Heinzel | Die Monarchos | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 215 Seiten

Heinzel Die Monarchos

Ein durch und durch royalistischer Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-946413-28-8
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein durch und durch royalistischer Roman

E-Book, Deutsch, 215 Seiten

ISBN: 978-3-946413-28-8
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Roman, so spannend wie königlich amüsant. Robert ist vom Besuch eines Thronfolgerpaares in Frankfurt so neugierig geworden, dass er im Internet eine Gruppe zur Errichtung einer neuen deutschen Monarchie gründet: die Monarchos. Er ahnt indes nicht, was für eine Welle auf ihn zukommen wird. Eine Welle, die nicht nur ihn und seine Freundin Natalie mit voller Wucht herumwirbelt, sondern in atemberaubendem Tempo gleich das ganze Land. Die Medien machen Jagd auf den Mann hinter den Monarchos, und auch die Regierenden in Berlin kommen an ihm nicht mehr vorbei. Und von ganz rechts erhofft man sich viel mehr als nur einen neuen König ...

Andreas Heinzel wurde 1962 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Germanistik, Politikwissenschaften und Geschichte und arbeitet seit Jahrzehnten erfolgreich als Texter und Kreativdirektor für nationale und internationale Werbeagenturen. Daneben ist er immer wieder auch als Sprecher zu hören. 'Die Monarchos' ist sein erster Roman. Weiterhin liegt bei mainbook der satirische Roman 'Herr Neumann will auf den Olymp' vor. Andreas Heinzel hat zwei Kinder und lebt mit seiner Frau in Frankfurt.
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1


Ganz im Ernst, ich frage mich, worauf ich mich da eingelassen habe. Genauso gut hätte ich heute in aller Ruhe ausschlafen können, stattdessen stehe ich jetzt an einem Absperrgitter in der Taunusanlage und halte ein Fähnchen in die Höhe, das mir vor ein paar Minuten ein freundliches junges Mädchen mit den Worten immer schön schwenken in die Hand gedrückt hat. Neben mir gießt Natalie ihren Freundinnen Betty und Saskia Prosecco in die mitgebrachten Gläser und stößt mit ihnen an. Gestern Abend erst hatte sie mich gefragt, ob ich nicht mit ihnen mitgehen wolle, das sehe man schließlich nicht jeden Tag, so ein Thronfolgerpaar, live, auf unseren Straßen. Eigentlich hatte ich daran kein wirkliches Interesse, doch was soll’s, ich tat ihr den Gefallen, stand in aller Herrgottsfrühe auf und begleitete sie in die Stadt, wo sie sich mit ihren Kolleginnen aus dem Krankenhaus verabredet hat.

Wie es aussieht, warten wir nicht allein. Ums uns herum stehen Tausende gutgelaunter Menschen, die sich bestens amüsieren oder gebannt auf den riesigen Videoscreen starren, der sich an der gleichen Stelle befindet, an der vor gar nicht langer Zeit Globalisierungsgegner kampierten und auf dem nun eine Fahrzeugkolonne zu sehen ist. Eine offene Limousine bewegt sich gemächlich durch die Straßen. In deren Fond ein junges, attraktives Paar, das freundlich lächelnd den Zuschauern am Straßenrand winkt, davor und dahinter geschlossene Limousinen mit offiziellen Vertretern des Staats, des Landes und der Stadt, dazu eine Eskorte Motorräder mit eingeschaltetem Blaulicht.

Über uns schwebt fast bewegungslos ein Hubschrauber in der Luft. Das Dröhnen des Rotors wird von der Musik aus den riesigen Lautsprechern übertönt, die keine hundert Meter von uns an einem Stahlrohrgestänge hängen. Neben mir wippen ein paar junge Mädchen zu den Beats und machen Selfies, zu zweit, zu dritt, alleine oder auch alle zusammen.

Der Tross mit den Fahrzeugen biegt aus der Kennedyallee Richtung Friedensbrücke ein, es dauert also noch ein paar Minuten, bis die jungen Staatsgäste bei uns sind. Auch wenn mir die beiden im Grunde genommen völlig egal sein könnten, hoffe ich, dass der Name der Allee kein böses Omen ist. Diese Menschenmassen, die Begeisterung, das strahlende Wetter – zwangsläufig muss ich an Dallas und an JFK denken. Andererseits, warum sollte etwas passieren? Die beiden sind keine mächtigen Staatschefs, kein POTUS, kein FLOTUS, sondern lediglich das zukünftige Königspaar eines unserer Nachbarländer, beliebt, geliebt, und es gibt wahrhaftig keinen Grund, ein Attentat auf die beiden zu verüben. Andererseits, kein Ort ist frei von Verrückten, auch Frankfurt nicht.

Der aufdringlich fröhliche Moderator eines privaten Radiosenders versucht die Menschenmassen zwischen Mainzer Landstraße und Willy-Brandt-Platz mit flachen Witzen auf die kurzen Augenblicke königlicher Vorbeifahrt einzustimmen. Ein müßiges Unterfangen, bringt sich die Masse doch problemlos selbst in Stimmung, wie bei einem Rockkonzert oder dem Empfang des Fußballweltmeisters.

Bis eben war ich der Überzeugung, dass man weit über siebzig und weiblich sein und samstags die Haare ondulieren lassen muss, um sich für Königshäuser zu begeistern. Tatsächlich stehen um mich herum jedoch die gleichen Hipster, die gestern noch, wie jeden Freitag, auf dem Friedberger Platz gefeiert haben. Dazu Familien mit kleinen Kindern, Geschäftsleute, und ja, natürlich auch die Rentner, mit denen ich gerechnet hatte, doch sind die fast in der Minderheit. Habe ich irgendetwas verpasst? Einen Trend, der an mir vorbei gegangen ist? Würde mich wundern, ich bin Werbetexter, da kriegt man eigentlich alle Zeiterscheinungen mit, ob man will oder nicht.

Je mehr ich mich umsehe, desto mehr erstaunt mich die unfassbare Euphorie der Leute. Schließlich sind es nicht unsere Thronfolger, die da in wenigen Augenblicken um die Ecke biegen werden. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, als wolle die Menge sie adoptieren, um ein bisschen an deren Glamour teilzuhaben. Denn mal ehrlich: Diesbezüglich sind uns unsere europäischen Nachbarn ein Stück voraus. Schön, immerhin haben wir einmal ein Kirchenoberhaupt gestellt, aber irgendwie ist das dann doch nicht dasselbe. Ich frage mich, ob Natalie und ihre Freundinnen auch auf den damaligen Papst die Gläser erhoben hätten. Ich hege Zweifel.

Es wird unruhig am Ende der Straße, Jubel brandet auf, Fahnen werden über den Köpfen geschwenkt, dann erscheinen die ersten, in feierlich tiefen Drehzahlen vorbei brummenden Polizeimotorräder. Der Jubel verwandelt sich in Hysterie, als die elegante offene Limousine der Staatsgäste an uns vorbeischwebt, im Heck das junge Paar, das sichtlich beeindruckt ihren frenetisch feiernden Fans auf beiden Seiten der Straße zuwinkt. Seltsamerweise entdecke ich nirgendwo Sicherheitsbeamte an den Absperrungen, in den Fenstern oder auf den Dächern der umliegenden Häuser. Keine humorlosen Agents in Anzügen mit Sonnenbrillen und Ohrstöpseln, die auf alles und jeden achten, nur nicht auf die sie passierende Eskorte. Entweder hat man sie gut getarnt und versteckt, oder die Sicherheitslage ist tatsächlich so entspannt. Der Gedanke, dass jemand dieses friedliche Fest stören könnte, scheint allerdings auch mir mittlerweile recht abwegig. Die Leute in den Wallanlagen sind hemmungslos begeistert, mehr noch, sie sind komplett aus dem Häuschen, schreien und umarmen sich, sobald das Paar vorbeigefahren ist. Ein kollektiver Höhepunkt, der nur wenige Augenblicke anhält, dann ist er auch schon wieder vorbei. Die Welle frenetischen Jubels folgt den Fahrzeugen Richtung Mainufer und hinterlässt eine seltsame, beeindruckend gemeinschaftliche Seligkeit. Kein grimmiger Blick weit und breit, kein Gerempel oder Gemaule, kein ärgerliches Wort, es ist, als habe dieser kurze Moment einen heftigen Ausstoß von Glückshormonen verursacht.

Ich bin noch komplett mitgerissen, als sich Natalie zu mir umdreht und mich darauf hinweist, dass die Show vorüber sei. Die beiden kämen nicht mehr, sagt Natalie lächelnd, und das Fähnchen, das ich nach wie vor schwenke, könne ich getrost wieder runternehmen. Wie es mir denn gefallen habe, will sie wissen. Einzigartig, antworte ich, es sei absolut einzigartig gewesen, und was bloß in die Menschen gefahren sei, diese Begeisterung für zwei Endzwanziger, die weder singen noch schauspielern, noch den Weltfrieden herbeibeten, das sei doch schier unglaublich.

Die zwei sind eben einfach cool, meint Natalie, und darauf wolle sie nochmal anstoßen. Die drei Frauen leeren die Proseccoflasche, trinken, kichern und reden durcheinander. Sie müsse sich nun leider verabschieden, sagt Saskia, kippt ihr Glas in einem Zug und küsst die Wangen ihrer Freundinnen, sie wolle noch etwas in der Stadt besorgen, sonst habe sie nie Zeit dafür, sie wünsche uns anderen aber noch ganz viel Spaß.

Betty und Natalie wollen dagegen das Traumwetter nutzen und sich ans Mainufer legen, um einen Cappuccino zu trinken. Das wird mir allerdings zu spät, da ich noch ein bisschen was arbeiten muss, eine Filmidee, die mein Chef gleich montagmorgens erwartet. Wir stecken unsere Fähnchen in die Rabatten, dann drücke ich Betty, umarme und küsse Natalie und mache mich zu Fuß auf den Weg ins Ostend, in unsere Wohnung.

Im Grunde genommen ist das Wetter viel zu gut, um sich über Werbung Gedanken zu machen, also setze ich mich auf den sonnenbeschienenen Balkon, nehme den Laptop, eine Flasche Wasser sowie ein Salamisandwich mit und lege die Füße auf die Brüstung. Insgeheim ärgert es mich, dass ich jetzt hier sitzen und arbeiten soll, obwohl ich gestern Nachmittag bereits eine Idee hatte, mit der ich eigentlich ganz zufrieden war, die aber an der Chefklippe scheiterte. Genauso gut könnte ich jetzt auch am Main liegen, mich langsam aber sicher betrinken und den Tag genießen, denn das nächste Regengebiet ist sicher bereits im Anzug. Ich könnte aber auch einfach mal schauen, was in der Welt so passiert ist. Also klappe ich den Rechner auf und fahre ihn hoch. Ich habe nicht eine neue Mail, auch irgendwie langweilig, also gehe ich auf die Seite meiner Tageszeitung. Die ganze Welt scheint Pause zu machen, kaum eine der Meldungen, die ich im Schnelldurchlauf von oben nach unten passieren lasse, hätte es an ereignisreicheren Tagen in die Nachrichten geschafft – bis auf eine.

Die Hauptmeldung gleich an oberster Stelle zeigt ein Foto des Prinzen und der Prinzessin, die gut gelaunt aus ihrem Auto winken. Von einem triumphalen Empfang ist in der kurzen Artikelzusammenfassung die Rede, und dass man nicht sicher sei, wer heute mehr Sonne nach Deutschland gebracht habe: Hoch Norbert oder das Lächeln der Prinzessin. Der Artikel selbst beschreibt die Hintergründe des Besuchs und gibt detailliert den bisherigen Ablauf wieder. Die große Begeisterung der Zuschauer an den Straßen erstaunt auch den Verfasser, es sei, als habe das ganze Land unendlich lange auf einen Moment wie diesen gewartet. Offensichtlich bin ich nicht der Einzige, dem das aufgefallen ist.

Da fällt mir ein, dass ich nach der Frankfurter...



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