Hayes | Sinnliche Sehnsucht in den Highlands | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 202019, 144 Seiten

Reihe: Julia

Hayes Sinnliche Sehnsucht in den Highlands


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-1248-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 202019, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7337-1248-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie hat Milla ihn nur so schnell verzaubert? Seit die hübsche Künstlerin in einer Hütte auf seinem schottischen Anwesen wohnt, ist etwas mit Cormac geschehen. Seine Schuld am Tod seines besten Freundes fühlt sich leichter an, die Zukunft wirkt lichter, selbst der Regen in den Highlands ist wie eine zärtliche Liebkosung auf seiner Haut! Er hat sich in Milla verliebt! Doch dann erscheint die Witwe seines Freundes unerwartet auf seinem Landsitz, und Cormacs Schuldgefühl ist stärker als je zuvor - stärker als das neue Glück mit Milla?



Ella Hayes lebt zusammen mit ihrem Ehemann und ihren beiden erwachsenen Söhnen in einer ländlich geprägten Region von Schottland. Ihre frühere Arbeit als Kamerafrau fürs Fernsehen und als professionelle Hochzeitsfotografin habe ihr eine Fülle an Material für ihre schriftstellerische Tätigkeit beschert, vor allem im Hinblick auf ihre Liebesromane, so die Autorin. Im Jahr 2018 legte sie ihren Master im Studiengang Kreatives Schreiben an der schottischen Dundee Universität ab - eine anstrengende, aber durchaus lohnende Erfahrung, wie sie meint. In ihrer Freizeit geht Ella gern joggen, hält sich mit Pilates fit oder macht es sich mit einem guten Buch auf dem Sofa gemütlich.
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1. KAPITEL

Milla O’Brien warf einen Blick auf den Straßenatlas, der aufgeschlagen neben ihr auf dem Beifahrersitz lag. Sie hatte bestimmte Landschaftsmerkmale mit Leuchtstift markiert, um ihre Fahrt nach Norden auf der Karte verfolgen zu können. Gerade hatte sie den letzten pinkfarbenen Kringel passiert, eine steinerne Brücke über einen glitzernden Fluss. Jetzt dürften es nur noch circa fünfzehn Meilen bis zu ihrem Ziel, dem Landgut Calcarron, sein.

Die Straße vor ihr führte geradewegs durch eine Schlucht. Wie ein schmales graues Band schlängelte sie sich durch das wilde schottische Bergland.

Diese Wildnis war es, nach der Milla sich sehnte. London barg zu viele schmerzhafte Erinnerungen, dort konnte sie nicht arbeiten. Was sie brauchte, war ein klarer Schnitt. Zwei Wochen im Strathburn Bothy, einer einsam gelegenen Berghütte, würden ihr helfen, sich von ihrem Kummer zu erholen und ihre Mappe fertigzustellen. In sechs Wochen musste sie als frisch gekürte Examensabsolventin ihre Werke ausstellen, und sie hatte einiges aufzuholen.

Die Straße führte jetzt wieder geradeaus, und Milla schaltete einen Gang höher und beschleunigte. Schroffe Felsen, von der Maisonne in goldenes Licht getaucht, Hänge mit Büscheln von gelbem Riedgras, vom Wind zerzaust, zogen an ihr vorbei. Die wilde Schönheit der Natur begeisterte sie – bis sie plötzlich die Kontrolle über das Lenkrad verlor und der Wagen zur Seite ausbrach.

Ein unheilverkündendes Rumpeln am rechten Hinterrad sagte ihr alles, was sie wissen musste. Sie stoppte den Wagen und zog die Handbremse an. Na, wunderbar! Sie hatte einen Platten, und das mitten im Nirgendwo.

Als Tochter eines Kfz-Mechanikers und Schwester von drei Brüdern mit Benzin im Blut war sie nicht ganz unbedarft, was Autoreparaturen anging. Damit kannte sie sich aus, zumindest theoretisch.

Sie zog den Wagenheber und einen Schraubenschlüssel hinter dem Vordersitz hervor, wuchtete das Ersatzrad hinten aus dem Wagen und machte sich ans Werk. Ihr war klar, dass sie erst die Radmuttern an dem defekten Hinterrad lockern musste, bevor sie den Wagen aufbockte, also setzte sie den Schraubenschlüssel an.

Nichts rührte sich.

Sie versuchte es erneut, wieder ohne Erfolg. Mit ihrem ganzen Gewicht stemmte sie sich auf das Werkzeug, doch die Radmutter bewegte sich keinen Millimeter. Die restlichen, die sie der Reihe nach durchprobierte, auch nicht. Die verdammten Dinger ließen sich einfach nicht lösen! Sie würde den Pannendienst anrufen müssen, vorausgesetzt, sie hatte hier oben in der Wildnis überhaupt Empfang.

Gerade zog sie ihr Handy aus dem Fach neben dem Fahrersitz, als sie den Motor eines herannahenden Fahrzeugs hörte. Die Augen mit der Hand gegen die Sonne abgeschirmt, sah sie einen silbergrauen Sportwagen auf sich zurasen. Der Wagen bremste ab und kam auf dem Seitenstreifen zum Stehen.

Jetzt wurde ihr doch etwas mulmig zumute. Sie war eine junge Frau, mutterseelenallein auf einer einsamen Landstraße. Ängstlich schielte sie auf ihr Handy.

Kein Netz.

Die Fahrertür des Sportwagens sprang auf, und Milla blickte direkt in ein Paar haselnussbraune Augen, die sie kritisch fixierten. Der Mann am Steuer lächelte nicht, aber er wirkte auch nicht sonderlich bedrohlich. Eher wie jemand, der eine lästige Pflicht zu erfüllen hatte. Offenbar hatte er nur angehalten, um ihr zu helfen, das jedoch äußerst ungern.

Er glitt aus dem Wagen, kam auf sie zu und sagte nach einem Blick auf ihr Werkzeug und den platten Hinterreifen: „Sieht aus, als wüssten Sie, was zu tun ist. Ich will mich nicht aufdrängen. Ich wollte nur sehen, ob Sie Hilfe brauchen.“

Milla schätzte ihn auf Ende zwanzig, also nur ein paar Jahre älter als sie, aber von jugendlichem Überschwang konnte bei ihm keine Rede sein. Sie fragte sich, ob er nur schlecht gelaunt oder zutiefst deprimiert war.

„Ich weiß, was zu tun ist, aber es funktioniert nicht“, erwiderte sie grimmig. „Die blöden Muttern sitzen so fest, dass man übermenschliche Kräfte braucht, um sie zu lösen, oder wenigstens einen längeren Hebel. Also bitte, wenn es Ihnen nichts ausmacht …“

Sie glaubte, eine Spur von Belustigung in seiner Miene wahrzunehmen, doch ehe sie näher hinsehen konnte, hatte er schon die Ärmel hochgekrempelt und beugte sich über das kaputte Hinterrad. Sie beobachtete ihn, während er mit dem Werkzeug hantierte.

Seine braunen Haare waren kurzgeschoren, seine muskulösen Arme sonnengebräunt. Er sah aus wie ein Outdoor-Typ, stark und handwerklich geschickt. Als er unvermittelt aufsah, fühlte sie sich ertappt.

„Die sitzen wirklich stramm“, stellte er fest.

„Hab ich das nicht gesagt?“ Du meine Güte, was war nur in sie gefahren?

Der Mann wandte alle Kraft auf, um den Schraubenschlüssel zu drehen, und tatsächlich, es bewegte sich etwas. Während er eine Radmutter nach der anderen löste, fragte er, ohne aufzublicken: „Sie sind Irin, oder?“

„Scharf beobachtet.“

Warum war sie nur so kratzbürstig zu ihm? Entwickelte sie jetzt etwa einen Hass auf alle Männer, nur weil einer von ihnen ihr übel mitgespielt hatte? Sie seufzte. Hätte ihr Helfer sich ihr vorgestellt, wie das unter normalen Menschen so üblich war, wäre sie vielleicht entgegenkommender gewesen.

Er griff nach dem Wagenheber. „Soll ich das auch noch übernehmen?“, fragte er sachlich und ohne jede erkennbare Emotion, doch Milla war so nervös, dass sie lieber den Mund hielt und nur zustimmend nickte.

Fachmännisch wechselte er das Rad und verstaute das alte im Kofferraum. Falls er ihre Staffelei und die Leinwände auf dem Rücksitz bemerkte, verzichtete er darauf, sich dazu zu äußern.

„Die nächste Werkstatt ist in Ardoig. Denken Sie daran, den Reifen reparieren zu lassen.“

„Zu Befehl, Sir.“ Sein finsterer Blick veranlasste sie, rasch ein verbindliches Lächeln hinterherzuschicken. „Und vielen Dank für Ihre Hilfe. Was für ein glücklicher Zufall, dass Sie gerade hier vorbeigekommen sind! Mein Handy hat nämlich keinen Empfang. Sie haben mir einen langen Fußmarsch und mindestens drei kaputte Fingernägel erspart.“

„Ja, das war wirklich Zufall.“ Er drückte ihr den Schraubenschlüssel in die Hand. „Ich bin nicht oft in der Gegend.“

Ein kurzes Nicken, dann verschwand er in seinem Wagen und brauste davon.

Cormac Buchanan beobachtete die junge Frau im Rückspiegel, während er davonfuhr. Selbst als sie schon lange aus seinem Blickfeld verschwunden war, sah er noch ihre funkelnden grünen Augen vor sich. Sie hatte sich über ihn lustig gemacht, vermutlich zu Recht. In den fünf Jahren als Kommandant bei den Royal Engineers, einer technischen Spezialeinheit der britischen Armee, hatten seine guten Manieren wohl etwas gelitten. Aber sie hatte sich nicht von ihm einschüchtern lassen, und das gefiel ihm.

So beschwingt wie schon lange nicht mehr steuerte er den Wagen um die nächste Kurve. Mach dir nichts vor, Cormac. Ihre Aufmüpfigkeit war nicht das Einzige, was ihm an der jungen Frau gefiel. Ihm gefiel auch ihr Lächeln, ihre zarte Haut, ihr langes blondes Haar, das sich halb aus der Spange gelöst hatte und ihr ins Gesicht fiel.

Auch ohne die Malutensilien in ihrem Auto gesehen zu haben, hätte er sie für eine Künstlerin gehalten. Ihre eigenwillige Aufmachung – rote Röhrenjeans zu grünen Schnürboots, eine offene Jeansjacke mit einer bunten Fransenweste darunter, die vielen Piercings an ihrem linken Ohr – ließ auf eine kreative Persönlichkeit schließen. Er nahm an, dass ihre Bilder bunt, originell und immer leicht ironisch daherkamen.

Was war nur mit ihm los? Zehn Minuten in Gesellschaft der hübschen irischen Künstlerin, und schon ging seine Fantasie mit ihm durch. Besser, er konzentrierte sich wieder auf die Straße und sah zu, dass er Calcarron erreichte, bevor seine Schwester Rosie den nächsten Panikanfall vor der Hochzeit bekam.

Noch eine Woche bis zu Rosies großem Tag, und sein Postfach quoll über von E-Mails mit einer endlosen Liste von Dingen, die er zu erledigen hatte. Als gelernte Innenarchitektin stellte Rosie hohe Ansprüche an die Gestaltung ihrer Hochzeitsfeier auf dem Familienanwesen. Wenn ihre Gäste schon von weither angereist kamen, so ihr Argument, dann mussten sie auch etwas Besonderes geboten bekommen.

Cormac fand, dass bei einer Hochzeit eher die Trauung selbst im Mittelpunkt stehen sollte, aber wenn seine Schwester sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann legte man sich lieber nicht mit ihr an. Er war für die Außenanlagen zuständig, also für das Festzelt, die Tanzfläche und tausende Meter Lichterkette, die in den Bäumen hängen und die Gartenwege ausleuchten sollten. Darüber hinaus warteten noch diverse andere Jobs auf ihn, die alle, wie Rosie ihm einschmeichelnd versichert hatte, äußerste militärische Präzision verlangten.

Er bremste, als ein Mutterschaf mit zwei Lämmern vor ihm die Fahrbahn überquerte. Das Tier blieb kurz stehen und beäugte ihn mit dem Argwohn einer Mutter, die bereit ist, ihren Nachwuchs mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Dann setzte es seinen Weg gemächlich fort, gefolgt von den beiden Jungschafen auf ihren spindeldürren Beinen. Cormac seufzte. Er würde alles für Rosie tun, aber sich nach Calcarron zu begeben, stellte eine harte Prüfung für ihn dar.

Afghanistan hatte ihn verändert. Der Tod seines Freundes hatte ihn verändert. Er kam einfach nicht darüber hinweg, und wenn er jetzt nach Hause fuhr, holte ihn der Schmerz erst recht wieder ein. Erinnerungen an Duncan waren untrennbar mit...



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