Hein | Neurologische Personalauswahl | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Hein Neurologische Personalauswahl

Mitarbeiter gewinnen, die nicht nur können, sondern auch wollen.
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7494-5697-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mitarbeiter gewinnen, die nicht nur können, sondern auch wollen.

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

ISBN: 978-3-7494-5697-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wissen und Können machen noch keinen High Performer. Erst, wenn die Denk- und Motivationsstrategien optimal zum Job passen, wächst der Mitarbeiter über sich hinaus und sprengt Limits. Top-Recruiter berücksichtigen dies im Recruiting-Prozess. Erfolgreiche Unternehmen, Führungskräfte und Recruiter achten nicht nur auf das Wissen und Können, sondern vor allem auf das Wollen. Marcus Hein zeigt in diesem Buch, wie Neurologische Denk- und Motivationstrategien entstehen und warum wir diese bevorzugt nutzen. Anhand dieser Strategien entwickelt der Leser das Neurologische Anforderungsprofil einer Stelle als Basis für einen erfolgreichen Recruiting-Prozess. Mit diesem Anforderungsprofil ist es möglich, eine unwiderstehliche Stellenanzeige zu gestalten, die exakt die gewünschten Denkstrategien magnetisch anzieht. Damit steigt der Anteil exakt passende Bewerber. Bereits in den Bewerbungsunterlagen erkennt der Recruiter die Denk- und Motivationsstrategien des Bewerbers. In diesem Buch erfährt der Leser, mit welchen Fragen und Beobachtungen er diese Strategien im Vorstellungsgespräch identifiziert. Dieses Buch richtet sich an alle Mitarbeiter und Führungskräfte, die mit der Gewinnung von Mitarbeitern beschäftigt sind. Außerdem richtet sich dieses Buch an Personal- und Führungskräfteentwickler, die ein pragmatisches Tool für Entwicklungsentscheidungen suchen. Dieses Buch vermeidet Bewerbermangel und Fehlbesetzungen. Es reduziert damit Kosten und Enttäuschungen auf beiden Seiten deutlich.

Marcus Hein ist Experte für Neurologische Führung. Er trainiert und coacht Führungskräfte. Er liefert Lösungen für Führungssituationen, die in der Art des Denkens liegen und damit grundlegend wirksam sind. Sein Ziel ist es, dass sich Limitierungen auflösen und erfolgreiche Unternehmen entstehen, in denen Menschen in der Arbeit Begeisterung und Lebenssinn (wieder-)finden. Für dieses Buch bringt der Autor seine langjährige Erfahrung aus Recruiting und Personalmarketing ein. Viele hundert Arbeitsverträge sind von ihm in über 25 Jahren angebahnt und abgeschlossen worden, vom Anlernberuf und Fachexperten bis hin zu Führungskräften und Geschäftsführern. Seine Erfahrungen ergänzt er in diesem Buch durch Erkenntnisse der Neurobiologie, modernen Psychologie und Medizin, sowie der Positiven Psychologie und der Kommunikationswissenschaften. Seine Führungserfahrung gewann er in Wirtschaft, Katastrophenschutz und Ehrenamt.
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2. NEUROBIOLOGISCHE GRUNDLAGEN


Die Gehirnforschung beschränkte sich auf bis vor Kurzem auf Verhaltensbeobachtungen und Untersuchungen eines nach dem Tod entnommenen Gehirns. Erst seit relativ wenigen Jahren ist es möglich, einem lebenden Menschen ins Gehirn zu schauen. Und noch viel jünger ist die Möglichkeit, dem Gehirn beim Arbeiten zuzuschauen. Und auch heute ist das nur eingeschränkt möglich, da wir letztlich nur Aktivitäten messen, aber nicht beobachten können, was exakt geschieht.

Dennoch haben die letzten Jahre zu bahnbrechenden Erkenntnissen geführt, die gerade auch für Themen wie Motivation und Gesundheit relevant sind und einige wesentliche Paradigmen auf den Kopf stellen.

2.1. Aufbau und Entwicklung

Was wissen wir über die Entstehung des Gehirns? Nach der Befruchtung teilt sich die Zelle und ab der achten Zellteilung spezialisieren sich die Zellen. Ab der dritten Woche entwickelt sich das sogenannte Neuralrohr. Bereits in der vierten bis sechsten Schwangerschaftswoche bilden sich Vorder-, Mittel- und Hinterhirn aus. Weiter bildet sich die Großhirnrinde und bis zur Geburt des Kindes entstehen 100 Milliarden Nervenzellen.

Grundsätzlich unterscheiden wir drei Ebenen des Gehirns. Der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil ist das sogenannte Stamm- oder auch Reptiliengehirn. Es regelt grundlegende Körperfunktionen, wie Herzschlag, Atmung sowie Zellteilung. Auch steuert es Reflexe.

Ein weiterer, jüngerer Teil des Gehirns ist das Limbische System. Es steuert körperliche Bedürfnisse, Empfindungen, Affekte und Gefühle. Dieser Teil ist auch ganz wesentlich am Wahrnehmungsprozess beteiligt.

Der entwicklungsgeschichtlich jüngste Teil des Gehirns ist die Großhirnrinde oder auch Neo-Cortex. Hier werden Erinnerungen gespeichert und hier findet bewusstes Denken statt. Auf das Thema Bewusstsein gehen wir aufgrund seiner Bedeutung noch ausführlicher ein.

Die eigentliche Leistung unseres Gehirns wird dadurch möglich, dass sich Nervenzellen miteinander verbinden und sich gegenseitig beeinflussen, hemmen oder aktivieren. Im Durchschnitt geht jede einzelne Gehirnzelle eine Verbindung mit 10.000 anderen Gehirnzellen ein. Man sagt, dass jede Zelle mit jeder anderen Zelle im Gehirn über eine weitere Zelle verbunden ist. Deshalb ist unser Gehirn so schnell.

Ein weiterer Grund für die hohe Schnelligkeit ist, dass Verbindungen zwischen zwei Gehirnzellen, so sie denn erfolgreich genutzt werden, mit einer besonderen Schicht umgeben werden (Myelinisierung), die die Übertragungsgeschwindigkeit auf das 100fache anhebt. Nicht genutzte Verbindungen lösen sich hingegen auf und sterben ab. Use it or lose it.

Das Gehirn eines Embryos oder Säuglings ist wie ein leeres Buch, dessen Seiten noch unbeschrieben sind. Jetzt könnte aus diesem kleinen Menschen noch alles werden: Polizist, Gewaltverbrecher, Bundespräsident, Postbote, Gehirnchirurg oder Sachbearbeiter. Im Laufe der individuellen Entwicklung werden die Seiten in diesem Buch gefüllt. Es entstehen Prägungen, Prioritäten, Werte, Überzeugungen. Ganz am Anfang gibt es die noch nicht.

2.2. Synaptische Autobahnen

Im vorherigen Kapitel sprach ich bereits über die Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Diese sind für unser Thema zentral. Deshalb gehe ich darauf noch etwas vertiefend ein.

Dass Zellen Verbindungen eingehen ist durchaus metaphorisch erweiterbar auf die Verbindung zwischen Menschen: Das Gehirn eines Menschen will sich mit Gehirnen anderer Menschen verbinden. Lernen funktioniert ohne diese Verbindungen nicht. Wir brauchen einander, um leben zu können.

Eine einzelne Zelle im Gehirn des Menschen kann alleine nichts bewirken. Deshalb geht sie Verbindungen ein. Dabei entstehen für geübte Vorgänge, wie Schnürsenkelbinden, Autofahren oder Zähneputzen sehr starke Verbindungen. Ich bezeichne sie gerne als synaptische Autobahnen.

Hirntechnisch gesprochen, probiert eine synaptische Verbindung etwas Neues aus. Genauer gesagt, schaut sich der Mensch etwas bei einem anderen ab und in seinem eigenen Gehirn sind die gleichen Zellen und Verbindungen aktiv, wie bei demjenigen, der es vormacht. Das Kind sieht, wie die Mutter lächelt. Aufgrund emphatischer Nähe springen sogenannten Spiegelneuronen an und lösen das gleiche Aktionspotenzial im Gehirn des Kindes aus. Geschieht dies oft genug, wird das Kind irgendwann lächeln können. Dazu muss es keine Regeln oder Prozessabläufe lernen. Es macht einfach.

Das Kind probiert bestimmte synaptische Verbindungen aus. Viele funktionieren nicht oder sind nicht geeignet. Doch irgendwann funktioniert etwas. Das stärkt die Verbindung. Andere Verbindungen reihen sich ein und es entsteht eine synaptische Autobahn.

Falls Sie wissen wollen, was eine synaptische Autobahn ist, machen Sie bitte folgende Übung. Vermutlich putzen Sie sich morgens und abends die Zähne immer mit der gleichen Hand. Ich nehme immer die rechte. Die Steuerung dieses Vorgangs ist eine synaptische Autobahn. Sie funktioniert perfekt, weitgehend fehlerfrei und Sie müssen nicht darüber nachdenken.

Putzen Sie Ihre Zähne heute Abend mit der anderen Hand. Und seien Sie besonders vorsichtig, es könnte zu Verletzungen kommen (der Autor haftet ausdrücklich nicht für Schäden und Verletzungen!). Jetzt stellen Sie fest, dass Sie nicht mehr auf einer synaptischen Autobahn, sondern eher auf einem synaptischen Trampelpfad unterwegs sind.

Falls Sie daran wirklich Interesse haben und dran bleiben, also immer wieder die andere Hand benutzen, wird es einige Zeit brauchen und es entsteht eine neue Autobahn. Setzen Sie das über Jahre so fort, werden Sie irgendwann überlegen müssen, wie das mit der ursprünglichen Hand ging. Die alte synaptische Autobahn ist überwuchert, zerfallen, vielleicht gänzlich unbrauchbar geworden. Dafür funktioniert die neue Verbindung sehr gut.

Für den Führungsalltag und speziell den Auswahlprozess ist entscheidend, dass Sie Mitarbeiter auswählen bzw. so einsetzen, dass diese überwiegend auf synaptischen Autobahnen unterwegs sind. Natürlich haben Sie mit der ungewohnten Hand auch ihre Zähne geputzt. Aber war das toll? War es leicht? Sie mussten sich sehr anstrengen und konzentrieren, vielleicht hat es weh getan oder sogar geblutet. Mitarbeiter können Dinge außerhalb ihrer synaptischen Autobahnen tun. Das ist mühsam, braucht hohe Konzentration und gelingt nicht so perfekt. Spaß macht es auch nicht, aber es geht irgendwie. Exzellente Führungskräfte nutzen die synaptischen Autobahnen ihrer Mitarbeiter.

2.3. Bewusst & Unbewusst

Was glauben Sie: Wieviel Prozent neuronaler Prozesse laufen unbewusst ab und entziehen sich damit der bewussten Kontrolle?

Diese Frage führt in der Regel bei meinen Seminarteilnehmern zu einer Antwort die bei 80 : 20 oder 90 : 10 liegt. Die meisten gehen davon aus, dass der überwiegende Teil unbewusst gedacht wird.

In der Tat geht man - sehr vorsichtig, wie ich finde - davon aus, dass 70 bis 90 Prozent unserer Entscheidungen unbewusst gefällt werden. Dies ist schwer zu beurteilen, weil unser Gehirn nach einer Entscheidung sofort die (und nur die) Argumente einsammelt, die die Entscheidung rechtfertigen. Damit wirkt die Entscheidung, als wäre sie bewusst gefällt.

Betrachtet man alle neuronalen Prozesse, so geht die Wissenschaft von einem Verhältnis von 1 zu einer Million aus. Das heißt, auf einen bewusst gedachten Vorgang kommen eine Million unbewusste Vorgänge. Hierzu zählen auch alle Vorgänge, die der Körpersteuerung und der Wahrnehmung dienen.

Im nächsten Kapitel über Wahrnehmung komme ich auf dieses Thema noch einmal zurück. Sobald wir verstehen, wie Wahrnehmung funktioniert, wird deutlich, dass ein sehr hoher Anteil unbewusst stattfindet. Dies wirkt sich wesentlich auf Mitarbeiterführung, gegenseitiges Verständnis und Einflussnahme aus.

2.4. Wahrnehmungsprozess

Um den Wahrnehmungsprozess zu verstehen, werde ich ein konkretes Beispiel darstellen.

Äußere visuelle Reize dringen durch die Pupille ins Innere des Auges und bilden sich auf der Rückseite, der Retina ab. Dort werden sie in elektrische Impulse umgewandelt und über Nervenbahnen ins Gehirn geleitet.

Vergliche man das Gehirn mit einem Computer, so würden die Impulse auf der Grafikkarte verarbeitet. Im menschlichen Gehirn ist das anders. Die elektrischen Impulse landen zunächst und direkt im Limbischen System, dort im sogenannten Thalamus. Der Thalamus ist der Eingangspförtner des Gehirns. Er entscheidet, ob eine äußere Wahrnehmung bedrohlich ist oder nicht. Ist sie bedrohlich, wird sofort das Alarmsystem aktiviert und es kommt zu reflexartigen Reaktionen, vorwiegend aus dem Stammhirn. Dieser Prozess dauert zwischen 120 und 150 Millisekunden.

Ist die Wahrnehmung nicht bedrohlich, wird sie im Gehirn weiterverarbeitet. Die Qualität des von der Retina gelieferten Bildes ist nicht sonderlich gut. Das nachstehende Bild deutet das an. Eigentlich könnte unser Gehirn damit nichts anfangen.

Die Weiterverarbeitung dieses rudimentären Bildes findet nun iterativ statt. Der Thalamus fragt quasi im...



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