Heinrich | Der Irrtum des Spielers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 592 Seiten

Heinrich Der Irrtum des Spielers

Erstes Buch der Ordnung der Dinge: Ein Dark Fantasy-Abenteuer
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7481-8823-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erstes Buch der Ordnung der Dinge: Ein Dark Fantasy-Abenteuer

E-Book, Deutsch, 592 Seiten

ISBN: 978-3-7481-8823-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn Träume zur Falle werden: der düstere Auftakt einer epischen Fantasy-Saga. Ein fremdes Land, ein neues Leben: Die Familie Alden wagt gemeinsam mit einer Gruppe von Siedlern den Neuanfang in einer unberührten Welt. Zunächst scheint sich jeder Wunsch zu erfüllen: Freiheit, Sicherheit, Zukunft. Doch schon bald spüren sie die Präsenz einer Macht, die sich ihren eigenen Regeln entzieht. Unheimliche Vorfälle und subtile Veränderungen verwandeln das Paradies in ein gefährliches Spielfeld. Wer ist Freund, wer Feind? Als sich die Siedler ihrer wahren Bestimmung stellen, droht es, zu spät zu sein. Ein Roman voller düsterer Atmosphäre, in dem Verrat und Magie eine unheilvolle Allianz eingehen. Entdecke den ersten Band einer mitreißenden Fantasy-Saga und erfahre, was geschieht, wenn Hoffnung auf Dunkelheit trifft. Bist du bereit für das Spiel der Mächte?

Ina Heinrich arbeitet und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Hamburg.
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Erik Alden hatte gerade den Rücken eines alten Buches geflickt, als plötzlich die Tür zur Wohnstube aufflog und seine Mutter seinen Vater am Jackenärmel in den Raum zerrte.

»Du hast was getan?«, rief Ebba Alden entsetzt.

Eriks Vater antwortete ruhig: »Ich habe das Haus und den Laden verkauft. Wir brechen mit dem nächsten Zug ins Freie Land auf.«

Mit fassungslosem Blick schaute Ebba Alden ihren Mann an: »Jessup, das kann doch unmöglich dein Ernst sein. Hast du den Verstand verloren?«

Jessup Alden lächelte gütig: »Ganz im Gegenteil, Ebba, ich bin endlich zur Vernunft gekommen. Hier haben wir doch nichts mehr, das uns hält. Liebes, wir werden endlich frei sein.«

»Nein, Jessup, wir werden nicht frei sein. Wir werden tot sein«, widersprach Eriks Mutter, sichtlich um Haltung bemüht.

Erik blickte unsicher zwischen seinem Vater und seiner Mutter hin und her. Die beiden hatten ihn in seiner Ecke überhaupt nicht bemerkt und Erik hielt es für ratsam, es dabei zu belassen. In dieser aufgeladenen Stimmung war es erfahrungsgemäß besser, sich unsichtbar zu machen. Dann machte Jessup einen Schritt auf Ebba zu, legte seine Arme um ihre Schultern und drückte seine Frau fest an sich. Eriks Mutter versank dabei förmlich in den Armen ihres Mannes. Ebba war klein, von schmaler Statur und hatte kurze braune wellige Haare, die jedoch grundsätzlich unter einer weißen Haube verschwanden, die Eriks Mutter nur zum Schlafen absetzte. Ebba hatte grüne Augen und eine etwas zu groß geratene Nase. Ihr Kleid war heute blau und hatte Rüschen an den Schultern. Eriks Vater hingegen war ein großer, kräftiger Mann mit ansehnlichem Bauch. Jessup trug seine Arbeitskleidung unter der Jacke, schwarze Hose, weißes Hemd und eine schwere braune Lederschürze darüber, die fast bis zum Boden reichte. Sein schulterlanges schwarzes schon mit grauen Ansätzen versehenes Haar trug Jessup wie heute meist zusammengebunden. Jessups gepflegter schwarzer Vollbart wuchs bis auf die Wangenknochen. Seine Augen waren blau und voller Schalk. Die buschigen Augenbrauen waren kurz geschnitten, und Jessups Stirn war hoch.

Jessup sprach ruhig weiter: »Liebes, du weißt doch, wie unglücklich ich darüber bin, euch nicht mehr als das hier bieten zu können. Und wie lange sollen wir noch warten, bis wir endlich in den Oberen Bezirk umziehen können? Wenn überhaupt? Schau, es wird überhaupt nichts Schlimmes geschehen. Im Gegenteil. Wir werden ein völlig neues, ein besseres Leben beginnen. Hast du dir das nie gewünscht?«

»Natürlich habe ich das, Jessup. Im Oberen Bezirk! Aber doch nicht da draußen. Mitten in der Wildnis. Wir wissen doch nicht im Geringsten, was uns dort erwartet«, antwortete Ebba aufgebracht.

»Aber natürlich wissen wir das! Der Zug ist gut organisiert. Ein Trupp Gardisten wird uns bis zur Grenze des Greifenlandes und über das Gebirge hinüber begleiten. Es kann also überhaupt nichts passieren. Und im Freien Land werden wir schon von den anderen Siedlern erwartet. Sie werden uns helfen, Häuser zu bauen und das Land zu bewirtschaften. Wir werden Korn anbauen für unsere Freunde und Nachbarn hier in Brückenstadt, damit es endlich wieder genug Brot für alle zu essen gibt. Es ist alles bestens organisiert, glaub mir«, erklärte Jessup aufgeregt.

Ebba Alden schüttelte den Kopf: »Jessup, du hast doch nicht die geringste Ahnung von Landwirtschaft. Du bist Kaufmann. Der Erste im Viertel, wenn ich dich daran erinnern darf. Solch eine Stellung gibt man nicht einfach auf. Du hast doch zeit deines Lebens noch keinen Spaten in den Händen gehalten, es sei denn, um ihn zu verkaufen. Und jetzt willst du Korn anbauen? Einen Hof führen? Das sind doch Hirngespinste. Und was ist mit den Kindern? Hast du mal an Erik, Sima und Jon gedacht? Was ist mit deren Zukunft? Was soll aus ihnen werden, fernab von Brückenstadt?«

Jessups Ton wurde schärfer: »Wie kannst du allen Ernstes behaupten, ich hätte nicht an die Kinder gedacht? Wir sind doch nicht die erste Familie, die ins Freie Land zieht. Die Späher berichten immer wieder von neu entstehenden Siedlungen, in denen wirklich alles vorhanden ist, was man zum Leben braucht. Auch Schulen. Die Kinder werden dort doch ganz andere Möglichkeiten haben. Sie können ein freies Leben führen. Erik ist mit der Schule so gut wie fertig. Er kann mir sofort auf dem Hof helfen und alles von Beginn an lernen. Erik hatte doch sowieso nie Interesse an unserem Laden.«

Erik sprang von seinem Stuhl auf: »Mutter, Vater hat recht. Ich wäre niemals ein guter Kaufmann geworden. Ich werde Vater auf dem Hof helfen und kann ihn später übernehmen.«

Als Erik in die kurz überraschten, dann grimmigen Gesichter seiner Eltern blickte, wusste er sofort, dass er einen unverzeihlichen Fehler begangen hatte. Nicht nur, dass er die beiden in dem Glauben gelassen hatte, unter sich zu sein. Schlimmer, Erik hatte sich in einen Disput seiner Eltern eingemischt. Er hob beschwichtigend die Hände: »Entschuldigt bitte. Ich bin schon draußen.« Erik ging schnell zur Tür und bat im Stillen darum, sogleich dahinter verschwinden zu können. Aber da hörte er schon die strenge Stimme seines Vaters:

»Sohn, du behältst für dich, was du soeben gehört hast?«

Erik drehte sich um und lächelte verhalten: »Natürlich, Vater.«

*

Draußen vor der Tür bemerkte Erik, wie seine Hände vor Aufregung zitterten. Er war vollkommen durcheinander. Erik konnte sich nicht mal mehr daran erinnern, wo er eben noch das Buch abgelegt hatte, dessen Rücken er repariert hatte. Und wovon es überhaupt gehandelt hatte. ? ? ? Erik wusste es nicht mehr. Er setzte sich auf die unterste Stufe der alten Treppe, die hinauf zu den Schlafkammern führte. Fort aus Brückenstadt? Erik wusste nicht, was er davon halten sollte. Hatte er das nicht immer gewollt? Fort aus dem Unteren Bezirk mit seinen kleinen, dunklen Gassen. Fort von den alten, brüchigen Holzhäusern mit ihren vorstehenden Dächern, die das Licht fernhielten. Fort von den vielen großen und kleinen Feuern, die im Sommer immer wieder wüteten. Fort von den Regengüssen zum Ende des Sommers, die die Gassen aufweichen ließen. Fort aus der Enge! Das Freie Land! Davon träumte Erik, seit er das erste Mal davon gehört hatte. Damals, als kleiner Junge in der Schule, als der Schulmeister erklärte, wie ihrer aller Herr, König Rogall, das Land vor vielen Wintern mit seinen Truppen erobert hatte. Früher lebten im Freien Land die Wölfe. Rogall hatte sie vertrieben. Jetzt schickte er seine Leute, um das Land zu besiedeln und seinen Herrschaftsbereich auszuweiten. Die Stimme des Schulmeisters hatte am Ende vibriert, so sehr hatte sich der Mann in Ekstase geredet. Die Schüler waren auf ihren Bänken immer unruhiger umhergerutscht und hatten am Ende des Vortrages wilden Beifall geklatscht. Das Freie Land war so groß, dass der Horizont mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen war. Das Meer war so weit fort, dass es Monde brauchte, um an die Küste zu gelangen. Überall gab es wilde Tiere. Hungern brauchte niemand. Der Boden war fruchtbar, die Wiesen saftig, die Blumen bunt, die Wälder grün. Viel süßes Wasser gab es dort, Seen und Flüsse mit ausreichend Fisch für alle. Trinkwasser im Übermaß. Und im Winter blieben die Tage beinahe hell! Und doch. Erik seufzte. Brückenstadt war sein Zuhause. Er kannte es nicht anders. Hier war er aufgewachsen, hier lebten seine Freunde. Hier fühlte Erik sich sicher. Und der Familie ging es gut. Die Stellung von Eriks Vater war eine der höheren, was einige Vorteile mit sich brachte. Die Familie wurde bei der Kornzuteilung bevorzugt, ebenso bei der Vergabe von Fleisch und anderen raren Gütern. Jessup durfte direkten Kontakt mit den Leuten von den Handelsschiffen pflegen, musste keinen königlichen Zwischenhändler einbeziehen. Der Erste Kaufmann eines jeden Viertels brauchte weniger Steuern zu bezahlen und hatte das Kaufvorrecht auf ein Haus im Oberen Viertel. Und die königlichen Gardisten ließen die Familie in Ruhe. Am Wichtigsten aber war, dass die Familie einen Heiler herbeirufen durfte, wenn es Jon wieder einmal schlecht ging. Das war ein Privileg, das nur sehr wenigen Bürgern des Unteren Bezirks zuteilwurde. Erik stand von der Treppe auf, schlich leise zur Tür der Wohnstube und lauschte. Nur wenig gedämpft drangen die Stimmen seiner Eltern an sein Ohr.

»Ebba, ich weiß, dass wir das Richtige tun. Du hättest dem doch nie zugestimmt, wenn ich dich vorher gefragt hätte. Ich musste so handeln. Für uns alle. Ich fühle einfach, dass es richtig ist«, sagte Jessup.

»Ein etwas schwaches Argument, Jessup. Du willst uns aus unserem bisherigen Leben reißen, nur weil du ein hast?«, fragte Ebba ungläubig.

»Liebes, vertrau mir doch bitte. Denk doch einmal an die Möglichkeiten, die sich uns bieten. Wir...



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