Hauser | Die Frauen von Troja | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten

Reihe: Die Frauen von Troja

Hauser Die Frauen von Troja

Historischer Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-641-18498-8
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten

Reihe: Die Frauen von Troja

ISBN: 978-3-641-18498-8
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vor dreitausend Jahren tobte ein Krieg, der die damalige Welt in ihren Grundfesten erschütterte: Der Trojanische Krieg hat viele Helden hervorgebracht. Hier erzählen die Frauen von Troja die Legende aus ihrer Sicht.
Dies ist die Geschichte von Chryseis, der Tochter des Hohepriesters von Troja, und Briseis, der Prinzessin von Pedasos. Chryseis und Briseis sind stolze junge Frauen, die ihr Leben genießen und sich leidenschaftlichen Lieben hingeben. Doch bei Ausbruch des Krieges werden sie entführt und müssen fortan ein Leben als Liebessklavinnen führen. Die mutigen Frauen ergeben sich jedoch nicht in ihr Schicksal, sondern kämpfen für ihr Freiheit und ihre Gefühle …

Emily Hauser wurde in Brighton geboren und ist in Suffolk aufgewachsen. Sie hat in Cambridge und Harvard Altphilologie studiert und in Yale promoviert. In ihrer Trilogie über die Frauen von Troja erzählt sie den großen Mythos des Trojanischen Kriegs in moderner Sprache und aus weiblicher Sicht.
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Prolog

Hochsommer auf den Hängen des Ida-Gebirges. Schweiß tropft ihm von der Stirn, Fliegen summen unaufhörlich um seine Herde; der Gestank der Ziegen vermischt sich in seiner Nase mit der salzigen Meerluft aus dem Norden. Er streicht sich die Haare aus dem Gesicht und blickt zum Himmel empor. Die Sonne, der Wagen des Apulunas, hat ihren höchsten Stand erreicht.

Mittag.

Er tritt in den Schatten eines Olivenbaums, sein Hund folgt ihm auf dem Fuß. Die kühle Luft unter dem dunklen Blätterdach kühlt seinen Nacken, als er einen in steifes Leinen gewickelten Laib Brot und seinen mit Wein gefüllten Lederschlauch in die Hand nimmt. Obwohl er ein trojanischer Prinz ist, hütet er seit Kindertagen die Ziegen im Ida-Gebirge. So hofft der König, seinem Volk zeigen zu können, dass seine Söhne sich nicht zu schade sind, auf dem Land zu arbeiten, das Troja mit seinen sagenhaften Reichtümern nährt. Doch Paris interessiert sich seit jeher mehr für das leise Rascheln der Frauenkleider in den bunten Fluren des Palastes als für das Geläut der Ziegenglocken. Er löst den Riemen des Lederschlauchs von seinem Hals und lässt einige Tropfen als Gabe für die Götter, die alle Dinge erschaffen und zerstören, auf die trockene Erde fallen, die den Wein gierig aufsaugt.

Hinter ihm beginnt sein Hund zu knurren.

»Was ist, Methepon?«

Er dreht sich um. Dem Tier, dessen Schnauze bebt, sträubt sich das Fell. Er bückt sich und packt Methepon am Lederhalsband. Der Hund knurrt und bellt so wütend, dass Speichelfetzen fliegen.

»Was ist?«

Eine Bewegung, ein Rascheln wie von Blättern im Wind. Methepons Knurren und Bellen wird noch lauter, er fletscht die langen Zähne, starrt geradeaus.

Paris hebt den Blick.

Außerhalb des Schattens, den der Olivenbaum spendet, stehen im Licht der Sonne drei Frauen. Wie sie dorthin gekommen sind, weiß er nicht, und letztlich ist ihm das auch egal, denn diese Frauen sind atemberaubend schön. Die dichten, welligen Haare reichen ihnen bis über die Schultern, sie haben glatte, schimmernde Haut und tragen Gewänder aus feinstem Stoff, die ihre schmalen Taillen und Oberschenkel umschmeicheln. Er entspannt sich. Wovor im Namen aller Götter hat Methepon so große Angst? Er denkt schmunzelnd an seinen Bruder Hektor, dessen Frau Andromache so unansehnlich ist wie die Felder um Troja im Winter. Es gibt durchaus Männer, die sich in Anwesenheit von drei solchen Schönheiten fürchten würden.

Paris hingegen ist der trojanische Prinz, der sich am besten mit Frauen auskennt.

Eine winkt ihn lächelnd zu sich heran. Er bückt sich, um Methepons Halsband fester zu fassen, doch der Hund wehrt sich immer noch knurrend. »Was hast du denn?«

Methepon legt sich winselnd auf den Boden.

Paris runzelt die Stirn. »Na schön, dann bleib eben hier.« Er tritt aus dem Schatten, um sich zu den Frauen zu gesellen. »Entschuldigung«, sagt er und verbeugt sich tief. »Sonst ist mein Hund nicht so …«

»Sterblicher.«

Die Stimme, die aus seinem eigenen Kopf zu kommen scheint, klingt in seinen Ohren. Er hält mitten in der Bewegung inne und sieht die Frauen an, die ihn mit funkelnden Augen anlächeln. Aus der Nähe wirken sie hart – wie mit einem scharfen Meißel aus Marmor oder anderem Stein gehauen, nicht wie aus weichem Fleisch. Er schluckt. »Wer – was – wer seid ihr?«, fragt er, bemüht, nicht auf das neuerliche Knurren seines Hundes zu achten.

»Göttinnen«, lautet die Antwort. »Die drei großen Göttinnen, denen du gerade den Wein geopfert hast. Die Göttinnen des Ida-Gebirges.«

»Göttinnen?«, wiederholt er. »Die Göttinnen von Troja?«

Er muss an seine Lieblingsgöttin Arinniti denken, der er mit Rosenblütenblättern und Granatäpfeln huldigt, deren Statue in einem Schrein in seiner Kammer steht. An Era, die Königin der Götter, die hehre Patronin, für die seine Mutter Hekuba jeden Abend ein frisch gewobenes Gewand als Opfergabe bereitlegt. An Atana, die Göttin des Krieges und der Weisheit, deren Tempel die Oberstadt von Troja ziert und die die Priesterinnen mit fast genauso viel Achtung verehren wie Apulunas.

»Das kann nicht sein«, entgegnet er. »So etwas zu behaupten, ist Gotteslästerung. Die Götter erscheinen nur ihren auserwählten Priestern in Troja.«

Als die Frauen lächeln, schimmert die Luft leicht. »Sieh uns genauer an.«

Er betrachtet Era, die mit ihrem Kranz aus goldenen Eichenblättern und dem Zepter in der Hand souverän und herrschaftlich wirkt. Trotz seiner Furcht spürt er den Reiz einer Frau, die weiß, dass die Welt ihr gehört. Die graugrünen Augen von Atana leuchten klug, und plötzlich verspürt er den Drang, mit ihr die Geheimnisse der Erde zu ergründen, zu den Gipfeln der Berge zu fliegen und Eier aus Adlerhorsten zu stehlen, oder in die Tiefen des Ozeans zu tauchen. Und die Dritte … Die Haut der Dritten ist heller als Elfenbein, leicht rosig wie von einer Ahnung voll erblühter Rosen. Sie hat glänzendes Haar, das in Wellen bis zur sanften Wölbung ihrer Brust reicht, und einen Mund, rot wie reife Äpfel.

»Was wollt ihr von mir?«, fragt er mit bebender Stimme.

Nun lächelt die Dritte, ein vielversprechendes Lächeln. Die Begierde, die seine Adern durchströmt, sagt ihm, dass sie tatsächlich Arinniti ist, seine Arinniti, zu der er jeden Morgen und Abend betet. Sie hält ihm eine Hand hin. Darin liegt ein Apfel, ein Apfel aus Gold, der im Licht der Sonne funkelt. Darauf sind Worte eingraviert, die er nicht entziffern kann.

»Wähle«, sagt sie. »Entscheide, wem dieser Apfel am ehesten gebührt.«

Er sieht sie mit großen Augen an. »Ihr seid Göttinnen. Wie könnte ich da eine Entscheidung treffen?«

Wieder lächelt Arinniti, und dabei kommen ihre weißen Zähne zum Vorschein. »Weil wir dich erwählt haben.«

Er zögert kurz, bevor er zitternd die Hand ausstreckt. Sie legt den Apfel hinein.

Er hält ihn näher vors Gesicht, betrachtet seine glatte, glänzende Oberfläche.

Dann liest er die Inschrift.

??? ?????S???.

»Der Schönsten«, flüstert er.

Die Göttinnen mustern ihn mit gespanntem Blick aus wilden, dunklen Augen.

»Wenn du dich für mich entscheidest«, erklärt Atana mit leiser Stimme, »schenke ich dir den Sieg. Du wirst jede Schlacht gewinnen, in der du kämpfst. Alle werden das Geheimnis deines Erfolgs erfahren wollen. Könige und Götter werden zu dir aufsehen. Dir wird alles gelingen, was du anpackst.«

Sie macht eine Handbewegung, goldenes Licht leuchtet auf. Städte erstehen vor ihm, belagert von Kriegern mit in der Sonne glänzenden Rüstungen und Waffen, ein ganzes Meer davon, angeführt von einem Prinzen mit seinen edlen Zügen und lockigen Haaren. Er sieht Paläste einstürzen, deren Schutzwälle zerfallen wie Sand, und vor ihm breitet sich ein Reich aus, dessen Grenzen sein Auge nicht mehr erkennen kann: unzählige Städte und Länder, die er sich nur nehmen muss …

Das Bild verschwindet so schnell wieder, wie es aufgetaucht ist.

Blinzelnd wendet er sich der großäugigen Schönheit mit dem Eichenlaubkranz zu. »Wähle mich«, haucht Era, »und du wirst über die Welt herrschen und Macht besitzen, wie du sie dir in deinen kühnsten Träumen nicht ausmalen kannst. Du wirst auf Thronen sitzen und juwelenbesetzte Zepter in der Hand halten. Selbst der Himmel wird sich vor dir verneigen. Wer muss einen Krieg gewinnen, wenn er die Völker der Erde zwingen kann, seine Befehle zu befolgen?«

Das Bild ändert sich. Nun knien in goldene Gewänder gekleidete Könige zu seinen Füßen. Er hält ein juwelenbesetztes Zepter in der Hand und trägt eine Krone auf dem Haupt. Die Könige heben ihre Zepter ihm, ihrem Herrscher, entgegen, und Hunderttausende Krieger und Sklaven senken ehrfürchtig den Kopf vor ihm und seiner Macht …

Obwohl er Arinniti durch dieses Bild hindurch nicht sehen kann, erkennt er sie am Klang ihrer Stimme – sie hört sich an wie das Meerwasser, das schäumend am Ufer leckt.

»Ich biete dir Schönheit«, erklärt sie, und noch einmal verändert sich das goldene Bild. Jetzt blickt er in die Augen einer atemberaubend schönen Frau. Ihre Haare sind weich wie fein gesponnene Seide, ihre Augen glänzen wie flüssiger Honig, ihre Haut hat die Farbe von Öl. Ihre Brüste sind rund und fest wie helle Äpfel, nur zu erahnen unter dem langen, golddurchwirkten Schleier, den sie über der nackten Haut trägt. Ein leises Stöhnen der Begierde entringt sich seiner Brust.

Arinniti lacht sinnlich und selbstbewusst. »Mein Geschenk«, verkündet sie, »ist nichts weniger als die schönste Frau der Welt.«

Er streckt zitternd die Hand aus, seine Fingerspitzen berühren den Schleier der Dame, doch da löst sich die Vision auf.

Er zögert, betrachtet die Göttinnen, im Kopf noch immer das Bild der schönen Frau.

Er ahnt nicht, dass von seiner Entscheidung ein Krieg abhängt, von dem man sich noch tausend Jahre später erzählen wird. Er ahnt nicht, dass die Helden, deren Namen man...


Hauser, Emily
Emily Hauser wurde in Brighton geboren und ist in Suffolk aufgewachsen. Sie hat in Cambridge und Harvard Altphilologie studiert und in Yale promoviert. In ihrer Trilogie über die Frauen von Troja erzählt sie den großen Mythos des Trojanischen Kriegs in moderner Sprache und aus weiblicher Sicht.



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