Hawkins | Das Erbe der Baumeisterin | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 599 Seiten

Hawkins Das Erbe der Baumeisterin

Roman. Der Bau einer Universität im 14. Jahrhundert, das schicksalsvolle Leben einer Zimmermeisterin
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96655-444-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman. Der Bau einer Universität im 14. Jahrhundert, das schicksalsvolle Leben einer Zimmermeisterin

E-Book, Deutsch, 599 Seiten

ISBN: 978-3-96655-444-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie will das Vermächtnis einer besonderen Frau bewahren: der bewegende Roman »Das Erbe der Baumeisterin« von Alis Hawkins als eBook bei dotbooks. Sie leben in verschiedenen Jahrhunderten - doch ihre Schicksale berühren sich ... Die PR-Agentin Damia Miller steht vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe: Sie soll das ehrwürdige Kineton-and-Dacre-College mit einer großen Fundraisingaktion vor dem Ruin bewahren. Doch dafür muss sie Beweise finden, dass diese alte Universität wirklich schützenswert ist - am besten, indem sie ihre lange verloren geglaubte Gründungsgeschichte wiederentdeckt. Bei ihren Nachforschungen stößt Damia auf die faszinierende Lebensgeschichte der Baumeisterin Gwyneth, die im 14. Jahrhundert gemeinsam mit ihrem Mann das College errichtete. So kommt Damia einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur, das sie tief in ihrem Innersten berührt - und ihr Leben von Grund auf verändern wird ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Schicksalsroman »Das Erbe der Baumeisterin« von Alis Hawkins verwebt eine mitreißende Geschichte um eine starke Frau, die ihren Weg noch finden muss, mit der historischen Lebenswelt einer Baumeisterin aus dem 14. Jahrhundert. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

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Eins


Salster, in der Woche vor Ostern, im Jahre 1385

Niemals in jenen zwanzig Jahren, in denen Gwyneth of Kineton darauf gewartet hatte, ein Kind zu empfangen, hätte sie geglaubt, dass sie womöglich bei der Geburt sterben könnte. Zwar kannte sie Frauen, denen dies widerfahren war – und hatte sich, wenn auch bitter, damit getröstet, dass ihre Unfruchtbarkeit ihr wenigstens dieses Schicksal ersparen würde –, doch nie und nimmer hätte sie angenommen, dass die Geburt des ersehnten Kindes ihr eigenes Ende bedeuten könnte.

Und doch lag sie nun hier, entkräftet und dem Tode nahe. Das Kind, das all die Monate in ihrem Leib herangewachsen war, rührte sich nicht und schien ihren Tod herbeizuführen.

Mit angezogenen Knien lag Gwyneth auf dem Lager am Boden, verheddert in ihr schweißnasses Hemd. Neben ihr stand der Hocker, von dem sie gesunken war, als sie sich heftig erbrechen musste. Die zwei Hebammen, die bei ihr saßen, sahen sich besorgt an und blickten dann wieder auf die halb ohnmächtige Frau zu ihren Füßen. Sie hatten nicht selten erlebt, dass Frauen mit dem ungeborenen Kind im Mutterleib den Tod fanden, und sie fürchteten, dass auch Gwyneth of Kineton dieses Schicksal ereilen könnte. Da sie nichts Tröstliches mehr zu sagen wussten, blieben beide stumm, ihrer Hilflosigkeit ergeben.

Welten entfernt, in einem Reich der Schmerzen und des Wahns, hastete Gwyneths Geist durch ihr Leben, verharrte hie und da einen kurzen Augenblick, einer Hausherrin gleich, die noch rasch nach dem Rechten sieht, bevor sie sich auf eine lange Reise begibt.

Ihre erste deutliche Erinnerung: Sie nimmt einen Klöpfel aus der Hand ihres Vaters entgegen und wägt sein Gewicht ab.

»Ob sie dich zum Meister machen, ist ungewiss zu dieser Zeit, Gwyneth. Doch das Handwerk vermag dir Speis und Trank zu verschaffen.«

Dreißig Jahre waren seither ins Land gegangen. Eine lange Zeit, um vom Kind zur Frau heranzuwachsen und nun an einem Kind zu sterben.

Wieder sah sie ihren Vater, an seiner Seite Simon. Simon als junger Mann, bevor er und Gwyneth die Ehe schlossen. Ihr Gatte und ihr Vater, Steinmetz und Zimmermeister, lodernde Kraft und beschauliches Handwerk.

Weitere Jahre zogen unbeachtet vorüber, bevor ihr suchender Geist ihn fand: Henry Ackland. Henry, der unter ihrem Dach gelebt und von Simon das Handwerk erlernt hatte. Henry, der wie ein Sohn für sie gewesen war.

Er hatte ihnen einen Besuch abgestattet und ihnen etwas Wichtiges zu berichten gehabt – was war es nur gleich? Er war fort gewesen – viel zu lange! –, doch als er zurückkehrte, hatte er ihnen Neuigkeiten gebracht. Was hatte er gesprochen? Gwyneths Geist suchte ruhelos, musste die Antwort finden. Hatte er von seiner Liebe zu ihrer Pflegetochter Alysoun berichtet?

Ihr Geist huschte weiter. Alysoun, das Kind, das sie davor bewahrt hatte, wegen ihrer Unfruchtbarkeit zu verbittern. Damit dieses Kind leben durfte, hatte ein Elternteil sterben müssen, und nun forderte ihr eigenes, ungeborenes Kind offenbar dasselbe. Das war in gewisser Weise gerecht.

Alysouns Vater war von einem Dach gestürzt, das Gwyneth entworfen hatte. Und sie hörte nun erneut den kurzen Schrei, den Aufprall des Körpers auf der harten Erde.

Gwyneth hatte stets gesagt, dass sie diese Laute bis zu ihrem eigenen Sterbetag hören würde.

Michael Icknield hatte noch eine Stunde gelebt, hatte sich verzweifelt ans Leben geklammert. Alle legten die Arbeit nieder und kamen an seine Seite. Man wagte es nicht, ihn zu bewegen, weil man seine Qualen nicht verschlimmern wollte. Die Steinmetze fielen auf die Knie und beteten um ein schnelles Ende für Michael oder aber um ein Wunder.

Ein Wunder. Simon hatte es ein Wunder genannt, dass Gwyneth doch noch ein Kind empfangen hatte. Oder war die Schwangerschaft vielleicht eher ein Fluch gewesen? Würde Simon nun Frau und Kind zugleich verlieren? Vielleicht würde er sich erneut verheiraten und den Sohn bekommen, um den er so lange gebetet hatte.

War sie schon unterwegs in die andere Welt, dass sie auf ihr Leben blicken konnte, als sei es bereits vergangen?

Wieso holten die Hebammen nicht den Priester?

Für Michael hatten sie den Priester geholt. Der Mann tat, was in seinen Kräften stand, doch Michaels Gehirn hatte durch den Sturz Schaden genommen: Er konnte weder Beichte noch Buße sprechen. Da war nur noch jener tierartige Wille gewesen, am Leben zu bleiben.

Aus den umstehenden Arbeiterhütten kamen die Frauen, durch die plötzliche Stille aufmerksam geworden. Als sie die stummen Männer und die verkrümmte Gestalt am Boden erblickten, wandten sich einige von ihnen ab und scheuchten die neugierigen Kinder fort zum Spielen.

Gwyneth wusste, dass Icknields Kind nun eine Waise war, und nachdem man den leblosen Steinmetz fortgetragen hatte, ging sie ohne ungebührliche Hast zu den Frauen und sprach mit ihnen.

Und jetzt, so schien es, musste sie dieser Entscheidung und überhaupt allem Rechnung tragen, was sie in ihren neununddreißig Jahren gesagt, gedacht und getan hatte. Doch in Wahrheit bereute sie nur eines: ihre Gier nach einem Kind, denn diese Gier hatte ihr das Mitgefühl geraubt.

Führte Simons dringlicher Wunsch nach einem Sohn nun dieses zweifache Sterben herbei? Hatten die flehentlichen Bitten ihres Gatten, sein inständiges Beten, seine Weigerung, selbst Gottes Nein hinzunehmen, zu Gwyneths Ende geführt?

War der Allmächtige etwa so gnadenlos?

Der verbliebene Rest ihrer Kraft setzte sich gegen diese Ungerechtigkeit zur Wehr. Wenn Gott ihr ein Kind geschenkt hatte, dann wollte er auch, dass sie am Leben blieb.

»Hilf mir, oh Gott!«, stöhnte Gwyneth, bemüht, sich der Ohnmacht zu entwinden.

Die Hebammen, wachgerüttelt durch dieses Anzeichen von Lebenswillen, packten Gwyneth unter den Armen und hievten sie erneut auf den Gebärhocker. Bei diesem rüden Ruck, der sie zwang, sich aufzurichten, entfuhr Gwyneth ein Schrei. Doch als er in ihren Ohren widerhallte, spürte sie auch einen heftigen unbekannten Schmerz, und warme Flüssigkeit strömte aus ihr heraus.

Die ältere Hebamme beachtete Gwyneths Klagen nicht, schob deren Hände beiseite und tastete nach dem Kind. Und Gwyneth vernahm über ihren eigenen Schmerzensschreien, wie die Hebamme ausrief: »Der Kopf ist unten! Der Kopf ist unten!«

Den stechenden Schmerzen zum Trotz hätte Gwyneth beinahe laut aufgelacht vor Erleichterung. Bald würde der Schmerz überstanden sein. Sie würde nicht sterben. Und bald würde sie ihr Kind sehen, im Arm halten, sein zartes kleines Gesicht an ihrem spüren. Bald, bald ...

Simon of Kineton, nichtsahnend, dass eine Geburt nur dann glücklich verlaufen war, wenn nach den verstummten Schmerzensschreien der Frau das Schreien eines Kindes zu vernehmen war, wusste nichts davon, dass seine Frau beinahe mitsamt seinem ungeborenen Kind gestorben wäre. Die Empfängnis hatte seinen Glauben wiederhergestellt. Er war der festen Überzeugung, dass er später an diesem Tag seinen neugeborenen Sohn zur Taufe tragen würde.

Während Gwyneth verzweifelt um Geist und Leben rang, zeichnete ihr Gatte. Die Linien flossen aufs Papier, ausgeführt von sicherer Hand; kühne Linien, die so gar nichts mit den ordentlichen, peinlich genauen Plänen zu tun hatten, die man von ihm, dem Baumeister, erwartete. Während sein Stift schwungvoll übers Papier huschte, überschlugen sich in Simons Kopf die Ideen für dieses bereits halb entworfene Bauwerk. Denn er hatte den Auftrag tatsächlich erhalten: in Salster eine Universität zu errichten. Für Richard Daker, einen der mächtigsten Männer von ganz London.

Gestern erst – gestern, am Tag, als sein Sohn sich anschickte, zur Welt zu kommen! – hatte ihn diese Nachricht endlich erreicht.

Simon war im Begriff, über dem Tor zum Pförtnerhaus das Kreuz und das Horn zu vollenden, das Wappen des Richters vom Oberhofgericht, für den er in London ein hochherrschaftliches Anwesen erbaut hatte. Als Baumeister zog er stets Witterung und Jahreszeit in Betracht und hatte mit den Steinmetzarbeiten abgewartet, bis die Bausaison beendet war.

»Master Kineton.«

Als Simon sich auf dem Weidengerüst umwandte, erahnte er aus dem Tonfall des Mannes, dass man ihn bereits mehrmals angesprochen hatte.

»Verzeiht, Freund«, sagte er. »Ich habe Euch nicht gehört.«

»Nicht der Rede wert, Master. Ich habe hier einen Brief für Euch, von Master Ackland.«

Simon steckte sein Werkzeug in den Gürtel, schritt die steile, schwankende Weidenrampe hinunter und klopfte sich dabei den Steinstaub von den Händen.

Er nahm den Brief entgegen, brach das Siegel und blickte auf Henrys ausladende Handschrift. Der Junge hatte sich den verschwenderischen Umgang mit Tinte und Papier nie abgewöhnt, obwohl er von dem Mönch, der ihn das Schreiben gelehrt hatte, deshalb nicht selten Prügel bezogen hatte.

Von Master Ackland an seinen Meister und Freund Simon von Kineton, mit Gruß und Hochachtung.

Sir,

Master Daker, der indessen sämtliche Pläne für seine Universität geprüft hat, wünscht Euch alsbald in Salster zu sehen. Ich genieße sein Vertrauen und weiß, dass er hocherfreut ist über Eure Pläne. Doch er will Euch nun kennen lernen. Bitte lasst mich wissen, wann Ihr eintreffen könnt.

Dieser Bursche hier, Robin Yewell, ist in geschäftlichen Angelegenheiten für mich unterwegs und wird mir Eure werte Antwort überbringen.

Ich hoffe fürwahr, dass Ihr und die Euren so wohl seid, wie ich es bin.

Geschrieben am Dienstag zwei Wochen vor Ostern.

Henry! Der Bettelknabe, den Simon sein Handwerk gelehrt hatte, schien ihm...



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