Haug | Die Wäscherin von Niederrad | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 376 Seiten

Haug Die Wäscherin von Niederrad


2. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-4021-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

ISBN: 978-3-7597-4021-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Dorf Niederrad, im Jahre 1824: Nach dem Verlust ihrer geliebten Großmutter steht die junge Wäscherin Klara Ruhland plötzlich allein in der Welt. Während sie tapfer versucht, ihr Leben neu zu ordnen, tritt der kleine Hans in ihr Leben. Dessen Vater Wilfred wird des Mordes an einem Bleichwächter beschuldigt, und Klaras Schicksal nimmt eine unerwartete Wendung. Ihr Glaube an die Unschuld des Mannes wird auf eine harte Probe gestellt, da viele Dorfbewohner gegen sie sind und eine andere Meinung vertreten. Doch wer ist der Mörder des Bleichwächters? Tauchen Sie ein in das Leben in einem kleinen Dorf nahe Frankfurt am Main im 19. Jahrhundert.

Gabi Haug Gabi Haug lebt zusammen mit ihrem Ehemann in Frankfurt am . Im Jahr 2017 entschied sie sich, ihre Geschichten im Self-Publishing in Buchform zu veröffentlichen. Unter ihrem Namen Gabi Haug erschien der Fantasy-Roman "Projekt Elf", der den Auftakt zu weiteren Fantasy- und Historienromanen wie "Feuer der Herzen", "Galgenstrick und Liebesglück", "Lidwina, die Scharfrichterin" und "Vermächtnis der Altvorderen" bildete. Zusätzlich hat sie die vierteilige Highland-Saga veröffentlicht, bestehend aus "Träume des Highlanders", "Herzens Dieb" (Teil 2), "Highlanderinnen zum Verlieben" (Teil 3) und "Wege der Herzen" (Teil 4).
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Trauer um Großmutter


Dorf Niederrad bei Frankfurt am Main anno 1824 ...

Klara, eine 22-jährige schlanke Frau von mittlerer Statur mit dunkelblonden Haaren und saphirblauen Augen, bewahrte sich stets ein fröhliches Gemüt - selbst nach dem frühen Verlust ihrer Eltern. Doch der kürzliche Tod ihrer geliebten Großmutter Ernestine, liebevoll Erna genannt, hatte sie tief getroffen. Seit drei Tagen war sie von Trauer umhüllt.

Als sie an jenem Morgen aufwachte, wurde ihr schmerzlich bewusst, dass ihre Großmutter in der vergangenen Nacht verstorben war. Klara hatte den Mund der geliebten Verstorbenen geschlossen, um sicherzustellen, dass Leib und Seele nach dem Tod nicht wieder zusammenkommen. Danach verließ sie das kleine Fachwerkhaus in der Frankfurter Straße* und lief eilig zu den Nachbarn.

»Es tut mir leid, Tante Trude, es ist zwar früh, aber Großmutter ist gestorben«, sagte sie unter Tränen, als Trude, die Mutter ihrer besten Freundin Ida und eine Frau, die sie, seit ihrer Kindheit kannte, die Tür öffnete.

Trude, die nicht nur die Mutter ihrer besten Freundin Ida war, sondern auch eine langjährige Weggefährtin und vertraute Freundin ihrer Mutter und später ihrer Großmutter, empfand sofort den tiefen Verlust. Trude stand da, erschüttert, unfähig, sofort Worte zu finden. Ihre Beziehung zur Erna war mehr als eine bloße Bekanntschaft; sie waren Seelenverwandte, deren Band durch Jahre des Verlustes, Trauer und gemeinsamer Erlebnisse gestärkt worden war. Als das volle Ausmaß der Situation zu ihr durchdrang, zog sie Klara sanft in eine tröstende Umarmung. Mit zärtlichen Bewegungen strich sie Klara über den Rücken und flüsterte Worte des Trostes, die in dieser schweren Stunde mehr Bedeutung und Trost spendeten, als es jegliche anderen Worte hätten leisten können.

Ida, mit ihren blonden Haaren und gerade einmal 20 Jahren, hastete herbei, um Klara liebevoll in die Arme zu nehmen. Das ungewöhnliche Funkeln von Schmerz in ihren sonst so lebhaften graublauen Augen verriet die Tiefe ihrer Empfindungen. Ihre Umarmung, gleichzeitig fest und sicher, war mehr als eine Geste; sie war ein stilles Versprechen ewiger Unterstützung, ein Schwur, an Klaras Seite zu stehen, komme, was wolle.

Während Klara und Ida diesen Moment der Verbundenheit teilten, wandte sich Trude an Ida mit der Bitte, den Pfarrer zu informieren.

Ida nickte ihrer Mutter zu und machte sich dann auf den Weg – zum Schulhaus*, das dem Pfarrer und dessen Familie auch als Wohnort diente und sich in unmittelbarer Nähe zur evangelischen Dorfkirche befand. Ihr Herz, schwer von der Bürde der Nachricht, die sie überbringen musste, erreichte Ida das Gebäude, stieg zügig die Stufen zum ersten Stock hinauf und stand bald vor der Tür des Pfarrers.

Nachdem sie tief durchgeatmet hatte, klopfte Ida an die Tür.

Die Magd öffnete die Tür und blickte fragend in das zarte Morgenlicht. »Was führt dich zu so früher Stunde zu uns?«, erkundigte sie sich mit einem Hauch von Unbill aber auch Neugier in ihrer Stimme.

»Ich muss den Herrn Pfarrer wegen eines Todesfalls sprechen«, antwortete Ida, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, das die Schwere ihres Anliegens verriet.

»Die Familie befindet sich beim Morgenmahl. Du wirst dich ein wenig gedulden müssen, Ida«, erwiderte die Magd, doch ihre Worte waren kaum verklungen, als aus der Tiefe der Wohnung die Stimme von Pfarrer Fichtmüller1 an ihr Ohr drang: »Lass Ida nur herein. Mir düngt, ihr Anliegen duldet keinen Aufschub.«

Mit einem Nicken öffnete die Magd weiter die Tür und sagte: »Na dann, komm herein.«

Ida trat in die Wohnung ein. Mit einer Stimme, die sowohl ihre innere Stärke als auch die Schwere ihres Herzens zum Ausdruck brachte, begann sie zu sprechen: »Herr Pfarrer Fichtmüller, Frau Pfarrer, bitte entschuldigen Sie die Störung, zu dieser frühen Stunde. Aber ich komme mit einer Nachricht, die uns tief getroffen hat. Unsere geliebte Ernestine, die vielen von uns als Erna bekannt war, ist von uns gegangen. Klara, unsere Familie und ich sind von tiefer Trauer erfüllt. Es fühlt sich an, als wären wir in ein unendliches Meer aus Schmerz und Verlust geworfen worden. Es würde uns viel bedeuten, wenn Sie in dieser schweren Zeit für Klara da sein könnten, um Ernas Aussegnung* vorzunehmen und uns allen Trost zu spenden.«

Der Pfarrer, sichtlich bewegt von Idas Worten, ließ seine Betroffenheit erkennen. Mit einer Stimme, die Wärme und Mitgefühl ausstrahlte, antwortete er: »Ida, ich danke dir, dass du zu mir gekommen bist. Der Verlust von Ernestine trifft uns alle hart. Sie war ein geschätztes Mitglied unserer Dorfgemeinschaft und wird uns fehlen. Selbstverständlich werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um Klara und eurer Familie in dieser schweren Zeit beizustehen.« Er blickte sie ernst an und sagte: »Ida, während ich mich vorbereite, könntest du bitte einen weiteren wichtigen Gang erledigen? Es wäre hilfreich, wenn du beim Bestatter vorbeischauen könntest, um bei ihm alles für Ernestines letzte Reise zu ordnen. Sobald ich fertig angekleidet bin, werde ich mich direkt zu Klaras Haus begeben.«

»Herr Pfarrer. Ich werde sofort zum Bestatter gehen. Ich treffe Sie dann bei Klara im Haus.« Mit diesen Worten machte sich Ida auf den Weg zum Bestattungsunternehmen, bereit, diese Aufgabe mit der gleichen Fürsorge zu erfüllen, die sie in ihrem Gespräch mit dem Pfarrer an den Tag gelegt hatte.

Als Trude Klara sanft am Arm nahm und zurück ins Haus führte, lag eine stille Schwere in der Luft. Mit Sorgfalt drapierte sie Laken über beide Spiegel, die sich im Haus befanden. Das Fenster im Zimmer der Großmutter wurde geöffnet, eine stille Einladung an die Seele der Verstorbenen, sich in Frieden zu erheben und der Welt zu entweichen.

Der herbeigerufene Pfarrer, dessen Gesicht von tiefer Empathie und Verständnis zeugte, trat ein. Die Aussegnungsfeier wurde begleitet von einem Gebet, das mit den Worten endete: Er sei dir gnädig im Gericht und gebe dir Frieden und ewiges Leben.

Die Aufgabe, die Freundin für ihre letzte Reise vorzubereiten, wurde zu einem Akt tiefster Zuneigung. Trude, unterstützt von einer mitfühlenden Nachbarin und dem Bestatter, wusch die verblichene Ernestine und kleidete sie neu ein.

Auf einer Kommode entstand ein improvisierter Altar, geschmückt mit einem weißen Tischtuch, flackernden Kerzen und einem schlichten Kreuz. So wurde die Großmutter zu Hause im Sarg aufgebahrt. In der Stille der aufkommenden Nacht wachten und beteten Klara, Trude und Ida gemeinsam am offenen Sarg, gehüllt in ihre Kirchengewänder, als sichtbare Zeichen ihrer Verbundenheit und ihres Glaubens.

Am darauffolgenden Morgen, als die ersten Sonnenstrahlen das Dach des bescheidenen Hauses küssten, betrat Josef, der jüngste Spross von Trude, Klaras Heim, um nach seiner Mutter, seiner Schwester und Klara zu sehen. Der zwölfjährige Josef fand sich in der warmen Umarmung seiner Mutter wieder. Als sie ihren Sohn losließ, beauftragte Trude ihn mit einer Stimme, die die Schwere des Verlusts trug, jedoch von einer unerschütterlichen Stärke durchzogen war, mit einer Mission von großer Bedeutung. »Josef, mein tapferer Junge«, begann sie, »du trägst heute eine schwere, aber ehrenvolle Bürde. Die liebe Klara, in ihrem Leid gefangen, braucht unsere Unterstützung mehr denn je. Es liegt an dir, die traurige Kunde von Ernas Heimgang zu verbreiten. Mach dich auf den Weg, mein Kind, und teile all unseren Freunden und Bekannten mit, dass Erna ihren Frieden in den Armen des Herrn gefunden hat. Ihr irdisches Gefäß ruht in ihrem Heim, wo sich jeder, von ihr verabschieden kann. Der offene Sarg wird bis zu unserer letzten Zusammenkunft am Freitag um 10 Uhr morgens dort verweilen. Geh, Josef, mit dem Segen des Herrn!«

Mit diesen Worten, die in seinem Herzen widerhallten, da er Erna sehr gemocht hatte, machte er sich auf den Weg.

Die Morgenluft in Niederrad trug eine Stille in sich, die nur durch das gelegentliche Zwitschern der Vögel unterbrochen wurde. So ging Josef als Totenansager vor dem Schulunterricht von Haus zu Haus, von Tür zu Tür, und überbrachte die Nachricht von Ernas Tod, ihrer Aufbahrung im eigenen Heim und der bevorstehenden Beerdigung. Damit war allen Bekannten und Freunden die Möglichkeit gegeben sich angemessen von der Verstorbenen zu verabschieden.

Am Freitag, in der Wärme eines sonnendurchfluteten Sommertages, der mit der Schwere des Abschieds kontrastierte, sammelte sich die Trauergemeinde vor Klaras Haus. Der Sarg, gefertigt aus Kiefernholz und Ort der letzten Ruhe, wurde von vier Trägern mit würdevollem Respekt aus dem Wohnhaus gehoben. Der Trauerzug setzte sich in Richtung der kleinen Kirche auf der anderen Straßenseite in Bewegung, angeführt von Pfarrer Fichtmüller, der in seinem dunklen Talar*, mit dem charakteristischen Beffchen und die Bibel in den Händen haltend, gekleidet war. Ihm folgten zwei Mitglieder des...



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