E-Book, Deutsch, Band 2, 305 Seiten
Reihe: Love and Arts
Hawkins True Hearts - Ich sehe nur dich
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7363-1174-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 305 Seiten
Reihe: Love and Arts
ISBN: 978-3-7363-1174-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zwei Freunde, ein unerwartete Leidenschaft!
Obwohl er einer von New Yorks erfolgreichsten Unternehmensberatern war und ein Leben voller Luxus, Partys und schöner Frauen hatte, merkt Wyatt, dass all dies die Leere in seinem Inneren nicht ausfüllen kann. Er kehrt zurück in seine kalifornische Heimatstadt, wo er seine Jugendfreundin Melina wiedertrifft. Vom ersten Moment an ist ihre Vertrautheit wieder da. Was Wyatt nicht ahnt: Insgeheim ist die schüchterne Fotografin seit ihrer Jugend in ihn verliebt. Dass Wyatt von ihrem Chef engagiert wurde, das Unternehmen auf Vordermann zu bringen, ist das Letzte, was sie brauchen kann. Denn die Leidenschaft zwischen ihnen lässt sich nicht lange ignorieren. Ihr nachzugeben ist unausweichlich. Sich die tiefen Gefühle einzugestehen, die schon bald zwischen ihnen existieren, erscheint ihnen beiden jedoch unmöglich ...
'Ich bin so wahnsinnig verliebt in diese Geschichte!' BRITTANY'S BOOKS BLOG
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1
Wyatt
Ich steuere den Wagen auf die lange Einfahrt der Buchanans. Die breiten Reifen des Jaguar XJ knirschen über den Schotter. Als ich durch das offene Tor fahre, muss ich schmunzeln, weil das Auto ein bisschen ruckelt – das Schlagloch am Orangenhain gehört genauso fest zu meinen Erinnerungen wie der Zitrusduft, der durchs offene Fenster hereinweht.
Barbecue bei den Buchanans. Diese Worte haben eine magische Anziehungskraft, auf eine nostalgische Art und Weise. Es sind Worte, die ich bereits gehört und ausgesprochen habe, solange ich denken kann. Sie sind so einfach und wecken doch unzählige Erinnerungen. Vier Wörter, mit denen viel Spaß, lustige Geschichten und wunderbare Zeiten verbunden sind. Diese Erinnerungen sind so alt und so gut, dass sie wie weichgezeichnet wirken, die Ränder ein wenig unscharf, mit einem goldenen Schimmer über allem.
Das Haus ist eine Villa im mediterranen Stil und liegt verborgen inmitten gepflegter Obstbäume und aromatisch duftender Büsche. Stucksäulen und diverse Balustraden zieren die Fassade, und irgendwie erinnert mich dieser Ort immer an Shakespeare oder einen Gangsterfilm. Er ist wie geschaffen für Liebesgeschichten und Tragödien und epische Familiensagen.
Das Haus verrät einem viel über die Buchanans – über Bobs und Marshas extremen Reichtum und im Inneren über ihren bescheidenen Geschmack. Ihre Kinder Aiden und Becca könnten nicht unterschiedlicher sein. Aidens alberner, extrovertierter Humor steht in krassem Gegensatz zu Beccas stiller, zurückhaltender Ernsthaftigkeit. Auch wenn wir uns während meiner Jahre in New York ein wenig fremd geworden sind, mag ich beide sehr.
Ich sehe eine gebückte Gestalt in einem Arbeitsoverall, die gerade einen Busch in Form schneidet, und halte an.
»Lionel!«, rufe ich durch das Fenster auf der Fahrerseite.
Der Mann richtet sich auf und zieht sich einen Kopfhörer vom Ohr. Der blecherne Klang klassischer Musik ertönt. Er wischt sich mit dem Unterarm den Schweiß von der Stirn und kommt zum Wagen.
»Master Wyatt! Wie lange ist es her?!«
»Bitte nennen Sie mich nicht Master, Lionel. Ich bin kein Mitglied der königlichen Familie.«
Der alte Gärtner lacht auf, und der unverwechselbare melodische Klang ruft weitere Erinnerungen wach. Er mustert den Jaguar.
»Ah, aber in diesem Wagen könnten Sie es wahrhaftig sein!« Wieder lacht er und wirft einen Blick auf seine Uhr. »Sie sind spät dran. Die anderen sind schon alle hier.«
»Es ist ein langer Weg aus New York«, erwidere ich.
»Aber jetzt bleiben Sie hier«, strahlt er.
»Ich schätze schon.« Ich erwidere sein Lächeln, auch wenn es ein wenig gezwungen ist, wenn ich an all das denke, was ich zurücklasse. »Warum machen Sie nicht eine Pause und trinken oder essen was mit uns?«
»Nein, nein. Hier gibt es noch zu viel zu tun. Und Sie wissen doch, dass ich die Gesellschaft von Bäumen vorziehe.«
Ich lache und strecke meine Hand aus dem Fenster, um seine behandschuhte Rechte zu schütteln, an der noch feuchte Erde klebt.
»Wie Sie wollen«, sage ich. »Aber ich sorge dafür, dass noch genug von den guten Sachen für Sie übrig bleiben.« Ich ziehe die Hand wieder zurück und fahre weiter.
Selbst wenn Lionel es mir nicht gesagt hätte, wäre mir spätestens beim Anblick des Fuhrparks vor dem Haus klar gewesen, dass alle anderen bereits da sind. Die frisierte Corvette meines Vaters – ein Überbleibsel seiner Midlife-Crisis, die er während der Scheidung durchgemacht hat –, das Motorrad meines Bruders Cody, ein schnittiger BMW, der nur Becca gehören kann, und ein hastig geparkter alter Käfer, der nach Winnie schreit.
Ich steige aus dem Wagen, gehe die Steinstufen zur offenen Eingangstür hinauf und betrete das Haus.
»Sieh mal, wer da ist!«, ruft Aiden, als ich den Kopf ins große Wohnzimmer stecke. »Der Teufelskerl aus New York!«
Er kommt mir mit ausgestreckter Hand entgegen, doch Winnie kommt ihm zuvor. »Wyatt!«, ruft sie, während sie sich auf mich stürzt und ihre Arme um mich schlingt.
Winnie Stapleton – Abschlussballkönigin, Cheerleader-Captain und Hauptdarstellerin in den feuchten Träumen Tausender Schuljungen. Ich wette, es gibt da draußen sogar Typen, die sie seit der Highschool nicht mehr gesehen haben und immer noch jeden Tag an sie denken.
Wenn einem zu den Buchanans als Erstes ihr Reichtum einfällt, dann sind die Stapletons zweifellos die »Künstlerfamilie« in unserem kleinen Freundeskreis. Winnies Vater Greg ist Filmrequisiteur und ihre Mutter Sabine eine berühmte Mixed-Media-Künstlerin, die seit ein paar Jahren erfolgreich Kinderbücher illustriert. Winnie selbst ist in der Modebranche, während ihre kleine Schwester Melina … aber dazu später mehr.
»Hey Leute«, sage ich, als Winnie mich freigibt. »Dieses Jahr blaue Strähnchen?«
»Und auch ein paar rote. Die sind noch vom vierten Juli.« Sie dreht sich lächelnd, um mir die bunten Strähnen in ihrem langen, glatten Haar zu präsentieren.
»Wie patriotisch von dir.« Ich kann nicht anders, als sie unauffällig zu mustern. Sie trägt ein enges Sommerkleid, und ich muss meine Erinnerung korrigieren – Winnie ist noch viel schärfer, als ich sie in Erinnerung habe.
»Schön, dich wiederzusehen«, sagt Becca mit einer halben Umarmung und schenkt mir ein seltenes Lächeln. In ihrer Anzughose und der frisch gestärkten weißen Bluse sieht sie genauso aus wie früher.
Aiden klopft mir herzlich auf den Rücken, während mir Mr Stapleton lächelnd die Hand schüttelt.
»Wie schön, dass du zurück bist, Wyatt. Jetzt ist die ganze Bande wieder komplett!«
»Danke.«
Winnie legt eine Hand auf seine Schulter. »Dad wollte uns gerade diese neue Requisite zeigen, die er für Robot Slayer gebaut hat.«
Ich bemerke einen futuristisch aussehenden Gegenstand in seiner Hand. Er sieht aus wie ein seltsam konstruierter Revolver, und als er ihn mit einer kurzen, schnellen Handbewegung nach unten schwingt, verwandelt er sich plötzlich in ein Kurzschwert.
»Beeindruckend«, sage ich mit aufrichtiger Ehrfurcht.
Mr Stapleton zuckt bescheiden mit den Schultern. »Er kommt nur in ein paar Szenen zum Einsatz. Im restlichen Film wird er hauptsächlich computergeneriert.«
»So ein Schwachsinn«, sagt Winnie kopfschüttelnd. »Dein Zeug ist immer so viel besser.«
»Ignorieren wir wirklich alle die Tatsache, dass Wyatt einen Anzug trägt? Für ein Barbecue?«, unterbricht Aiden sie augenzwinkernd, wendet sich mir zu und wischt mir unsichtbaren Staub von der Schulter. »Willst du uns etwa Versicherungen andrehen, während wir Würstchen essen, Wyatt?«
Ich trete einen Schritt zurück und mustere Aiden von Kopf bis Fuß. Er trägt eine zerrissene Jeans und ein verwaschenes T-Shirt von Queens of the Stone Age.
»Tja, eigentlich wollte ich ja ein paar Tage in meinen Klamotten pennen, mich eine Weile im Dreck herumrollen und schließlich durch Stacheldraht klettern – aber ich war besorgt, dass wir dann beide das Gleiche anhaben würden.«
»Ignoriere ihn«, sagt Winnie und stößt Aiden spielerisch in die Rippen. »Du siehst fantastisch aus, Wyatt.« Flirtet sie etwa mit mir? Quatsch, so ist Winnie einfach.
»Ach ja? Wirklich?«, sagt Aiden und steigt nur zu gerne auf ihre Bemerkung ein. »Wie fantastisch findest du ihn denn genau, Winnie? Hast du etwa Sehnsucht nach der guten alten Zeit?«
»Das ist lange her, Aiden …«, knurrt Becca wie ein Wachhund.
»So lange nun auch wieder nicht«, schießt er zurück und wackelt mit den Augenbrauen. »Für mich wirkt es so, als solltet ihr beiden …«
»Das reicht jetzt, Kinder«, warnt Mr Stapleton.
»Was denn?«, erwidert Aiden und sieht sich schulterzuckend um, wie er es immer tut, wenn er ein wenig provozieren will. »Ich sage ja nur … Wyatt und Winnie sitzen in ’nem Baum … autsch!«
Winnie beendet das Lied, indem sie ihm gegen das Schienbein tritt, und wir lachen triumphierend, als sein Grinsen zu einer schmerzverzerrten Grimasse wird.
Mr Stapleton nickt mir zu. »Deine Eltern sind draußen. Sabine hat diesen Rosé mitgebracht, den sie mögen.«
»Okay. Ich bin gleich wieder da«, sage ich und drehe mich um.
Ich verlasse das Wohnzimmer und gehe durch das große Haus. Immer wieder bleibe ich stehen, um die Realität wirken zu lassen. Ich bin zurück. Bei den Buchanans. Es fühlt sich wie mein Zuhause an, auch wenn es das genau betrachtet nicht war. Doch ich habe in meiner Kindheit und Jugend sehr oft Weihnachten und Thanksgiving hier verbracht. Die Fotos davon hängen überall an den Wänden, wie ein Museum meiner Vergangenheit.
Das Feuerwerk am vierten Juli, als ich erst vier war. Die Sommer am Lake Tahoe. Aiden und ich, wie wir die Mädchen mit Wasserpistolen beschießen, während Cody mit dem breiten Grinsen zuschaut. Ein Bild von mir, auf dem ich Winnie auf die Wange küsse. Da müssen wir ungefähr sieben gewesen sein.
Dann ist da noch das Abschlussballfoto. Aiden hat seinen Arm um Danielle gelegt, ein Mädchen aus dem Lacrosse-Team, mit dem er eine Weile zusammen war, bevor sie keine Lust mehr auf seine alberne Art hatte. Und daneben stehen Winnie mit ihrer Tiara im Haar und ich. Es ist nicht das größte Bild an der Wand, aber es hängt in Augenhöhe und ist hübsch gerahmt. Die meisten Fotos bringen mich zum Lächeln, aber das hier kann ich nur kurz ansehen....




