E-Book, Deutsch, Band 1, 264 Seiten
Reihe: Dark Falling
Heiland Dark Falling - Schatten der Vergangenheit
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96714-088-0
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mystische Romantasy
E-Book, Deutsch, Band 1, 264 Seiten
Reihe: Dark Falling
ISBN: 978-3-96714-088-0
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mit jeder Sekunde verliert er mehr und mehr von seiner Seele. Kann ihre Liebe ihn retten? Um den zwanzigjährigen Gideon Zeus ranken sich düstere Geschichten, und in seiner Burg auf der schottischen Insel St. Eilean geht es nicht mit rechten Dingen zu. Trotz dieser Gerüchte bleibt Geal nichts anderes übrig, als dort einen Job anzunehmen. Was sie nicht ahnt: Gideon ist nur noch einen Schritt von der Verdammnis entfernt. Sein Gewissen belastet nichts weniger als der Tod seiner Eltern und um die Erinnerungen an seine schreckliche Vergangenheit und seine eigene Grausamkeit zu vergessen, hat er dem Teufel seine Seele versprochen. Doch als diese fast vollständig an die Unterwelt verloren scheint, entfachen Geals Wärme und Sanftmut zarte Gefühle in dem verschlossenen Mann, die allein ihn aus seinem Bann befreien können. Doch der Gegner ist mächtig und setzt alles daran, die Liebe der beiden zu verhindern ... 'Dark Falling - Schatten der Vergangenheit' ist der Auftakt der mystischen Liebesroman-Reihe 'Dark Falling'. Die Reihe 'Dark Falling': Band 1: 'Dark Falling - Schatten der Vergangenheit' Band 2: 'Dark Falling - Lichter der Zukunft'
Autoren/Hrsg.
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1
Gideon Zeus hatte seine Eltern getötet. Heute war der Mord exakt drei Jahre her. Ein Jahrestag sozusagen. Gideon leerte sein Glas Champagner in wenigen Zügen und sah vom ersten Stock aus auf seine Partygäste hinab. Keiner von ihnen ahnte auch nur, dass sie auf der Party eines Mörders waren. Der Großteil der anwesenden Mädchen himmelte ihn an, weil er mit seinen blonden Locken und den im Licht golden schimmernden Augen aussah wie ein Engel. Und weil er in einer wildromantischen Burg lebte. Und in Geld schwamm. All die Schönen und Reichen dort unten hatten keine Ahnung, dass er zwei Leben auf dem Gewissen hatte. Gideon lehnte an einer Steinsäule und fuhr mit dem Zeigefinger über den Rand seines Champagnerglases. Die Standuhr schlug Mitternacht. Niemand außer Gideon nahm das Schlagen wahr, dafür war die Musik zu laut. Kirschrote Bowle sprudelte aus einem Tischbrunnen. Kaviar, Wachteleier, Austern – alles war im Überfluss vorhanden. Der Steinboden unter seinen Füßen vibrierte, die Ritterrüstung neben ihm zitterte im Bass der Musik. Wie hingegossen lag Liliana di Mauro, die aktuell erfolgreichste Polospielerin Europas, auf dem schwarzen Ledersofa. Gideon hatte ihr Gesicht letzte Woche in der Zeitung gesehen und sich gewünscht, sie würde auf seine Party kommen. Er hätte sich auch wünschen können, dass sämtliche Victoria’s-Secret-Models erscheinen würden. Denn jeder seiner Wünsche ging in Erfüllung. Jeder. Allerdings waren Models ehrfahrungsgemäß anstrengend. Hinter Liliana bewegte Alesia Iwanowa, eine russische Balletttänzerin, ihre schmalen Hüften im Takt des Hip-Hop-Songs, der aus den Boxen dröhnte. Auch sie wäre unter normalen Umständen wohl nicht zu Gideons Party erschienen. Eine Party auf einer winzigen schottischen Insel, auf der es mehr Schafe als Einwohner gab. Aber die Umstände waren eben nicht normal, und Gideon war es gewohnt, zu bekommen, was er sich wünschte. Der Rest der Anwesenden waren ›Styroporgäste‹, wie Gideon sie insgeheim bezeichnete. Er nannte sie deshalb so, da der Großteil der Typen und Mädchen hier denselben Zweck wie Styroporchips in Paketen hatte: Sie füllten den Leerraum aus, weil Gideon sich eine große Party mit vielen Gästen gewünscht hatte. Meist waren es Studenten aus London, junge Rucksacktouristen oder reiche Söhne und Töchter, die es sich leisten konnten, mal eben am Wochenende zu einer Party in ein anderes Land zu fliegen. Gideon kannte sie alle nicht, hatte sie noch nie zuvor gesehen. Es zählte ohnehin nur, dass sie jetzt hier waren und seine Samstage zum Highlight jeder Woche machten. Am nächsten Morgen würden sie alle wieder verschwunden sein. Gideon setzte sich in Bewegung und schlenderte zur schmalen Steintreppe, die ihn in den zweiten Stock führte. »Gideon, warte!« Tom Rinley, ein Mann um die vierzig, das Gesicht wie gestrafftes Leder. Tom war Dauergast auf Gideons Partys und der Einzige unter all diesen Menschen, den Gideon tatsächlich kannte. Gemeinsam mit Mason, Gideons Vater, hatte er Zeus Petroleum aufgebaut und leitete die Öl- und Gasfirma seit drei Jahren allein. Tom war der Grund, weshalb Gideon in Geld schwamm, selbst aber keinen Finger dafür krümmen musste. Zudem hatte sich Tom darum gekümmert, dass Gideon nach dem Tod seiner Eltern bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr in der Burg von einem Privatlehrer unterrichtet worden war und sich anschließend zu einem BWL-Fernstudium eingeschrieben hatte, das Gideon jedoch nicht sonderlich ernst nahm. »Wo ist das noch mal, wo es diesen …« Tom schnippte mit den Fingern und suchte in seinem Kopf augenscheinlich nach dem richtigen Wort. »Na, du weißt schon. Wo es diesen Lavafluss gibt. Das war doch Japan, nicht wahr?« »Hawaii«, antwortete Gideon kurz angebunden. Noch jemand rief seinen Namen. Mara. Vor zwei Wochen war sie als Styropormädchen auf seiner Party erschienen. Gideon hatte sie gefragt, ob sie sich vorstellen könne, eine Weile als Gast auf der Burg zu bleiben. Mara hatte ihr Glück kaum glauben können. Gideon war für sie die Erfüllung ihrer Träume, das hatte sie ihm mehrmals nachts ins Ohr geflüstert. Für ihn war Mara nur ein Glied einer langen Kette von Mädchen. Sie war hübsch, aber nicht mehr als ein Zeitvertreib. Er ignorierte sie und ging weiter. »Ist der Typ dort oben Gideon Zeus?«, hörte er zwei Mädchen miteinander flüstern. »Er ist noch schöner als auf den Fotos in den Zeitschriften …« »Aber die Burg ist schon unheimlich, findest du nicht? So dunkel … Bestimmt gibt es hier Geister.« Es zog Gideon zur Wehrplatte der Burg, wo ihm der kalte Wind des Atlantischen Ozeans die blonden Locken ins Gesicht wehte. »Hier stecken Sie, Mister O’Connery«, sagte er. »Ich dachte mir schon, dass es Ihnen drinnen zu laut ist.« Mister O’Connery schwieg. Gemeinsam schauten sie auf das nachtschwarze Meer, auf dem in weiter Ferne das Licht eines Kreuzfahrtschiffes leuchtete. Von der anderen Seite der Wehrplatte aus hatte man einen guten Blick auf das Dorf, das um diese Uhrzeit in absoluter Dunkelheit lag. Das war das Beeindruckende an dieser Gegend: Nachts war es stockfinster. Abgesehen vom funkelnden Sternenhimmel, dem Blinken des Leuchtturms und dem goldenen Lichtkreis, der die Burg umgab. »Verspüren Sie eigentlich niemals den Drang, einfach davonzufliegen?«, fragte Gideon. Mister O’Connery schwieg noch immer. Meist legte er nur den Kopf schief und betrachtete Gideon aufmerksam. »Verstehe«, sagte Gideon. »Warum sollten Sie auch von hier fortwollen, wo Sie doch alles haben, was Ihr Herz begehrt?« Seit drei Jahren hatte Gideon die Burg so gut wie nie verlassen. Tagtäglich atmete er die salzige, raue Inselluft ein. Hörte den eisigen Wind heulen. Sah die weitläufige Landschaft St. Eileans, in der es nichts gab außer ein paar Cottages und einer einzigen Straße, die um die Insel herumführte. Mister O’Connery begann zu singen – oder eher zu krächzen. »Moon, moon, shiny and silver. Moon, sun, shiny and gold.” Mister O’Connery war Gideons Papagei und einer seiner wenigen Freunde. Seiner wahren Freunde. Er war ein vollkommen freier Vogel, hielt sich jedoch meistens in Gideons Zimmer oder auf den Türmen auf. Vielleicht spürte er, dass Gideon ihm einst das Leben gerettet hatte, und flog deshalb nicht fort. Vor sieben Jahren hatte einer von Masons Geschäftspartnern, der echte Mister O’Connery, den Papagei für seine Frau gekauft und schon bald das Gekrächze nicht mehr ausgehalten. Er wollte ihm einfach den Hals umdrehen, aber Gideon hatte gefleht, ihn stattdessen als Haustier geschenkt zu bekommen. So war der Papagei in Gideons Zimmer eingezogen, damals noch in der Villa in der Provence. Da Gideon sich selbst nach stundenlangem Überlegen nicht für einen Namen für das Tier hatte entscheiden können, hatte er ihn einfach Mister O’Connery genannt. »Moon, moon, shiny and silver …« Früher hatte Gideons Mutter Angelique für ihn dieses Schlaflied gesungen. Aber dann hatte er sie nur noch zwei-, vielleicht dreimal im Jahr gesehen. Sein Vater hatte ihn in ein Klosterinternat gesteckt und fast vollständig aus Angeliques Leben gestrichen. »Deiner Mutter geht’s nicht so gut, Giddy, mein Kleiner. Ein bisschen Abstand zu dir hilft ihr sicher. Das verstehst du doch, oder?« Daraufhin hatte Gideon sich selbst in den Schlaf singen müssen, wenn er nachts kein Auge zugetan hatte. Irgendwann hatte Mister O’Connery das Schlaflied gelernt. Das war vor etwa drei Jahren gewesen – bevor Gideon seine Eltern umgebracht hatte. Gideon hatte seine Eltern an einem Tag getötet, der wie jeder andere gewesen war. Mason, Angelique und Gideon hatten eine Woche in diesem schottischen Nest verbracht: St. Eilean, einer winzigen Insel, auf der es das ganze Jahr über stürmte, sodass Bäume und Sträucher keine Chance hatten, zu wachsen. Stürme, die so schlimm waren, dass die nördliche Nachbarinsel im Jahr neunzehnhundertfünfzig evakuiert worden war, da die letzten dreißig Inselbewohner ihr Leben dort nicht mehr ertrugen. Die Bewohner St. Eileans harrten hingegen aus. Stoisch wie Felsen trotzten sie der Kälte, den Winden und dem ständigen Wechsel von Sonne und Regen. Da Zeus Petroleum auf St. Eilean einen seiner vielen Firmensitze hatte, war die Familie Zeus einmal im Jahr auf die Insel geflogen, damit Mason die Geschäfte kontrollieren konnte. Abgesehen von der Zeit auf St. Eilean hatten seine Eltern ihn zwischendurch auch noch anstandshalber für ein paar Tage Urlaub aus dem Internat geholt, damit niemand sagen konnte, sie würden sich nicht um ihr Kind kümmern. Diese Zeit hatte Gideon meist mit Kopfhörern in den Ohren und Handy in der Hand am Pool verbracht. An Weihnachten hatten seine Eltern und er sich nur für ein paar Stunden gesehen. Das war’s. An dem Tag, als seine Eltern starben, war die ganze Familie mit dem privaten Hubschrauber seines Vaters die Küste entlanggeflogen. Es war ein erstaunlich schöner und warmer Tag gewesen. Gideon sah noch immer alles ganz deutlich vor sich: Die Sonne glänzte auf der Frontscheibe und heizte den Innenraum auf. Unter ihnen ragten spitz zulaufende Felsen aus dem Meer heraus. Mason lenkte die Maschine mit nur einer Hand, in der anderen hielt er sein Handy, durch das er ununterbrochen irgendeinen armen Kerl anbrüllte. »Scheiße!« Sein Vater fluchte und knallte sein nagelneues iPhone auf das Cockpit des Hubschraubers. »Als ob ich nicht schon genug Ärger am Hals hätte!« Angelique, die neben ihm saß, hatte die Augen geschlossen und die Arme dicht an ihrem Körper in den Sitz des Hubschraubers gestemmt....




