E-Book, Deutsch, 276 Seiten
Heine Kurze Geschichten
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-1340-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Teil 4-6
E-Book, Deutsch, 276 Seiten
ISBN: 978-3-7519-1340-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor ist 1942 in Hannover- Kleefeld geboren. Nach der Realschule und einer kaufmännischen Lehre folgen Stationen in Lüneburg, Scharnebeck, Winsen/Luhe und Fleestedt. Bedingt durch Beruf, Bundeswehr und Heirat mit Ingrid. Mit ihr ist er seit über 40 Jahren verheiratet und es gehören mittlerweile drei Kinder, drei Enkelkinder und zwei Urenkelkinder zu ihnen. Seit einigen Jahren sind sie in Rente. Die schriftstellerische Tätigkeit begann als Hobby im Jahre 1974. Bis zum heutigen Zeitpunkt sind zwei Romane, "Krisenjahre" und "Unruhiges Blut" erschienen. Sie bilden Teile einer Trilogie, die ihren Abschluss mit dem dritten Roman "Erfüllung" finden wird. Ferner wurden die Biographie "Ein Leben im Sport des Horst Hoffmann", die "Gedichtbände l und II" und "Kurze Geschichten, Teil 1 - 7" verlegt. Übersicht der Titel von Horst Heine: Ein Leben im Sport des Horst Hoffmann Gedichte, Band I Gedichte, Band II Krisenjahre Kurze Geschichten, Teil 1 Kurze Geschichten, Teil 2 Kurze Geschichten, Teil 3 Kurze Geschichten, Teil 4 Kurze Geschichten, Teil 5 Kurze Geschichten, Teil 6 Kurze Geschichten, Teil 7 Unruhiges Blut Januar 2008 Horst Heine
Autoren/Hrsg.
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Tisch 41
„Au! Paß doch auf! Kannst Du Dich nicht vorsichtiger auf mich setzen?“
„Du entschuldige bitte! Aber ich kann doch nichts dafür, wenn mein Geselle mich so abstellt! Mir tut es doch dann auch immer weh! Aber so sind sie nun mal, diese Menschen! So richtig eigennützig und rücksichtslos!“
„Mmmh! Oh nein, nicht alle! Ich kannte welche, die .....!“
„Ach Papperlapapp! Nimmst sie auch noch in Schutz! Mußt mal sehen, wie sie das Werkzeug in mich hineinwerfen! Egal, ob schwerer Hammer oder spitzer Schraubenzieher! Am Anfang tat es noch richtig gut, wenn so eine Drahtbürste auf meinem Rücken kratzte! Aber nun habe ich doch einige Jahre auf dem „Buckel“ und da merkt man es eben, wenn diese Banausen Einen wie mich hart anfassen!“
„Oh ja, das glaube ich Dir gerne! Du bist eben nur eine Werkzeugkiste! Und dazu auch noch so robust! Eben aus Eisen! Ich kannte aber Einige .....!“
„Ach, hör doch auf damit! So etwas Feines wie Dich habe ich aber auch noch nicht auf dieser Baustelle gesehen! Du hast doch absolut bessere Tage gesehen, oder? Bestimmt bist Du ein Tisch aus einem Restaurant, oder so ähnlich! Dein hellbraun gemasertes Haupt zeugt von diesem edlen Schwarzwälder Holz aus dem schönen Simonswälder Tal und Deine vier schlanken Beine, oh la la! Die sind absoluter Edelstahl aus dem niedlichen Elztal! Wie kommst Du ausgerechnet hierher?“
„Du, das ist schnell erzählt! Weißt Du, dort oben in der Herzklinik sind sie doch am Umbau des Speisesaales! Es wird alles neu gemalt und mit den besten Teppichen ausgelegt! Ebenso neues Mobiliar angeschafft! Und da war meine Klasse nicht mehr gefragt! Daraufhin hat man mich nach unten geschafft! Nun diene ich teils als Werkbank, als Schweißunterlage, dann wieder als Sägetisch oder aber auch nur als Ablage! So wie Du mich eben gerade benutzt hast!
Aber bessere Tage habe ich gesehen, das ist wahr! Bin doch schließlich in der renommierten Herz-Kreislauf-Klinik Waldkirch; es ist das „Flaggschiff“ der BfA, gewesen! Viele Menschen aus der gesamten Republik habe ich kennen gelernt! Lange Geschichten von Nah und Fern habe ich gehört!
Manche Gäste haben gemeckert! Entweder über das Essen oder selbst über das Wetter! Dann wieder einige über die Therapien; bis hin zu den unauffindbaren Unterrichtsräumen! Aber, wiederum kannte ich auch welche, die waren einfach ganz anders! Vier Patienten von Tausenden von Patienten dieser Klinik!
Damals besaß ich noch eine Nummer! Das war die Einundvierzig! Fortan führten sie mich in den Büchern als „Tisch einundvierzig“! Wie das klingt, nicht wahr? Das zergeht auf der Zunge! So etwas gibt es nur in den besten Etagen! Ach ja, „Tisch einundvierzig“! Seufz! Ich komme schon wieder ins träumen! Wie ich aber auch dort an „meinem“ Platz glänzte -- vier feste Stühle um mich und umkränzt von Blumen und Pflanzen in Holzkübeln!“
„Weiter Tisch! Nun .....!“
„Halt! Nicht so! Wenn, dann bitte „Tisch einundvierzig“!“
„Oh, entschuldige! Aber erzähl doch weiter! Was ist mit den Vieren! Was ist so besonderes an denen?“
„Eigentlich nichts! Nur eines hatten sie Alle gemeinsam – sie waren krank! Der Lothar, auch „Loddar“ genannt, aus der Pfalz, mit seinen kalten Füßen; der Georg, wir nannten ihn nur „Schorsch“ mit seinen zwei Bypässen links und rechts in den Oberschenkeln, kam aus dem Bayerischen Wald; Peter oder auch „Petti“ aus Appenheim, mit seinem schwarzen Wasserbeutel an der Lunge und dann der Horst aus dem hohen Norden; übrigens riefen wir ihn nur „Hotten“, mit seiner Gefäßkrankheit!
Aber sie waren allesamt Menschen aus dem Volk! Sie haben gearbeitet, gelebt und geliebt! Sind gebraucht worden – und nun verbraucht! Haben ihr Leben in vollen Zügen genossen und die Schicksalsschläge hingenommen; wie ein Mann es eben tun sollte!
Aber, und das ist das Besondere an diesem Quartett: Sie haben trotz ihrer schweren Leiden einen Humor gehabt, der beispielhaft war! Unterhielten sie sich, was immer es auch war; es wurde gescherzt und gelacht! Beim feinsten Vorderschinken, der auf mir lag! Egal, irgend Einer „warf“ nur eine Bemerkung oder nur eine Floskel in ein Gespräch hinein; eine Lachsalve war meist die Folge! Nur ein Beispiel: Stellte der Jüngste, nämlich Peter, beim Heringssalat die Frage:‘ Wasch is’n des Rodde?‘
„Antwortete der Lothar; übrigens der Älteste von ihnen:‘ Dasch isch rodde Beede!‘
‚Des mach isch net!‘
Antwortete ihm der „Loddar“ im barschen Ton:‘ Du ischt det!‘
‚Jawoll Babba!‘
„Die Vier haben so gelacht, Du glaubst es nicht! Dabei haben sie auf mich „armen“ Tisch geklopft und lauthals gegrölt! Dem „Schorsch“ liefen Tränen von den Wangen direkt auf meine blank geputzte Platte! Seit jener Zeit war der Lothar ihr „Babba“!
An diesem Abend war es auch der „Schorsch“, der fragte:‘ Oh, isch esche so gerne Fisch! Was ist eigentlich alles in dem Heringssalat drin „Hotten“? Kannst Du mir das einmal erklären? Du kommst doch von da oben her!‘
„Hotten“, das „Nordlicht“ aus der Nähe von Hamburg, erwiderte daraufhin: “Schorsch“, tut mir leid, aber ich habe überhaupt keine Ahnung davon! Ich kann nämlich nicht kochen!‘
„Und in dem aufbrausenden Gelächter murmelte der Franke:‘ Egal, isch hole mir doch noch eine Porschon!‘
„Erzähle weiter, Tisch! Los! Das ist ja wirklich lustig!“
„Ja, ja! Plötzlich spüre ich wertvolles Papier auf meinem Holz! Aha, der „Loddar“ hat Pergamentpapier ausgebreitet! Hmmh! Und was für ein Duft! Pfälzer Leberwurst! Die Anderen schauen verdutzt zu, wie die Pellkartoffeln damit bestrichen werden!“
‚Möscht Ihr auch?‘
„Zwei von ihnen verneinen! Aber der „Schorsch“ nimmt sich gerne noch ein Stück von dem Schinken! Außer der Reihe natürlich; wie er ganz energisch beteuert!“
‚Isch habbe obben noch mehr! Und noch fünf Tafeln Schokoladde! Auch´n Weizen gebe ich dazu!‘
„Weißt du „Kiste“, das war dem „Babba“ sein Spezialgetränk – das Bier!“
„Das darf doch nicht wahr sein! Und das bei 1.500 Kalorien?“
„Und wieder war ein riesiges Gejohle im Gange! Das kannst Du Dir wohl vorstellen, nicht wahr?“
„Und ob! Und wie ging es nun weiter?“
„Es gibt noch so viel über diese Spaßvögel zu erzählen! Aber der Kürze wegen möchte ich Dir noch diese eine Geschichte mitteilen! Sie offenbart den außerordentlichen Charakter dieser Gruppe; sozusagen die Seele der Männer, die sich auf Anhieb verstanden:
Eines Abends kam „Hotten“ vom Einkauf und erzählt beim Abendessen, daß er sich doch für Geschichte interessiere und er diesbezüglich ein Buch über das Elztal, dieser Stadt Waldkirch und der Ruine Kastelburg kaufen wollte! Bei ausgezeichneter Qualität des vorliegenden Exemplars in einer Buchhandlung; aber er nahm es nicht mit! Und zwar deswegen nicht, weil es einfach zu teuer war!
Tage später! Es ist Nikolaustag! Das Abendbrot ist gegessen, als „Loddar“ unter mir ein Päckchen in Weihnachtspapier hervor kramt und es einem sprachlosen „Hotten“ mit den Worten überreicht:‘ Das ist von uns Dreien! Dafür, daß Du uns immer mit dem Auto gefahren hast! Zum Beispiel zum Weihnachtsdorf nach Wolfach oder sogar zu einem Weihnachtsbummel auf den Markt in Freiburg!‘
„Kiste“, da kannst Du Dir die Überraschung für den „Geschichtsträchtigen“ wohl vorstellen, die sie ihm mit diesem Geschenk bereitet hatten?“
„Ja „Tisch 41“! Das war aber auch richtig nobel von denen; aber auch sehr einfühlsam! Und gibt es noch mehr über diese Vier zu erzählen?“
„Aber ja doch! Nun, sie haben trotz ihrer reichhaltigen Therapien noch viele schöne Tage in der Herzklinik erlebt! Auch wenn jeder für sich genug „um die Ohren hatte“! Einige in ihrer persönlichen Gesinnung und Andere mit ihren verschiedenen Erkenntnissen! Doch Allen war am Ende ihrer REHA im schmucken Schwarzwaldstädtchen bewußt, daß sie selbst zum Schluß noch etliche Erlebnisse mitnehmen konnten:
Zum Beispiel der „Loddar“: Der kopierte seinen Arztbericht und war wegen dieses Wissens heilfroh, nicht erwischt worden zu sein! Dann „Schorsch“, der mit seiner Krankheit garantiert nicht weiter arbeiten konnte, der „Petti“, welcher endlich wieder seine beiden Kinder an die ehemals „kaputte“ Brust drücken konnte und der „Hotten“, den der Professor in die wohlverdiente Rente geschickt hatte und mit dem Wissen in den Norden zurück fuhr; gute Freunde leider zurück lassen mußte! Und nun zu Dir „Kiste“,...




