Hastings | Die Geliebte des Wüstenkriegers | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 401 Seiten

Hastings Die Geliebte des Wüstenkriegers

Roman | Chains of Desire 3
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95885-404-8
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Chains of Desire 3

E-Book, Deutsch, 401 Seiten

ISBN: 978-3-95885-404-8
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Verführt von einem geheimnisvollen Fremden ... 1891 in den unendlichen Weiten der Sahara: Die schöne und mutige Désirée reist nach Algier, um nach ihrem verschollenen Vater zu suchen. Doch als sie der Spur in ein sagenumwobenes Wüstengebirge folgt, fällt sie in die Hände des stolzen Tuaregkriegers Arkani. Obwohl sie den exotischen und starken Mann zunächst fürchtet, erliegt sie schon bald seinem Zauber. Die junge Liebe wird jedoch kurz darauf auf die Probe gestellt, denn die Tuareg leisten erbitterten Widerstand gegen die französischen Besatzer und die junge Französin wird in Arkanis Stamm nicht geduldet ... »Dieser Liebesroman erobert die Herzen.« taz Ein mitreißender historische Liebesroman, der Fans von Lisa Kleypas und Kathryn Le Veque begeistern wird

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Kapitel I


Sie hätte es nicht tun dürfen! Dessen war sich Désirée sicher. Das sagte ihr eine innere Stimme, die Stimme der kühlen Logik. Aber sie musste es einfach tun. Das sagte ihr eine zweite innere Stimme, die Stimme des Herzens.

Vater hatte Recht. Frauen waren zweigeteilte Wesen, zwiespältig in Kopf und Seele. Doch im Gegensatz zu anderen Männern war er schon immer der Überzeugung gewesen, dass Frauen keineswegs einen unterlegenen Geist besaßen. Frauen konnten zumindest genauso klug sein wie Männer. Auch wenn die anderen Herren der Schöpfung über dieses wirre Gedankengut des Etienne Montespan nur den Kopf schüttelten.

Dieser Etienne war schon immer ein Spinner, ein Fantast, der, in der Erde kratzend und die Hinterlassenschaft der Altvorderen untersuchend, die Antworten auf die Fragen nach der Zukunft suchte. Kein Wunder, dass sich seine arme Frau hatte scheiden lassen und lieber den gesellschaftlichen Makel einer geschiedenen Frau als die Bürde eines verrückten Ehemanns auf sich genommen hatte. Dass sich jedoch die halbwüchsige Tochter der beiden ausgerechnet dem Vater zuwandte und lieber mit ihm in einem unzüchtigen Haushalt als in den bescheidenen, aber geordneten Verhältnissen bei der Mutter leben wollte, war nun doch nicht mehr akzeptabel, selbst für die skandalgewohnte und immer auf pikante Neuigkeiten erpichte Pariser Gesellschaft. Der feine Unterschied bestand darin, dass Etienne Montespan keiner der Künstler war, die in den bekannten Pariser Vierteln ein Leben führten, das sich so mancher Konventionen entledigte. Auch gehörte er nicht zu den Kunden der diversen Pariser Nachtclubs und Etablissements, Spielcasinos und Vergnügungstempel. Etienne Montespan war Archäologe, somit ein normalerweise geachtetes Mitglied der Pariser Akademie, Gastprofessor an der Sorbonne, bekannter Erforscher von Karthago, Spezialist für antikes Rom, Griechenland und Nordafrika. Warum widmete er sich nicht den wissenschaftlich geführten Ausgrabungen und ließ seine Frau und seine Tochter ein Bestandteil der Gesellschaft sein? Doch statt sich der Analyse der ausgegrabenen Kunstschätze im kühlen und Ehrfurcht gebietenden Gewölbe des Pariser Museums zu widmen und nach Feierabend zu seiner Familie in der hübschen Wohnung in der Rue de Voisin zurückzukehren, trieb er sich monatelang auf irgendwelchen Grabungsfeldern herum, ungewaschen, verstaubt, in der unschicklichen Kleidung der Einheimischen, weil die seiner Meinung nach praktischer für das betreffende Klima war als der Anzug nach der neuesten Pariser Mode.

Nicht genug damit, er hatte auch dem Drängen seiner halbwüchsigen und frühreifen Tochter nachgegeben, sie mit in diese von Männern, Ausländern und Ungeziefer dominierten Brutstätten der Unsittlichkeit zu nehmen. Sie hatte in einem Zelt gleich neben den Zelten der Männer geschlafen, die Kleidung der Einheimischen oder gar Männerkleidung wie lange Hosen und langärmelige Hemden getragen. Sie hatte sich mit den einheimischen Arbeitern in ihrer Sprache unterhalten, die sie scheinbar mühelos lernte, und hielt wenig von Anstand, Etikette und der gebotenen geistigen und körperlichen Zurückhaltung einer Frau. Sie hatte in irgendwelchen Erdgruben gekniet, um mit Pinsel und Spachtel pietätlos die knochigen Überreste vorzeitlicher Könige oder Sklaven herauszukratzen, alte Schriftzeichen zu entziffern oder den verworrenen Gedankengängen längst untergegangener antiker Völker zu folgen. Wenn sie wenigstens einen Goldschatz mit nach Hause gebracht hätte. Aber es waren nur kleine Tonfiguren, die sie hütete wie seltene Kostbarkeiten, Fragmente von Papyrusrollen oder Scherben von Gefäßen. Zum Glück bekam Professor Montespan noch sein regelmäßiges Gehalt von der Akademie, damit sie beide wenigstens ein bescheidenes Auskommen hatten. Die große Wohnung in der Rue de Voisin mussten sie natürlich aufgeben und mit einer bescheideneren Behausung vorlieb nehmen, aber das schien den beiden nichts auszumachen. Auch legte der Professor mehr Wert auf die Bildung seiner Tochter als auf ihre standesgemäße Kleidung. Als sich ihre weiblichen Formen zu runden begannen, weigerte sie sich vehement, ein Korsett zu tragen. Ihre Kleider waren nur wenig geschnürt, und sie trug niemals mehr als einen Unterrock. Und wenn es ihr in den Kopf kam, kleidete sie sich nach Art eines Mannes mit langen Hosen, Seidenhemd und Jackett. So spazierte sie an der Seite ihres Vaters, so er denn überhaupt in Paris weilte, sonntags durch die Straßen und ließ sich von den Passanten begaffen.

Désirée strich mit einer fast liebevollen Geste über das Buch, das auf ihrem Schoß lag. Gleichzeitig trat ein spöttischer Glanz in ihre blauen Augen. Sie spürte die Blicke der Paare, die auf dem Sonnendeck des Schiffes lustwandelten – die Damen züchtig geschnürt, dass sie kaum zu atmen vermochten, die Herren in steifem Gehrock, gebundenem Kragen und hartem Hut. Alle Damen schützten sich mit Schirmen gegen die unbarmherzige Sonne, die vor der Küste Nordafrikas auf sie herniederbrannte. Lediglich Désirée lag auf ihrer Sonnenliege bar jeden Schutzes, das Kleid lässig über die Beine gebreitet, sodass ihre schlanken Waden zu sehen waren. Ihr Gesicht hatte sich leicht gerötet, und eine Unzahl von Sommersprossen zierte ihre kesse, kleine Nase.

Für einen Augenblick hatte sie von ihrer Lieblingslektüre gelassen und sich ihren Tagträumen hingegeben. Ja, diese George Sand war eine Frau ganz nach Désirées Geschmack. Sie hätte sie gern kennen gelernt, wenn sie nicht vor fünfzehn Jahren gestorben wäre und sich die ganze Geschichte nicht bereits vor fast vierzig Jahren zugetragen hätte. Da begleitete diese außergewöhnliche Frau ihren erkrankten Lebenspartner Frédéric Chopin auf die Insel Mallorca, der in klarer Luft und absoluter Ruhe seine Krankheit auskurieren wollte. Dass er mit dieser Frau gar nicht verheiratet war, dass sie von ihren beiden unehelichen Kindern begleitet wurden, dass sie wie auch ihre Tochter häufig Männerkleider trug, dass sie sogar in aller Öffentlichkeit Zigarren rauchte, war nicht nur zur damaligen Zeit, sondern auch jetzt noch ein Skandal.

Mit einem wohligen Kribbeln im Bauch hatte Désirée just in dem Augenblick, als das Schiff auf dem Weg von Marseille nach Algier an jener berühmten Insel im Mittelmeer vorbeifuhr, das Buch aus ihrem Reisegepäck genommen und sich auf das Flanierdeck gesetzt. Alle Vorbeikommenden sollten sehen, welcher Lektüre sie sich da widmete, und alle Welt sollte sehen, dass sie sich so ziemlich mit dieser skandalumwitterten Frau identifizierte.

Nun, Désirée rauchte öffentlich keine Zigarren, nur manchmal heimlich. Auch hatte sie keine Kinder, und sie war verlobt mit Philippe Duval, einem Bergbauingenieur. Das war ihr Tribut an die gutbürgerliche Welt, den sie zollte. Philippe hatte trotz ihrer wenig standesgemäßen familiären Verhältnisse um ihre Hand angehalten, und Papa hatte erfreut zugestimmt. Philippe konnte ihr eine gesicherte Existenz bieten. Sein Gehalt bei der Montagne Nationale war zwar nicht üppig, aber durchaus akzeptabel, er nahm nur wenig Anstoß an Désirées Kaprizen und vertröstete sich selbst damit, dass Désirée sich schon von selbst beruhigen würde, wenn sie erst einmal mit ihm verheiratet sei. Das Dumme war nur, dass er sich derzeit in Algerien befand, um dort im Atlasgebirge Rohstoffvorkommen zu erschließen. Und nun war auch ihr Vater nach Algerien aufgebrochen, weil er Kunde von irgendwelchen geheimnisvollen Felsmalereien in der Sahara erhalten hatte. Sehr zu Désirées Verdruss hatte er diesmal darauf bestanden, dass Désirée daheim in Paris blieb.

Zunächst kamen die Nachrichten von Vater regelmäßig, dann unregelmäßig und schließlich blieben sie gänzlich aus. Der letzte Brief war über zwei Monate alt. So weit kannte Désirée ihren Vater, dass er es immer ermöglichte, ihr eine Nachricht zukommen zu lassen, wenn sie ihn nicht auf seinen Ausgrabungen begleitete. Beunruhigt hatte sie Philippe informiert und ihn gebeten, Erkundigungen anzustellen. Doch auch Philippes letzter Brief hatte keine Klarheit bringen können. Der Professor sei zu einer Expedition in die Sahara aufgebrochen. Sie solle sich keine Sorgen machen, das Innere des Landes sei noch nicht wie gewünscht mit Poststellen ausgestattet, wie man es sich in einer Kolonie eigentlich vorstellte. Aber das beruhigte Désirée keineswegs. Ihr Gefühl sagte ihr, dass ihr Vater in Gefahr sei.

Etienne Montespan war ihre eigentliche Bezugsperson, sei es, dass er ihr die gewünschte persönliche Freiheit gelassen hatte, sei es, dass sie in ihm den Mann sah, der ihr das Leben schlechthin ermöglichte. Er war stark wie ein Fels in der Brandung auch gegen seine Feinde, unerschütterlich, zielbewusst und trotzdem ein zärtlicher, liebevoller, aufmerksamer Vater. Durch ihn hatte sie die Welt, die Kultur, das ungeschminkte Leben kennen gelernt. Die gesellschaftliche Enge des bürgerlichen Paris erstickte sie. Durch ihn schaffte sie es, in dieser feindlichen Umwelt zu überleben. Es gab ja immer wieder die Hoffnung, ihn auf die nächste archäologische Expedition begleiten zu können.

Dass sie die Verlobung mit Philippe eingegangen war, hatte allerdings auch eine andere Ursache. Der Vater konnte einer jungen Frau eben doch nicht alles bieten. Philippe sah gut aus, war sportlich, intelligent, nicht unvermögend, weltoffen und eben ein Mann. Mit ihm hatte sie die Freuden der körperlichen Liebe kennen gelernt, die sie nun auch nicht mehr missen mochte. Und es wäre schon längst zur Hochzeit gekommen, wenn er nicht dieses Projekt in der Kolonie übertragen bekommen hätte.

Philippe hatte ihr fest versprochen, sie nachkommen zu lassen. Désirée träumte sogar von einer orientalischen Hochzeit in Algier. All das Exotische reizte sie ungemein, und sie stellte sich vor, umweht von...



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