E-Book, Deutsch, 324 Seiten
Hatchell STURMFRONT
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-95835-835-5
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller, Abenteuer, Horror
E-Book, Deutsch, 324 Seiten
ISBN: 978-3-95835-835-5
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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Kapitel 1
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Captain T.W. Brazo hielt das Fernglas über seinen gepflegten Schnurrbart, während er den wogenden Nordatlantik absuchte. Da die Mittel im Krieg begrenzt waren, war das Fernglas Teil eines nationalen Programms, das die Bürger aufforderte: Auf einem Schildchen waren der Name und die Adresse des wohltätigen Vorbesitzers vermerkt. Die Marine war nicht befugt, Geschenke anzunehmen, also wurde ein einziger Dollar als Zeichen der Wertschätzung gezahlt. Der Präsident hatte jedoch versprochen, nach Möglichkeit alle Ferngläser nach Kriegsende zurückzugeben. Brazo hatte irgendwo gelesen, dass über fünfzigtausend Bürger dem Aufruf gefolgt waren.
Der Krieg in Europa brachte für das amerikanische Volk viele Härten mit sich. So schlimm die Depression auch war, die das Land auf einen absoluten Tiefpunkt brachte, doch die Amerikaner verloren angesichts des Aufstiegs der Achsenmächte nicht den Glauben an die Freiheit. Die Vereinigten Staaten waren schließlich nach dem Motto › gegründet worden. Doch das waren nur Worte. Der Beweis dafür waren die Taten von Hunderttausenden Männern und Frauen, die im Streben nach Freiheit ihr Leben opferten. Nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern für alle freiheitsliebenden Menschen der Welt.
Der Wind wehte ruhig und strich über seine Wangen. Der Geruch der salzigen Gischt drang bis hinauf auf die Aussichtsplattform. Ein Besatzungsmitglied arbeitete eifrig an einer ihm zugewiesenen Aufgabe an Deck.
Brazo liebte alles am Meer. Seine früheste Erinnerung war, wie er sich in Cocoa Beach abkühlte, mit seiner Mutter an der einen und seinem Vater an der anderen Hand. Die meisten seiner Freunde hatten gern mit Spielzeug-LKWs oder Cowboys und Indianern gespielt. Er nicht. Er hatte es vorgezogen, sich als Pirat zu verkleiden und eine Geißel der sieben Weltmeere zu werden. Seine Lieblingsspielzeuge waren Miniaturschiffe und -boote gewesen. Ein langer Stock als Schwert und ein über ein Auge gebundenes Tuch verwandelten ihn in den berüchtigten . Die Piratenflagge hing stolz über seinem Bett und drohte allen Monstern, die sich nachts in sein Zimmer schlichen, dass sie hier die Opfer sein würden.
Der Exekutivoffizier, Captain Alan Slick, der als XO bezeichnet wurde, um seinen Rang nicht mit dem des Kommandanten des Schiffes zu verwechseln, trat von der obersten Sprosse der Leiter auf das Beobachtungsdeck. »Captain«, sagte er und nahm für einen Moment Haltung an.
»Slick, sind Sie ins Krähennest, um frische Luft zu schnappen? Ich kann es Ihnen nicht verdenken. Die Bohnen, die zum Mittagessen serviert wurden, könnten Hitlers neueste Geheimwaffe sein. Stellen Sie sich vor, fast dreihundert Männer ersticken an ihren eigenen Fürzen, ohne dass ein einziger Schuss fällt.«
»Ich würde den Nazis nicht zu viel zutrauen, Sir. Aber so wie der Krieg für sie läuft, vermute ich, dass sie die Bohnen eher essen würden, um sich selbst zu erledigen.«
»Das könnten sie«, sagte Brazo und fuhr damit fort, den Horizont abzusuchen.
Slick richtete seine Aufmerksamkeit auf den Ozean, hob seine Mütze und fuhr sich mit den Fingern durch sein krauses schwarzes Haar. »Glauben Sie, dass die Berichte wahr sind? Dass Hitler Selbstmord begangen hat? Das ist eine dieser Nachrichten, die ich glauben würde.«
»Schwer zu sagen«, entgegnete Brazo und blickte zu seinem XO. »Es geht das Gerücht, dass man seine Leiche einäscherte. Aber ohne handfeste Beweise können wir uns nicht sicher sein. Wir dürfen jetzt nicht unvorsichtig werden. Wir machen Fortschritte, aber wenn die Nazis diese sogenannte vor uns bekommen, ist es egal, ob Hitler noch das Sagen hat oder nicht.«
»Wenn es einen Gott gibt, wird das nicht passieren.«
»Wenn es einen Gott gäbe, hätte es diesen verdammten Krieg nicht gegeben«, entgegnete Brazo. Sein Tonfall war erfüllt von Abscheu vor den unmenschlichen Gräueltaten, die die Nazis an unschuldigen Menschen verübt hatten. Er verstand den Krieg, auch wenn er von verrückten Diktatoren geführt wurde, die die Welt beherrschen wollten. Was er aber nicht verstand, war Völkermord oder die Folterung von Menschen, die man schlimmer als Tiere behandelte. Die Lücken in der Nazi-Propaganda hatten gezeigt, dass die Juden in den Internierungslagern nicht so behandelt wurden, wie es in den Kurzfilmen dargestellt wurde. Keine Kinderopern oder saubere, komfortable Wohnräume. Kein schmackhaftes und nahrhaftes Essen. Die Realität war viel düsterer, als man es sich hätte vorstellen können. Die Häftlinge waren tatsächlich in etwas verwandelt worden, das kaum noch als Mensch zu erkennen war. Der Hunger hatte sie zu wandelnden Skeletten gemacht. Ihre Augen starrten todesähnlich aus geschwärzten, eingesunkenen Augenhöhlen. Ihr purer Instinkt war die einzige Kraft, die das tägliche Überleben sicherte.
»Ich werde nicht schon wieder mit Ihnen über die Existenz Gottes diskutieren«, sagte Slick. »Ich weiß nur, dass ich daran glauben muss, dass eine höhere Macht am Ende auf der Seite des Guten stehen wird, wenn so viel auf dem Spiel steht.«
»Es ist eine Frage des Willens. Des menschlichen Willens. Aber zumindest stimme ich Ihnen darin zu, dass auch ich glaube, dass die Macht des Guten stärker ist als die Macht des Bösen. Der menschliche Geist ist das am schwersten zu löschende Feuer. Der Wille zu leben … frei zu sein, ist stärker als alle Götter zusammen«, sagte Brazo, der die philosophische Diskussion nicht unnötig ausweiten wollte. »Wie läuft der Probelauf? Die hinteren Motoren scheinen heute etwas ruhiger zu laufen.«
»Das tun sie. Die Elektriker haben den Zyklus einer der Dieselmotoren angepasst, um ihn mit dem elektrischen Antrieb zu synchronisieren. Die größten Probleme wurden bereits vor einer Woche behoben. So wie es jetzt aussieht, denke ich, dass wir noch vor Ende des Monats über den Ozean schippern werden.« Slick hielt einen Moment inne und fügte dann noch hinzu: »Es gibt da allerdings noch ein Problem. Es betrifft das Funkgerät … wir können darüber empfangen, aber nicht senden. Der Ausfall trat ungefähr zur gleichen Zeit auf, als diese Störungen auf dem Radarschirm auftauchten. Wahrscheinlich defekte Röhren.«
»Welche Art von Störung?«
»Ein riesiger grüner Fleck verdunkelte eine Ecke des Bildschirms.«
»Welche Richtung?«
»Südwesten.«
Brazo drehte sich um und lief zur anderen Seite der Aussichtsplattform hinüber. Der strahlend blaue Himmel wurde langsam von wogenden Wolken mit seltsamen Farben verdeckt. Er hob das Fernglas und stellte es scharf. »Hmm.«
»Was ist, Sir?«, fragte Slick, der hinter ihn trat.
»Das da draußen sind keine gewöhnlichen Wolken. Sie reichen vom Himmel bis hinunter zum Wasser und … sie sind grün.«
»Ich habe schon einmal Wolken gesehen. Kurz bevor ein Tornado auf unserer Farm niederging. Aber ich muss zugeben, dass sie nicht mit denen da drüben zu vergleichen sind.«
Der Kapitän eines Schiffes weiß, dass er das Wetter respektieren muss. Selbst die mächtigsten Schiffe können von Neptuns Wutanfällen hin- und hergeworfen und zerdrückt werden. Mit Gewittern konnte er umgehen, zumal das Schiff nur zwanzig Meilen von der Basis entfernt war. Aber aus irgendeinem Grund hatte er bei dieser Wolkenformation ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Brazo hatte gelernt, seinen Instinkten zu vertrauen. »Ich denke, es wäre in unserem besten Interesse, wenn wir zur Basis zurückkehren. Mir ist klar, dass die Chance, dass wir hier draußen aus der Luft angegriffen werden, gleich null ist. Aber was, wenn es eine defekte Röhre ist, die das Radar beeinträchtigt? Es könnte sich um ein größeres elektrisches Problem handeln. Lassen Sie uns das schlechte Wetter meiden und zur Basis zurückkehren.«
»Ja, Sir. Sie sind der Kapitän«, sagte Slick. Der Mann wollte gerade gehen, als das Funkgerät der Aussichtsplattform quäkend zum Leben erwachte.
»Captain? Over«, meldete sich die Stimme von Jim Stone.
Brazo schritt heran und ergriff das Mikrofon. »Brazo. Was gibt es, over.«
»Das Radar hat ein unbekanntes Objekt zwei Meilen steuerbord geortet. Wir vermuten, dass es ein Periskop ist.«
»Sind Sie sicher? XO Slick sagte mir, dass das Radar nicht korrekt funktioniert«, hakte Brazo nach.
»Der Radarschirm, der nicht von der Störung betroffen ist, scheint hundertprozentig zu funktionieren. Irgendetwas ist definitiv da draußen.«
»Ein U-Boot, Sir?«, fragte Slick. »Wir haben denen in den letzten Monaten die Hölle heiß gemacht. Ich hätte nicht erwartet, hier draußen außerhalb der großen Schifffahrtsrouten noch einen Nachzügler zu finden.«
»Unseren Informationen zufolge fliehen einflussreiche Nazis wie die Ratten nach Südamerika. Es würde mich nicht überraschen, wenn einige der schlimmsten Nazi-Verbrecher, die je über die Erde marschierten, an Bord dieser Blechdose wären.« Brazo zog seine Stirn kraus. Seine Finger wurden weiß, als er das an seiner Brust hängende Fernglas fester umklammerte. »Ich kann nicht zulassen, dass meine Gefühle die Sicherheit dieses Schiffes oder die meiner Männer gefährden. Sie sind mein...




