E-Book, Deutsch, 121 Seiten
Heidler Die Blockmodellanalyse
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-8350-9145-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Theorie und Anwendung einer netzwerkanalytischen Methode
E-Book, Deutsch, 121 Seiten
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-8350-9145-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Richard Heidler gibt einen Überblick über die Blockmodellanalyse, die er aus verschiedenen Perspektiven reflektiert. Die Anwendung der Methode wird am Beispiel der Analyse eines interorganisationalen Netzwerkes vorgeführt.
Richard Heidler studierte Soziologie an der Freien Universität Berlin. Er arbeitet als Forschungsreferent am Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer (FÖV).
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Geleitwort;6
2;Danksagung;8
3;Inhaltsverzeichnis;10
4;Abbildungsverzeichnis;12
5;Tabellenverzeichnis;14
6;1 Einleitung;16
7;2 Grundlegendes zur Blockmodellanalyse;20
7.1;2.1 Das grundlegende Konzept der Blockmodellanalyse;20
7.2;2.2 Die Geschichte der Blockmodellanalyse;26
7.3;2.3 Einordnung der Blockmodellanalyse in den Kontext anderer netzwerkanalytischer Methoden;32
8;3 Die theoretische Perspektive der Blockmodellanalyse;38
8.1;3.1 Das relational- strukturalistische Postulat;38
8.2;3.2 Structuralist determinism;39
8.3;3.3 Der Rollenbegriff der Blockmodellanalyse;41
8.4;3.4 Soziale Position und Soziale Struktur;45
8.5;3.5 Structuralist instrumentalism;46
8.6;3.7 Blockmodellanalyse und Dynamik;53
9;4 Konzepte und Verfahren der positionalen Analyse für die Blockmodellanalyse;54
9.1;4.1 Verschiedene Verfahren im Vergleich;54
9.2;4.2 Der Datensatz für die Exemplifizierung der Analyse: Ein regionales Interorganisationsnetzwerk;56
9.3;4.3 Verfahren;58
9.3.1;4.3.1 Direkte Verfahren;58
9.3.2;4.3.2 Die Ctusteranalyse;64
9.3.3;4.3.3 Das CONCOR- Verfahren;76
10;5 Von der Partition zum Blockmodell;80
10.1;5.1 Blockdichtematrix;80
10.2;5.2 Blockkriterien für eine Image- Matrix nach struktureller Äquivalenz;81
10.2.1;5.2.1 Fat Fit;82
10.2.2;5.2.2 Nullblockkriterium;83
10.2.3;5.2.3 Das a-Dichte-Kriterium;84
10.3;5.3 Der Image- Graph;85
11;6 Die Interpretation eines Blockmodells;92
11.1;6.1 Assoziation mit Akteursattributen;93
11.2;6.2 Interpretation der Positionen;96
11.3;6.3 Interpretation der Gesamtstruktur;100
12;7 Gütemaße und Vergleich der Gütewerte verschiedener Analysemethoden;104
12.1;7.1 Gütemaße;104
12.2;7.2 Vergleich verschiedener Verfahren nach Gütemaßen;107
12.3;7.3 Tabellen zu den Gütemaßen;113
12.4;7.4 Tabellen zur methodische Vorgehensweise für die vergleichende Analyse;113
13;8 Weitere Verfahren;120
14;9 Diskussion der Ergebnisse und Ausblick;124
15;Literaturverzeichnis;128
1 Einleitung (S. 1)
Name me something in sociology that isnt structural. What isnt? . . .
(Harrison C White (2001))
Die Blockmodellanalyse ist ein anspruchsvolles Verfahren, um soziale Netzwerke zu untersuchen. Sie stammt aus den 70er Jahren, als sich die Sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse als eigenes Forschungsparadigma etablierte und eine Fülle von Methoden zur Analyse von sozialen Netzwerken und damit verknüpften theoretischen Perspektiven entwickelte. Die Blockmodellanalyse ist deswegen besonders interessant, weil sie fundament ale theoretische Konzepte wie «soziale Rolle», «soziale Position» und «soziale Struktur» mit einer formalen quantitativen Analysemethode verknüpft.
Das Verfahren ist vielseitig anwendbar und hat schon in mehreren Forschungsgebieten wie der «historischen Soziologie», z.B. Bar key und Van Rossem (1997), Padgett und Ansell (1993), der «Forschung zu kommunalen Eliten», z.B. R. L. Breiger (1979), Kappelhoff (1987), der Forschung zu «Interorganisationalen Netzwerken», z.B. Galaskiewicz und Krohn (1984), Lincoln und Gerlach (2004), Knoke und Rogers (1979), der Forschung zu «internationalen Handelsbeziehungen», z.B. R. L. Breiger (1981), Nemeth und Smith (1985), der Forschung zu «Wissenschaftsnetzwerken», z.B. Burt (1978/79) und in der Ethnologic, z.B. Bearman (1997), zu substantiellen Beiträgen geführt.
Die Wichtigkeit dieser Methode ergibt sich daraus, dass sie möglicherweise geeignet ist, ein Auseinanderfallen der Soziologie in Theorien und Methoden zu überwinden. Auf der Theorieseite gibt es die von Durkheim (1894) formulierte soziologische Grundüberlegung, dass Soziales als soziale Tatsache ein über das Individuum hinausgehendes eigenständiges Wesen sui generis besitzt, das wiederum auf das Individuum als Zwang zurückwirkt. Simmel (1908) definierte als konstitutiven Gegenstand der Soziologie entsprechend nicht das Individuum, sondern die Vergesellschaftung al- so dcLS in Wechselwirkung-Treten der Individuen. Auf der anderen Seite steht eine simplifizierende angewandte Sozialforschung, die dies häufig nicht berücksichtigt und immer wieder beim Individuum als Untersuchungseinheit stehen bleibt.
Dabei kann die Soziologie von einer Überwindung dieser Kluft sicherlich profitieren. Das primare Interesse dieser Arbeit liegt also in der besonderen theoretischen Konzeption dieser Methode. Daraus resultiert jedoch auch ein Interesse an der konkreten Durchführung und Anwendung des Verfahrens. Die Entwicklung der Methode wurde von einigen mit einem umfangreichen mathematischen Hintergrund ausgestatteten Spezialisten in den letzten Jahren vorangetrieben. Allerdings scheint der Einsatz der Methode ihrer Entwicklung hinterherzuhinken, und das nicht unproblematische CONCOR-Verfahren ist zur Durchführung einer Blockmodellanalyse noch recht verbreitet.
Besonders problematisch ist, dass in einigen Forschungsarbeiten die methodischen Entscheidungen, die zur Durchführung einer Blockmodellanalyse notwendig sind, kaum begründet und reflektiert werden. Dabei ist die Blockmodellanalyse gerade ein Verfahren, dass dem Forscher besonders viele methodische Entscheidungen abverlangt. Es fehlt an einer Einführung, die diese Entscheidungen übersichtlich darstellt, um die Implikationen verschiedener Vorgehensweisen zu verdeutlichen. Dabei sollen auch praktische Hinweise gegeben werden, mit welchen Computerprogrammen welche Analyseschritte durchgeführt werden konnen. Somit ergeben sich für diese Arbeit zwei Fragestellungen, die auseinander hervorgehen:
(1) Die theoretische Grundlegung des Verfahrens soll rekonstruiert werden. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, dass sich Theorien und Methoden nicht voneinander trennen lassen. Dabei soll insbesondere die soziologische Erklärungsleistung einer strukturell-relationalen Theoriekonzeption herausgearbeitet werden.
(2) Um die Anwendung der Methode zu fordern, sollen die Schritte bei der Durchführung übersichtlich dargestellt werden.




