. Am Ende tat er eben immer das Richtige.
Aber Cam wäre nicht Cam gewesen, hätte er auf dem Weg dorthin nicht erst Dutzende Fehlentscheidungen teils katastrophaler Art getroffen. Jasper wusste nicht, wie er damit umgehen sollte.
Akasha Pals Rede kam gut an, wie Jasper anhand des Applauses vermutete. Sie sprach 17 Minuten lang, es folgte eine zehnminütige Nachberichterstattung durch die »Pappnasen«, in denen Pals Worte in Auszügen wiederholt und analysiert wurden – als hätten die Zuschauer sie nicht eben noch mit eigenen Ohren gehört.
Jasper wippte mit dem Knie, bis Jade es festhielt. »Dein Gezappel macht mich wahnsinnig.«
»Entschuldigung.« Er wippte mit dem anderen Bein weiter.
Dann endlich endete die Sendung aus dem Residenzpark. Cecil Paulmer und Dana Cardinale verabschiedeten sich, es folgten Programmhinweise – vor allem die Liveübertragung vom Neustart der Residenz wurde für den Folgetag vollmundig angepriesen.
TNT blendete um. Die Sondersendung war kurzfristig angekündigt worden. Eine positronisch generierte Erzählstimme verriet aus dem Off, von wo das Kamerabild stammte:
»Wir übertragen aus dem der Öffentlichkeit zugänglichen Teil des Tekener-Towers, dem Presse- und Besucherbereich im neunzigsten Stock. Der Mann mit dem braunen Vollbart, dem wilden Haar und den...




