E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Heine Unruhiges Blut
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-4004-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-7519-4004-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor ist 1942 in Hannover- Kleefeld geboren. Nach der Realschule und einer kaufmännischen Lehre folgen Stationen in Lüneburg, Scharnebeck, Winsen/Luhe und Fleestedt. Bedingt durch Beruf, Bundeswehr und Heirat mit Ingrid. Mit ihr ist er seit über 40 Jahren verheiratet und es gehören mittlerweile drei Kinder, drei Enkelkinder und zwei Urenkelkinder zu ihnen. Seit einigen Jahren sind sie in Rente. Die schriftstellerische Tätigkeit begann als Hobby im Jahre 1974. Bis zum heutigen Zeitpunkt sind zwei Romane, "Krisenjahre" und "Unruhiges Blut" erschienen. Sie bilden Teile einer Trilogie, die ihren Abschluss mit dem dritten Roman "Erfüllung" finden wird. Ferner wurden die Biographie "Ein Leben im Sport des Horst Hoffmann", die "Gedichtbände l und II" und "Kurze Geschichten, Teil 1 - 7" verlegt. Übersicht der Titel von Horst Heine: Ein Leben im Sport des Horst Hoffmann Gedichte, Band I Gedichte, Band II Krisenjahre Kurze Geschichten, Teil 1 Kurze Geschichten, Teil 2 Kurze Geschichten, Teil 3 Kurze Geschichten, Teil 4 Kurze Geschichten, Teil 5 Kurze Geschichten, Teil 6 Kurze Geschichten, Teil 7 Unruhiges Blut Januar 2008 Horst Heine
Autoren/Hrsg.
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Gedankengänge
Dem Körper seine Ruhe geben, das konnte er ab jetzt. Aber das Gehirn ist davon weit entfernt. Es „arbeitet“ unermüdlich; und davon meist in der Vergangenheit. Schließlich ist er ihr doch ein Großteil näher gekommen. Gekommen? Angekommen ja! In dieser Familie, die ihm mehr Fragen stellte, als er für sie beantworten konnte. Und doch hatte sie ihn stets fasziniert: Denn hier wurde immer eine Arbeitsleistung vollbracht, die ihm schon fremd schien.
Denn es war wahr; es „werkte“ wirklich alles in dem Sieben – Personen – Haushalt. Selbst die Hausfrau; von jeher der Pol in der Großfamilie, fand neben ihres quantitativen Haushalts, auch noch Muße; eine Putzstelle in der benachbarten Pumpenfabrik „auszufüllen“. Sie war es aber auch, die eine angenehme Wohnkultur in diesem geschmackvoll eingerichteten Heim vermittelte.
Die anderen Mitglieder dieser Wohngemeinde dagegen sind alle jener Gruppe der verschiedenartige Geschöpfe zuzuordnen, die irgendwie in ihrer persönlichen Art einer Sucht verfallen sind.
Als Vorbild ist der Vater zu nennen, der als Oberhaupt in dem diffusen Kastensystem fungiert. Der nicht nur durch den Akkord am Laufband schon ein halbes Skelett ist; sich auch noch täglich förmlich tot säuft. Welcher morgens um 6 Uhr am Band schon nicht mehr alleine ist. Dem man den Korn in seinen Adern von weitem ansieht. Aus eingefallenen Wangen stechen rot unterlaufene Augen hervor. Man könnte annehmen, der Teufel schwenke höchst eigensinnig die rote Laterne vor dem Antlitz. Vielleicht leuchtet der ja sogar bei dessen Arbeit, denn in der Schnelle, wie Jener seine Aufträge erledigt, muß man sich wundern, daß alle ohne nennenswerte Unfälle „verlaufen“. Die Geschicklichkeit der Hände dieses krankhaften Säufers bekommen aber auch die volle Unterstützung durch den nötigen Vorrat entsprechenden Alkohols in der Werkbank. Ein Jeder hat dadurch aber die Gewißheit, daß er durch diesen „Parkplatz“ einen Neun – Stunden – Arbeitstag überstehen kann.
Die etwas schnippisch agierende rothaarige Lilly hat wohl in diesem Provinznest als einziges Wesen dieses Clans, die Erfahrungen ihres oft nächtlichen Treibens, in finanzielle Unabhängigkeit gemünzt. Von jeher. Sieht man sie tatsächlich mal in den heimischen Mauern, und das ist wirklich selten genug, wundert man sich, daß sie sich eigentlich nicht verändert hat. Sie erscheint, trotz intensiver Aktivität, immer gut gestylt. Ist man doch geneigt, sie zu bewundern, da sie doch tagsüber eine Verkäuferin „spielt“; kaum das sie Feierabend hat und bald darauf mit männlicher Bekanntschaft auf Zechtour geht. Ihr Zimmer, welches sie im ersten Stock ihr Eigen nennt, ist absolut nur zur Auffüllung mit modernen Möbeln bestimmt. Zur Zeit ist der Favorit ihrer immensen Liebe ihr Chef; ein seit kurzem geschiedener Geschäftsmann mit eigenem Musikladen. Mit ihm „treibt“ sie es im Moment gerade in den mondänen Lokalitäten innerhalb Norddeutschlands. Wobei diese beiden Paradiesvögel sehr erfinderisch vorgehen; um bloß eine Fête nicht zu verpassen. Also ist auch sie eine rege „Arbeiterin“.
Klaus, sein „Bundesgenosse“ bei manchen Alkoholexzessen, hat als Einziger der Familie dieses plötzliche Aufbrausen seiner Natur in den Adern. Das artete bei ihren extremen Besäufnissen häufig in Streit aus. Er hatte dann die einzigartige Begabung, eine Provokation bis hin zur Schlägerei „auszukosten“. Hotten gegenüber spielte er dann eine Rolle eines Feudalherren, der seine finanzielle Überlegenheit ihm nicht nur zu verstehen gab, sondern sich auch noch daran „weidete“. Der selbst aber ließ es gewähren. Nach dem Motto:‘ Ich werde mit den Wölfen heulen!‘
Es wurde für ihn dadurch leichter, denn er hatte diese Anfälle im Laufe der Zeit nur negativ erlebt. Ist egal, mit wem der Klaus in einem Disput war; hatte der Andere eine gegenteilige Meinung „vertreten“; dann trat das bösartige Naturell von dem in Erscheinung. Er zählte sich dann zu einer der Führungskraft gehörenden Schicht, die aber auch alles besser kann, ist und weiß. In endlosen Diskussionen kam es dann oft genug so weit, daß nur er vollkommen fertige Menschen akzeptierte und jede noch so kleine Minderwertigkeit sofort verurteilte. „Mensch“ Klaus konnte nur in dem Augenblick menschliche Züge vorweisen, wenn er in einer sehr guten Verfassung war; sprich, wenn die Umgebung ihm Freude und viel Spaß bereitete.
Oder aber auch, wenn er merkte, daß er in seinem Eifer über das Ziel hinaus „schoß“. Wobei er sich aber dann als verständiger Mittler in dem Spiel der verschiedenen Meinungen aufführen konnte. Wie er sich selbst als Schlichter darstellen konnte und durch die Kunst der „Schauspielerei“ jeden Anwesenden zur Vernunft „reden“ konnte. Dabei suchte er seinen Vorteil in der Verabreichung mit Schnaps und Bier, die er oft in Strömen „anfahren“ ließ. So lange, bis derjenige „Feind“ sich in die Fänge einer Trunkenheit begab und das „Handtuch warf“. Aber; und das muß man ihm auch zu Gute halten; der „Arbeiter“ Klaus war nicht nur Arbeiter, fleißig und strebsam; sondern auch korrekt und durch seine finanzielle Unabhängigkeit unglaublich hilfreich.
Der jüngere Bruder Pitty hat sich seinen eigenen gesetzlichen Kodex zurecht „gebastelt“. Er ist der Anstifter einer Straßenclique, die es sich zur Aufgabe gemacht hat; alles was nicht Niet – und Nagelfest ist, zu klauen. So müßte er gewissermaßen eines Tages bestimmt mit dem Gesetz kollidieren. Die Jugendstrafen, die man mittlerweile nachweisen konnte, sind selbst von ihm nicht mehr zu zählen. Wohl gibt es zusätzlich noch mehrere Entgleisungen dieses kleinen Schakals; die aber nur im kleinen Kreis hinter vorgehaltener Hand getuschelt werden. Sein Wesen erscheint dem Betrachter als ruhig; ja fast scheu. So schlägt er sich auch zurückhaltend durch die Mechanikerlehre. Die Kenner seines Gemüts loben ihn wegen seiner hervorragenden Hinterlist.
Wally ist die Jüngste und Lehrling im Einzelhandel. Ihr Charakter ist in dieser Studie einer gemischten Großfamilie nicht weg zu denken. Sie behält mit ihrer hausmütterlichen Art die Stimmung im Gleichgewicht; wobei sie die Gefühlsausbrüche ihrer Mitbewohner stoisch besänftigt.
Seit früher Kindheit ist sie es gewohnt, Allen zu gehorchen. Dabei wird sie voll und ganz von ihrem Vater unterstützt. Ein Fremder würde sie als dem Haus zugewiesene Dienerin titulieren. Durch derartige Manipulation ist sie natürlich den Machenschaften „ihrer“ Familie ausgesetzt; sei es für Getränke, Zigaretten oder Essen zu sorgen. Nebenbei sieht man sie bei der Hauswirtschaft. Da ist sie noch effektiver als die Mutter; „muckt“ sie doch niemals auf. Mit Gleichaltrigen aus der Nachbarschaft oder mit den Kollegen vom Geschäft hatte er sie schon damals nie gesehen. Sie ist in jeder Beziehung ein fleißiges, verklemmtes Ding, welche in ihrem Leben bestimmt nur den eigenen Herd kennen lernen wird.
Und dann ist ja auch noch die Moni, Klaus seine Freundin und Friseuse im Beruf. Ein weibliches Wesen, welches immer ihre Vorzüge in den Mittelpunkt gesetzt hatte. Sie war stets bemüht, ihre sexuellen Gelüste auszuleben. Die nur von ihnen und mit ihren Gefühlen lebt und sie auch bedingungslos zu ihren Gunsten einsetzt; egal, in welcher Situation.
Sie hatte eine seltene Begabung dafür, sich kurzum in einen Rausch zu versetzen. Dann mußte ich mich höllisch vorsehen, daß ich nicht von ihr als Pennäler „ausgewählt“ wurde. Bei Feiern wurde ich zeitweise von ihr derart in ihrem Garn „eingesponnen“, daß sie sich mir jedes Mal an den Hals warf. Wodurch natürlich wieder ein prekärer Zustand zwischen mir und Klaus entstand. Natürlich auch verstärkt durch den Jähzorn von Jenem. Ein haltloses Weib. Nicht nur; sondern ein „Satansweib“. Sie hat ihn wirklich; den Teufel im Leib – gefährlich und hochgradig versaut.
In diese doch so verschieden auftretende emotionelle Welt der Sieben wird er also erst einmal einziehen. Wenn auch nur vorläufig. Er wird von ihnen ein klein wenig von deren Familienidyll in sich „aufsaugen“; nach ewig langer Zeit der Abstinenz das angebotene Glück erhaschen. Er gibt sich trotzdem nicht all zu großen Illusionen hin.
‚Was soll ich auch sonst machen? Wohin soll ich sonst auch gehen? Ohne dem „schnöden“ Geld bin ich doch aufgeschmissen! Es muß also schnellstens in meine Hände „fließen“. Und das laufend, da ich doch den Durchfluß am Besten kenne. Also muß ich unbedingt Arbeit finden! Der Tip von Klaus war vielleicht schon der Hauptgewinn! Klar doch! Wäre ja schon von großem Nutzen, in dieser naheliegenden Pumpenfabrik zu arbeiten! Das wäre doch Spitze, wo alles nun mal so schön an Ort und Stelle liegt!‘
Wird man seinen „Überfall“ auf diese...




