E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Heggan Das Philadelphia-Komplott
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-196-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95576-196-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vor den Augen der Staatsanwältin Syd Cooper wird ihre beste Freundin Lilly in Philadelphia gekidnappt. Steckt Lillys Exmann Mike dahinter, oder will jemand anderes die Enthüllungsjournalistin zum Schweigen bringen? Für Syd beginnt ein verzweifelter Wettlauf mit der Zeit. Bei ihrer Suche nach möglichen Tätern und deren Gründen stößt sie auf ein Komplott auf höchster Ebene, auf falsche Alibis, hinterhältige Intrigen und perfide Machspiele. Und sie begegnet dem attraktiven Jake Sloan. Angeblich ein Ingenieur, in Wirklichkeit jedoch ein Mann vom FBI, hat er seine eigenen Gründe, Syd bei ihren Ermittlungen nicht von der Seite zu weichen ...
Christiane Heggan wurde in Nizza geboren, an der traumhaften französischen Riviera! Als Teenagerin träumte sie aber davon, wehzuziehen - nach Rom, Paris oder London. Erst als Christiane ihren ersten Freund hatte, ließ das Fernweh nach - doch nur vorübergehend. Denn als Christiane tatsächlich den Mann ihres Lebens traf, der beim amerikanischen Militär war, dauerte es keine sieben Monate, und sie war - abenteuerlustig, jung, verliebt - in die USA gezogen!
Der Traum vom Auswandern war zu Beginn eher ein Albtraum: Christiane Heggan sprach kein Wort Englisch und war dazu als Hausfrau völlig ungeübt. Aber mit ihrem Elan hatten sich all diese Dinge ein Jahr später geändert und sie hatte sie außerdem rein aus Langeweile zu einem Kurs für kreatives Schreiben angemeldet.
Durch die vielen Versetzungen ihres Ehemannes lebte das Paar in Kalifornien, Lousiane, New Jersey und Delaware. Später ging es sogar nach Marokko, Deutschland und Spanien. In Spanien kam Christiane Heggan zu Ohren, dass die Zeitung des Militärstützpunktes eine neue Reporterin suche. Christiane als Reporterin? Auf den ersten Blick hatte das ja nichts mit kreativem Schreiben zu tun. Doch eine Freundin überzeugte sie, sich zu bewerben. Mit ein wenig Flunkerei was ihren journalistischen Lebenslauf anging, bekam sie eine Chance: einen Probeartikel, der so gut gelang, dass sie angestellt wurde. (Erst später erfuhr sie, dass ihr der Verleger beim Vorstellungsgespräch kein Wort geglaubt hatte, sie aber mutig und motiviert fand, sodass er ihr eine Möglichkeit geben wollte, sich zu beweisen.) Seine Abschiedsworte waren: 'Bleib am Schreiben dran, dann wirst du es einmal weit bringen.'
Zum Liebesroman kam Christiane Heggan durch ihren zweiten Mann, der ihr diese Idee schmackhaft machte. Und schon bald war sie davon überzeugt, dass sie nun ihre wahre Berufung gefunden hatte!
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1. KAPITEL
Die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin Sydney Cooper wartete, bis der mit Handschellen gefesselte Angeklagte aus dem Gerichtssaal geführt wurde, bevor sie einen Seufzer der Erleichterung ausstieß. Dem Schuldspruch, der bereits innerhalb von zwei Stunden nach Beginn der Beratungen erfolgt war, war es zu verdanken, dass ab sofort ein Sexualstraftäter weniger die Straßen von Philadelphia unsicher machen konnte.
Das ist es, was diesen Job ausmacht, dachte sie, während sie ihre Unterlagen in ihrer Aktentasche verstaute. Die Schuldigen zu bestrafen und die Unschuldigen zu beschützen. Auch wenn es ein wenig albern und selbstgerecht klang, sie glaubte daran. Selbst jetzt, nach vier Jahren im Büro des Bezirksstaatsanwalts, war sie immer noch so begeistert von ihrem Job wie damals, als sie sich für die Stelle beworben hatte.
Zufrieden mit sich schloss sie die Aktentasche und erhob sich vom Tisch. Als sie sich umdrehte, stellte sie jedoch fest, dass aus dem geplanten schnellen Abgang nichts werden würde. In der Galerie am hinteren Ende des Gerichtssaals wartete eine Gruppe Studenten mit gezückten Stiften und erwartungsvollen Blicken auf sie. Die Gruppe hatte den Prozess über die vollen drei Tage aufmerksam verfolgt und hoffte nun, ihr noch einige Fragen stellen zu können.
Ein blondes Mädchen, mit dem für Kalifornien typischen guten Aussehen, sprach sie als Erste an, wobei sie ihre Bewunderung kaum verbergen konnte.
“Meine Güte, Ms. Cooper, Sie waren unglaublich. Wie Sie Simon Burke in die Falle gelockt haben, Wahnsinn. Woher nehmen Sie nur den Mut dazu, vor allem vor Richter Claiborne, der doch bekannt dafür ist, sehr unangenehm werden zu können, wenn er meint, dass ein Anwalt zu theatralisch wird?”
Als sie sich der Gruppe zuwandte, erinnerte sich Syd an ihre eigene Studienzeit, und wie begierig sie damals jede noch so kleine Information aufgesogen hatte, die die erfahreneren Anwälte gewillt waren, preiszugeben.
“Ich fürchte, es war mehr die pure Verzweiflung und nicht Mut, der mich angetrieben hat. Sie haben Recht mit Richter Claiborne – der Trick war, ihn nicht anzuschauen, sonst hätte ich auch die Nerven verloren.”
Ein gut aussehender junger Mann, den Syd schon öfter im Gerichtssaal gesehen hatte, ergriff das Wort.
“Woher wussten Sie, dass der Angeklagte zusammenbrechen würde, wenn Sie ihm einen schwarzen Tanga vor die Nase halten würden?”
“Tja, Chad – dein Name ist doch Chad, oder?” Sie beobachtete, wie er errötete, und verlegen nickte. “Ich habe von einem ähnlichen Fall in Ohio vor ein paar Jahren gehört. Der Angeklagte war zwar nicht wegen sexueller Belästigung angeklagt, aber es erregte ihn aufs Höchste, wenn er schwarze Spitzenunterwäsche sah, und er verfolgte die Frauen hartnäckig und flehte sie um sexuelle Gefälligkeiten an. Diejenigen von euch, die die Zeugenaussage von Jane Hunnicut am Montag gehört haben, werden sich erinnern, dass sie sagte, Simon Burke hätte sie gefragt, ob sie einen schwarzen String trüge. Ich musste also nur noch den Weg für seine Phantasien ebnen.”
“War das Ihr Slip?” Die flapsige Bemerkung kam von einem anderen Studenten, der schon oft im Gericht war, und dessen trockener Humor und clevere Einwürfe sich auch schon zu Syd herumgesprochen hatten. In seinen Augen glänzte jugendlicher Übermut, als er auf Syds Antwort wartete. Das Mädchen aus Kalifornien boxte ihm hart in die Rippen.
“Ich glaub’s nicht, Thomas, du bist so ein Ferkel.”
Bevor Syd jedoch klarstellen konnte, dass sie den Tanga nur für die heutige Verhandlung gekauft hatte, stellte das Mädchen eine weitere Frage.
“Haben Sie Ärger mit Richter Claiborne bekommen?”
Syd hängte sich den Riemen ihrer ledernen Handtasche über die Schulter. “Er erteilte mir eine Lektion in Sachen korrektes Verhalten vor Gericht, um mir dann übergangslos zu meinem Erfolg zu gratulieren”, lachte sie.
Die Gruppe war inzwischen um einige Reporter angewachsen, die Syd kannte. Einer schoss ein Foto von ihr. Bevor das kleine, informelle Gespräch mit den Studenten in eine ungewollte Pressekonferenz ausarten konnte, schlüpfte Syd in ihren schwarzen Wollmantel.
“Ich würde gerne noch weiter mit euch plaudern”, wandte sie sich an die Studenten, “aber genau jetzt hat mein Urlaub offiziell begonnen, und ich möchte nun ganz schnell hier raus.”
“Wo fahren Sie hin?”, fragte einer der Reporter.
“Cancún.” Syd winkte den angehenden Juristen zu und wandte sich zum Ausgang. “Viel Erfolg bei euren Abschlussprüfungen!”, sagte sie noch und war im nächsten Augenblick verschwunden.
Außerhalb des Gerichtsgebäudes hatte sich der Himmel über Philadelphia in tristes Grau gehüllt. Ein eisiger Märzwind wehte vom Delaware River hinauf, und die Fußgänger hasteten mit gesenkten Köpfen die Straße entlang. Cancún wird mit jeder Sekunde verlockender, dachte Syd, als sie ihren Mantelkragen hochschlug und aus dem Gebäude auf den Gehweg trat.
In ihrer ursprünglichen Urlaubsplanung war Mexiko nicht vorgesehen. Daran hätte sie bei ihrem Gehalt nicht einmal denken können. Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, die freie Zeit zu nutzen, um endlich ihre Wohnung zu renovieren. Eine Arbeit, die sie schon seit Monaten vor sich herschob. Sie hatte schon fast angefangen, sich auf die Aufgabe zu freuen, weil sie hoffte, dass harte Arbeit ihr helfen würde, den Schock über den Betrug ihres Verlobten, Greg Underwood, zu überwinden.
“Es hatte zu bedeuten”, hatte er beteuert, als sie ihm ihren Verlobungsring vor die Füße geworfen hatte.
“Du und ich, wir hatten diesen Streit, also bin ich in eine Bar gegangen, um mich abzureagieren, und – da war sie.”
war eine eins siebzig große, blondierte Amazone mit leeren blauen Augen und riesigen Brüsten. Der Streit, auf den Greg sich bezog, war einer von vielen, die sie in den vorangegangenen Monaten gehabt hatten. Immer ging es um das gleiche Thema: So oft sie auch versuchte, ihm zu erklären, dass ihre Arbeit ihr Spaß bereitete und sie sie liebte, versuchte er, sie zu überreden, den angebotenen Job in der Sozietät seines Vaters anzunehmen. Underwood & Sullivan, eine alteingesessene Kanzlei – und ein doppelt so hohes Gehalt.
Vor zwei Wochen, nachdem Greg sie erneut bedrängt hatte, endlich einzuschlagen, hatte Syd die Geduld verloren und ihn gebeten, sie ein für alle Mal mit dem Thema in Ruhe zu lassen. Später am Abend hatte sie sich etwas beruhigt und war der Meinung, viel zu hart gegen Greg gewesen zu sein. Und so hatte sie sich entschlossen, zu seiner Wohnung zu gehen und sich bei ihm zu entschuldigen. Doch anstatt ihn alleine vor dem Fernseher vorzufinden, war sie mitten in eine Szene wie aus einem schlechten Pornofilm geraten.
Auch wenn es ihr anfangs das Herz brach, stellte sie schnell fest, dass sie besser jetzt als nach der Hochzeit von seiner Schwäche erfuhr. Sie zweifelte zwar nicht daran, dass sie ihren Verlobten geliebt hatte, aber scheinbar nicht stark genug. Hätte sie ihm sonst nicht verzeihen können?
Wenn sie ehrlich war, waren sie von Beginn an in so vielen Dingen unterschiedlicher Meinung gewesen, dass es schon fast an ein Wunder grenzte, wie lange die Beziehung schließlich doch gehalten hatte.
Ihre Pläne, die Wohnung zu renovieren, hatte sie ohne zu zögern über den Haufen geworfen, als ihre Tante Frederica anrief und sie einlud, mit nach Cancún zu kommen, genauer gesagt in die noble Ferienanlage “La Playa” direkt am Meer. Der Gedanke daran, eine Woche unter der gleißenden Sonne Mexikos zu verbringen, während Philadelphia – und Greg – sich auf einen erneuten Eissturm vorbereiteten, steigerte ihre Laune ungemein.
Syd konnte es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und ihren Koffer zu packen, und so zog sie den Kopf ein und eilte gegen den Wind die Sixth Street hinunter Richtung Washington Square, wo sie wohnte. An der Ecke Sixth und Chestnut holte sie ihr Handy hervor, um die Mailbox abzuhören. Der erste der drei Anrufe kam von ihrer Tante, die ihr mitteilte, dass sie sie morgen Mittag um halb zwei am Flughafen in Cancún abholen würde.
Die zweite Nachricht war von ihrem Boss, Bezirksstaatsanwalt Ron Devlin, der ihr zu ihrem Sieg gratulierte und ihr schöne Ferien wünschte.
Der dritte Anruf kam von ihrer besten Freundin, Lilly Gilmore. Wie immer klang Lillys Stimme, als wäre sie gerade den New York Marathon gelaufen.
“Syd, ich bin’s. Ich weiß, dass du heute Abend packen wolltest, aber könntest du das um ein paar Stunden verschieben und mich um acht am Elwood Drive in South Jersey treffen? Es ist unglaublich wichtig! Elwood liegt an der Atlantic Schnellstraße, Ausfahrt 28. Man fährt vielleicht eine Stunde dahin. Ich erkläre dir alles, wenn wir uns sehen. Bis später.”
Syd seufzte. Das war typisch Lilly. Weil sie in letzter Minute einen Notfall hatte, oder was auch immer es war, das sie so in Aufregung versetzte, erwartete sie, dass Syd alles stehen und liegen ließ, um den ganzen Weg nach South Jersey zu fahren. Andererseits waren sie vom ersten Tag an, als sie sich in der zweiten Klasse getroffen hatten, unzertrennlich gewesen. Egal welche von ihnen in Schwierigkeiten steckte, sie konnte sich immer darauf verlassen, dass die andere ihr zu Hilfe kam. Achtundzwanzig Jahre später hatte sich daran nichts geändert – sie passten noch immer wie Schwestern aufeinander auf.
Die Ampel an der Chestnut Street wurde grün, und Syd überquerte die Straße, während sie die Kurzwahl von Lillys Handy wählte. Vielleicht war die Sache ja gar nicht so dringend. Oder sie könnte, falls doch, erst ihren Koffer packen und Lilly dann später treffen, irgendwo mehr in der Nähe.
Aber...




