E-Book, Deutsch, 189 Seiten
Hell / Endrass / Vontobel Kurzes Lehrbuch der Psychiatrie
3. aktualisierte und ergänzte Auflage 2011
ISBN: 978-3-456-94995-6
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Das Basiswissen mit Repetitoriumsfragen
E-Book, Deutsch, 189 Seiten
ISBN: 978-3-456-94995-6
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Das Kurzlehrbuch fasst das psychiatrische Basiswissen prägnant zusammen. Es ergänzt umfangreiche Lehrbücher der Psychiatrie, ist aber mehr als nur eine einfache Zusammenfassung in Stichworten. Der gut lesbare Text eignet sich besonders als Repetitorium und zur Prüfungsvorbereitung, dient aber auch Interessierten als Einführung in die Psychiatrie. Er orientiert sich an der ICD-10-Klassifikation der WHO.
Zielgruppe
Studierende der Medizin und der Klinischen Psychologie.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
1;Inhaltsverzeichnis;6
2;Vorwort zur 3. Auflage;12
3;Vorwort zur 2. Auflage;13
4;Vorwort zur 1. Auflage;14
5;1 Einführung in die Psychiatrie;16
5.1;1.1 Was ist Psychiatrie?;16
5.2;1.2 Heute vorherrschendes Krankheitsmodell in der Psychiatrie;18
6;2 Gesprächsführung und Exploration;20
6.1;2.1 Allgemeines;20
6.2;2.2 Psychiatrische Anamnese;21
6.3;2.3 Psychopathologie im Dialog;22
7;3 Übersicht über psychopathologische Symptome;24
7.1;3.1 Bewusstseinsstörungen;24
7.2;3.2 Orientierungsstörungen;25
7.3;3.3 Gedächtnisstörungen;26
7.4;3.4 Aufmerksamkeits- und Konzentrations-störungen;27
7.5;3.5 Wahrnehmungsstörungen;28
7.6;3.6 Denkstörungen;29
7.6.1;3.6.1 Formale Denkstörungen;29
7.6.2;3.6.2 Inhaltliche Denkstörungen (v. a. Wahn);30
7.7;3.7 Ich-Störungen;31
7.8;3.8 Störungen der Affektivität;32
7.9;3.9 Antriebsstörungen;33
7.10;3.10 Psychomotorische Störungen;33
7.11;3.11 Störungen im psychobiologischen Bereich (vegetative Funktionen, Sexualität, Schlaf, Appetit);34
7.12;3.12 Weitere umschriebene Symptome;35
7.13;3.13 Symptom, Syndrom, Nosologie;35
8;4 Therapie psychischer Störungen;38
8.1;4.1 Allgemeines;38
8.2;4.2 Psychotherapie;39
8.2.1;4.2.1 Psychoanalyse und andere tiefenpsychologisch (psychodynamisch) orientierte Therapien;40
8.2.2;4.2.2 (Kognitive) Verhaltenstherapien;41
8.2.3;4.2.3 Systemische Therapie;43
8.2.4;4.2.4 Andere psychotherapeutische Verfahren (Auswahl);44
8.3;4.3 Somatische (biologische) Therapie;45
8.4;4.3.1 Psychopharmakotherapie;45
8.4.1;4.3.2 Sonstige somatische Therapiemethoden;55
8.5;4.4 Soziotherapie und Rehabilitation;55
9;5 Organisch bedingte psychische Störungen;58
9.1;5.1 Allgemeines;58
9.2;5.2 Demenz;59
9.2.1;5.2.1 Allgemeines zur Demenz;59
9.2.2;5.2.2 Klinik der Demenz;60
9.2.2.1;5.2.2.1 Neurodegenerative Demenzen;62
9.2.2.2;5.2.2.2 Vaskuläre Demenzen;65
9.2.2.3;5.2.2.3 Rasch progrediente, subkortikale, gemischte,sekundäre Demenzen;66
9.2.3;5.2.3 Diagnose der Demenz;68
9.2.4;5.2.4 Therapie der Demenz;70
9.3;5.3 Organisches amnestisches Syndrom;70
9.3.1;5.3.1 Klinik des amnestischen Syndroms;70
9.3.2;5.3.2 Ursache und strukturelles Korrelat des amnestischen Syndroms;71
9.3.3;5.3.3 Therapie des amnestischen Syndroms;72
9.4;5.4 Delir;72
9.4.1;5.4.1 Klinik des Delirs;72
9.4.2;5.4.2 Ursachen von Delirien;73
9.4.3;5.4.3 Differentialdiagnose des Delirs;74
9.4.4;5.4.4 Therapie des Delirs;74
10;6 Störungen durch psychotrope Substanzen (Suchtkrankheiten);76
10.1;6.1 Allgemeines;76
10.2;6.2 «Suchtverhalten»;77
10.2.1;6.2.1 Störungsbilder infolge psychotroper Substanzen(«Suchtmittel»);78
10.3;6.3 Abhängigkeit und Missbrauchvon legalen Substanzen;81
10.3.1;6.3.1 Alkoholismus;81
10.3.1.1;6.3.1.1 Allgemeines zum Alkoholismus;81
10.3.1.2;6.3.1.2 Klinik des Alkoholismus;82
10.3.1.3;6.3.1.3 Assessment des Alkoholismus;86
10.3.2;6.3.2 Therapie des Alkoholismus;87
10.3.3;6.3.3 Abhängigkeit von Sedativa und Hypnotika;89
10.3.4;6.3.4 Nikotinabhängigkeit;90
10.4;6.4 Abhängigkeit und Missbrauchvon illegalen Drogen;90
10.4.1;6.4.1 Epidemiologie;90
10.4.2;6.4.2 Abhängigkeit von Opiaten;91
10.4.2.1;6.4.2.1 Klinik des Opiatmissbrauchs;92
10.4.2.2;6.4.2.2 Therapie der Opiatabhängigkeit;93
10.4.3;6.4.3 Cannabis;94
10.4.3.1;6.4.3.1 Allgemeines;94
10.4.3.2;6.4.3.2 Klinik des Cannabis-Konsums;94
10.4.3.3;6.4.3.3 Therapie;95
10.4.4;6.4.4 Kokain;95
10.4.4.1;6.4.4.1 Allgemeines;95
10.4.4.2;6.4.4.2 Klinik des Kokaingebrauchs;96
10.4.4.3;6.4.4.3 Therapie der Kokainabhängigkeit;97
10.4.4.4;6.4.5 Amphetamine und MDMA;97
10.4.4.5;6.4.5.1 Klinik des MDMA-Konsums;98
10.4.5;6.4.6 Halluzinogene;98
10.4.5.1;6.4.6.1 Klinik des Konsums von Halluzinogenen;99
10.4.5.2;6.4.6.2 Therapie;99
10.4.6;6.4.7 Lösungsmittel;99
11;7 Schizophrenien;100
11.1;7.1 Allgemeines;100
11.2;7.2 Klinik der Schizophrenien;101
11.3;7.3 Ursachen der Schizophrenien;106
11.4;7.4 Diagnose und Differenzialdiagnostikder Schizophrenien;108
11.5;7.5 Therapie der Schizophrenien;111
11.5.1;7.5.1 Allgemeines;111
11.5.2;7.5.2 Psychopharmakotherapie;112
11.5.3;7.5.3 Psychotherapie;114
11.5.4;7.5.4 Rehabilitation;115
12;8 Affektive Störungen;116
12.1;8.1 Allgemeines;116
12.2;8.2 Depressive Episode;117
12.2.1;8.2.1 Einführung;117
12.2.2;8.2.2 Klinik der depressiven Episode;117
12.2.3;8.2.3 Ursachen der depressiven Episode;119
12.2.4;8.2.4 Diagnose der depressiven Episode;120
12.2.5;8.2.5 Allgemeine Behandlungsprinzipien der Depression;122
12.2.6;8.2.6 Somatische Therapie der Depression;122
12.2.7;8.2.7 Psychotherapie der Depression;124
12.3;8.3 Manie;125
12.3.1;8.3.1 Allgemeines zur Manie;125
12.3.2;8.3.2 Klinik der manischen Episode;126
12.3.3;8.3.3 Diagnose der Manie;126
12.3.4;8.3.4 Therapie der Manie;127
12.4;8.4 Bipolare affektive Störung;129
12.4.1;8.4.1 Allgemeines zur bipolaren affektiven Störung;129
12.4.2;8.4.2 Klinik der bipolaren affektiven Störung;129
12.4.3;8.4.3 Therapie der bipolaren affektiven Störung;130
12.5;8.5 Andere affektive Störungen;130
13;9 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen;132
13.1;9.1 Angststörungen;132
13.1.1;9.1.1 Phobien;133
13.1.2;9.1.2 Panikstörung;135
13.1.3;9.1.3 Generalisierte Angststörung;136
13.2;9.2 Zwangsstörungen;137
13.3;9.3 Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen;138
13.3.1;9.3.1 Akute Belastungsreaktion;139
13.3.2;9.3.2 Posttraumatische Belastungsstörung;139
13.3.3;9.3.3 Anpassungsstörungen;140
13.3.4;9.3.4 Andauernde Persönlichkeitsänderungnach Extrembelastung;141
13.4;9.4 Dissoziative Störungen;141
13.5;9.5 Somatoforme Störungen;142
14;10 Störungen im psychobiologischen Bereich (v. a. Ess-, Schlaf- und sexuelle Störungen);144
14.1;10.1 Essstörungen;144
14.1.1;10.1.1 Anorexia nervosa;146
14.1.2;10.1.2 Bulimia nervosa;146
14.1.3;10.1.3 Atypische Essstörungen (eating disorders not otherwise specified, EDNOS);147
14.2;10.2 Schlafstörungen;147
14.2.1;10.2.1 Dyssomnien;148
14.2.2;10.2.2 Parasomnien;149
14.3;10.3 Sexuelle Störungen;149
15;11 Persönlichkeitsstörungen;152
15.1;11.1 Allgemeines;152
15.2;11.2 Cluster-A Persönlichkeitsstörungen;155
15.3;11.3 Cluster-B Persönlichkeitsstörungen;155
15.4;11.4 Cluster-C Persönlichkeitsstörungen;156
16;12 Kinder- und jugendpsychiatrische Störungsbilder;158
16.1;12.1 Umschriebene Entwicklungsstörungender Sprache;159
16.2;12.2 Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten;159
16.3;12.3 Tief greifende Entwicklungsstörungen;159
16.4;12.4 Expansive Verhaltensstörungen;160
16.5;12.5 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend;160
16.6;12.6 Weitere, vorwiegend jugendpsychiatrische Aspekte;162
16.7;12.7 Intelligenzminderung;163
17;13 Forensische Psychiatrie;164
17.1;13.1 Zivilgesetzbuch;164
17.1.1;13.1.1 Urteilsfähigkeit;164
17.1.2;13.1.2 Vormundschaftliche Maßnahmen;165
17.1.3;13.1.3 Fürsorgerische Freiheitsentziehung (FFE);166
17.2;13.2 Strafgesetzbuch (StGB);168
17.2.1;13.2.1 Schuldfähigkeit;168
17.2.2;13.2.2 Therapeutische Massnahmen und Verwahrung;169
18;14 Psychiatrische Notfälle;172
18.1;14.1 Grundsätze für die Behandlung psychiatrischer Notfälle;172
18.2;14.2 Suizidgefahr;174
18.3;14.3 Erregungszustände;176
18.4;14.4 Pharmakogen bedingte Notfallsituationen;177
18.5;14.5 Drogennotfälle;178
19;Weiterführende Literatur;180
20;Sachverzeichnis;184
2Gesprächsführung und Exploration
2.1 Allgemeines
Das Gespräch ist ein Hauptinstrument des Psychiaters. Es hilft, einen Eindruck über das seelische Befinden eines Menschen zu gewinnen und dieses allenfalls zu verändern. Zwar können in einer psychiatrischen Untersuchung auch andere Untersuchungsmittel (psychologische Testverfahren, Laborabklärungen etc.) eingesetzt werden, der direkte persönliche Kontakt ist aber in der Regel die Basis für eine psychiatrische Beurteilung und Behandlung.
Im Folgenden wird versucht, auf einige besonders wichtige Punkte der psychiatrischen Gesprächsführung hinzuweisen:
1. Patienten sind im Allgemeinen zu Beginn des Erstkontaktes bereit, sehr viel Information über ihr Leiden zu geben. Es ist sinnvoll, zu Beginn den Patienten reden zu lassen und das Gespräch nicht mit häufigen Zwischenfragen zu unterbrechen. Viele Patienten sind nervös und werden durch regelmäßiges Nachfragen verunsichert.
2. Der Gesprächsstil muss an das Störungsbild des Patienten angepasst werden. Dabei gilt die Faustregel: Je schwerer die Störung (psychotisch, delirant, dement), desto strukturierter und klarer hat das Gespräch zu erfolgen. Der Patient sollte nicht überfordert, sondern beruhigt werden.
3. Grundsätzlich ist es wichtig, empathisch auf das Leiden des Patienten einzugehen. Doch auch für den Patienten unangenehme Inhalte sollten angesprochen werden, wenn sie diagnostische oder therapeutische Relevanz besitzen. Ein solches konfrontatives Vorgehen kann z. B. bei Patienten mit einer Suchtproblematik indiziert sein.
4. Jedes Gespräch wird von beiden Gesprächsteilnehmern beeinflusst. Es ist nicht möglich, eine völlig neutrale oder objektive Position einzunehmen. Auch sehr gut geschulte und erfahrene Therapeuten reagieren z.B. mit Antipathie auf bestimmte Patienten. Es ist die Ursache dieser Gefühle zu reflektieren und diese Überlegungen in Diagnose und Behandlungsplanung einfließen zu lassen.
5. In einem Gespräch ist sowohl die verbale als auch die nonverbale Kommunikation zu beachten und zwar sowohl auf Seiten des Patienten als auch bei sich selber. Bei gewissen psychischen Krankheiten, wie z. B. bei der Depression, spielt die Störung der nonverbalen Kommunikation und des psychomotorischen Ausdrucks (Mimik, Gestik u.a.) eine besondere Rolle.
6. Gegen Ende des psychiatrischen Gesprächs muss der Patient die Möglichkeit haben, selber Fragen zu stellen oder Aspekte seines Lebens anzusprechen, die er noch erwähnen möchte. Darauf fasst der Therapeut die gewonnenen Informationen zusammen und bespricht das weitere Vorgehen. Der Patient soll sich durch die vorläufige Beurteilung seiner Situation verstanden und nicht verunsichert fühlen (besonders wichtig bei psychotischen Patienten).
7. Vor allem bei schweren Störungen kann es notwendig sein, weitere Personen zu befragen. Der Einbezug z. B. der nächsten Angehörigen ist dann von großer Bedeutung, wenn der Patient die Realitätskontrolle eingebüßt hat (z.B. bei Demenzen, Delirien etc.) und/oder eine vitale Gefährdung besteht, der Patient sich aber nicht ausdrücken kann oder will.
2.2 PsychiatrischeAnamnese
In der psychiatrischen Anamnese gilt es die folgenden Aspekte des aktuellen Leidens zu erfassen:
1. den Anlass zur Konsultation bzw. Hospitalisation
2. den Beginn der Störung bzw. des aktuellen Leidens
3. auslösende Ereignisse
4. allfällige längerdauernde Belastungssituationen
5. den Verlauf der Störung
6. die Folgen für die Arbeitsfähigkeit
7. die Auswirkungen auf soziale Beziehungen
8. die Art der evtl. vorausgegangenen Behandlung
9. familiäre Vorbelastungen
Daneben ergeben sich weitere Fragen und Abklärungen, die sich nach der Verdachtsdiagnose richten. So wird man z.B. bei Hinweisen auf ein amnestisches Syndrom gezielt das Gedächtnis prüfen oder bei Symptomen, die eine Depression vermuten lassen, nach Schlafstörungen, Appetitveränderungen, Energiemangel, Müdigkeit usw. fragen.
Frühere psychiatrische Anamnese: Nach Erfassen des aktuellen Leidens kann zur Frage übergeleitet werden, ob ähnliche (oder andere) psychische Probleme schon früher aufgetreten sind. Auch interessiert, wie sich der Patient als Person selber charakterisiert (auch außerhalb des aktuellen Leidens) und wie er seine Problematik erklärt.
Allgemeine Anamnese: Für einen kurzen Überblick über die Lebensgeschichte des Patienten empfiehlt es sich, chronologisch vorzugehen. Man beginnt mit Fragen zur frühen Kindheit, fährt fort mit der Schulzeit und der Berufsbildung etc. Die Beziehung zu Eltern, Partnern, Kindern sowie anderen wichtigen Bezugspersonen wird ebenfalls geklärt. Es ist wichtig, das allfällige Vorliegen psychischer Störungen (wie Depressionen, Manien, Schizophrenien, Suchterkrankungen oder Demenzen) in der Familie zu erfragen. Ferner sind somatische Krankheiten, soweit sie für den Patienten einschneidende Erlebnisse darstellen oder sein aktuelles Leiden mit beeinflussen könnten, in der allgemeinen Anamnese zu erfassen.
2.3 Psychopathologie im Dialog
Die Zuordnung des veränderten Erlebens und Verhaltens eines Patienten zu psychopathologischen Begriffen soll dessen Leiden nicht schematisieren, sondern einer «gemeinsamen Sprache» sowie der Diskussion, Forschung und Dokumentation dienen.




