E-Book, Deutsch, 358 Seiten, Web PDF
Heinzmann Nachwuchsförderung im Sport
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-8350-5541-4
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Ein Beitrag zur Analyse und Entwicklung der Nachwuchsförderung in der Schweiz aus systemtheoretischer Sicht
E-Book, Deutsch, 358 Seiten, Web PDF
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-8350-5541-4
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Frank Heinzmann analysiert daher die Nachwuchsförderung in der Schweiz aus systemtheoretischer Perspektive. Er erarbeitet sieben Förderbereiche, welche die zentralen Themen des Nachwuchssports sowie mögliche Wege einer erfolgreichen Förderung aufzeigen. Der Autor geht davon aus, dass eine nachhaltige Nachwuchsförderung nur durch eine vernetzte Gesamtbetrachtung aller Förderbereiche gleichzeitig bewerkstelligt werden kann. Die Überprüfung erfolgt durch ein Modell, das ein kybernetisches Design verwendet. 22 Variablen mit unterschiedlicher Wirkungsweise werden schliesslich als systemrelevant und zentral eingestuft.
Zielgruppe
Research
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
und Grundlagen.- Grundlagen zum Sport.- Ökonomische Ansätze zur Analyse der Nachwuchsförderung.- Systemtheoretische Grundlagen.- Modell und Anwendung.- Modell.- Untersuchungsdesign.- Anwendung in der Nachwuchsförderung.- Schlussbetrachtung.- Zusammenfassung und Ausblick.
7 Anwendung in der Nachwuchsförderung (S. 129-130)
„Ausdauer ist wirkungsvoller als Gewalt, und viele Dinge, die sich nicht bewältigen lassen, so lange sie gebündelt sind, lassen sich lösen, wenn sie Stück für Stück in Angriff genommen werden." Plutarch (50 - 125 n. Chr.)
7.1 Einleitende Bemerkungen
Komplexe Systeme unterscheiden sich von einfachen durch ihre Dynamik, welche sich primär durch die zeitliche Abhängigkeit und die Intensität zwischen den Elementen charakterisiert. Komplexe Systeme sind somit weit mehr als das blosse Nebeneinander zusammenhängender Teile, denn jedes Element eines Systems steht zu jeder Zeit mit anderen Elementen in Wechselwirkung. Ohne diese Beziehungen zu erkennen, wird man ein System nie verstehen und in der Folge auch nie gestalten können.516 Bei der Vernetzung eines Systems ist deshalb entscheidend, welches Element mit welchem anderen wie verbunden ist.
Beziehungen sind nicht nur als positiv oder negativ oder als stark oder schwach zu bewerten. Beziehungen können auch je nach Dauer ihren Charakter ändern. Ursache und Wirkung lassen sich oft nicht unterscheiden, da die meisten Systemteile direkt oder indirekt auch wieder auf sich selbst zurückwirken. Ursache und Wirkung verschmelzen, Zusammenhänge treten in den Vordergrund. Betrachtet man die Dinge nur einseitig, werden wichtige Wechselwirkungen durch den zu engen Horizont nicht erkannt.
Wenn man dagegen die wichtigsten Elemente eines Systems kennt und weiss, was wie mit wem zusammenhängt, kann man viel über ein System erfahren, dass man sonst nicht erfahren hätte. In den folgenden Kapiteln wird mittels des systemtheoretischen Denkens die Nachwuchsförderung in der Schweiz analysiert. Der mit Hilfe der Experten erarbeitete Ergebnisteil basiert auf den vier Aspekten des in Kapitel 5 erörterten Modells.517 Vor diesem Hintergrund zeigt Kapitel 7.2 die Ergebnisse zur Systembeschreibung, Kapitel 7.3 zur Systemmodellierung, Kapitel 7.4 zur Systemanalyse und Kapitel 7.5 zur Systemsimulation. In Kapitel 7.6 werden die wichtigsten Ergebnisse und deren Beurteilung zusammenfassend dargestellt.
7.2 Systembeschreibung
7.2.1 Anspruchsgruppen des Systems zur Nachwuchsförderung
Das Ziel dieses Kapitels ist die Beschreibung der verschiedenen Anspruchsgruppen – auch Stakeholder genannt – die im System zur Nachwuchsförderung Schweiz involviert sind. Konkret bedeutet dies, dass diese Akteure durch ihr Verhalten massgeblich das System beeinflussen, vom System aber auch beeinflusst werden.518 Ausgehend vom Strukturbild zur Nachwuchsförderung in der Schweiz (siehe Abbildung 1), werden zwei Bereiche unterschieden: erstens das personenbezogene und zweitens das institutionenbezogene Umfeld (öffentlich-rechtlicher und privatrechtlicher Bereich). Nachfolgend werden aber nicht nur alle Anspruchsgruppen und deren verschiedene Rollen in der Nachwuchsförderung beschrieben, sondern auch die von ihnen zu leistenden Beiträge und die wahrzunehmende Verantwortung.
7.2.1.1 Personenbezogenes Umfeld eines Nachwuchsathleten
Das personenbezogene Umfeld, mit dem die Nachwuchsathleten in direkten Kontakt treten – und in dessen Zentrum sie sich befinden – besteht hauptsächlich aus drei Wirkungsfeldern: soziales Netz, Sport und Ausbildung. Diese drei Wirkungsfelder repräsentieren meist miteinander konkurrierende Ansprüche gegenüber den Nachwuchsathleten und stellen diese oftmals vor die Situation, zwischen Sport, Ausbildung und Freizeit entscheiden zu müssen. Um dieser Spannung entgegenzuwirken, ist ein Gleichgewichtszustand anzustreben, innerhalb dessen der sportliche Nachwuchs den Anforderungen aller drei Bereiche gerecht werden kann. Dies setzt allerdings eine funktionierende Koordination und Kommunikation aller beteiligten Parteien voraus.




