E-Book, Deutsch, Band 1, 290 Seiten
Reihe: The Paradise Brothers
Hayle Charming Rogue
3. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96797-194-1
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 290 Seiten
Reihe: The Paradise Brothers
ISBN: 978-3-96797-194-1
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hayden Cole war der Bad Boy der Stadt und der beste Freund meines Bruders. Als ich etwas mit ihm anfing, war niemand wirklich glücklich darüber. Doch das war mir egal, denn wir liebten uns. Plötzlich verließ er ohne ein Wort die Stadt und brach mir mein Herz. Ich wollte ihn nie, nie wieder sehen. Und jetzt, 10 Jahre, später steht er vor mir. Genauso sexy wie früher. Und er will mich zurück ...
Olivia Hayle ist eine hoffnungslose Romantikerin mit einer großen Vorliebe für Milliardäre. Da sie leider noch keinen in der der Realität getroffen hat, erschafft sie sie kurzerhand selbst - auf dem Papier. Ob sexy, charmant, cool oder verletzlich - bislang hat sie noch keinen (fiktiven) Milliardär getroffen, den sie nicht mochte.
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4
LILY
Gegenwart
»Lily! Komm schon!«
Beim Klang von Turners Stimme rolle ich mit den Augen. »Ich brauche noch ein bisschen, aber vielen Dank.«
»Nein, tust du nicht. Hast du vergessen, dass ich dein Chef bin?«
»Eigentlich ist das dein Vater. Genau genommen ist er unser beider Chef.«
Aus dem gläsernen Büro kommt ein Lachen. »Das war ein Tiefschlag. Als Vergeltung dafür werde ich jetzt auch dein Mittagessen verdrücken.«
»Nein, nein, ich komme!« Ich klappe meinen Laptop zu und eile die drei Meter von meinem Büro zu seinem hinüber. Turner sitzt am Besprechungstisch, auf dem zwei Poke Bowls stehen. Für mich gibt es ein Mineralwasser und für ihn eine Diätlimo.
»Du arbeitest zu hart«, tadelt er mich. »Lass mal Druck ab.«
»Tja, wir haben eben viel zu tun. In fünf Tagen ist Abgabe bei den Andersons.«
»Wir sind fast fertig, Lily. Du hast bei der Raumausstattung hervorragende Arbeit geleistet, ganz zu schweigen von der Gartengestaltung. Die hat die Bauabnahme mit fliegenden Fahnen bestanden.«
Ich nicke und stochere in meinem rohen Lachs herum. Er hat recht. Dennoch, das Anderson-Projekt ist das erste Haus, dessen Entwicklung ich leite, seit ich in Turners Familienunternehmen angefangen habe. Immobilienentwicklung war nie mein Traum, aber ich habe am College genug Architekturseminare belegt, um die Grundlagen zu verstehen – ganz zu schweigen vom Dekor.
Die Mischung aus Verantwortung und Teamwork, die die Immobilienentwicklung mit sich bringt, ist aufregend. Und es macht Dad glücklich. Wieder eins der Marchand-Kinder, das seinen Beruf gewählt hat.
»Danke.« Ich schenke ihm ein Lächeln. »Es ist schon ein Nervenkitzel, oder? Die Baubranche?«
Turner nickt. »Der größte überhaupt. Du kannst jahrelang an einem Projekt arbeiten, dich an jedem Detail abrackern, aber wenn du am Ende durch das fertige Haus gehst …«
»Dann siehst du endlich dein fertiges Meisterwerk«, sage ich und muss an Michelangelo und die Sixtinische Kapelle denken, für deren Bemalung er vier Jahre gebraucht hat. Kunstgeschichte zu studieren, hat sich – wie mein Vater anmerkte – nicht wirklich ausgezahlt, doch es waren einige der besten Jahre meines Lebens.
»Ich werde meinen Vater wissen lassen, dass du seine Bauvorhaben um den Yachthafen herum Meisterwerke genannt hast«, erwidert Turner. »Das wird dich beim Alten noch beliebter machen, als du es ohnehin schon bist.«
Ich lache auf. »Du Schmeichler. Ich weiß doch, dass ich den Job nur wegen dir bekommen habe.«
»Okay, vielleicht habe ich ein gutes Wort für dich eingelegt. Aber vertrau mir, der Vorstand war absolut einverstanden.«
»Danke. Schön zu wissen.«
»Klar.« Er nickt in Richtung des Ingwers in meiner Schüssel. »Machst du da immer noch einen Bogen drum?«
»Jep. Hier.« Ich schiebe ihm die Schüssel hinüber, und Turner pickt sich die Ingwerstücke umsichtig mit zwei Stäbchen heraus. Wenn jemand mir als Teenager gesagt hätte, dass ich eines Tages eng mit Turner Harris, der ultimativen Schulsportskanone und dem arschigen Freund meiner Brüder, zusammenarbeiten würde, hätte ich ihm ins Gesicht gelacht. Aber die Dinge ändern sich wohl. Einst hatte ich mir eine Zukunft erträumt, in der ich Mrs. Hayden Cole wäre und meine eigene Kunstgalerie haben würde.
»Also …« Turner konzentriert sich auf das Öffnen eines Päckchens Sojasoße. »Ich fahre morgen Abend mit Catalina raus. Sie muss mal ein bisschen ihre Segel blähen.«
»Der Wind sollte gut sein. Du und Parker?«
»Tatsächlich habe ich ihn noch nicht gefragt. Ich dachte, du würdest vielleicht gern mitkommen …«
»Ich?«
»Ja.« Er grinst. »Du bist zwar eine Weile nicht gesegelt, aber ich bin sicher, du weißt noch, wie es geht. Ihr seid doch früher ständig auf dem Wasser gewesen.«
Das sind wir, allerdings bin ich mir bei den Knoten immer noch unsicher. Und auch bei meinem Bein …
Es ist nach dem Unfall großartig verheilt, und eigentlich tut es auch nicht mehr weh, nur manchmal spielt es noch immer nicht richtig mit. Ein ganz leichtes Hinken ist geblieben, und hin und wieder blockiert es einfach. Wenn wir in einen Fallwind geraten, besteht die Möglichkeit, dass ich mein Gewicht nicht abstützen kann.
»Das stimmt«, antworte ich. »Danke, aber ich glaube, ich bleibe morgen lieber an Land. Bevor ich wieder Skipper spielen kann, brauche ich wohl erst mal einen Auffrischungskurs.«
»Besser ist das«, frotzelt er. »Ich will doch nicht, dass du auf Catalinas glänzendem neuen Deck seekrank wirst.«
»Igitt, Turner.« Ich schüttele den Kopf. »Ich bin keine völlige Anfängerin.«
»Nein, natürlich nicht.« Er lächelt mich an, und sein Lächeln wirkt irgendwie bedeutungsvoller als sonst. »Gehst du am Wochenende zu der Maze-Party?«
»Ja. Tatsächlich geht die ganze Familie hin. Von euch kommen sicher auch alle, oder?«
Er nickt. »Ja, meine Eltern werden da sein. Aber ich dachte … Wie wäre es, wenn wir zusammen hingehen?«
Ich bin kurz verwirrt. Die Maze-Party ist die größte Veranstaltung des Sommers in Paradise Shores, eine Gartenparty, die immer in der Grünanlage beim Strand stattfindet, mit vielen vertrauten Gesichtern und Cocktails im Überfluss. Es gibt einen kleinen Irrgarten, Maze, der extra für die Kinder aufgebaut wird und der der Party ihren Namen verleiht. Es ist praktisch eine Institution. Über die Jahre sind Turner und ich oft zur selben Zeit dort gewesen.
Aber jetzt will er, dass wir …
»Zusammen hingehen?«, frage ich geistlos. »Wie ein Date?«
Er legt den Kopf schief und errötet leicht. »Ja, wenn du willst. Oder als gute Freunde und Kollegen. Ich verbringe gern Zeit mit dir.«
Mein erster Impuls ist, ihm abzusagen. Es ist aus hundert verschiedenen Gründen eine schlechte Idee. Zuerst einmal habe ich mich noch nie zu ihm hingezogen gefühlt. Dann ist er der Freund meines Bruders. Und auf der Highschool war er irgendwie ein Arsch.
Und dann ist da noch diese kleine, vertraute und nervige Stimme in meinem Kopf, die mir zuflüstert, dass er nicht Hayden ist. Jedes Mal, wenn ich glaube, dass ich so weit bin, nach vorn zu sehen, kann ich sie hören.
Ich bringe sie zum Verstummen. »Sehr gern.«
Man glaubt, man würde einen Schmerz, Betrug oder Verlust nicht verwinden, aber man tut es. Jeden Morgen steht man auf, und wieder scheint die Sonne. In der Ferne brechen die Wellen immer noch ans Ufer, und deine Mom macht dir immer noch Buttermilchpfannkuchen. Die Welt dreht sich weiter. Und man merkt, wie man selbst auch weitermacht.
Als Hayden weg war, habe ich das Angebot, nach Yale zu gehen, angenommen, und es war alles, was ich wollte. Dort gab es Kunst- und Designseminare, interessante Studentenorganisationen, die Nähe zur Stadt und eine lebhafte Studentenvertretung. Es war nahe genug an New York und damit auch nahe bei Rhys. Ich verbrachte ein Semester in Paris, um an der Sorbonne Kunst zu studieren und mein Französisch zu verbessern.
Aber dort gab es nicht das Seafood, das ich so liebte, nicht den Strand und das Meer. Und es gab dort keinen Hayden.
Nicht dass er dort gewesen wäre, selbst wenn er gekonnt hätte. Das hatte er ganz deutlich gemacht. Seit Jahren hat niemand mehr etwas von ihm gehört. In Paradise Shores taucht er nicht auf, und in den sozialen Medien ist er auch nicht aktiv. Als ob er das jemals gewesen wäre.
Ihm in dem ersten Monat damals Nachrichten zu schicken, war gelinde gesagt demütigend. Ich schickte ihm eine nach der anderen, ohne eine Antwort zu bekommen. Bis er mir eines Tages zehn ganze Wörter zurückschrieb.
Ich gehe für eine Weile fort. Pass auf dich...




