Hauch | Unter der Sonne - Teil 3: Horizont | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 120 Seiten

Reihe: Weltenwandler

Hauch Unter der Sonne - Teil 3: Horizont

aus der Serie WELTENWANDLER
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95936-179-8
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

aus der Serie WELTENWANDLER

E-Book, Deutsch, Band 3, 120 Seiten

Reihe: Weltenwandler

ISBN: 978-3-95936-179-8
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Aus der Serie WELTENWANDLER präsentiert der Verlag in Farbe und Bunt den dritten und letzten Teil der packenden SF-Trilogie 'Unter der Sonne' von Jannika Hauch. Nichts regt sich unter der erbarmungslosen Hitze der Sonne. Fast nichts. Denn auf der Erdoberfläche kämpfen die letzten Menschen einen erbitterten Kampf um das Wasser - die letzte Hoffnung auf Leben. Melekai sieht der Sonne entgegen. In ihrem Licht erkennt er die Realität und Tiriin, die ihn in ihren Bann schlägt. Nun muss Melekai eine Entscheidung treffen ... Werden Sie zum WELTENWANDLER und begleiten Sie uns auf den Pfaden der Phantastik! Tauchen Sie ein in spannende Geschichten aus allen Bereichen phantastischer Stoffe: Ob Science-Fiction, Fantasy, Mystery, Thriller, Dystopie oder Nervenkitzel - unsere abwechslungsreichen, exklusiven E-Books liefern jeden Monat neue Geschichten, sprengen die Grenzen der Phantasie und fesseln Sie mit fortlaufenden Erzählungen!

Jannika Hauch studierte in Hamburg Psychologie. Nach ausgedehnten Reisen durch die ganze Welt ist sie nun angehende Psychotherapeutin und arbeitet mit traumatisierten Menschen. Sie schreibt Science-Fiction und Gegenwartsliteratur mit einer Vorliebe für dystopische Stoffe. 'Unter der Sonne' ist ihr erster Roman.
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Das Fährhaus

»Leg ihm die Infusionsnadel an den anderen Arm, dann können wir ihm etwas Aufpäppelndes zu den Antikörpern spritzen.«

»Hast du das Spritzbesteck ausgekocht?«

»Hab ich, Mylka, liegt alles vorbereitet auf der Kommode.«

Ein kuppelförmiges Zelt aus Kunststofffolie breitete sich über ihm aus. Die Gestalten dahinter waren verschwommen zu sehen und erschienen durch die Falten in der Folie wie in Streifen geschnitten. Finger tasteten an seiner linken Armbeuge entlang, und er zuckte zusammen.

»Keine Angst«, sagte eine melodische Frauenstimme, und für einen kurzen Augenblick kam ein Gesicht so dicht an die durchsichtige Zeltwand heran, dass er Einzelheiten erkennen konnte. Glasblaue Augen, die Stirn von braunem Haar umrahmt, ein weinrotes Tuch um den Hals. Ein Schauer lief ihm über den Rücken. Er wollte sich die Arme um den Leib schlingen, fror aus unerfindlichen Gründen, doch Hände in Gummihandschuhen drückten seine Arme sanft zurück auf die Matte. Erst jetzt bemerkte er, dass er nackt war, dass das Schwindelgefühl verschwunden und das Brennen seiner Haut einem Spannungsgefühl gewichen war. Das leise Brummen eines Motors ließ ihn den Kopf heben.

»Bleib einfach ruhig liegen«, sagte sie mit Nachdruck, und die Hände legten sich an seine Schläfen und drückten seinen Kopf zurück auf die Matte.

»Willkommen im modernsten Sauerstoffzelt der Welt«, scherzte die zweite Stimme, und eine weitere Frau, kleiner als die andere, trat an sein Lager. »Die Sauerstoffdosierungsanlage ist zwar nicht mehr als ein gereinigter Filter mit Ventilator, aber sie erfüllt ihren Zweck.«

Die Frau war alt, ihr Haar mit grauen Strähnen durchzogen, der Rücken gebeugt. Ihr Gesicht kam so nah an die Folie heran, dass Melekai sehen konnte, wie sich die Falten um ihre Augen und ihren Mund zu einem Lächeln verzogen. Die Umrisse der anderen blieben unscharf.

»Ich werde dir gleich die letzte Dosis Antikörper spritzen, und wenn sich deine Atemleistung weiter verbessert, kannst du bald aus dem Zelt«, erklärte die Alte.

Er stöhnte, ein schwaches Hauchen nur, während sie seinen Arm festhielt und ein kurzer Schmerz die Nadel in seinem Arm ankündigte. Er wand sich, und die Hände fassten wieder an seinen Kopf.

»Du kannst ganz entspannt sein«, raunte die jüngere der beiden, und die glasblauen Augen trafen seinen Blick. »Wir wollen dir helfen.«

Er spürte die Flüssigkeit in seine Vene rinnen, dann den Schmerz, als die Nadel aus seiner Armbeuge gezogen wurde. Schüttelfrost überkam ihn, und Schweiß rann ihm von der Stirn.

»Warum reagiert er bloß so heftig auf die Immunisierung?«, murmelte sie. Melekais Oberschenkelmuskeln krampften sich zusammen, ein weiterer Kälteschauer überkam ihn. Er schaffte es nicht, den Blick zu fixieren, um irgendetwas in seinem Umfeld zu erkennen.

»Vielleicht ist er noch nie mit den Grippeviren in Berührung gekommen«, überlegte die Alte, deren runzliges Lächeln immer noch deutlich an der Kunststofffolie zu sehen war. Die Zeltwand ähnelte eher einem Flickenteppich aus Plastiktüten.

»Er war zu lange der Sonne ausgesetzt. Vermutlich ist sein Kreislauf deshalb zusammengebrochen«, sagte sie.

»Aber die Symptome ähneln denen, die die Trucker aus den Schichten zeigen, wenn sie zum ersten Mal nach oben kommen«, überlegte die Jüngere und hielt weiterhin seine Schultern fest, damit er nicht von der Matte fiel. »Als wäre er nicht an den höheren Sauerstoffanteil gewöhnt.«

»Deshalb lassen wir ihn noch eine Weile im Sauerstoffzelt. Du siehst ja selbst, dass er noch nicht genesen ist.«

»Wie lange dauert es noch, bis er aufstehen kann?«

»Frag ihn doch selbst, Tiriin. Ich muss mich jetzt um den Ofen kümmern. In zwei Stunden geht die Sonne unter.«

»Wann kannst du aufstehen?«, fragte Tiriin, und ihre blauen Augen kamen näher an die Zeltwand. Ihre Haut war heller als die der Alten, ihre Lippen entspannt, kein Lächeln. Durch ein winziges Loch in der Folie sah er einen Ausschnitt ihres linken Ohrläppchens und hellbraunes Haar. Erneut verkrampften sich seine Beine, und er zog sich stöhnend vor Schmerz zusammen.

»Hilfe«, flüsterte er und schlang sich die Arme um den bebenden Leib.

»Offenbar kommst du mit der Außenluft noch nicht zurecht«, entgegnete sie ungerührt und drückte ihn grob in eine gerade Position zurück. »Aber das hört bald auf. Die Sauerstoffdosierung gewöhnt dich ganz langsam an unsere Luft. Dann vergehen die Krämpfe und der Schwindel.«

Die Hände ließen von ihm ab, und ihr Gesicht verschwand.

Irgendwo ging eine Tür, und Wind ließ die Kunststofffolie knistern, wölbte Teile der Folie nach innen und berührte seine Haut.

»Hey Santo«, grüßte Tiriin.

»Kommt er zu sich?«, fragte der eintreffende Gast.

»Er braucht noch einige Zeit, bis er sich regeneriert hat. Die pralle Sonne scheint ihm den Rest gegeben zu haben«, antwortete sie.

»Was macht der Typ auch ohne Schutzkleidung da draußen? Wir hätten ihn überfahren können«, brummte der Mann, den Tiriin Santo genannt hatte.

»Vielleicht ein Nomade? Schicken die Verbände nicht auch hin und wieder jemanden auf Erkundungsgang voraus?«, überlegte sie.

Melekai konnte ihren Blick auf seinem Körper spüren.

»Nomaden sind seit Jahren nicht mehr in unserem Territorium aufgetaucht«, sagte Santo. Etwas klirrte.

»Immunisiert habt ihr ihn auch schon? Wir wissen nicht mal, wer das ist, und ihr verschwendet schon Medikamente an ihn?«

Tiriin seufzte.

»Wir verschwenden nicht mehr Ressourcen als du, wenn du das Feuer auf unbewaffnete Trucker eröffnest. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen.«

»Die Trucker vorgestern haben versucht, sich uns zu widersetzen.«

»Wenn sie ihre Drohung in die Tat umsetzen und wirklich beim nächsten Überfall die Grenzpolizei einschalten, haben wir ein größeres Problem als ein paar aufmüpfige Bauarbeiter. Willst du riskieren, dass das Basislager militarisiert wird? Meinst du, dann haben wir noch irgendeine Chance auf deren Vorräte?«

Melekai spürte ein kaltes Tuch, das Tiriin auf seine Stirn legte.

»Mach den Mund auf«, befahl sie, und wenig später floss Wasser über seine trockenen Lippen. Er trank gierig. Das Wasser hauchte ihm Leben ein. Sein Blick stellte sich scharf. Santo war ein breitschultriger Schatten mit nackten Oberarmen und kurz getrimmtem Irokesen-Haarschnitt, die Arme vor der Brust verschränkt. Er und diese Frau hatten ihn gefunden. Wo hatten sie ihn hingebracht? Offensichtlich war er nicht in einem der Container vom Basislager; der Raum um ihn her war weiter, die Decke mit Lichtspalten durchlöchert.

»Nach Sonnenuntergang trifft sich das Camp, um die Ausbeute unseres Einsatzes zu verteilen«, verkündete Santo. »Ich hoffe, bis dahin habt ihr euch einen anderen Schlafplatz für unseren Gast ausgedacht.«

»Der ist doch noch nicht mal bei vollem Bewusstsein, Santo, und du weißt ebenso gut wie ich, dass wir das Sauerstoffzelt nirgendwo sonst aufbauen können«, gab Tiriin zurück. Melekai griff mit der Hand ins Leere, ein Gefühl von Schwerelosigkeit; die Fingerspitzen berührten die Kunststofffolie.

»Melekai«, brachte er heraus, ohne den Kiefer zu bewegen.

Seine beiden Wächter beugten sich vor, die Gesichter dicht an der Plastikfolie, wie Zoobesucher.

»Spricht er überhaupt unsere Sprache?«, fragte Santo.

»Ich heiße Melekai«, er musste kurz pausieren, »Gormock.«

»Ich bin Santo«, stellte der Irokese sich vor, »und das ist Tiriin. Wir haben dich bei unserem Einsatz im Sand liegen sehen, in einem üblen Zustand, Mann. Gut, dass du endlich zu dir kommst.«

»Bin ich wieder in Eins?«, murmelte Melekai.

»Wo?«, fragte Santo und runzelte die furchige Stirn.

»Ich muss zu Amir Hadi«, brummte Melekai. »Von dort aus reise ich nach Hause.«

»Nein, nicht in Eins«, antwortete Tiriin und wandte sich Santo zu. »Er denkt, wir sind in der Erde, in der ersten Schicht. In Eins.«

»Bullshit«, stieß dieser hervor. »Wo kommst du her, Gormock? Was hast du ganz allein im Basislager der Hauptpipeline gesucht?«, wollte er wissen.

Melekais Blick verschwamm, und wieder begann er zu fliegen; Schüttelfrost wechselte Hitzewellen ab. Er würgte, doch sein Magen war leer. Schlotternd vor Kälte zog er die Beine an den Leib und presste die Stirn an die Knie. Ellis erschien vor seinem inneren Auge, ein Lächeln wie damals, als sie ihr Gesicht in seine Schlafröhre gesteckt hatte. Idris, die sich so dicht neben ihn setzte, dass sich ihre Hüften berührten, das Gefühl, wenn sie ihre Arme um ihn schlang und ihn an sich drückte, ohne Grund. Dann Jokke, der allein im Torbogen einer Metrostation stand, das gelbe Käppi in die Stirn gezogen. Oder war es ein Fremder? »Nächstes Mal wird’s besser«, flüsterte er, und Melekai streckte den Arm nach ihm aus.

O

Das Nächste, was er wahrnahm, war ein fremdartiger, rauchiger Geruch und das Gewirr vieler Stimmen. Jemand hatte ihm eine Wolldecke übergelegt. Er atmete tief ein und aus. Endlich fühlte er sich nicht mehr vergiftet von dieser kalten Luft. Im vorderen Teil des großen Raumes, hinter der Kunststofffolie nur verschwommen zu sehen, brannte ein Feuer, um das eine Menge Menschen saßen. Melekai setzte sich auf. Ein altes Feldbett, das auf zersprungenen Kacheln und festgeklopftem Buntstein stand. Eine Kanne voll trüben Wassers stand am Kopfende seines Lagers, und er leerte sie, ohne nachzudenken.

»Das ist nicht genug!«, meldete sich eine Frau unter den Versammelten zu Wort, und er erkannte die Stimme der Alten mit dem gebeugten Rücken....



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