E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Sons
Hazel / Sternfederverlag Sons of Silence - Chapter 2
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-910956-83-4
Verlag: Sternfeder Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Biker-Romance mit Bad-Boy-Vibes
E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Sons
ISBN: 978-3-910956-83-4
Verlag: Sternfeder Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mit dem Brautkleid auf der Harley? Für Lilli Hazel kein Problem! Lilli Hazel ist ein Pseudonym, unter dem 'Sons of Silence-Chapter 1' die erste Veröffentlichung ist. Mit ihrem Hund und ihrer Familie lebt sie in einem kleinen Dorf im Emsland und nutzt jede freie Minute zum Schreiben und Lesen. Am liebsten schreibt Lilli spannende Liebesgeschichten, mit einer Portion Spice, Wortwitz und Protagonisten, die unter die Haut gehen.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Adrian
Zwei Tage sind vergangen, seit Connor mich aus dem Versteck geholt hat. Ohne Motorrad blieb mir nichts anderes übrig, als ihn zu kontaktieren.
Zwei Tage voller leerer Hoffnung, alles sei nur ein Missverständnis. Dass es irgendeine logische Erklärung für Emmas plötzliches Verschwinden gäbe. Doch die einzige Erklärung, zu der ich immer wieder zurückkehre, ist:
VERRAT!
Wie naiv ich war. Viel zu leicht habe ich mich blenden lassen. Nach allem, was Big D. meiner Schwester angetan hat, glaubte ich ernsthaft, seine Tochter sei anders? Kein verlogenes Stück Dreck, kein hinterhältiger Abklatsch seines widerlichen Wesens.
Memo an mich selbst: Sie ist all das und noch viel schlimmer.
Auch jetzt, mitten in der Nacht, wälze ich mich unruhig auf meiner Matratze und kann nicht fassen, was passiert ist. Der Duft ihres Haarshampoos hängt wie ein Fluch in den Laken meines Bettes. Erdbeerig. Süß. Verräterisch. Und gleichzeitig schmerzhaft vertraut. Er dringt in meine Nase und schneidet durch mein Herz, als wäre sie noch hier und nicht beim Feind.
Wütend stehe ich auf und reiße das Bettzeug herunter. Ich ertrage diesen verdammten Geruch keine Sekunde länger. Er erinnert mich an die Nächte, in denen sie neben mir lag. Mich mit ihren grüngesprenkelten Augen angesehen hat – bis in die tiefsten Ecken meiner Seele. Damals begann meine Mauer zu bröckeln, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.
Voller aufgestauter Wut stopfe ich die Bettwäsche in den Wäschekorb im Bad und werfe einen Blick in den Spiegel.
Was hat sie mit dir gemacht, A.D.?
Mit fahrigen Bewegungen wische ich mir über die Augen. Ich liebe sie - so sehr. Ihr eigentlicher Verrat schmerzt, doch ihr Fehlen geht tiefer, zerreißt mich innerlich. Und das ist das Erbärmlichste daran. Würde sie jetzt zurückkommen, ohne ein Wort, ohne eine Erklärung, sollte ich sie hassen. Müsste ich sie hassen. Aber ich wüsste, wie es endet. Ich würde auf die Knie fallen und sie anflehen, mir das nicht erneut anzutun. Würde sie in meine Arme ziehen, sie küssen und für immer festhalten.
Widerlich, Adrian. Schwach.
Der Gedanke, es könnte nie wieder so sein, wie es mal war, zerreißt mich innerlich.
Mein bereits vernarbtes Herz erleidet eine weitere Wunde und es gibt nur ein Heilmittel: Emma.
Ich putze mir die Zähne, ignoriere meine geröteten Augen und spucke die Zahnpasta ins Waschbecken. Danach mache ich mich daran, mein Bett neu zu beziehen – mechanisch, wie in Trance. Mein Körper ist müde. So unendlich müde. Deshalb versuche ich, mich von dem Gefühl der Erschöpfung überrollen zu lassen, damit mir ein paar Stunden Schlaf geschenkt werden. Diesmal mit Erfolg.
Ein Klopfen reißt mich aus der Dunkelheit.
„A.D., bist du soweit?“ Thunders Stimme klingt gedämpft, aber eindringlich. Verwirrt schaue ich auf mein Handy. 9:05 Uhr.
Verdammt.
Heute ist die Beerdigung unserer Member. Ich setze mich auf und versuche, den brennenden Kopfschmerz zu ignorieren.
„Ich bin in fünf Minuten unten“, rufe ich zurück.
Schnell werfe ich mir schwarze Jeans und ein Shirt über, wasche mein Gesicht und zwinge mich zur Konzentration. Ich bin ihr President. Sie verlassen sich auf mich.
Es werden sechs Minuten. Unten warten Connor, Sammy J., Thunder und Therese, Sharky und Kim. Ihre Gesichter spiegeln, was ich selbst versuche zu verbergen: Schmerz. Enttäuschung. Zorn. Die Lederjacke auf meinen Schultern lastet heute schwerer als sonst. Sie trägt Verantwortung. Verlust. Und den Beweis, dass sie – Emma – nicht mehr meine First Lady ist. Mein Herz spürt einen weiteren fiesen Stich.
Während sie sich nachts in aller Heimlichkeit auf den Weg zu den Eagles davongeschlichen hat, hing die Jacke wie ein Zeichen der Erniedrigung über der Rückenlehne des klapprigen Holzstuhls in der Hütte am See. Dieses Bild des Hohns hat sich unwiderruflich in mein Gedächtnis eingebrannt.
„Können wir, Jungs?“ Meine Stimme ist tonlos, die Miene eine harte, undurchdringliche Maske ohne jegliches Gefühl. Denn Gefühle bedeuten Schwäche, und in meiner Position – als President – kann und darf ich sie mir nicht erlauben. So war es schon immer und wird es auch in Zukunft sein.
Ich straffe meine Schultern und zwinge mich, Haltung zu bewahren. Die anderen nicken stumm und wir treten geschlossen nach draußen. Jeder zu seinem eigenen Motorrad, das aufgereiht auf der Auffahrt unseres Clubhauses steht. Eins nach dem anderen, wie auf der Verkaufsfläche eines Harley-Shops. Ich laufe auf das alte Panhead-Modell zu. Die Chopper meines Vaters glänzt in der erbarmungslosen Mittagssonne. Nach seinem Tod habe ich sie wieder funktionstüchtig gemacht. Sie ist mehr als ein Bike – sie ist ein Vermächtnis. Das Motorgehäuse sowie die Zylinderköpfe landeten auf dem Schweißtisch und eine gebrochene Lichtmaschinenhalterung musste neu aufgeschweißt und nachbearbeitet werden. Zu guter Letzt habe ich den Tank und den Fender mit einem Old-School-Paintjob versehen und fertig war die neue alte Harley meines Vaters, als wäre ihre Bestimmung nie eine andere gewesen. Und heute fährt sie mich zur letzten Ehrung, die ich für meine acht Männer antrete. Mein Vater wäre verdammt stolz auf mich und auf seine Maschine, wenn er sie in diesem Zustand sehen könnte. Schon als kleiner Junge brachte er mir bei, wie man einen Ölwechsel durchführt, Zündkerzen austauscht oder Glühbirnen wechselt.
Ich denke an meine eigene Harley. Mattschwarz. Irgendwo bei den Eagles. Bei Emma. Jahrelang habe ich geglaubt, der Club würde mir meinen Seelenfrieden bringen.
Dann kam sie – und bewies mir, dass es mehr gibt im Leben als Rache.
Oder besser gesagt gab.
Konzentrier dich, Adrian. Es geht jetzt nicht um dich. Nicht um Emma. Einzig und allein um deine Member, die für dich in den Tod gegangen sind.
Das Atmen fällt mir schwer und ich bin froh über den offenen Chopperhelm auf meinem Kopf, ansonsten wäre ich wahrscheinlich erstickt.
Vielleicht hättest du es nicht anders verdient.
Ich muss der gemeinen Stimme in meinem Kopf recht geben.
Mein „ach so“ idiotensicherer Plan, die Tochter von Big D., dem President der Eagle Eyes, zu entführen und gegen ihn zu verwenden, ist komplett nach hinten losgegangen. Emma hat von Anfang an nicht die Gefühle in mir hervorgerufen, die ich für ein Druckmittel hätte fühlen müssen, um diesen Plan erbarmungslos durchzuziehen. Immer wieder habe ich mir geschworen, meine Schwester zu rächen. Im Endeffekt stehe ich nun ohne irgendeine Form von Rache da, habe kein Motorrad mehr, acht Männer meines Clubs verloren und ein gebrochenes Herz.
Ein verdammtes, gebrochenes Herz, von dem ich dachte, es wäre aus Stein. Innerlich lache ich auf und muss zugeben, dass ich noch sehr viel zu lernen habe. Zuallererst: Ein Stein kann kaputt gehen.
Beim nächsten Mal sollte ich lieber auf Chrom setzen, denke ich mit einem Seitenblick auf das polierte Material an der Harley.
Die Fahrt zu der kleinen Kapelle in Queensville dauert knapp 45 Minuten.
Ich versuche, den Gedanken an mein Elternhaus zu verdrängen, das nicht weit entfernt liegt. Vielleicht schaffe ich es danach, kurz bei meiner Mum vorbeizuschauen. Als wir ankommen, parken wir unsere Maschinen wie ein Spalier vor der doppelflügeligen Eingangstür der Kapelle. Über fünfzig Motorräder. Fünfzig Brüder. Fünfzig Geschichten. Die Angehörigen der Toten stehen in Gruppen beisammen, wie schwarze Punkte auf staubigem Sand. Die Stimmung ist erdrückend.
Der Bestatter tritt an mich heran. Ein hagerer Mann um die fünfzig mit eingefallenem Gesicht und spitzem Kinn. Selbst sein Gang wirkt träge und schwer. Vielleicht ist es seine berufliche Pflicht, in dieser Art und Weise zu laufen, um Respekt zu zeigen. Mich macht es wahnsinnig. Er steht vor mir und nickt mir zu. Wahrscheinlich ist er unsicher, wie er sich verhalten soll. Eingeschüchtert von den Massen an Motorrädern und Männern in Lederjacken.
„Können wir starten?“, frage ich ihn.
„Ja, Sir.“
Ich nicke und gebe meinen Männern das Zeichen, mir zu folgen. In Vierergruppen stellen wir uns auf und tragen alle acht Särge in Kolonne durch den schmalen Gang der kleinen Kapelle. Danach ziehen wir uns zurück. Der Raum reicht nicht für uns alle, und dieser Moment gehört den Familien. Draußen vergeht die Zeit in lautem Schweigen. Sammy J. spielt nervös an der Kette seines Schlüsselanhängers. Das metallene Klirren nervt, doch ich sage nichts. Er ist neu im Inner Circle, und es ist seine erste Beerdigung. Ich kenne ihn seit Jahren, allerdings durfte er erst nach seinem Schulabschluss offiziell dabei sein. Trotzdem war er immer da. Loyal, entschlossen und mit einem unerbittlichen Vertrauen in mich. Jetzt gehört er dazu und darf sich als Prospect unter Beweis stellen. Für mich ist diese Beisetzung leider nicht die erste Beerdigung. Aber eine der schlimmsten. Weil ich es hätte verhindern können.
Ich war blind.
Blind vor Rache, blind vor… Liebe? Das schlechte Gewissen und die Schuldgefühle nagen schmerzhaft an mir.
Ohne mich hätten diese Familien nicht ihre Ehemänner, ihre Väter, ihre Söhne verloren. Und jetzt stehen wir hier, mit acht Gräbern und einer Schuld, die mich auffrisst.
Thunder und Sharky sitzen im Schatten des kleinen Gebäudes auf dem sandigen Boden, die Köpfe nach unten gerichtet. Dann klingeln die Glocken ein zweites Mal und es ist an der Zeit, unsere Männer auf dem letzten Weg zu ihrer Ruhestätte zu begleiten. Ich öffne die Türen und wir laufen an den Sitzreihen der Familienangehörigen vorbei. Ganz vorne...




