E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Sons
Hazel Sons of Silence - Chapter 1
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69157-015-1
Verlag: Sternfeder Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Biker-Romance mit Bad-Boy-Vibes
E-Book, Deutsch, Band 1, 400 Seiten
Reihe: Sons
ISBN: 978-3-69157-015-1
Verlag: Sternfeder Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mit dem Brautkleid auf der Harley? Für Lilli Hazel kein Problem! Lilli Hazel ist ein Pseudonym, unter dem 'Sons of Silence-Chapter 1' die erste Veröffentlichung ist. Mit ihrem Hund und ihrer Familie lebt sie in einem kleinen Dorf im Emsland und nutzt jede freie Minute zum Schreiben und Lesen. Am liebsten schreibt Lilli spannende Liebesgeschichten, mit einer Portion Spice, Wortwitz und Protagonisten, die unter die Haut gehen.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Emma
Gut dreieinhalb Stunden Fahrt zu einer unmenschlichen Uhrzeit liegen hinter mir, als der Zug in den Bahnhof von Southlands einfährt. Sobald sich die Wagontüren öffnen, fliehe ich, mit meinem Gepäck in der Hand, aus dem lauten stickigen Abteil.
Neben mir saßen zwei junge Frauen, vielleicht gerade volljährig, auf dem Weg in ein Mädelswochenende. Die Sektkorken knallten schon um 7 Uhr morgens und ihr Gequatsche und Gekicher hallt wie ein dröhnendes Echo bis jetzt in meinen Ohren nach.
Die große Wanduhr am Gleis zeigt 9:25 Uhr an und die Luft auf dem Bahnsteig ist schwül.
Sofort bereue ich es, mich gegen die kurzen Shorts und für die lange Jeans entschieden zu haben.
Meine Füße bräuchten auch dringend etwas Luft. Gerne würde ich meine weißen Chucks ausziehen und barfuß über den Bahnsteig laufen. Mein Blick bleibt angeekelt auf einem festgetretenen Kaugummi am Boden hängen. Okay, vielleicht nehme ich doch lieber weiterhin qualmende Füße in Kauf.
Verschwitzt streiche ich mir das hellblonde Haar aus der Stirn und schaue mich suchend nach einem Mitglied aus dem Motorradclub meines Vaters um. Die Erwartung meinen Vater höchstpersönlich am Bahnsteig vorzufinden, um seine Tochter zu begrüßen, ist so gering, dass ich allein bei dem Gedanken daran innerlich auflache. Vermutlich wird er Chris und Willy geschickt haben. Die beiden glatzköpfigen Brüder sind Full Member aus dem Club meines Vaters und stets zur Stelle, wenn er sie ruft.
Willkommen im Club.
Willkommen in der Hölle.
Seufzend lasse ich meine verspannten Schultern kreisen.
Die Entscheidung, die Großstadt und meine Mutter für die nächsten Jahre hinter mir zu lassen und stattdessen nach Southlands zu meinem Vater zu ziehen, war nicht einfach. Auf eine verdrehte Art und Weise liebe ich die karge Wüstenlandschaft mit seinen orangenen rauen Felsen und den vielen Kakteen am Straßenrand zwar, aber der Gedanke drei Stunden entfernt von meiner Mum zu leben, bereitet mir Bauchschmerzen.
Doch man nimmt, was man kriegen kann.
Und in dem Fall sind es Southlands, mein Vater und ein Studium in Kunstgeschichte und Lyrik.
Weiterhin halte ich Ausschau nach den Männern, die den Befehl bekommen haben, die Tochter des Presidents vom Bahnsteig abzuholen und drehe mich einmal um die eigene Achse.
Denn das bin ich.
Emma, Tochter des Presidents der Eagle Eyes. Ein Motorradclub, der eher für seine Schandtaten als für soziale Projekte bekannt ist.
Unwillkürlich wandern meine Gedanken zum gestrigen Telefonat mit meinem Vater, während ich weiterhin wie bestellt und nicht abgeholt auf dem Bahnsteig stehe.
Das alte Kinderzimmer, im Haus meiner Mutter wirkte viel zu klein und beengt. Es wird Zeit endlich ein eigenes Leben zu führen. Unruhig ging ich auf und ab. Den Blick immer wieder auf mein Gepäck gerichtet, bevor er erneut aus dem Fenster huschte. Zig Mülltonnen, die am Straßenrand aufgereiht waren. Menschen die sich wie bunte Punkte auf dem Gehweg tummelten. Es war schon immer eine Hassliebe, die Großstadt und ich. Mit dem Fuß stieß ich gegen meinen gepackten Koffer, den ich in den letzten fünf Stunden dreimal ein- und wieder ausgeräumt hatte. War es wirklich die richtige Entscheidung nach Southlands zu ziehen und meinen Vater auszunutzen, damit mir der Traum vom Studium erfüllt wird? Denn das tat ich. Ich nutzte meinen Vater gnadenlos aus, um mir mein Studium finanzieren zu lassen, weil ich wusste, dass meine Mutter es sich nicht leisten konnte.
Mein Handy auf dem Bett fing an zu vibrieren.
Wenn man vom Teufel sprach.
„Hey Dad.“
„Hallo Emma. Ich wollte dir nur mitteilen, dass ich es morgen nicht schaffen werde, dich vom Bahnhof abzuholen.“
Das war nichts Neues für mich.
„Alles klar, kein Problem“, gab ich kleinlaut von mir. „Bekomme ich wenigstens ein selbstgebasteltes Willkommensschild?“, versuchte ich die Stimmung scherzhaft etwas aufzulockern.
„Emma, ich bin gerade wirklich sehr beschäftigt. Es gibt viel zu tun und ich muss schauen, wer sich morgen Zeit freischaufeln kann, um dich abzuholen.“ Das war die typisch unpräzise Wortwahl meines Vaters. Zurückhaltend und zeitgleich ein wenig abweisend. Auf meinen kleinen Scherz ging er gar nicht erst ein.
Zum Glück sah er durchs Handy nicht, wie ich die Augen über seine Bemerkung verdrehte und ernsthaft überlegte meinen Koffer direkt wieder auszupacken.
„Okay. Wir sehen uns dann morgen.“ Resigniert gab ich mich mit den Informationen zufrieden, die ich von meinem Vater bekam. Wieder einmal.
„War das Daniel am Telefon?“ Meine Mum stand im Türrahmen meines Zimmers und sah mich fragend an. Ihre blonden Haare trug sie schulterlang, was ihr Gesicht betonte. Die Nase war schmal und gerade, wie meine eigene. Nur Mums Augen waren strahlend blau, während meine hellbraun mit grünen Sprenkeln darin waren.
„Ja, ein paar letzte Sachen klären für morgen“, antwortete ich ihr. Dass durch das Telefonat rein gar nichts geklärt wurde und ich stattdessen überlegte, meine Pläne nach Southlands zu ziehen wieder verwerfen wollte, verschwieg ich ihr. Sie würde es eh nicht verstehen und ihn in Schutz nehmen. So wie sie es immer tat.
Ich schaute meiner Mum nach, wie sie wieder im Flur verschwand und in dem Moment fehlte sie mir jetzt schon. Sie war das einzige Zuhause, was ich jemals hatte.
Ziemlich verloren stehe ich auf dem mittlerweile leeren Bahnsteig. Wut spült sich durch meine Nervenbahnen und trübt damit den letzten Funken Vorfreude auf die Zeit in Southlands. Irgendjemand muss doch an diesem verdammten Bahnhof auf mich warten. Die Rollen meines schweren Koffers sind nervig laut auf dem kaputten Asphalt, als ich beschließe mich alleine auf den Weg zum Ausgang des Gebäudes zu machen.
Mehrere Schaufenster der vielen kleinen Ladengeschäfte im Inneren des Bahnhofs sind nachlässig mit altem Zeitungspapier zugeklebt und die wenigen Geschäfte, die geöffnet haben, sehen eher nach zwielichtigen Spelunken aus.
Jedes Jahr, wenn ich in den Sommerferien herkam, war es ein Geschäft mehr in diesem Bahnhof, welches seine Türen geschlossen hatte. Ziemlich repräsentativ für die wiederkehrenden, deprimierenden Sommerferien hier, in denen ich vor allem am Anfang, die meiste Zeit mit dem Kindermädchen verbracht habe.
Meine romantisierten Träume von wundervollen Wochen bei meinem Papa, warmen Sommernächten auf dem Clubgelände, wo unter dem klaren Sternenhimmel Lagerfeuer gemacht wurden, während Marshmallows am Stock vor sich hin brutzelten und heiße Kerle in Lederjacken selbstgeschriebene Songs auf alten Gitarren klimperten, sind nie Realität geworden. Leider.
Dann wandern meine Gedanken zu Zoe, der Tochter von Craig, dem Vizepresident der Eagle Eyes. Zu dem Mädchen, das von Anfang an mit ihrer unbändigen Art mein Herz erwärmt und dafür gesorgt hat, mich in Southlands willkommen zu fühlen.
Auch jetzt füllt sich das schlagende Etwas in meiner Brust wieder mit Vorfreude bei dem Gedanken an kitschige Mädelsabende und durchzechte Partynächte. Schon früher habe ich Zoe dafür bewundert, dass sie auf jede Meinung scheißt und das nicht nur, weil sie sich ihre dunklen Haare an den Spitzen pink färbt.
Kurze Erinnerungsblitze schießen durch meinen Kopf. Diese Stadt bringt viele unterdrückte Gefühle zurück an die Oberfläche. Viele gute, aber auch viele schmerzhafte. Meine Gedanken wandern zu Tyler und ich kann nicht einordnen, zu welchen ich ihn zähle. Er war der damalige Hangaround meines Vaters, sah verdammt gut aus und hat mir jede Ferien schöne Augen gemacht. Oder ich ihm, wie man es nimmt. Fünf Jahre ist es her, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Und geküsst, fügt eine fiese Stimme in meinem Kopf hinzu.
Es war kurz nach Mitternacht, als ich das vertraute Klirren hörte, das der Stein verursachte, den Tyler an mein Fenster warf.
Im Vorbeigehen schnappte ich mir meine Jeansjacke vom Schreibtischstuhl und öffnete leise das Fenster, um mich hindurch zu quetschen.
Von da aus konnte ich leicht auf die Flachdachgarage springen und danach hinunter auf die Auffahrt, auf der Tyler schon auf mich wartete.
„Hey Emma“, flüsterte Besagter leise an mein Ohr und nahm meine Hand, um mich vom Grundstück meines Vaters wegzuführen. Viel zu groß war die Gefahr hier erwischt zu werden.
Keine 200 Meter entfernt stand eine große Villa, die gerade mitten im Bau war.
Betreten der Baustelle verboten
Wir ignorierten das Schild gekonnt, wie auch schon die letzten drei Abende zuvor und gingen die Treppe hoch, Richtung Schlafzimmer und von dort aus auf die Dachterrasse.
Bevor ich mich überhaupt setzen konnte, zog Tyler mich in seine Arme und ich nahm den mittlerweile liebgewonnen Duft von Motoröl wahr, den er versuchte mit viel zu viel Parfum zu übertünchen. Unsere Lippen fanden relativ schnell zueinander und aus den anfangs eher vorsichtigen Küssen wurde eine wilde...




