Hearne | Oberons blutige Fälle | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 223 Seiten

Hearne Oberons blutige Fälle

Der Hund des Eisernen Druiden
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-608-11108-8
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Hund des Eisernen Druiden

E-Book, Deutsch, 223 Seiten

ISBN: 978-3-608-11108-8
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Oberon, der irische Wolfshund des Druiden Atticus, steht in diesem Band ganz im Mittelpunkt. Zwei Kriminalfälle fordern seinen Mut und seine Kombinationsgabe, die der eines Sherlock Holmes nicht nachsteht. Ein Muss für alle Hundeliebhaber und Fans der Reihe »Die Chronik des Eisernen Druiden«. Oberon wittert sofort ein niederträchtiges Verbrechen, als er von dem Verschwinden eines preisgekrönten Pudels in Oregon hört. Hat sich doch ein ähnlicher Fall erst kürzlich im Bundesstaat Washington ereignet. Die Polizei kümmert sich nicht weiter um die Angelegenheit, aber Oberon hilft der Gerechtigkeit nach. Wenig später fällt ihm auf einer Fahrt nach Portland, die er zusammen mit der Wolfshündin Orlaith und dem Boston Terrier Starbuck unternimmt, ein zweiter Fall vor die Pfoten. Auf dem Bahnsteig finden sie eine Leiche. Die Sache wird noch unheimlicher als das Hundetrio entdeckt, dass der Tote Atticus zum Verwechseln ähnlich sieht.

Kevin Hearne, geboren 1970, lebt in Arizona und unterrichtet Englisch an der High School. »Die Chronik des Eisernen Druiden« machte ihn unter Fantasyleserinnen und -lesern mit einem Schlag weit über die USA hinaus bekannt.
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1

Der Boxer


Menschen nehmen die natürliche Freundlichkeit von Möpsen gar nicht wahr. Sie sehen nur das Knautschgesicht, die panisch hervorquellenden Augen und die Tendenz zum Ausflippen, wenn man ihnen die Zehennägel schneidet, aber sie begreifen nicht, warum Möpse so gut mit anderen Hunden auskommen. Tja, es ist einfach die Art, wie sich der Schwanz nach oben und weg vom Körper kringelt – man fühlt sich förmlich zum Beschnuppern eingeladen, wenn man sie kennenlernt. Der erste Eindruck ist eben entscheidend. Und es gibt nichts Entgegenkommenderes als einen einfachen Zugang von der Rückseite.

In Acht sollte man sich dagegen vor Hunden nehmen, die nicht wollen, dass man ihr Hinterteil beschnuppert. Das bedeutet nämlich, dass sie etwas zu verbergen haben. Das sage ich, weil man durch einen ordentlichen Hauch vom Allerwertesten schlicht alles erfährt, was man über einen Hund wissen muss. Das habe ich Atticus schon fünf Billionen oder Millionen oder Hundert Mal erklärt. Keine Ahnung, welche Zahl richtig ist, jedenfalls ist es ein Haufen. Doch selbst wenn er diese Druidensache macht und sich in einen Hund verwandelt, weigert er sich hartnäckig, die reichhaltigen Informationen am Hinterausgang eines Artgenossen einzuatmen, und das finde ich ziemlich daneben. Schließlich hat er in dieser Gestalt die gleichen Filter in der Nase wie ich, die verhindern, dass einem von dem Gestank schlecht wird. Dank dieser Filter erkennen wir vielmehr das Besondere an Gerüchen, egal ob es ein Hydrant ist, ein Baum oder das lockig verlockende Gesäß einer französischen Pudeldame. Wahrscheinlich wird er seine menschlichen Vorurteile in dieser Frage nie völlig ablegen.

Aber ich darf nicht zu hart mit ihm ins Gericht gehen. Er gibt mir Wurst und Leckerlis, und er krault mir den Bauch. Außerdem habe auch ich meine Vorurteile. Wenn ich da bloß an Katzen denke. Oder an Chihuahuas, die meiner Meinung nach der klare Beweis für die Existenz von Aliens auf der Erde sind. Und dann erst ein Hund, der mir gegenübertritt und nicht zulässt, dass ich seine Kehrseite begutachte! Das ist zwielichtiger als ein Mitternachtsspaziergang auf dem Friedhof.

Genau auf so einen zwielichtigen Zeitgenossen stieß ich im Alton Baker Dog Park in Eugene, Oregon. Wir wohnen inzwischen im Willamette National Forest in der Nähe des McKenzie River, und Atticus nimmt mich hin und wieder mit in die Stadt, damit ich außer Orlaith noch anderen Hunden begegne und damit er sich Sachen wie schlechten Kaffee und noch schlechtere Donuts gönnen kann – er nennt sie Zuckerbomben. Außerdem kauft er sich dann immer eine Zeitung voller Anzeigen für Luxusautomobile, obwohl ihn angeblich nur die Artikel interessieren.

Immer wenn ich einen Park betrete, staunen die anwesenden Vierbeiner Bauklötze, weil sie noch nie so einen großen Hund wie mich gesehen haben. Entweder sie sind begeistert, oder sie kriegen Angst. Oder sie kläffen wie verrückt – zum Beispiel die kleinen Rassen, die meinen, dass so was wie ich gar nicht erlaubt sein sollte. Den Yorkshire-Terriern hingegen ist sowieso alles egal. Die bellen mich immer an.

Mit Boxern kann man super spielen, deswegen war ich ganz aufgeregt, als ich im Park einen erspähte. In der Regel komme ich bestens mit ihnen aus. Ich ließ sogar einen Mops stehen, der zu Vorstellungszwecken praktisch rückwärts auf mich zusteuerte, weil ich den Boxer unbedingt kennenlernen wollte. Aber der Bursche – der nicht kastriert war, wie ich bereits aus der Ferne erkannte – knurrte mich bloß giftig an, als ich näher kam. Ich wedelte mit dem Schwanz und ließ die Zunge heraushängen, um meine freundlichen Absichten zu demonstrieren. Trotzdem zeigte er weiter die Zähne und bellte sogar zweimal, als ich nicht zurückwich.

Auf einmal merkte ich, dass der Boxer ohnehin mit niemandem spielte. Er stand allein neben einer Fichte. Dafür musste es einen Grund geben. Ich schaute mich nach seinem Menschen um, konnte aber niemanden entdecken, der besonderes Interesse an den Tag legte. Atticus saß auf einer Bank und las seine Zeitung mit den Katastrophenmeldungen. Im näheren Umkreis waren noch andere vereinzelte Leute, die nicht aufeinander achteten. Ein Paar war in ein aufgeregtes Gespräch vertieft. Der Mann redete, und die Frau hörte ihm betroffen zu. Alle anderen hielten mit verschränkten Armen Ausschau nach ihren Hunden, damit sie sich nicht mit anderen in die Wolle kriegten. Nur ich und der Boxer waren unbeaufsichtigt.

Ich wollte mich nicht mit ihm in die Wolle kriegen, sondern spielen. Also ging ich mit der vorderen Hälfte nach unten und hielt wedelnd den Schwanz in die Höhe, ein klares Signal, dass ich nichts Böses im Schilde führte und bloß ein wenig herumjagen wollte. So aufmunternd wie nur möglich wuffte ich ihn an. Aber dieser Boxer war wie dieser Katzenfürst Tybalt, von dem mir Atticus erzählt hatte: jemand, der nach einem Vorwand für ein Duell suchte. Er knurrte mit gesträubtem Nackenfell und fletschte die Zähne noch stärker. Da stimmte was nicht. Es war doch so ein herrlicher Tag.

›Äh, Atticus?‹, rief ich meinen Druiden über unsere mentale Verbindung an.

Seine Stimme antwortete in meinem Kopf. Was ist denn, Oberon? Ich würde gern lesen.

›Ach so. Ich wollte dich natürlich nicht von deinem wichtigen Herumfläzen abhalten, sondern dir bloß mitteilen, dass ich vielleicht gleich in eine Rauferei gerate.‹

Bitte nicht. Geh einfach weg.

›Na jaaa … Könnte sein, dass es dafür schon zu spät ist.‹

Und genauso war es. Der Boxer senkte den Kopf und griff an. Rannte ich jetzt weg, bestand die Gefahr, dass er sich auf meine Beine stürzte. An die Kehle konnte er mir nicht gehen, weil ich die Nase ja schon ganz unten hatte. Dafür konnte ich ihm an seine gehen, zumal ich dreißig Kilo schwerer war als er. Angst hatte ich keine vor ihm. Kein bisschen. Ich meine, es steht nun mal zweifelsfrei fest, dass ich ein kampferprobter Hund bin, der von seinem treuen Druiden einen Haufen Tricks gelernt hat.

Ich stürzte ihm also entgegen und rammte ihm den Schädel voll auf die Nase. Er konnte sich in nichts verbeißen und sank benommen von der Wucht des Aufpralls zurück. Dadurch war er ungeschützt meinem Hieb über die Schnauze ausgesetzt. Das weckte ihn auf und erinnerte ihn daran, seiner Bezeichnung Boxer Ehre zu machen. Und er machte ihr Ehre. Er kratzte mich zweimal mit den Krallen und biss mir in die Schulter, weil er nicht an meine Kehle kam. Ich meinerseits wusste mich zu wehren. Schon bald hatte ich seine Angriffsweise durchschaut und griff auf einen Kniff aus der hohen Schule der Kampfkunst zurück, in der mich Atticus unterwiesen hatte. Für Hunde gelten die gleichen Prinzipien wie für Menschen: Man muss die Kräfte des Gegners ablenken, um sich selbst zu schützen und ihn zu besiegen. Als er mit dem rechten Vorderbein zu einem Schwinger ausholte, sprang ich vor, blockierte seinen Schlag mit meiner linken Pfote und riss ihn mit dem ganzen Körper um, bis seine Kehle genau unter meinem Maul lag. Er wollte sich zappelnd befreien, und ich drückte ein wenig zu, damit ihm der Ernst seiner Lage bewusst wurde.

Im nächsten Moment drang Atticus in seinen Kopf vor, und kurz darauf wurde er ruhig. Ich ließ ihn los und wich zurück. Endlich kamen nun auch Atticus und das Paar angerannt. Andere Menschen riefen nach ihren Winzkläffern und verzogen sich, aus Angst, diese könnten zwischen die Fronten geraten.

Der Boxer hatte den einen oder anderen Kratzer und vielleicht auch ein paar Zahnabdrücke abbekommen. Bei mir war es genauso. Nichts Schlimmes also. Aber bei besorgten Menschen braucht es immer eine Weile, bis diese Einsicht zu ihnen durchdringt. Ohne ausgewachsene Panik geht es offenbar nicht.

Die Frau war eine Blondine von der chemischen Sorte. Atticus hat mir verraten, wie man das leicht erkennt: Man muss schauen, ob die Augenbrauen die gleiche Farbe haben wie das Haar. Bei ihr bestand nicht die geringste Ähnlichkeit. Hatte sie womöglich eine Perücke auf? Sie war sonnengebräunt oder hatte vielleicht einfach dunklere Haut – für mich war das schwer zu unterscheiden, weil Hunde Farben anders wahrnehmen als Menschen. Wir sehen Gelb und Blau und ansonsten eher Schattierungen von Grau, vor allem zwischen Rot und Grün. Zum Beispiel war mir anfangs völlig schleierhaft gewesen, warum Atticus immer behauptete, dass ein roter Ball eine andere Farbe hatte als das grüne Gras, auf dem er lag – für meine Augen hatte beides einen fast gleichen dunkelgrauen Ton.

Die Frau trug Laufschuhe, die viel zu sauber wirkten, und enge dunkle Leggins mit Leuchtstreifen an den Waden. Keine Ahnung, was diese Linien...


Hearne, Kevin
Kevin Hearne, geboren 1970, lebt in Arizona und unterrichtet Englisch an der High School. 'Die Chronik des Eisernen Druiden' machte ihn unter Fantasyleserinnen und -lesern mit einem Schlag weit über die USA hinaus bekannt.

Kevin Hearne, geboren 1970, lebt in Arizona und unterrichtet Englisch an der High School. 'Die Chronik des Eisernen Druiden' machte ihn unter Fantasyleserinnen und -lesern mit einem Schlag weit über die USA hinaus bekannt.

Kevin Hearne, geboren 1970, lebt in Arizona und unterrichtet Englisch an der High School. »Die Chronik des Eisernen Druiden« machte ihn unter Fantasyleserinnen und -lesern mit einem Schlag weit über die USA hinaus bekannt.



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