Heiberg | Die Goldene Schlange | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 168 Seiten

Heiberg Die Goldene Schlange

Bereicherte Ausgabe. Historischer Roman - Eine Gräfin zwischen Leidenschaft und Pflicht
1. Auflage 2017
ISBN: 978-80-272-3842-2
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Bereicherte Ausgabe. Historischer Roman - Eine Gräfin zwischen Leidenschaft und Pflicht

E-Book, Deutsch, 168 Seiten

ISBN: 978-80-272-3842-2
Verlag: Musaicum Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In 'Die Goldene Schlange' von Hermann Heiberg wird die Geschichte einer mysteriösen goldenen Schlange erzählt, die angeblich übernatürliche Kräfte besitzt und Menschen in ihren Bann zieht. Heibergs literarischer Stil ist von einer düsteren Atmosphäre geprägt, die den Leser in eine Welt voller Geheimnisse und unerklärlichen Phänomenen entführt. Das Buch spielt in einem surrealen Umfeld, in dem Realität und Fantasie verschmelzen, was einen faszinierenden literarischen Kontext schafft. Die Beschreibungen der Schlange und ihrer Auswirkungen sind detailreich und fesselnd, was 'Die Goldene Schlange' zu einem einzigartigen Leseerlebnis macht. Hermann Heiberg, ein bekannter Mystery-Autor, der für seine unkonventionellen Erzählungen bekannt ist, könnte durch seine Faszination für das Übernatürliche und das Unerklärliche inspiriert worden sein, das Buch 'Die Goldene Schlange' zu schreiben. Seine Liebe zum Mysteriösen und sein Talent, eine düstere Atmosphäre zu schaffen, spiegeln sich deutlich in diesem Werk wider. Heibergs Erfahrung in der Welt des Okkulten und der Magie fließt auf faszinierende Weise in die Handlung ein, und seine Charaktere sind ebenso geheimnisvoll wie fesselnd. 'Die Goldene Schlange' von Hermann Heiberg ist ein Muss für alle Leser, die sich für mysteriöse und unheimliche Geschichten begeistern. Mit einer packenden Handlung und einer einzigartigen Atmosphäre entführt das Buch den Leser in eine Welt voller Geheimnisse und unerklärlicher Phänomene. Heibergs meisterhafte Erzählkunst und die faszinierende Geschichte der goldenen Schlange machen dieses Buch zu einem unvergesslichen Leseerlebnis, das man nicht verpassen sollte.

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II


Als wir eines Mittags nach einem üppigen Diner mit auserlesenen Speisen und Champagner uns ins Nebengemach zurückziehen wollten, empfing Unzer eine Depesche von seiner Mutter, in der sie ihn, gelegentlich einer Badereise, auf einer in der Nähe gelegenen und mit der Eisenbahn in wenig Stunden zu erreichenden Station um eine Zusammenkunft bat, und ihn aufforderte, sogleich abzureisen.

Er geriet in eine große Aufregung. Die Nachricht war ihm überraschend; auch mußte er, um den Anschluß nicht zu versäumen, sogleich aufbrechen. Aber das war das geringste; was ihn besonders beschäftigte, war das Ausbleiben sonstiger Nachrichten von seiner Mutter, die er von seinen Absichten rücksichtlich Manjas unterrichtet hatte, und die, aus ihrem bisherigen Schweigen zu schließen, sein Pläne mißbilligte.

Endlich beruhigten wir ihn; er übergab seine Braut meiner Obhut und fuhr, von uns zum Bahnhof begleitet, ab. Die übrigen Freunde verabschiedeten sich dort, ich aber folgte der anfänglich stummen, dann aber durch Händedruck und leise Frage zum Ausdruck gelangenden Bitte Manjas, sie an dem heutigen Abend nicht zu verlassen.

Gleichzeitig von demselben Gedanken und dem gleichen Entschluß getrieben, nahmen wir beim Nachhausegehen nicht den Weg durch die Hauptstraßen, sondern beschritten eine neben der Stadt hinlaufende Promenade. Als wir jedoch – von dem schönen Abend und von der Einsamkeit angelockt – unsere Wanderung bald unterbrachen und uns auf einer Bank niederließen, um hier die letzten Ereignisse zu besprechen, wurde die eben begonnene Unterhaltung durch einen Zwischenfall gestört, der mich so lebhaft beschäftigte, daß ich kaum äußere Fassung behielt, viel weniger meine innere Unruhe zu bemeistern vermochte. Ich hörte, während ich mit Manja eifrig schwatzte, plötzlich eine bekannte Stimme hinter mir, und als ich mich umwandte, erblickte ich Columba mit den Töchtern des Zylitz'schen Hauses, die, von einem Spaziergange heimkehrend, den Weg in ihre Villa nahmen. Mehr als eine Woche hatte ich meine Freunde bereits vernachlässigt, aber statt der verständigen Überlegung zu folgen und meine Unterlassung nachzuholen, blieb ich, gleichsam als Liebes-Adjutant, in Unzers Nähe und beschäftigte mich ausschließlich mit seinen Angelegenheiten und mit – Manja. Als ich nun Columba plötzlich vor mir sah, erschrak ich so heftig, und mein Schuldbewußtsein machte mich so unsicher, daß ich den mit befremdlichen Ausdruck in den Mienen vorüberschreitenden Damen nicht mehr nachzueilen wagte.

Aber ich sah meines holden Engels Blick, in dem eine so tiefe Trauer schwamm, daß mich nur der eine Gedanke beherrschte, rasch in ihre Nähe zu gelangen, um alles aufzuklären. –

Ich schilderte Columba als sehr schön. Es war mir, der ich den weiblichen Charakter zu kennen glaubte, deshalb auch nicht auffallend, daß Manja mich scharf beobachtete, mich eindringlich ausfragte und mit unverkennbarem Anflug von Eifersucht so lange in mich drang, meine tieferen Beziehungen zu jener einzugestehen, bis ich dies widerwillig, und gleichsam eine Entheiligung darin erkennend, es ihr, gerade ihr offenbaren zu müssen, endlich zugab.

Und nun entwickelte sich eines jener Rätsel des Seelenlebens, auf die wir erst aufmerksam werden, wenn ein Ereignis eintritt, daß sie weckt. Es reizte sie von dieser Stunde ab, mir zu gefallen, und in dem Widerstreit von Liebe zu ihr, die ich vergeblich zu bekämpfen suchte, und in dem Trotz, daß sie mich von dem reinen Bilde entfernte, das mein Inneres erfüllte, suchte ich bald nach einer Befriedigung meiner Leidenschaft, die mich ernüchterte und mich zu Columba zurückführte, bald von neuem nach Beweisen, daß Manja meiner Zuneigung nicht wert sei.

»Also Sie lieben dieses außerordentlich schöne Mädchen?« hob meine Begleiterin an. »Wer ist sie?«

Ich wich aus. Teils wirkte das Unbehagen über die Enthüllung meines Geheimnisses nach, teils trieb es mich, durch Bewahrung desselben Columbas Wert zu erhöhen.

»Kennt Unzer sie – die Familie?« fuhr sie beharrlich fort.

»Nein!«

»Sie scheinen die Dame mit einem besonderen Geheimnis umgeben zu wollen –«

»Nicht doch, Comtesse –«

»Nun, dann erzählen Sie mir ein wenig, Sie Böser! Es ist doch nur mein Interesse für Sie, was mich darum bitten läßt –«

»Sie haben Interesse für mich, Comtesse?«

»Sie zweifeln daran?«

»Als ich Sie an jenem Abende nach Hause geleitete, begegneten Sie mir auf meine Frage, ob ich Sie Wiedersehen dürfe, so abweisend, daß ich kaum glauben darf –«

»Ich finde, daß mein Benehmen am Tage unserer Bekanntschaft durchaus den Vorschriften der guten Sitte entsprach. Daraus einen Schluß auf meine Empfindungen zu ziehen, scheint mir – nun, Sie wissen schon, was ich sagen will –«

»Nein, in der That nicht, Comtesse –«

»Nun gleichviel! Also erzählen Sie mir von den Damen, von Ihrer Braut. – Es ist doch Ihre Braut?«

»Nein! Bleiben wir, ich bitte, bei unserem Thema! Lassen Sie mich wissen, daß ich Ihnen nicht gleichgültig bin –«

»Ich bewies es Ihnen bereits, obschon es im Grunde keinen Wert für Sie hat –«

»Keinen Wert, obgleich ich mich fortwährend bemühte, ihre Gunst zu erwerben?«

Sie sah mich einen Augenblick forschend und mit jenem verführerischen Lächeln an, das sie so gefährlich machte, und sagte dann übermütig und herausfordernd:

»Welchen Zweck sollte eine Neigung zwischen uns haben? Wir sind beide verlobt, gleich bei Seite gestellten, nicht mehr duftenden, wenn auch noch in einigen matten Farben prangenden Blumen, – denn so erscheinen mir stets die Verlobten – aber meine schwesterliche Liebe haben Sie, und die bleibt Ihnen« – schloß sie mit ironischem Pathos.

»Wissen Sie, Komtesse, daß ich Ihnen überhaupt mißtraue?«

Ich bereute diese Worte, so wie sie verklungen waren; sie aber blickte mich abermals rasch und forschend an und sagte, langsam und verächtlich das Haupt bewegend, während eine plötzliche vorübergehende Blässe ihre Wangen bedeckte:

»Sie sagen mir nichts Neues, und deshalb hielt ich auch Ihre Beteuerungen, daß ich Ihnen wert sei, für Phrasen –.

Ah – warten Sie!« fuhr sie, als ich eine Bewegung zum Sprechen machte, in einem fast herrischen Tone fort, – »ich will Ihnen alles sagen, was Sie denken, und ich will Ihnen auch auf alles antworten. Es ist gut, daß es einmal geschieht, es war schon lange meine Absicht."

»Ich höre, Komtesse« – sagte ich, und lehnte mich, wie zufällig, zurück, damit ich ihr, aber sie nicht mein Gesicht sehen konnte.

»Ich habe wohl an jenem ersten Abende bemerkt, daß Sie sich für mich interessierten, und – offen gestanden, Sie waren unter der wüsten Gesellschaft der einzige, der mir nicht gänzlich mißfiel. Am unerträglichsten war mir Unzer mit seinem Selbstgefühl und seiner hochmütigen Weisheit –«

»Hm!« machte ich.

»Sie meinen?«

»Nichts, Komtesse. Ich bitte sehr, daß Sie fortfahren!«

»Aber ich wußte auch, daß sich Ihre Gedanken nur mit mir in dem Sinne beschäftigten, daß ich Ihnen in einer vorübergehenden Laune die Zeit vertreiben solle, und ich habe Ihnen wiederholt erklärt, daß ich, wenn ich auch in diese, meinem Stand und meiner Erziehung entgegenstehenden Verhältnisse geriet, keine Abenteuerin bin und das Recht für mich in Anspruch nehmen darf, daß man mir wenigstens so lange mit aller Achtung begegnet, bis sich zeigt, daß ich eine solche nicht verdiene.«

»Aber ich bitte, kommt –«

»Erlauben Sie, daß ich ausspreche, daß ich überhaupt jetzt rede. Später werde ich Ihnen zuhören, mein Herr!

Sie sahen mich an, wie eines jener leichtsinnigen Geschöpfe, – gewiß, ich befand mich in dieser Gesellschaft, und der Gedanke lag an sich nahe, – mit denen die Männer einige süße Stunden verleben, und denen sie dann überdrüssig den Rücken wenden. Ich zeigte Ihnen allen, daß ich anders beurteilt zu werden ein Recht hatte, aber Sie nahmen trotzdem an, was Ihnen gefiel, Sie dekretierten gleichsam, daß ich nur eine Maske vorgesteckt habe.

Ich weiß, was Sie mir einwenden wollen. Ich bewies, als ich den Brief getauscht hatte, daß ich Komödie gespielt hab', und dieser Umstand machte mich in Ihren Augen verdächtig. Die Wahrheit ist nun, daß das, was ich that, nicht aus einer reiflichen Überlegung geschah, sondern daß ich einem plötzlichen Einfall folgte, mit dem ich freilich – wie ich zugestehen will – einen bestimmten Zweck verfolgte –«

»Einen bestimmten Zweck?«

»Nun ja! obgleich es thöricht und im Grunde nutzlos ist. es auszusprechen. Es geschah, um Ihnen, gerade Ihnen, zu zeigen, mein Herr, wie sehr Sie sich über meine Person täuschten. Daß die Wirkung eine andere war, als ich im Verfolg meines Handelns als möglich – als wünschenswert voraussetzte, ist eine jener Zufallsfügungen, die wir niemals in unsere Berechnungen ziehen, und so gewann ich denn –«"

»Den besseren Teil! Unzer! Meinen Freund, den trefflichsten Menschen, den die Erde trägt«, schaltete ich lebhaft ein und beobachtete den Eindruck meiner Worte.

Sie aber zuckte fragend die Achseln.

»Wie, Komtesse? Sie stimmen mir nicht bei? Sie lieben Unzer nicht?" rief ich, halb von wirklicher Überraschung, halb von meiner Eitelkeit fortgerissen.

Zu meinem größten Erstaunen fuhr sie, ohne meine Frage zu beantworten, fort:

»Jetzt wieder – selbst in diesem Augenblick – mißtrauen Sie mir. Ich weiß es, ich wußte es von Anfang an, ich wußte es an...



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