Heatherington | Immer wieder zurück zu dir | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: HarperCollins

Heatherington Immer wieder zurück zu dir


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95967-946-6
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: HarperCollins

ISBN: 978-3-95967-946-6
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die erste Liebe wird immer ein Teil von uns sein. Doch was, wenn das Schicksal andere Pläne hat?

Charlotte ist 22, als sie Tom das erste Mal begegnet. Er ist Drummer in der Band ihres Bruders, und die Anziehungskraft zwischen ihnen ist offenkundig: Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch Tom ist vergeben, und die Band löst sich nach einem Streit auf - die beiden verlieren sich aus den Augen.
Fünf Jahre später: Charlotte arbeitet als Lehrerin in Dublin, als sich ihre Wege erneut kreuzen. Dieses Mal nutzen sie ihre Chance. Es ist die ganz große Liebe. Tom will Charlotte mit zurück in sein Heimatland USA nehmen, weil er sich dort den musikalischen Durchbruch erhofft. Doch kurz bevor sie ihm folgen kann, passiert eine schreckliche Tragödie, die die beiden erneut auseinanderreißt. Kann ihre Liebe trotz allem Bestand haben?



Emma Heatherington liebt romantische Komödien, Rotwein, gemütliche Abende vor dem Kamin, Musicals und Nashville. Sie schreibt nicht nur Bücher, sondern auch Drehbücher, Songs und Theaterstücke und lebt mit ihrem Partner, dem Künstler und Singersongwriter Jim McKee, und ihren fünf Kindern in Donaghmore, Irland.

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I

Dublin, Dezember 2010

Ich war zweiundzwanzig Jahre und neun Monate alt, als ich mich zum ersten Mal in Tom Farley verliebte.

Ich stand an der Spüle, die Arme bis zu den Ellenbogen im Schaum, und beobachtete, wie er mit meinem Bruder Matthew durch die Hintertür in unsere WG-Küche kam, mit lässigem Gang wie ein Rockstar, und mir im Vorbeigehen mein Herz stahl, und ich wusste, dass mein Leben nie wieder so sein würde wie zuvor.

Meine Mutter spottete früher gerne, ich sei als Zynikerin auf die Welt gekommen, und ich glaubte definitiv nicht an Liebe auf den ersten Blick, aber das bloße Erscheinen von Tom Farley traf mich wie ein Blitzschlag.

Er verdrehte mir den Kopf wie kein anderer Mann zuvor und wie kein anderer Mann danach es jemals wieder tun würde.

Tom Farley mit seinem 1000-Watt-Lächeln, seinen verstrubbelten braunen Haaren, seinem dunklen Drei-Tage-Bart, dem markanten Kinn, den frechsten Wangengrübchen, die die Welt jemals gesehen hatte, und den hellgrünen Augen, die mich verwegen-verschmitzt anschauten, verwandelte meine Knie in Wackelpudding. Vielleicht lag es daran, dass er Musiker war. Vielleicht lag es an seinem rauen, zerzausten, kantigen guten Aussehen, oder vielleicht existierte Liebe auf den ersten Blick tatsächlich und ich war nun der lebende Beweis dafür und das jüngste Opfer dieses alten Klischees.

Jedenfalls war ich sofort Feuer und Flamme für ihn.

»Wie läufst du denn rum?«, sagte Matthew spöttisch, eindeutig um sich vor seinem neuen Freund wichtigzutun. Dabei hätte er sich an die eigene Nase fassen müssen in seiner knallengen lila Röhrenjeans und dem scheußlichen transparenten Leinenhemd in Zitronengelb, das sich mit dem Cranberryrot seiner gefärbten Haare biss. Wir sahen beide aus, als wären wir aus dem Zirkus weggelaufen.

Ich starrte eingeschnappt auf die Ziegelmauer vor dem Fenster, die unser Haus von den anderen in der Reihensiedlung trennte, stellte James Blunt leiser, der passenderweise gerade seinen Nummer-eins-Hit »You’re beautiful« sang, und suchte fieberhaft nach einer schlagfertigen Antwort, aber mein Kopf schwirrte vor purer Lust.

Es hatte mir die Sprache verschlagen.

Zugegeben, mein Pyjama mit Disney-Motiven, die im Dunkeln leuchteten, kombiniert mit Doc-Martens-Stiefeln, und das um drei Uhr nachmittags, war eine ziemliche Beleidigung fürs Auge, aber ich war Studentin und hatte heute frei, und woher zum Teufel hätte ich wissen sollen, dass mein ultimativer Traummann nach Leder und Tabak duftend durch unsere Küche schlendern würde, wenn ich gerade wie ein Clown angezogen war?

Ja, Tom Farley mit seiner atemberaubenden Superstar-Ausstrahlung hatte mich total umgehauen, und ich brannte darauf, was als Nächstes passieren würde, also ignorierte ich meinen modischen Ausfall, trocknete rasch meine Hände ab, holte tief Luft und ging ihm nach, um ihn genauer unter die Lupe zu nehmen.

»Setz Wasser auf, ja, Charlie?«, sagte Matthew, als ich unser kleines Wohnzimmer betrat, wo die beiden es sich gemütlich machten. Mein Bruder nannte mich Charlie, was bedeutete, dass er sich nun richtig aufspielte. Niemand nannte mich Charlie. Niemand durfte mich jemals Charlie nennen.

Ich schluckte und versuchte, mich vor diesem unwiderstehlichen Objekt brennender Begierde zusammenzureißen, dessen Blick nun genauso gespannt war wie meiner. Ich schätzte ihn auf Ende zwanzig, er trug keinen Ehering, was für den Anfang schon mal gut war, und er strahlte nicht nur eine innere Gelassenheit aus, sondern auch eine leise Schüchternheit, die ihn sogar noch attraktiver erscheinen ließ. Ich spürte, wie seine Augen mich durchbohrten, also ließ ich meinen Blick durchs Zimmer schweifen, statt ihn direkt anzusehen, um nach außen hin cool zu bleiben.

»Nun, ich würde ja Wasser aufsetzen, aber ich wollte gerade los …«

»Wohin?«

Nirgendwohin war die Antwort. Ich hatte nichts vor, aber ich würde unter keinen Umständen die Teeköchin spielen, ohne unserem Gast richtig vorgestellt zu werden.

Ein Stapel Schallplatten von Interpreten, deren Namen ich nie gehört hatte, lag mitten auf dem braunen Teppichboden, das Zimmer stank nach abgestandenem, verschüttetem Bier und nach Cannabis, und unser Kaktus, den wir Jarvis Cocker getauft hatten (wegen der Stacheln), wirkte genauso trist wie das Winterwetter draußen – aber Tom Farley hellte diese ganze trübe Welt auf. Wer war er? Warum war er hier? Mein Bruder war gerade dabei, eine professionelle Indie-Rock-Band zu gründen, also vermutete ich, dass er quasi geschäftlich hier war.

»Für mich keinen Tee, danke … Willst du uns nicht miteinander bekannt machen, Matt?«, fragte der Leckerbissen auf dem Sofa, und mir klappte die Kinnlade herunter, als ich zum ersten Mal seine Stimme hörte.

Sie hatte das herrlichste raue, tiefe, amerikanisch gefärbte Timbre und einen sehr geheimnisvollen Klang, verglichen mit meinem schlichten nordirischen Akzent. Dieser Mann hier, dieses absolut umwerfende Geschöpf, wurde von Sekunde zu Sekunde reizvoller.

»Oh, sorry. Charlie, das ist Tom Farley, der neue Drummer von Déjà Vu«, sagte Matthew, der sich auf seine Manieren besann. »Wahrscheinlich der beste Drummer in Dublin.«

Wahrscheinlich der bestaussehende Drummer in Dublin, korrigierte ich in Gedanken. Nicht dass ich viele Drummer in Dublin oder sonst wo gekannt hätte.

Tom hob bescheiden die Hände.

»Und das ist meine Schwester Charlotte. Das herrische Familienküken, von dem ich dir erzählt habe«, fuhr Matthew fort.

Ich nickte Tom zu und wusste nicht, ob ich meinem Bruder eine reinhauen sollte, weil er mich »herrisch« nannte, obwohl er mir gerade noch befohlen hatte, Wasser aufzusetzen, oder ob ich ihn umarmen sollte, weil er dieses Stück Himmel in mein Leben gebracht hatte. Ich stammelte ein Hallo und kicherte auf eine so mädchenhafte Art, dass ich mir am liebsten selbst eine reingehauen hätte.

»Hübsche Schuhe«, sagte Tom der Drummer, während er mich von oben bis unten musterte. »Genau wie meine.«

Er zog den Saum seiner ausgeblichenen Jeans ein kleines Stück hoch, um seine identischen dunkelroten Doc Martens zu zeigen, und mein Herz jubilierte. Das war Bestimmung. Es musste Bestimmung sein. Er strich mit der Hand durch sein verwuscheltes braunes Haar. Kann sein, dass ich vor Verzückung laut aufseufzte. Meine eigenen leeren Hände ballten sich zu Fäusten, während ich mir wünschte, ich könnte ihm auch in die Haare greifen.

»Wir haben hier gleich ein Meeting«, sagte Matthew mit einem lauten Räuspern zu mir. »Du weißt schon, ein Bandmeeting.«

»Ach ja, richtig«, sagte ich, als hätte ich es vergessen. Wie könnte ich? Matthew redete seit Monaten von nichts anderem und hatte nichts unversucht gelassen, um die richtigen Leute für seine neue Band zu finden. »Kann ich sonst noch was für euch tun, außer Tee zu kochen?«

Matthew sah mich mit weit aufgerissenen Augen an. Ȁh, nein

Ich wusste, das war der Code für »Verpiss dich, Schwesterchen, oder bring uns einfach was zu trinken«, aber ich ignorierte den Wink.

»Weißt du, Tom, ich wollte selbst immer Schlagzeugerin werden, seit ich diese Werbung für Schokolade gesehen habe, in der ein Gorilla diesen Phil-Collins-Song trommelt«, sagte ich und lehnte mich an den Türrahmen. Ich sah Tom lasziv an und machte sogar einen kleinen Schmollmund. Junge, so hatte ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr geflirtet.

Tom lachte auf eine einnehmende Art.

»Und natürlich Larry Mullen von U2«, fügte ich hinzu, um mich zu rehabilitieren. »Er ist auch absolut traumhaft, äh, an den Drums.«

Matthew knirschte mit den Zähnen. »Ich wusste gar nichts von deiner verborgenen Schlagzeugleidenschaft, Charlotte«, bemerkte er spitz. Er war eindeutig kurz davor, etwas nach mir zu werfen.

»Doch, doch, schon immer«, log ich und ging bewusst bis an die Schmerzgrenze. »Gibst du zufällig Schlagzeugunterricht, Tom?«

Tom starrte mich unverwandt an, lächelnd, mit glänzenden Augen, und ich spürte, dass ich ihm auch gefiel. Er glitt aus seiner schweren Lederjacke, und beim Anblick seiner gebräunten, muskulösen Arme in dem khakigrünen T-Shirt musste ich schlucken. Er löste seinen Blick nicht für eine Sekunde von mir, und sein Lächeln ließ Schmetterlinge in meinem Bauch umherschwirren.

»Ich kann gerne versuchen, dir ein paar Basics beizubringen«, erwiderte er mit leicht heiserer Stimme. »Dann bist du also die aufstrebende Songwriterin? Matthew hat mir erzählt, dass du –«

Ich legte mir bereits eine Antwort zurecht, als wir unsanft unterbrochen wurden.

»Ich habe dir erzählt, dass sie Countrysongs schreibt, über Typen mit Cowboyhüten, die zu viel Bier trinken und zu viele Herzen brechen«, grätschte Matthew schroff dazwischen, genervt von der knisternden Atmosphäre und meinem unverhohlenen Flirtversuch. »Sie ist keine richtige –«

»Ich bin keine richtige Songwriterin«, ergriff ich rasch wieder das Wort. Offenbar empfand Matthew schon meine reine Anwesenheit als Beleidigung, also versuchte er, mich bloßzustellen, während Tom, der unseren Kampf beobachtete, abwechselnd vom einen zum anderen sah. Das hier würde später noch ordentlich Zoff zwischen mir und meinem Bruder geben.

»Ich würde mir deine Songs gerne mal anhören«, sagte Tom zu meiner großen Freude und Überraschung. Er beugte sich vor und stützte seine Schlagzeugerarme auf die Knie. Das erlaubte mir einen Blick in den Ausschnitt...



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