E-Book, Deutsch, Band 77, 100 Seiten
Reihe: Mami Bestseller
Heimburg Deine Liebe will ich nie verlieren
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7409-7638-5
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Mami Bestseller 77 - Familienroman
E-Book, Deutsch, Band 77, 100 Seiten
Reihe: Mami Bestseller
ISBN: 978-3-7409-7638-5
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Große Schriftstellerinnen wie Patricia Vandenberg, Gisela Reutling, Isabell Rohde, Susanne Svanberg und viele mehr erzählen in ergreifenden Romanen von rührenden Kinderschicksalen, von Mutterliebe und der Sehnsucht nach unbeschwertem Kinderglück, von sinnvollen Werten, die das Verhältnis zwischen den Generationen, den Charakter der Familie prägen und gefühlvoll gestalten. Mami ist als Familienroman-Reihe erfolgreich wie keine andere! Seit über 40 Jahren ist Mami die erfolgreichste Mutter-Kind-Reihe auf dem deutschen Markt! »Kennst du eigentlich meinen Vati, Tante Regine?« In der kurzen Stille, die dieser unschuldig-kindlichen Frage folgte, klickte die Kaffeetasse härter auf die Untertasse. Die Journalistin Regine Werner, eine moderne junge Frau, nie um eine Antwort verlegen, lächelte unsicher: »Nein, mein Schätzchen.« »Alle Kinder in der Schule haben einen Vati, bloß ich nicht,« »Ist das denn so schlimm, Heidi? Ich dachte, heutzutage wäre das kein Problem mehr.« »Schlimm nicht, aber schön auch nicht.« Die Siebenjährige strich anmutig die schwarzbraunen Locken zurück. »Aber ich glaube, mit einem Vati macht das Leben noch mehr Spaß.« »Sicher, ein Mann ist mitunter recht nützlich. Aber weißt du, Väter haben mitunter oft keine Zeit für ihre Kinder, leider. Du mußt dir also nicht einbilden, Heidi, daß du eine Menge versäumst.« »Mami hat mir erzählt, daß Vati Seemann war. Er ist mit seinem Schiff fortgefahren, und Mami hat dann nie wieder was von ihm gehört. Weißt du, was ich glaube, Tante Regine?« »Was denn?« »Daß er mit seinem Schiff in einem ganz schlimmen Sturm untergegangen ist. Mami will es mir bestimmt bloß nicht erzählen, weil ich dann traurig werde, nicht?« »Hm, das könnte natürlich sein.« Regine Werner rührt angelegentlich in ihrer Kaffeetasse, die fast leer war.
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»Kennst du eigentlich meinen Vati, Tante Regine?«
In der kurzen Stille, die dieser unschuldig-kindlichen Frage folgte, klickte die Kaffeetasse härter auf die Untertasse.
Die Journalistin Regine Werner, eine moderne junge Frau, nie um eine Antwort verlegen, lächelte unsicher: »Nein, mein Schätzchen.«
»Alle Kinder in der Schule haben einen Vati, bloß ich nicht,«
»Ist das denn so schlimm, Heidi? Ich dachte, heutzutage wäre das kein Problem mehr.«
»Schlimm nicht, aber schön auch nicht.« Die Siebenjährige strich anmutig die schwarzbraunen Locken zurück. »Aber ich glaube, mit einem Vati macht das Leben noch mehr Spaß.«
»Sicher, ein Mann ist mitunter recht nützlich. Aber weißt du, Väter haben mitunter oft keine Zeit für ihre Kinder, leider. Du mußt dir also nicht einbilden, Heidi, daß du eine Menge versäumst.«
»Mami hat mir erzählt, daß Vati Seemann war. Er ist mit seinem Schiff fortgefahren, und Mami hat dann nie wieder was von ihm gehört. Weißt du, was ich glaube, Tante Regine?«
»Was denn?«
»Daß er mit seinem Schiff in einem ganz schlimmen Sturm untergegangen ist. Mami will es mir bestimmt bloß nicht erzählen, weil ich dann traurig werde, nicht?«
»Hm, das könnte natürlich sein.« Regine Werner rührt angelegentlich in ihrer Kaffeetasse, die fast leer war.
»Schade, daß Vati nicht mehr bei uns ist. Er war wirklich ganz prima! Mami hat mir viel von ihm erzählt. Er war sooo stark und sooo nett! Immer hatte er gute Laune, nie hat er geschimpft und gebrummelt. Und meiner Mami hat er fast jeden Tag Rosen geschickt. Weißt du, wie er zu ihr gesagt hat?«
»Keine Ahnung!«
»›Meine schwarze Rose‹, hat er immer gesagt. Weil wir doch mit dem Zunamen Rose heißen und Mami ganz schwarze Haare hat.«
»Ein romantischer Mann also.«
»Was ist ein romantischer Mann?«
»Das ist eines der seltenen Exemplare seiner Gattung, die nicht nur das Geldverdienen und den Kegelverein im Sinn haben, sondern die sich wirklich um die Frau, die zu ihnen gehört, kümmern. Und manchmal auch Worte sagen, die den anderen männlichen Wesen komisch vorkommen würden.«
»Dann war mein Vati also ein seltenes Exemplar?«
»Es scheint so.«
In diesem Moment betrat Elke Rose die Terrasse des hübschen kleinen Einfamilienhauses. Sie trug ein weißes Sommerkleid, ärmellos, mit spitzem Ausschnitt und schwingendem Rock. Das schwarze Haar wallte lose auf ihre Schultern und verlieh der Mutter des kleinen Mädchens etwas Märchenhaftes. Die dunkelblauen Augen sprühten vor Lebensfreude.
»Hoppla, ihr beiden! Kaum läßt man euch eine Minute allein, schon fangt ihr an, über Männer zu philosophieren!«
»Über Vati!«
Eine flüchtige Röte huschte über das sonnengebräunte Gesicht der Siebenundzwanzigjährigen.
»So, ich habe uns frischen Kaffee gebrüht.«
Elke stellte die geblümte Kanne auf den Tisch und setzte sich in den Korbsessel. Jede Bewegung ihres schlanken und doch kräftigen Körpers wirkte lebensvoll und geschmeidig.
»Mami, darf ich jetzt ein bißchen mit Tanja spielen?« fragte Heidi.
»Lauf nur, es ist für ein Kind sicher nicht sonderlich interessant, wenn sich zwei alte Freundinnen nach so langer Zeit zum Kaffeeklatsch treffen.«
»In einer Stunde bin ich wieder da.«
»Schön, mein Schatz.« Elke schenkte Kaffee ein.
Sie genoß diese Kaffeestunde auf der sonnigen Terrasse sehr, denn vergangene Zeiten wurden wieder lebendig.
Regine und sie waren gemeinsam in der kleinen Heidestadt aufgewachsen und zur Schule gegangen, doch die Freundin lebte nun schon seit vielen Jahren in Hamburg und arbeitete als Redakteurin bei einer großen Illustrierten.
»Du siehst übrigens ganz prima aus, Regine. Die neue, längere Frisur mit den kleinen Wellen steht dir ausgezeichnet.«
»Und der braune Farbton aus der Tube! Du hast solche Verschönerungstricks ja nicht nötig!«
»Bei den Haaren nicht, aber sonst. Jede Frau hat ihre kleinen oder größeren Mängel, die sie irgendwie verbergen möchte. Aber reden wir nicht davon. Du siehst außerdem so strahlend aus. Frisch verliebt?«
»Hin und wieder.« Regine Werner lächelte spöttisch. »Der Richtige war leider nie dabei. Und wie sieht’s bei dir aus?«
Elke zuckte die Schultern. »Ich bin schon seit langem solo. Bei den Männern blättert immer so schnell der Lack ab.«
»Wem sagst du das!«
»Zum Glück bin ich nicht darauf angewiesen, zu heiraten. Mein kleiner Buchladen ernährt uns, Heidi und mich.«
»War es nicht schwierig, deine beiden Rollen als aufstrebende Geschäftsfrau und Mutter unter einen Hut zu kriegen?«
»Ja, leider. Heidi hat sicher darunter gelitten. Wir haben uns so durchgewurschtelt. Inzwischen geht es leichter. Ich habe eine tüchtige junge Mitarbeiterin und kann mehr Zeit für meine Kleine erübrigen.«
»Heißt deine kleine Tochter eigentlich Heidi oder Heide?«
»Heide – und das hört sie auch lieber. Trotzdem sagen fast alle Heidi. Ich bin sehr glücklich, daß ich sie habe. Ein Kind gibt dem Leben irgendwie einen Sinn.«
»Und es ist eine schöne Erinnerung.«
»Wie meinst du das?«
»Nun, Heidis Vater scheint ja wohl ein Prachtmensch gewesen zu sein.«
Eine zarte Röte färbte die Wangen der schwarzhaarigen jungen Frau.
»Ja, das war er!« Elke seufzte aus tiefstem Herzen. »So einen Mann finde ich nie wieder. Ich habe ihn sehr geliebt. Bisher habe ich noch nie mit einem Menschen – außer mit Heide – über ihn gesprochen, aber er war wirklich etwas ganz Außergewöhnliches.«
»Ein Traummann.«
»Auch wenn du darüber lächelst – ja. Ein Mann zum Träumen. Er war so ritterlich, so zuvorkommend, wie es das heute kaum noch gibt. Wir waren immer ganz offen zueinander. Ich wußte ganz genau, daß er alles, was er sagte, auch so meinte. Das mochte ich besonders an ihm. Weißt du, es gibt so viel Falschheit und Heuchelei. Da genießt man es besonders, wenn man einem Menschen vertrauen darf.«
»Das kann ich verstehen. – War er wirklich Seemann?«
»Nun ja, nicht direkt. Aber mit Schiffen hatte er zu tun. Er war – und ist es wohl auch noch – Besitzer einer kleinen Werft.«
»Wie hast du ihn denn kennengelernt?«
»Ganz zufällig. Er hatte damals beruflich in der Gegend zu tun. Später kam er dann noch an einigen Wochenenden. Es war eine verzauberte Zeit. So schön, wie man es sonst in Romanen liest.«
»Und natürlich sah er auch phantastisch aus.« Regines Augen glitzerten belustigt.
»Und wenn du platzt – so war es! Schau dir meine Tochter an. Sie hat seine schönen Augen und im wesentlichen seine Gesichtszüge. Er war groß und schlank und breitschultrig, hatte dunkles Haar und war von einer fabelhaft lässigen Eleganz. Nichts konnte ihn aus der Fassung bringen, er blieb immer Herr der Situation, das hat mir ganz besonders imponiert.«
»Meine Güte, Elke, du hast ja ein richtiges Denkmal erbaut, auf dem er thront, dein Traummann, und zwar auf einem ziemlich hohen Sockel. Kein Wunder, daß kein anderer Mann mehr heranreicht!«
»Du meinst, ich sehe ihn durch eine rosarote Brille? Allzu verklärt?«
Regine zuckte die Schultern. »Warum hast du ihn denn nicht mit Klauen und Zähnen festgehalten, wenn er so ein Wunder-Exemplar war?«
Elkes Gesicht wurde rot. Verlegen senkte sie den Kopf. »Kannst du es dir nicht denken?«
»Er war bereits verheiratet?«
Elke hob ruckartig den Kopf. »Ja, aber ich habe es nicht gewußt! Von Anfang an nicht, meine ich. Er hat es mir zunächst verschwiegen. Sonst hätte ich mich nie so weit mit ihm eingelassen. Schließlich hat er es mir dann doch gestanden.«
»Erzählte er dir nicht, daß er sich am liebsten scheiden lassen wollte?«
Elke schüttelte entschieden den Kopf.
»Nein, so war er nicht. Er hat mir ganz offen gestanden, daß er eine gute Ehe führt. Daß er in dieses Abenteuer mit mir nur hineingeschlittert ist, weil er sich nicht wehren konnte, weil die Gefühle zwischen uns eben stärker waren.«
»Nun, das war wenigstens nicht die übliche Platte, die da lautet: Meine Frau versteht mich nicht. Und du, edel wie du bist, hast natürlich auch nicht versucht, ihn zum Heiraten und zur Scheidung – zu bewegen, obwohl ein Kind unterwegs war.«
»Das hat er nie erfahren!«
»Ach!«
»Nein, das hätte ich ihm nie erzählt! Um keinen Preis! Ich wollte ihn doch nicht moralisch oder sonstwie unter Druck setzen und möglicherweise seine gute Ehe belasten oder sogar zerstören.«
»Du hast also auf jegliche Zahlungen für dein Kind verzichtet?«
»Natürlich! Als man mir ansehen konnte, daß ich ein Kind erwartete, war unser Abenteuer schon zu Ende. Wir haben uns nie wiedergesehen.«
»Wie heißt er denn, der Herrlichste von allen?«
»Das tut nichts zur Sache!«
»Schau an. Er wird also bis an sein Lebensende nicht erfahren, daß er eine niedliche kleine Tochter in die Welt gesetzt hat.«
»Selbstverständlich nicht.«
»Hat er noch andere Kinder? Mit seiner Frau, meine ich?«
»Das weiß ich nicht. Damals noch nicht.«
»Du weißt also überhaupt nichts von ihm?«
»Meinst du, ich hätte ihm nachspioniert? Nachdem ich wußte, daß er bereits verheiratet war, war das Kapitel für mich abgeschlossen.«
»Ja, so bist du. Ich bewundere dich, Elke.«
»Da gibt es nichts zu bewundern. Ich wäre nicht glücklich geworden, wenn ich meine Zukunft auf den Scherben eines anderen Glücks hätte aufbauen sollen. Außerdem wäre jeder Versuch sinnlos...




