E-Book, Deutsch, 100 Seiten, Web PDF
Hee / Hofmann Wetterderivate
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-8349-9117-1
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Grundlagen, Exposure, Anwendung und Bewertung
E-Book, Deutsch, 100 Seiten, Web PDF
Reihe: Business and Economics (German Language)
ISBN: 978-3-8349-9117-1
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Zielgruppe
Professional/practitioner
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Finanzinstrument Wetterderivat.- Einsatzgebiete von Wetterderivaten.- Bestimmung des Exposures.- Praktische Anwendung von Wetterderivaten.- Preisbildung.- Fazit und Ausblick.
4. Bestimmung des Exposures (S. 48-49)
Im Zusammenhang mit Risiken wird oft der Begriff des Exposures verwendet. Allgemein werden unter diesem Begriff alle bereits bestehenden und zukünftigen Cashflows einer Unternehmung, die einem Risiko ausgesetzt sind, erfasst.
Der Begriff des Wetterexposures ist in der Literatur bisher kaum beschrieben worden. Er soll im Rahmen des vorliegenden Buches als das Ausmaß des Wettereinflusses auf eine oder mehrere betriebliche Erfolgsgrößen einer Unternehmung verstanden werden.
4.1 Definition Wetterrisiko
Da Wetterrisiken ein entscheidender Parameter bei der Exposureerstellung sind, ist es nötig, diese vorab zu definieren und in den Kontext betrieblicher Risiken einzuordnen. Im weiteren Verlauf bedient sich diese Ausarbeitung folgender Definition: „Unter Wetterrisiken werden Schwankungen einer den Geschäftserfolg eines Unternehmens beeinflussenden Wettervariablen verstanden, die mittels der Maßgrößen Varianz und Standartabweichung quantifiziert werden können. Art und Anzahl der relevanten Wettervariablen hängen somit von den jeweiligen Geschäftsfeldern des Unternehmens ab."
Wetterrisiken nach dieser Definition können sich sowohl im positiven als auch im negativen Sinne auf den Geschäftserfolg einer Unternehmung auswirken. Eine positive Auswirkung lässt sich am Beispiel eines Biergartenbetreibers veranschaulichen. Eine vergleichsweise warme und niederschlagsarme Sommersaison wird sich positiv auf die Höhe der Umsätze auswirken. Maßgeblich für den Prozess der Exposureerstellung sind jedoch nur die nachteiligen Auswirkungen der Wetterrisiken.
Im Gegensatz zu endogenen Geschäftsrisiken, für die eine Unternehmung selbst verantwortlich ist, zählen die Wetterrisiken zu den exogenen Geschäftsrisiken, auf die der Unternehmer keinen Einfluss hat.
Des Weiteren kann man Wetterrisiken nach dem Aspekt der Position ihrer Erfolgswirksamkeit einordnen. Die Schwankungen des Wetters können sich auf der Erlösseite auf die Volatilität der Absatzmengen sowie auf der Beschaffungsseite auf die Volatilität der Be- schaffungsmengen auswirken. Man kann das Wetter somit als exogenes operatives Mengenrisiko charakterisieren.
4.2 Prozess der Exposureerstellung
Die Erstellung des Wetterexposures dient dem Zweck, die Art der Wetterrisiken und deren Ausmaß auf den Geschäftserfolg aufzuzeigen. Eine betragskongruente Absicherung des Wetterexposures durch Wetterderivate ist nur dann möglich, wenn der Zusammenhang von Wettervariable und Erfolgsgröße genau erfasst wird.
Im Rahmen der Risikoanalyse ist dann festzulegen, welche Risiken als so genannte Schwerpunktrisiken weiter zu analysieren sind und welche gegebenenfalls vernachlässigt werden können. Man kann den Erstellungsprozess des Exposures als eine quantitative und qualitative Risikoanalyse verstehen.
4.2.1 Bestimmung potenzieller Wetterrisiken
Um die Risiken verstehen zu können, ist der erste Schritt deren Identifizierung. Wetterrisiken können sowohl auf der Absatz- als auch auf der Beschaffungsseite auftreten, jeweils abhängig von der Betrachtungsseite der Exposure erstellenden Unternehmung. Einen Biergartenbetreiber betreffen Wetterrisiken in der Regel auf der Absatzseite, da beispielsweise niedrige Temperaturen in niedrigeren Besucherzahlen und somit niedrigeren Umsätzen resultieren. Ein Energiegroßabnehmer hingegen hat ein Beschaffungsrisiko, da niedrige Temperaturen zu höherem Energieverbrauch und somit zu höheren Kosten führen.
Ein Grund, warum sich nicht bereits alle Unternehmen mit Wetterderivaten absichern, ist die Schwierigkeit, das individuelle Wetterexposure zu ermitteln. Allerdings ist diese Analyse Voraussetzung um die entsprechende Absicherungsstrategie zu entwickeln. Gerade bei großen Unternehmen, die von einer Vielzahl von Wetterrisiken betroffen sind, ist es wichtig, die relevanten Risiken zu ermitteln und sie nach ihrer Relevanz zu ordnen. Die folgenden Punkte sollen aufzeigen, nach welchen Kriterien man Risiken einordnen und ermitteln kann. Als Leitfaden der Risikoidentifikation sollte die Beantwortung der Frage stehen: „Unter welchen Bedingungen treten Wetterrisiken wann und wo auf?".




